Oben auf

Heißzeit: Jetzt lungern die Karpfen tagsüber an der Oberfläche herum. Seerosen gehören zu den „hottesten Spots“.

Die nächste heiße Zeit kommt bestimmt. Dann sucht Gregor Bradler seine Karpfen tags­über an der Ober­fläche. Wenn er sie gefunden hat, wird die Heißzeit zur Beißzeit.

Langsam treibt die Brotkruste am Seerosenfeld vorbei. Kleine Rot­augen und Döbel haben den ­Köder schon beknabbert, doch jetzt kommt die interessanteste Stelle: Im Schutz der Seerosen stehen fast immer einige Karpfen. Sie warten auf vorbei schwimmendes Futter. Mein Köder ist schon fast vorüber getrieben, als sich ein Schatten aus der Tiefe nach oben schiebt: Karpfen! Ein Schmatz, der Anhieb, ein rasanter Drill. Auf seiner Flucht ussabwärts wird der Karpfen immer schneller, die Schnur auf der Rolle immer weniger. Nur mit großer Mühe hindere ich ihn daran, sich in einem der zahlreichen Krautbetten festzusetzen, was mit hoher Wahrscheinlichkeit den Verlust des Fisches bedeutet hätte. Nach weiteren 15 Minuten bugsiere ich den Karpfen über den Kescherrand: 19 Pfund, kein Leichtgewicht! Danach kann es direkt weitergehen: neue Brotkruste montieren, auswerfen und dem Köder mit etwas Abstand weiter ussabwärts folgen. Mit dieser Methode fange ich an diesem Nachmittag zwei weitere Karpfen von 12 und 14 Pfund. Mehr Bewegung Im Sommer, wenn die Sonne so richtig brennt, ist das Oberächenangeln auf Karpfen die attraktive Alternative zum ­modernen Karpfenangeln in der Tiefe. Denn tagsüber bewegen sich die Karpfen jetzt im Mittelwasser oder ganz oben. Am Grund, wo wir sie mit den herkömmlichen Methoden suchen, nden wir sie nur nachts in der Dunkelheit. Im Gegensatz zum eher unbeweglichen Boilie-Angler ist der Oberächen-Angler ständig in Bewegung: Es gilt das Gewässer Fluss oder See nach interessanten Stellen abzusuchen, an der Wasseroberäche schwimmende Fische ausndig zu machen, diese anzuwerfen und zu fangen. Deshalb führe ich im Sommer ganz anderes Angelgerät mit mir. Der für lange Ansitze obligatorische Rodpod und die Bissanzeiger können zu Hause bleiben. Gefragt ist eine leichte und nicht zu sperrige Ausrüstung, damit man auch durch jedes Dickicht und um jeden Baum herum zu den fängigen Plätzen gelangen kann. Lange, steife Karpfenruten sind dabei nur hinderlich (siehe Gerätekiste).

Den kapitalen Schuppi von 19 Pfund hat Gregor Bradler mit ober?ächlicher Technik verführt.

Den kapitalen Schuppi von 19 Pfund hat Gregor Bradler mit ober?ächlicher Technik verführt.

Leinen los Die Montagen sind denkbar einfach: Plätze, die nicht sehr weit entfernt liegen und die problemlos angeworfen werden können, bescht man am einfachsten mit der freien Leine: Der Haken wird direkt an die Hauptschnur angebunden, man verzichtet auf Schwimmer oder sonstige Biss­anzeiger. Vorteil dieser Methode ist, dass der Karpfen beim Einsaugen des Köders keinen Widerstand verspürt. Muss an einem größeren Gewässer eine weiter entfernt liegende Stelle angeworfen werden, kann man vor den Haken einen so genannten Controller (eine Pose für das Ober­ächenangeln) schalten, der für ein ent­sprechendes Wurfgewicht sorgt und den Biss besser anzeigt. Statt eines solchen Controllers lässt sich auch eine durchsichtige Wasserkugel verwenden. Ihr Vorteil: Das Wurfgewicht lässt sich mit der Füllung der Kugel variieren und den Erfordernissen anpassen. Als Köder bieten sich Brot, schwimmendes Hundefutter und Pop-ups (auftreibende Boilies) an. Die Köder können zusätzlich noch mit Geruchsstoffen behan­delt werden, was die Attrak­tivität steigert. Beim klassischen Brotköder muss man einige Dinge beachten: Weiß- oder Toastbrot ist denkbar ungeeignet, da es sich schnell voll Wasser saugt und nur kurz am Haken bleibt. Auch trockene Brötchen sind nur begrenzt geeignet. Am besten benutzt man die Kruste von noch nicht hart gewordenen dunkleren Brotsorten. Sie hält meistens mehreren Würfen stand, ohne gleich abzufallen.
Der dicke Spiegler nimmt Kurs Oberfläche, und da muss nun auch der Köder hin.

Der dicke Spiegler nimmt Kurs Oberfläche, und da muss nun auch der Köder hin.

Haken frei Bis vor einigen Jahren habe ich den Köder noch direkt auf den Haken gezogen. Nun benutze ich auch beim Oberächenangeln die Haar-Methode. Der Köder wird also nicht auf den Haken gespießt, sondern mit Hilfe einer Boilienadel auf das Haar gezogen. So liegt der Haken komplett frei und kann beim Anhieb besser im Karpfenmaul greifen. Auf diese Weise lässt sich die Zahl der Fehlbisse deutlich reduzieren. Hundefutter lässt sich manchmal schlecht auf das Haar ziehen. Dann benutzte ich ein Bait-Band (das ist ein ­kleiner Gum­miring, der um den Köder gespannt wird). Der Köder ist montiert, jetzt kommt der Wurf. Aber halt, wer jetzt in Versuchung ge­rät, dem Fisch direkt vors Maul zu werfen, der verschreckt ihn sehr wahrscheinlich. Besser ist es, ein wenig über den Karpfen hinweg zu werfen und den Köder dann langsam in die Nähe des schmatzenden Schlundes zu ziehen. Hat der Karpfen den Leckerbissen entdeckt und ist er in Fresslaune, schwimmt er meist zielstrebig auf ihn zu und nimmt ihn auf. Es kann aber auch passieren, dass plötzlich aus der Tiefe ein Fisch auftaucht, den der Angler vorher gar nicht bemerkt hat. Dann beginnt das Herz zu rasen… Das richtige Timing für den Anhieb ist der schwierigste Teil bei dieser Angelei. Schlage ich zu früh an, reiße ich dem Fisch den Köder förmlich aus dem Maul. Bin ich zu spät dran, kann es sein, dass der Karpfen den Köder schon wieder ausgespuckt hat. Mit der Zeit entwickelt man aber das Gefühl für den richtigen Moment. Das Ausdrillen an leichtem Geschirr unterscheidet sich dann doch stark vom Drill mit dem üblichen Karpfengerät. Das Material bietet weniger Sicherheit, man muss entsprechend vorsichtig zu Werke gehen. Unter diesen Voraussetzungen kämpft ein 10-Pfünder nicht selten wie ein 30-Pfünder an der schweren Karpfenrute. Ist der Fisch gelandet, kann man normalerweise beim Karpfenangeln in nächster Zeit an der Fangstelle nicht mit einem weiteren Biss rechnen. Aber der Oberächenangler ist ja mobil und sucht sich den nächsten vielversprechenden Platz. Und dann beginnt das Spiel aufs Neue!

Gerätekiste

Rute: Für das Ober­ächen-Angeln auf Karpfen benutze ich eine leichte bis mittlere Spinnrute von 2,70 m Länge. Viele Rutenhersteller bieten aber auch kürzere, leichte Karpfen­ruten-Modelle von 810 ft. (2,403,00 m) an, mit ­denen man sehr gut in unwegsamem Gelände an der Oberäche auf Karpfen schen kann. Rolle: Es wird keine spezielle Weitwurf- oder Freilaufrolle benötigt. Es genügt eine mittelgroße Stationärrolle mit 0,20er oder 0,25er monoler Schnur. Kescher: Er sollte möglichst klein zusammenklappbar sein, dabei natürlich trotzdem eine ausreichende Bügel­länge aufweisen, um auch Großkarpfen sicher landen zu können.

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