Steckbrief Karpfen

Karpfen lassen sich zu jeder Jahreszeit fangen. Selbst im Winter werden sie von Spezialisten immer wieder gezielt erbeutet, vor allem dort, wo Warmwasser von Kraftwerken in die Gewässer geleitet wird.

Karpfen lassen sich über das ganze Jahr fangen und schmecken. Hier auf dem Foto zu sehen, ein Schuppenkarpfen. Foto: Blinker

Karpfen lassen sich über das ganze Jahr fangen und schmecken. Hier auf dem Foto zu sehen, ein Schuppenkarpfen. Foto: Blinker

Aussichtsreiches Winterangeln in Naturgewässern hingegen setzt einen guten Karpfenbestand, nicht zu viel Naturnahrung und genaue Gewässerkenntnis durch den Angler voraus. Meist sammeln sich die Karpfen im Winter zu größeren Schwärmen und bewegen sich nur wenig. Der Köder muß deshalb dicht am Winternest platziert werden, sparsames, regelmäßiges Anfüttern hält die trägen Fische wach. Am späten Nachmittag und frühen Abend darf am ehesten mit Bissen gerechnet werden. Unangenehm feucht-windige Wetterlagen sind gut, während stille, klare Frosttage die Chancen gegen Null sinken lassen. Die meisten Karpfen werden jedoch zwischen Frühjahr und Spätherbst gefangen.

Bei Wassertemperaturen deutlich über 10 Grad suchen die Fische aktiv nach Nahrung und werden dabei in Seen von Unregelmäßigkeiten in der Gewässerstruktur magisch angezogen. In Kies- und tiefen Stauseen können dies beispielsweise Plateaus, Kanten, Unterwasserberge und Steilabbrüche sein, in Flachseen vor allem Mulden, Rinnen, Pflanzenfelder oder Muschelbänke. In Fließgewässern sind flache, seichte und seerosenbestandene Buchten ebenso interessant wie der Auslaufbereich von Kurven, Mündungen von Seitengewässern, Kühlwassereinläufe oder Mulden im sonst einförmigen Gewässergrund.

Einen großen Einfluß auf die Erfolgschancen beim Karpfenangeln vor allem in stehenden Gewässern hat auch der Wind. Bewährt haben sich folgende Regeln: Im Frühjahr, Sommer und Herbst folgen die Karpfen dem Wind, wenn er wärmer als das Wasser ist. Ist er jedoch kälter, weichen die Fische auf windgeschützte Abschnitte aus. Bei Windstille trifft man die Karpfen dort an, wo sie sich sicher fühlen: versunkene Bäume, Pflanzen- und Seerosenbetten oder auch ganz einfach nur wenig befischte Abschnitte eines Gewässers. Wenn im Sommer abends der Wind einschläft, finden sich die Fische nicht selten dort ein, wo die Oberflächendrift Getreibsel aller Art angesammelt hat. Dort sind sie auf Oberflächenköder zu überlisten.


Gerade Karpfenangler sollten aber immer die Augen offenhalten: Bugwellen, aufgewühlter Grund, kahle Stellen innerhalb verkrauteter oder verschlammter Gewässerabschnitte, Fraßtrichter im Grund, Schwalle an der Oberfläche oder Bewegung im Schilf sind Hinweise auf aktive Karpfen und auf deren Freßplätze.

Ein so schöner „Bart“ aus vier Barteln zeichnet alle Karpfen aus. Foto: pixabay

Ein so schöner „Bart“ aus vier Barteln zeichnet alle Karpfen aus. Foto: pixabay

Wie und womit auf Karpfen

Die derzeit erfolgreichste Form des Karpfenangelns ist der Ansitz mit Festbleimethode und Haarmontage. Das Prinzip: Der Köder sitzt nicht direkt auf dem Haken, sondern ist durch ein spezielles Schnurstück, das Haar, mit ihm verbunden. Faustregel: Der Abstand zwischen Haken und Köder soll anfangs etwa einen Zentimeter betragen und muß dann in Abstimmung auf das Beißverhalten variiert werden. Durch das Ansaugen des Köders zieht der Karpfen den unbeköderten Haken am Haar mit ins Maul. Bei der folgenden Flucht läuft der Fisch gegen das 80 bis 150 Gramm schwere, fest auf der Schnur fixierte Bleigewicht und hakt sich so selbst. Als Köder haben sich Boilies durchgesetzt, dennoch werden auch Tigernüsse, Hartmais, Kichererbsen, Hundefutter, Forellenpelletts und sogar Pistazien mit Erfolg verwendet.

Die Festbleimethode ist beim Angeln auf mittlere und große Entfernungen die oftmals einzig sinnvolle. Dennoch lernen Karpfen in stark befischten Gewässern durchaus, die Gefahr zu erkennen, was viele Fehlbisse oder sogar das Ausbleiben der Fische zur Folge hat. Hier hilft das Prinzip Unauffälligkeit: Der Angler kann die Bleie tarnen, indem er sie farblich dem Gewässergrund anpaßt oder sogar mit Klebstoff bestreicht und dann mit Sand einpudert. Abhilfe schaffen ebenso der Einsatz kleinerer Haken bei unveränderter Ködergröße und die Verwendung farblich dem Gewässer angepaßter Vorfächer oder vielfädiger Vorfächer (Multi Strand).
Andere Angler wiederum schwören bei heiklen Fischen auf den Einsatz von Kugelbleien. Der Trick: Das Kugelblei setzt dem Fisch beim Biß sofort die volle Masse entgegen und hakt ihn schnell. Demgegen­über müssen langgestreckte Bleiformen erst vom Fisch gedreht werden. Die dadurch entstehende, minimale Verzögerung reicht heiklen Karpfen bereits aus, um Verdacht zu schöpfen und den Köder unbeschadet wieder auszuspeien.

Trotz Grundangelei mit elektronischen Bißanzeigern, Festblei und Haarmethode gehören nach wie vor auch Posen- und Oberflächenangelei zum Repertoire eines Karpfenanglers. Das Posenangeln kann, wenn es wandernd zwischen mehreren gleichzeitig beschickten Futterstellen oder auf Sicht praktiziert wird, manchmal an einem Nachmittag mehr Karpfen bringen als ein dreitägiger Ansitz auf einem Futterplatz. Beim Pirschen sind kleine Köder wie Dosenmais, Kartoffelstücke, Brotkrusten oder Madenbündel besser als Boilies.

Erfolgreiches Oberflächenangeln ist auf den Sommer und Frühherbst beschränkt, wenn die Karpfen im Flachwasser und an der Oberfläche patrouillieren. Hauptköder ist die Brotkruste oder -flocke, auch wenn manchmal Insekten mit Erfolg eingesetzt werden.
Früher wurde der Köder mit einer Wasserkugel präsentiert, heute hat ihr der sogenannte Controller den Rang abgelaufen. Er ähnelt einer Laufpose, bei der das Vorfach aus dem oberen Ende herausschaut. Die Antenne des Controllers hält das Vorfach hoch, damit nur der eigentliche Hakenköder auf der Wasseroberfläche aufliegt.

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ANGELSEE aktuell ist das einzige Magazin im deutschsprachigen Raum für die stetig wachsende Zahl der Angler, die an Angelseen, auch Forellenteiche genannt, ihre Köder auswerfen.
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