Steckbrief Steinbutt

Besonders auffällig ist der fast kreisrunde ­Körper des Steinbutts, der in derartiger ­Ausprägung bei keinem anderen Plattfisch zu finden ist. Die Unterseite ist weiß, die Oberseite wechselt je nach Untergrund die Färbung.

Wo und wann Bloß keine falschen Hoffnungen: Es ist nicht einfach, einen Steinbutt zu erwischen. In der Ostsee beispielsweise glücken Fänge meist dann, wenn man gar nicht damit rechnet etwa beim Dorschpilken oder Naturköderangeln auf Scholle oder Flunder im mitteltiefen Wasser.
Andererseits gibt es Stellen, die durchaus steinbutträchtig sind. Dazu zählen Riffkanten, Wracks, Rinnen und Bänke, kurz alle Stellen, an denen ein gleichförmiger Untergrund sich plötzlich ändert und starke Unregelmäßigkeiten aufweist. Diese Plätze liebt der Steinbutt, und zwar so sehr, daß er als standorttreuer Geselle von hier aus nur zu kürzeren Freßausflügen aufbricht.
Wer gezielt auf den großen Plattfisch mit den auffälligen Knochenhöckern auf dem Rücken aus ist, der hat an der Nordsee und rund um die britischen Inseln weitaus bessere Chancen als in der Ostsee. Steinbuttangeln ist meist Bootsangeln. Doch in Holland, besonders in Seeland im Bereich von Ooster- und Westerschelde, werden auch beim Brandungsangeln immer wieder schöne Steinbutts gefangen. Natürlich wird man auch hier zunächst Schollen und Flundern erwischen, aber mit etwas Glück ist dann auch der ersehnte Steinbutt dabei.
Mit dem Angelkutter steigen die Chancen allerdings beträchtlich, denn die Kutter­kapitäne kennen die Bänke, auf denen die dicken Butts gerne nach kleinen Fischen jagen. Noch weiter nach Südwesten erreicht man dann eines der besten Steinbutt-Reviere überhaupt, nämlich die Gewässer um die britischen Kanalinseln. Hier ist der Untergrund stark gegliedert: Zwischen den zerklüfteten Felsen sind immer wieder kleine Sandbänke eingelagert, und diese Mischung lockt den Steinbutt. Zwar werden einige dieser Topstellen intensiv beangelt, doch es wandern immer wieder Fische nach.
Die Bänke um die Inseln Guernsey und Jersey sind übrigens auch für ihre guten Pollackbestände bekannt. Manchmal gehen rund um Guernsey sogar Steinbutts an den Haken, die über 20 Pfund wiegen; das sind Fische, die wollen erst einmal bezwungen werden. 
Eine klar abgegrenzte Saison gibt es nicht. In der Nordsee und rund um die Kanalinseln sind der Mai und die Herbstmonate die beste Angelzeit, oft allerdings mit Ausnahme der etwas lauen Hochsommermonate Juli und August. Vor allem im Herbst hat man in den noch warmen Gewässern um Guernsey allerbeste Chancen, gleich drei kampfstarke Sportfische zu fangen: Pollack, Wolfsbarsch und Steinbutt.

Die platten Räuber sind Meister der Tarnung und schnappen extrem schnell zu.

Die platten Räuber sind Meister der Tarnung und schnappen extrem schnell zu.

Wie und womit Ein Patentrezept für den Steinbutt-Fang gibt es nicht aber eine simple Erkennntnis: Wer viel angelt, der fängt irgendwann auch seine Steinbutts. Zusätzlich kann man dem Glück nachhelfen, indem man (zum Beispiel mit Hilfe Einheimischer) erfolgversprechende Plätze ausfindig macht.
Auch durch die richtige Köderwahl lassen sich die Chancen weiter vergrößern: Ein Sandaal ist der optimale Leckerbissen, um einen schönen Steinbutt zu verführen. Den Sandaal bietet man an einem großen Meereshaken (Größe 4/0 bis 6/0) über Grund an. Am meisten Spaß macht das Angeln vom Boot aus mit einer Laufbleimontage genau wie bei Scholle und Flunder, nur daß alles zwei Nummern größer sein sollte. Ein großer Locklöffel vor dem Haken vergrößert die Chancen enorm. Die Schnur sollte 0,350,40 mm Durchmesser haben, auch Rute und Rolle müssen entsprechend solide ausgelegt sein. Damit sich Blei und Vorfach nicht verwickeln, benutzt man sicherheitshalber einen langen Running-boom. Das Vorfach sollte möglichst lang sein, drei Meter, besser vier dann spielt der Köder besser, und das ist ganz wichtig.
Diese lange Montage muß man gaaanz vorsichtig hinablassen; wer alles mit Karacho hinuntersausen läßt, darf sich trotz Anti-Verwicklungs-Boom nicht wundern, wenn sich der Köder um die Hauptschnur wickelt. Beim Driften läßt man den Daumen auf der Schnur und fischt mit zarten Zupferchen und viel Gefühl. Bei einem Biß bitte nicht gleich anhauen; ein Steinbutt ist kein Dorsch. Im Gegenteil: Man wartet eine halbe Minute, gibt vielleicht sogar noch die Schnur frei. Erst dann ist man sicher, daß der Steinbutt den Köder tatsächlich geschluckt hat. Jetzt Kontakt aufnehmen und anschlagen.
Sollte dann ein Fisch vom Ausmaß eines Klosettdeckels oder gar einer Satellitenschüssel dransein, sollte man beherzt, aber vorsichtig drillen, vor allem, wenn der Fisch an die Oberfläche kommt. Die Fische stellen sich nämlich gerne mit ihrer großen Körperfläche dem Angler entgegen, und entsprechend groß ist der Druck auf die Schnur. Zur Landung liegt (hoffentlich) ein scharfes Gaff oder ein großer Bootskescher bereit.
Solche „Satelliten-Schüsseln“ fängt man vor der Britischen ­Küste. Der britische Rekordfisch liegt bei etwas über 30 Pfund.

Solche „Satelliten-Schüsseln“ fängt man vor der Britischen ­Küste. Der britische Rekordfisch liegt bei etwas über 30 Pfund.

Auch ein Makrelenfetzen gibt einen guten Steinbuttköder ab. Ob Sandaal oder Makrelenfetzen: Wichtig ist, daß man den Köder verführerisch bewegt. Ein reglos im Wasser baumelnder Köder macht den Steinbutt nicht an. Auf bewegte Happen dagegen beißt er gierig.
Das gilt auch für Kunstköder. Steinbutts beißen selbst auf mittelgroße Pilker, wie jeder weiß, der beim Dorschangeln vom Kutter schon mal einen der großen Platten erwischte. Einige skandinavische Angler schwören daher auf eine Kunst-Natur-Kombination: Sie verzieren ihren Drilling am Pilker mit einem Makrelenfetzen und pilken so vom Boot aus über den Steinbuttplätzen.
Und was tun Brandungsangler? Sie reisen nach Holland oder England und besorgen sich Makrelen. Denn mit Fischfetzen, die gut in der Strömung spielen, erwischen Brandungsangler an der holländischen oder britischen Nordseeküste auch mal einen Steinbutt. Mit Wattwürmern hat man dagegen nur schlechte Chancen.

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