Steckbrief Scholle

Markenzeichen der Scholle sind die roten Punkte, der sie ihren dänischen Namen verdankt. Was sie jedoch von Flunder oder Kliesche am deutlichsten unterscheidet, ist ihre absolut glatte Haut

Wo und wann Der Mai ist gekommen und wir gehen zum Schollenangeln. Denn von Anfang Mai bis Ende September dauert die Schollensaison. Wobei die ­allerbesten, sprich größten ­Exemplare, an unseren Küsten vor allem von Mai bis Juli beißen. Im Winterhalbjahr verziehen sich die Fische dann ins tiefere Wasser, und sind nur noch für fleißige Bootsangler zu erreichen. Doch auch im Sommerhalbjahr ist das Bootsangeln viel erfolgreicher als das ­Brandungsangeln, denn größere Schollen lieben mitteltiefes Wasser: zehn bis 20 Meter wollen sie über ihren Flossen haben. Außerdem mögen Schollen Salz. Ausgesüßte Flußmündungen an den ­Küsten oder die östlichen Teile der Ostsee meidet die ­Scholle, hier fangen wir allenfalls Flundern. Es ist windig, naß und dunkel? So richtig mieses Wetter? Hervorragend. Denn an solchen Tagen herrschen Idealbedingungen zum Schollenfang. Und natürlich nach Einbruch der Dunkelheit, wenn die geschickten Schwimmer besonders aktiv sind und nach Beute spähen. An Tagen mit gleißendem Sonnenlicht glücken dagegen in ­aller Regel nur bescheidene Fänge. Dann ruhen die Platten eingebuddelt im Sand, dösen und warten auf die Abenddämmerung. Allenfalls mit ein paar Tricks (siehe unter Wie und womit) kann man die Fische auch an solchen Schönwettertagen überlisten und zum Zuschnappen verleiten. Aber wo sollen wir die wertvollen Schollen suchen? Antwort: Im Zweifel weiter draußen. Gute Plätze sind meist Sandbänke im Offshore-Bereich, also nicht ­gerade die erste Sandbank hinterm Strand, sondern die Bänke aus Sand und Schlick vor der Küste, wo das Wasser drumherum schon richtig tief ist. Ideal, wenn diese Sandbank in einen felsigen Mischgrund eingelagert ist. Derartige Plätze kennen alle einheimischen Fischer oder die Kutter­kapitäne rund um die Nordsee, die Angeltouren anbieten. Fast schon eine Schollengarantie hat man, wenn über derartigen Off­shore-Bänken auch Sandaale vorkommen. Dann fischt man vom Kutter ­gezielt auf Scholle, und zwar am besten bei auflaufendem Wasser. Die Scholle ist vor allem ein Nordseefisch, man fängt sie über den Sandgebieten rund um Helgoland ebenso wie vor der niederländischen, englischen und schottischen Küste oder entlang des Ärmelkanals. Doch darüber hinaus findet man auch in der dänischen Inselwelt in der Ostsee ausgezeichnete Schollenbänke. Allerdings sind bei den Platten hier die Flundern deutlich in der Überzahl; ähnlich sind die Verhältnisse in der deutschen Ostsee, beispielsweise vor der Küste Fehmarns oder in der Hohwachter Bucht, zwei guten Plattfisch-Revieren. Ganz anders dagegen die ­Bestände am berühmten Gelben Riff weit vor der nordjütländischen Nordseeküste, wo man ohnehin fast alles fangen kann, was Meeresanglern Freude macht. Das Durchschnittsgewicht der Schollen in diesem besten dänischen Hochseeangelrevier liegt bei vier Pfund. Das ist phantastisch. Das Geheimnis dieses hohen Durchschnittsgewichts: Für die großen Fischtrawler, die sonst den Boden der Nordsee nach Plattfischen förmlich umpflügen, ist das Beute­machen hier zu riskant, die Netze könnten zerreißen.

Schollen sind großwüchsig. Wegen starker Befischung erreichen ­jedoch nur noch wenige Exemplare solche Größe.

Schollen sind großwüchsig. Wegen starker Befischung erreichen ­jedoch nur noch wenige Exemplare solche Größe.

Wie und womit Schollen sind meist in Schulen unterwegs. Wo man also eine im Drill hat, dort sollte man bleiben und weiter angeln. Die großen Schollen werden meist beim Bootsangeln gefangen. Bestens bewährt hat sich eine Laufblei-Montage, wobei das Blei an einem Boom (Schleppröhrchen) angebracht wird. Dieser Running boom wird durch eine solide Perle und einen Karabinerwirbel gestoppt. In den Wirbel klinkt man das eigentliche Vorfach, eine sogenannte Nachläuferschnur. Diese darf gerne schön lang sein, mindestens einen Meter, besser sind zwei oder gar drei Meter. Je länger, desto verführerischer spielt der Köder im Wasser und lockt auch tagsüber die manchmal faulen Schollen zum Angriff. Außerdem gehört ans Ende der Nachläuferschnur etwas Schmuck, denn die Platten sind Augenfische. Als Schmuck dienen beispielsweise ein, zwei Lockperlen sowie ein Spinnerblättchen oder ein Spin-o-glow, die zusätzlich über Druckwellen das Seitenlinienorgan der Scholle ansprechen. Unseren Köder stecken wir auf einen langschenkligen Plattfischhaken. Geeignet sind Muscheln, kleine Krabben, Sandaale und natürlich Watt- sowie Seeringelwürmer. Manche englischen Meeresangler schwören auf einen Kombiköder aus Wattwurm und einem kleinen Streifen Tintenfisch. Man läßt das Blei zum Grund hinab und driftet über die Sandbank. Die lange Nach­läuferschnur hält den Köder dank der Strömung immer schön in Bewegung, und der Spin-o-glow oder anderer Schmuck tun ihr übriges. Dazu tupft das Blei ständig auf dem Sandboden auf und sorgt für kleine Aufwirbelungen, die schon vorab die Aufmerksamkeit der Plattfische wecken. Genau diese spielerisch und bewegt daherkommenden Köder machen die Scholle an auch wenn sie tagsüber faul im Sand eingebuddelt ihre Siesta hält. Bei der Drift läßt man einen Finger an der Schnur; dank der Laufbleimontage spürt man auch vorsichtige Zupfer. Ruckt es an der Rute, nicht sofort zurück rucken. Besser, man wartet mit dem Anschlag etwas und gibt der Scholle Zeit, den Köder richtig zu nehmen. Trotzdem sollte man einen vernünftigen Bootskescher dabei haben, denn oft genug ist die Scholle doch nur an der Lippe gehakt und geht noch am Boot verloren.

Vorkommen

Schollen sind Bodenfische des ­flachen und vor allem mitteltiefen Wassers. Wir finden und fangen sie vor den europäischen ­Küsten vom Weißmeer im Norden bis nach ­Gibraltar, einschließlich der Nordsee und den westlichen Teilen der ­Ostsee. Man ­unterscheidet mehrere ­lokale Schollen­rassen, beispiels­weise die Nordsee- und die Ostseescholle. Die Rotgetupfte der ­Meeresangler hält sich vorwiegend in Tiefen bis 70 Meter auf, nur selten wandert der Plattfisch tiefer als 120 Meter. Dabei gilt in der Regel, daß die großen Exemplare auf den tieferen Bänken zu finden sind, kleinere Fische da­gegen auch in der flachen Strandzone.
Die Scholle im Fischlexikon

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