Wer an das Angeln in Norwegen denkt, hat meist dicke Meeresruten mit starkem Rückgrat und grobe Multirollen vor Augen, und eher seltener eine Spinnrute, wie man sie auch aus heimischen Gewässern kennt. Aber wie wäre es mal eine Nummer leichter? Es gehört natürlich schon eine Portion Mut dazu, sich am Bootssteg in Norwegen mit der leichten Spinnrute blicken zu lassen. Doch die Blicke und das Gelächter der „Spezis“ sind es wert, wenn man später erfolgreich in den Hafen einläuft – wer zuletzt lacht, lacht eben am besten!

Bild: C. Niemann
Drillen, bis die Arme schmerzen – leichtes Spinnangeln in Norwegen bedeutet Adrenalin pur!
Leichtes Spinnangeln in Norwegen ist super erfolgreich und verspricht Adrenalin pur. Und nur weil man leicht fischt, heißt das nicht, dass die Zielfische kleiner sind! Das wissen aber leider nur die wenigsten. Der Glaube, dass man nur mit schwerem Gerät in Norwegen fangen kann, ist immer noch in den Köpfen vieler Angler fest verankert. Daher fischen viele Leute in Norwegen oft immer noch viel zu schwer. Ultradicke Schnüre und halbkiloschwere Pilker sind oft nicht die beste Wahl, wenn es darum geht, gut zu fangen. Und die Angler wundern sich dann am Abend, warum die Fischkisten nicht gut gefüllt sind.
Wie sollte eine Spinnrute für Norwegen aussehen?
Hier gibt es keine wirklich allgemeingültige Antwort, denn das Gerät richtet sich auch ein wenig nach den verwendeten Ködern, Zielfischen und nicht zuletzt auch nach dem Revier. Für die meisten Situationen kommen Sie mit einer Rute zwischen 60 und 100 g Wurfgewicht gut zurecht. Dafür eignen sich auch Spinnruten aus dem heimischen Süßwasser, am besten aber mit einer nicht allzu harten Aktion – etwa viele Hechtruten. Ein etwas höheres Wurfgewicht erlaubt auch die Verwendung schwerer Köder, wie kleine Pilker oder schwere Köpfe bei Gummiködern. Ohne, dass man beim Wurf aufpassen muss.

Bild: J. Müller
An einer etwas kräftigeren Spinnrute werden kleine Pilker zu absoluten Weitwurfgeschossen, die auch Seitenwind gut trotzen.
Sollte ein guter Fisch einsteigen, bietet die Rute auch mehr Reserven im Drill. Für Wobbler, Meerforellenblinker und leichtere Gummiköder reicht aber auch eine Rute mit ca. 40 g Wurfgewicht völlig aus. Die Rolle wird so ausgewählt, dass die Rute damit möglichst gut ausbalanciert ist, meist liegen Sie mit Rollen der Größe 3000-4000 richtig.
Spulen Sie eine dünne Geflochtene von ca. 0,15 mm auf und schalten Sie am besten via FG-Knoten oder Slim-Beauty noch eine lange monofile Schlagschnur als Abriebschutz vor – schon sind Sie bereit für ein Spinn-Abenteuer im Norden.

Bild: F. Pippardt
Ob vom Ufer oder vom Boot – eine Spinnrute macht in Norwegen oft eine tolle Figur!
Norwegen-Hotspots für die Spinnrute
Für Light-Tackle-Angler gibt es keine festen Beißzeiten. Es beißt immer! Im Gegensatz zum Angeln an Unterwasserbergen und Kanten weit draußen im Meer, befischt man an reißenden Salzwasser-Wirbeln (Straumen), Klippen und Tangwäldern Standfische, die immer Hunger haben. Sie streunen an diesen Hot-Spots umher und warten auf Kleinfisch, der sich im Schutze dieser Strukturen aufhält.
Gezupfte Wobbler oder Meerforellenblinker sind genau das Richtige, um solche Räuber auf die Schuppen zu legen. Diese Stellen befischt man am besten vom langsam treibenden Boot aus. Driftet das Boot zu schnell, sind Driftsäcke geeignet, um langsamer und gründlicher fischen zu können.

Wer ein Boot hat, hats gut. Aber es muss nicht immer weit draußen geangelt werden: Auch solche Ufer-Spots sollte man beim Spinnangeln in Norwegen unbedingt befischen!
Uferangeln als Schlechtwetter-Alternative
Die Spinnrute ist auch eine gute Gelegenheit, potentielle Ausfalltage doch noch in Fangtage zu verwandeln. Wenn der Wind weiße Schaumkronen auf das Wasser zaubert, ist es auf dem rauen Nordatlantik nicht gerade angenehm. Wer zu Seekrankheit neigt, hat dann keinen Spaß auf See und auch an die Sicherheit an Bord sollte – bei aller Liebe zum Angeln – immer gedacht werden.
Doch, statt Kartenspielen kann man solche Tage auch einfach zum Uferangeln nutzen. Oft finden sich passende Spots. Und wenn es nur der Bootssteg der Anlage ist. Versuchen Sie ihr Glück – und vielleicht werden Sie ja positiv überrascht und drillen schon bald feiste Gegner an der leichten Rute!
Fische stehen in jeder Tiefe!
Da man niemals weiß, in welcher Wassertiefe die Fische gerade auf Raub gehen, ist es wichtig, gründlich in jeder Tiefe zu suchen. Die Norweger schwören dazu auf 35 bis 50 Gramm schwere „Atomsilda“ in Schockfarben. Diese werfen sie in Richtung Ufer und führen sie gezielt die Kante hinunter.
Aber Vorsicht: Die Ufer sind steinig und oft überwuchert mit Tang und Algen – um unnötige Köderverluste und Abrisse zu verhindern, ist ein langes, ca. o,50 mm starkes Fluorocarbon– oder Mono-Vorfach Pflicht! Während sich raubende Pollacks und Seelachse tagsüber in Tiefen um 15 Meter fangen lassen, kann man in der Dämmerung schon ganz dicht unter der Wasseroberfläche mit aggressiven Bissen rechnen. Dann lohnt sich auch der Einsatz von klassischen Twitchbaits und flachlaufenden Wobblern. Sogar Spinner und Gummifische sind dann äußerst fängig.

Kleine Pilker, Gummiköder und Wobbler: Mit dieser Auswahl an Kunstködern ist man mit der Spinnrute in Norwegen bestens gerüstet.
Norwegen: Finesse mit Spinnrute
Wenn Sie gerne Überraschungen mögen, dann fischen Sie beim Spinnangeln in Norwegen unbedingt mal Makrelenfetzen am Drop-Shot-System oder dem Carolina-Rig. Das ist wie dauerhaftes Geschenke auspacken! Und auch eine super Möglichkeit, um eine Beißpause ganz schnell in eine Beißphase zu verwandeln. Außerdem lassen sich die Finesse-Rigs auch vielseitig vom Ufer oder auch vom Boot aus einsetzen.
Die Bisse sind knallhart und das Beste: Man weiß nie, was man als nächstes fängt! Denn feines Naturköderangeln spricht fast alle Bewohner des Nordmeeres an. Kaum ein Fisch sagt dazu nein, was diese Angelei besonders spannend macht. Die Montagen sollten dabei aber etwas rustikaler gebunden werden als beim heimischen Angeln auf Barsch und Zander. 0,40–0,50er Schnur darf gerne als Vorfach verwendet werden. Die Gewichte richten sich dabei natürlich nach der Angeltiefe und dürfen ebenfalls schwerer gewählt werden als im heimischen Süßwasser. Im Vergleich zu den typischen Naturköder-Rigs an der 30-lb-Bootsrute ist das aber immer noch astreines UL-Angeln!
Wilde Kämpfer an leichten Ruten
Hechtspinnruten mit einem Wurfgewicht zwischen 60 und 100 Gramm, kombiniert mit einer kleinen Multi oder einer mittleren Staionärrolle, garantieren den ultimativen Drill- und Angelspaß. An einer feinen Geflochtenen, lassen sich kleine Jigs, Wobbler, Meerforellenblinker und Spinner weit werfen und gefühlvoll und ausdauernd fischen.
Seetang, schroffe Felsen und messerscharfe Raubfischzähne sind des Anglers größter Feind: Monofiles Vorfachmaterial, vorzugsweise Fluorocarbon, ist deshalb Pflicht. Driftsäcke und Echolote gehören leider nicht immer zur Standardausrüstung der Boote, sind jedoch wirklich wichtig. Wer sich aber vorher informiert, kann sich darauf einstellen und das nötige Material mitbringen.

Wenn solche Kämpfer wie dieser Pollack auf das leichte Geschirr einsteigen, ist Drillspaß garantiert!
Die beste Zeit und Spots für die Spinnrute in Norwegen
Die beste Jahreszeit zum Light-Tackle-Fischen in Norwegen sind die Monate von Mai bis September. Byrknes gilt zum Beispiel als ausgezeichnetes Revier für diese Art der Angelei. Die Insel liegt ca. eine Autostunde von Bergen entfernt. Am bequemsten ist die Anreise mit Fjord Line von Hirtshals nach Bergen.
Doch egal ob West-, Mittel- oder gar Nordnorwegen – fast jedes Revier in Norwegen hält passende Spots für die Spinnrute bereit. Das können flache Bereiche, Untiefen und Unterwasserberge, steile Kanten aber auch betonierte Strukturen und Stege sein. Die Spinnrute lässt sich überall hervorragend einsetzen, vom Ufer und auch vom Boot.
Fein angeln im norwegischen Süden
Der Süden Norwegens ist wegen des vergleichsweise milden Klimas und der schnellen Erreichbarkeit bei vielen Norwegenfahrern beliebt. Der Süden punktet mit fischiger Vielfalt, doch die Durchschnittsgröße der meisten Zielfische wie Dorsch, Köhler und Pollack ist hier nicht ganz so groß wie im Norden des Landes. Gerade in Südnorwegen punktet daher feines Angeln und 30-Pfund-Ruten erscheinen bei genauer Betrachtung völlig überdimensioniert, um Fische, die fast ausschließlich im einstelligen Kilobereich liegen, zu beangeln.
Nicht nur der Drill ist mit dem schwerem Gerät langweilig, auch das Angeln selbst ist in der Regel viel weniger erfolgreich, wenn mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird. Lassen Sie also gerade beim Angeln in Südnorwegen die Spinnrute auf keinen Fall zu Hause! Die Fänge werden es Ihnen danken und die Drills am leichten Gerät sind umso spritziger!
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