In den Sommermonaten sind meine Frau und ich viele Monate in Südschweden, genießen dort die Abgeschiedenheit, Ruhe und Einsamkeit. Es ist einfach herrlich, wenn man unbeschwert und frei je nach Wettersituation entscheiden kann, ob man zum Fischen gehen möchte oder ob man es lieber lässt. Seit Jahren sind wir dabei nur mit der Fliegenrute und Popper auf Hecht unterwegs, doch bis hierher war es ein langer Weg.
Es begann mit Lachsfischen in der Mörrum, 30 Minuten von unserem heutigen Sommerdomizil entfernt. Damals, es muss 1975 gewesen sein, war ich noch Spinnfischer. Dies änderte sich mit der Zeit, und da meine Frau und ich vornehmlich nur noch mit der Trockenfliege fischten, kam irgendwann die Idee auf, auch Hechte, Zander oder Barsch „trocken“ zu fangen.
Am Anfang war der Frosch
Also habe ich zunächst aus einem Sektkorken ein froschähnliches Gebilde gebastelt, mit dem ich dann auch tatsächlich innerhalb von zwei, drei Tagen einen Hecht fangen konnte! Dieser Köder ließ sich jedoch nur mit der Spinnrute werfen, für die Fliegenrute war er total ungeeignet. Doch der Biss, das Nehmen dieses „Poppers“, war so grandios, dass wir pausenlos darüber nachgedacht haben, was man basteln müsste, um auch mit der Fliegenrute auf diese Weise Raubfische zu fangen.
176 Plastikkörper – und eine neue Leidenschaft
Ein Zufall half weiter. In Winsen an der Luhe entdeckte ich in einem Angelgeschäft Plastikkörper, wie sie in Kanada zum Angeln auf Lachs verwendet werden – sogenannte „Spin-N-Glow“. Ich kaufte 176 Stück in passender Größe. Diese eiförmigen Schwimmkörper wurden von mir so umgebaut, dass echte Popper entstanden, und mit diesen haben wir über einige Jahre Barsche und Hechte überlistet. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.
In den 70er und 80er Jahren hatte ich mir dann einige Popper aus den USA mitgebracht, die wohl speziell für das Barsch-Fischen gedacht waren. Das Problem: Sie waren mit so kleinen Einzelhaken bestückt, dass es viele Fehlbisse gab. Zu viele! Die Konsequenz war logisch: Selbstbau.
Hecht-Popper: Selbst ist der Mann!
Deshalb bin ich nach vielen ergebnislosen Versuchen umgestiegen und habe angefangen, aus Balsa-Holz selber Hecht-Popper herzustellen. Für Hechte, so stellte sich heraus, ist eine Länge von 8 bis 9 Zentimeter ideal, vorzugsweise in Weiß. Obwohl diese Popper recht groß sind, lassen sie sich auch mit einer Schnurklasse 6 werfen – und natürlich erst recht mit einem Schusskopf der Klasse 9. Würfe von 20 bis 25 Meter sind für mich in der Zwischenzeit kein Problem mehr.

Bild: Michael Werner
Der selbstgebaute Popper aus Balsa-Holz sorgt mit lautem „Blubb“ an der Oberfläche für spektakuläre Attacken – besonders im Flachwasser.
Doch begleiten Sie mich in Gedanken doch einfach an meinen Lieblingssee. Der ist etwa 1 Quadratkilometer groß, und in den letzten 10 Jahren habe ich vornehmlich zwischen und vor den Seerosen gefischt, denn dort lauert ,,Freund Esox“ ja mit Sicherheit. Seit dem Sommer 2008 gehört dies jedoch weitgehend der Vergangenheit an! Denn als ich Hechte und Barsche eindrucksvoll im Flachwasserbereich jagen sah, begann ich, diese Bereiche intensiver zu befischen. Und das mit Erfolg!
„Flachwasser“ bedeutet übrigens in diesem Fall wirklich flach! Der Bereich ist nur zwischen 30 und 50 cm tief und erstreckt sich über mehrere hundert Meter! Der Untergrund hat Bewuchs, und stellenweise steht auch etwas Schilf. Das macht diesen Bereich einerseits für Brut- und Jungfische interessant, andererseits aber auch für das Fischen mit dem Hecht-Popper! Denn beim Einsatz von normalen Streamern würde nur Kraut zu Tage gefördert werden.

Bild: J. Pringal
Jürgen Pringal, hier beim Befischen eines Flachwasserbereiches, hat bereits in den 70er und 80er Jahren seine ersten Erfahrungen mit Poppern gemacht – heute fischt er auf Hecht fast ausschließlich mit diesen Oberflächenködern.
Das Boot treibt, von sanfter Brise geschoben, lautlos und völlig ruhig über diese Seepartie. Wurf auf Wurf fische ich mit dem Popper sternförmig das gesamte Gebiet ab. Der Popper bewegt sich, wieder und wieder, über die Wasseroberfläche, mal schnell und mal langsam, immer wieder mit eingebauten Stopps. Doch kein Fisch scheint sich für den Popper zu interessieren, lange Zeit passiert nichts…
Auf den Hecht-Popper: Ein Torpedo aus dem Nichts
Es ist eine wirklich spannende Fischerei, jeden Moment kann die Oberfläche von einem jagenden Fisch durchbrochen werden, der die vermeintlich leichte Beute attackiert. Man muss das nur ein einziges Mal erlebt haben, um für immer dieser Art der Fischerei verfallen zu sein. Obwohl man innerlich auf einen plötzlichen Biss vorbereitet ist, kommt der dann doch meist ohne die geringste Vorwarnung, und was dann passiert, geht bis in die Haarspitzen! Ich sage nur: Adrenalin pur!
Was nach dem Biss passiert, kennt jeder Fliegenfischer mit Hecht-Erfahrung. Die lose Fliegenschur fliegt nur so davon, bis die Rolle zum Einsatz kommt. Besonders beim Fischen im Flachwasser brettern Hechte meist brutal davon, da sie nicht auf Tiefe gehen können. Ist die Bremse zu stark eingestellt, führt dies bei „90-Plus-Hechten“ direkt zum Vorfachbruch!
Es ist in der Zwischenzeit etwa 17 Uhr geworden. Der Hecht-Popper läuft verführerisch mit leichter Bugwelle auf mich zu, als ich meine, eine Welle zu erkennen, die meinem Popper folgt. War da was? Oder habe ich mich getäuscht? Jetzt nur nicht langsamer werden … fast wie aus dem Nichts schießt der Hecht, einem Torpedo gleich, an die Oberfläche, nimmt den Popper! Der Biss ist so vehement, dass ich nur die Schnur halten muss, um den Hecht zu haken! Und dann geht der Tanz auch schon los…
Und selbst wenn ein Angeltag keinen zählbaren Erfolg bringt, hat es sich gelohnt, für ein paar Stunden total abzuschalten, die Natur, das Alleinsein und die Ruhe zu genießen – die Ruhe vor dem Biss!
Michael Werners Praxis-Check fürs Hecht-Poppern mit FliegenruteNatürlich kannst du Hecht-Popper mit deiner normalen Streamerausrüstung fischen, doch wenn du folgende Dinge beherzigst, wirst du mehr Freude (und Erfolg) beim Fischen mit Poppern haben.
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