Die Zahl der Wobbler-Modelle hat sich in den letzten Jahren explosionsartig vergrößert. Und vergrößert hat sich auch die Sprachverwirrung um die vielen unterschiedlichen Wobbler-Bezeichnungen. Denn jetzt gibt es nicht nur DEN Wobbler. Wobbler im weitesten Sinne sind Crankbaits, Twitchbaits, Swimbaits, Minnows, Popper, Stickbaits, und und und … Wir wollen hier aber nicht noch mehr verwirren, sondern Klarheit schaffen mit der Antwort auf die Frage: Welche Wobbler braucht man zum Hechtangeln? Und wann ergibt welches Modell am meisten Sinn?

Bild: V. Wilde
Die Auswahl an Wobblern auf dem Markt ist riesig – jedes Modell hat seine besonderen Eigenschaften, die in bestimmten Situationen am meisten punkten.
Kaum ein anderer Kunstköder kann seinem Vorbild so ähnlich sein wie ein Wobbler. Moderne Wobbler aus Japan sind teilweise so detailliert gearbeitet, dass selbst einzelne Schuppen und das Muster des Kiemendeckels zu erkennen sind. Viel genauer kann die Nachbildung eines Beutefisches eigentlich kaum sein. Ob ein Wobbler gut fängt, hängt allerdings nicht nur davon ab, wie sehr er seinem Vorbild bis ins letzte Detail gleicht. Zum Erfolg gehört vor allem auch die Bewegung des Köders, die gar nicht unbedingt natürlich sein muss. Und es gehört auch das Wissen und Können des Anglers dazu, der den richtigen Köder wählen und ihn richtig anbieten muss.
Die richtigen Wobblermodelle für Hecht
Jeder Wobbler lässt sich auf unterschiedliche Art und Weise führen. Welche Führungsvariante nun die Beste ist, muss ein Angler selbst herausfinden. Aber welcher von den tausenden Wobblern ist überhaupt der richtige? Das hängt natürlich von der jeweiligen Situation ab und davon, ob man werfen oder schleppen will, in welcher Tiefe und wie schnell der Wobbler laufen soll und auch davon, wie man ihn führen will.
Crankbait: Der Hecht-Such-Wobbler
Wer ein Gewässer werfend absuchen will, macht das am besten mit einem sogenannten Crankbait, also einem bauchigen Wobbler, der bei gleichmäßigem Einholen bereits seine verführerischen Bewegungen entfaltet und dabei ordentlich Aufmerksamkeit auf sich zieht. Um der Aktion noch mehr Variabilität zu verleihen, kann man diese Köder auch immer mal wieder kurz stoppen. Die Pausen geben den Hechten die perfekte Gelegenheit für die Attacke. Außerdem steigen schwimmende Modelle dann immer ein kleines Stück auf, sodass der Köder sich quasi in 2 Dimensionen bewegt. Die meisten dieser Wobbler laufen zwischen kurz unter der Oberfläche und 1,5 Meter Tiefe.

Bild: S. Kaufmann
Crankbaits, das sind in der Regel bauchigere Modelle, die eine Menge Radau im Wasser verursachen. Je größer und waagrechter die Tauchschaufel, desto tiefer läuft der Crank.
Viele Crankbaits sind also vor allem für flachere Gewässer geeignet. Generell sind Wobbler, wenn man mit ihnen vom Ufer wirft, eher Köder für wenige Meter tiefe Gewässer. Gerade zum Beginn der Saison stehen die Hechte jedoch meist ohnehin flach, sodass schwimmende Modelle mit kleiner Tauchschaufel dann ideal geeignet sind. Daneben gibt es aber auch Crankbait-Varianten mit großen, fast parallel abstehenden Tauchschaufeln. Solche Crankbaits tauchen sofort tief ab. Mit solchen Modellen lassen sich auch steile Gewässer Kanten, Vertiefungen oder Unterwasserberge absuchen.
Twitchbaits und Suspender: Geschickte Hechtverführer
Diese Modelle werden entweder nach der Form oft auch als Minnows bezeichnet – oder nach der Führungsweise als Twitchbaits. Diese schlanken Wobblermodelle lassen sich zwar auch gleichmäßig einholen, aber noch besser wirken sie, wenn man sie ruckartig führt und zwischen dem Einholen immer wieder abstoppt. Ein Raubfisch kann sie dann ins Visier nehmen und sich von der nächsten Bewegung zum Zupacken verleiten lassen.

Bild: S. Tiedemann
Twitchbaits gibt es schwimmend, sinkend und als schwerelose Suspender. Damit bietet diese Klasse an Wobblern eine besonders große Auswahl. Auch bei der Köderführung kann man hier etwas experimentieren.
Suspender: Schwebend zum Hecht
Zwischen den schwimmenden und sinkenden Wobbler liegen vom Sinkverhalten die sogenannten Suspender. Diese Wobbler bleiben, wenn man sie beim Einholen abstoppt, auf der Stelle stehen, ohne aufzutauchen oder abzusinken. Ihre Stärke ist, dass sie dann stehen bleiben wie ein echtes Fischchen. Solch ein Suspender bietet also mehr Möglichkeiten als ein Crankbait. Das sollte man unbedingt nutzen, denn so kann man noch ein paar Hechte verführen, die auf einen gleichmäßig laufenden Wobbler nicht reagiert hätten. Genau austarierte Suspender wie der Pointer von Lucky Craft oder der Squad Minnow von Illex bewegen sich perfekt und lassen sich vom Angler in der gewünschten Tiefe dirigieren.
Wenn richtig präsentiert, gibt es kaum einen Köder, der sich so fängig führen lässt, wie ein Twitchbait. Diese Köder entfalten ihr wahres Können aber eben erst, wenn man sie mit unregelmäßigen Schlägen in die lockere Schnur, durch Pausen oder kleine Sprints in Bewegung versetzt. Wer sich mit dieser Spinn-Methode etwas mehr befasst, wird nicht enttäuscht werden. Es gibt hier viel Variabilität in der Köderführung: Langsam, schnell, ruhig, aggressiv: gerade so wie man es will. Oder besser gesagt: Wie der Hecht es will.

Bild: F. Pippardt
Kleiner Hecht am Twitchbait. Solche kleinen Wobbler lassen sich an leichtem Gerät fischen, damit macht das Angeln am meisten Spaß!
Denn für ihn variiert man schließlich das Laufverhalten des Wobblers. Wenn die Crankbaits eher Suchköder sind für Gewässer, an denen man nicht weiß, wo die Hechte stehen, so sind Minnows oder Twitchbaits eher zum Beangeln von Hotspots bestimmt. Mit ihnen geht man also gezielt an Stellen, an denen man Hechte erwartet, und lockt sie dort mit verschiedenen Köderbewegungen aus der Reserve. Das können Kraut- und Seerosenfelder, Schilfkanten, Buchten, Brücken, Häfen und andere potenzielle Hotspots sein.
Swimbaits: Die wohl lebensechtesten Hecht-Wobbler
Wenn Crankbaits den Hecht suchen und Minnows/Twitchbaits ihn provozieren sollen, dann gibt es auch noch eine Wobbler-Gruppe, die den Hecht überzeugen soll: die Swimbaits. Diese ein- oder mehrteiligen Köder gibt es in verschiedensten Ausführungen: Mit Tauchschaufeln oder ohne, schwimmend oder sinkend, aus Gummi und/oder Plastik. Die Grenze zwischen Gummifisch und Wobbler kann hier oftmals ein wenig verschwimmen. Gleichmäßiges Einkurbeln, kurze Pausen oder sanfte Schläge in die lockere Schnur (ähnlich wie Twitchen) bringen Swimbaits zum Tanzen.
Swimbaits sind Köder, die ihrem lebenden Vorbild originalgetreu nachgebildet sind. Darüber hinaus können diese Köder auch noch täuschend echte Schwimmbewegungen vollführen. Swimbaits sind eindeutig die realistischsten Hardbaits. Sie sind für erfahrene, vorsichtige Fische gedacht, die nicht mehr auf jeden Köder hereinfallen. Die naturgetreuen Nachbildungen haben auch in klarem Wasser einen Vorteil, in dem der Fisch den Köder sehr genau begutachten kann. In heiklen Gewässern mit erfahrenen Fischen sind Swimbaits immer eine gute Wahl. Swimbaits sind absolute „Allrounder“ und wahre Fangmaschinen auf Hechte. Auch beim Schleppangeln punkten Swimbaits – hierfür gibt es auch Modelle in beeindruckenden Formaten, die speziell für Großhechte gedacht sind.

Bild: G. Schade
Viele Swimbaits sind mehrteilig, damit entfalten sie ein besonders realistisches, eher unaufgeregtes Schwimmverhalten.

Bild: Ch. Chew
Bei den Swimbaits verschwimmen die Grenzen: Hier gibt es auch Modelle aus Gummi oder Hybriden, die Eigenschaften von Wobbler und Gummifisch vereinen.
Topwater-Hechte: Attacken an der Oberfläche
Neben klassischeren Wobbler-Designs sind auch immer mehr Oberflächenköder auf den Markt gekommen. Zu ihnen gehören die auffälligen Popper und die dezenteren Stickbaits. Alle Wobbler, die an der Oberfläche laufen, werden auch als Topwaterbaits bezeichnet. Diese Köder spielen ihre Stärken vor allem dann aus, wenn die Hechte im flachen Wasser oder im Bereich von Kraut- und Seerosenfeldern rauben und dabei auf die Oberfläche fixiert sind. Ist das nicht der Fall, kann man einen Köder noch so lange an der Oberfläche anbieten, er wird nicht genommen.

Bild: S. Halletz
Das Spannendste am Topwater-Angeln sind vielleicht die Attacken auf Sicht, bei denen sich der Hecht teils komplett aus dem Wasser schraubt.
Wenn er aber genommen wird, sorgt das für eine absolut spektakuläre Attacke, oft sogar auf Sicht. Deshalb sollte ein Hechtangler auch immer ein paar Oberflächen-Wobbler in seiner Köderbox haben. Neben klassischen Poppern und Stickbaits gibt es auch noch Topwaterbaits, die sogar im dichtesten Kraut, direkt in/über den Seerosen geführt werden können. Das sind zum Beispiel Frösche, bei denen die Haken am Köder anliegen, bis der Hecht beißt. Solche Köder haben zwar oft eine etwas höhere Fehlbissquote, können dafür aber selbst im dichtesten Dschungel eingesetzt werden, wo andere Köder ständig nur Kraut fangen würden.

Bild: L. Hülße
Solche Topwater-Frogs können sogar mitten durchs Seerosenfeld gekurbelt werden. Die Fehlbissquote ist damit zwar etwas höher, aber oft sind es sind die einzigen Köder, die an solchen Spots überhaupt eingesetzt werden können.
Hecht-Wobbler: Worauf kommt es an?
Bei der Wobbler-Wahl kommt es vor allem darauf an, dem Hecht in der richtigen Tiefe das richtige Bewegungsmuster anzubieten. Die Farbe des Köders spielt sicherlich auch immer eine Rolle. Aber die Farbvorliebe kann sich von einem Tag auf den anderen ändern. Deshalb gibt es kaum einen besseren Ratschlag als den, verschiedene Farbmuster auszuprobieren. Mit natürlichen Farbmustern liegt man dabei grundsätzlich nicht falsch vor allem, wenn das Wasser klar und von Licht durchflutet ist. Zu unnatürlichen, provozierenden Farben greift man eher, wenn das Wasser trüb und die Sichtweite gering ist. Dann bieten grelle Farben eine kleine Sichthilfe. Es gab allerdings auch schon helle Tage, in denen unnatürliche Farben in klarem Wasser besser gewirkt haben. Es bleibt einem nicht erspart: Man muss doch immer einiges ausprobieren.
Die richtige Wobblergröße für Hechte
Die Größe von Hechtködern reicht von gut fingerlang bis zur Größe einer Portionsforelle. Besonders unter den schlanken Minnows und Swimbaits gibt es auch größere, sinkende Modelle, die zum Teil sehr tief laufen. Sie werden nahezu ausschließlich zum Schleppen eingesetzt, um mit ihnen die Hechte in tieferen Wasserschichten großer Gewässer aufzuspüren. Gerade in der warmen Jahreszeit halten sich Hechte tagsüber nicht selten sehr tief auf. Beim Schleppen können problemlos Köder von bis zu 30 Zentimeter Länge (und darüber!) eingesetzt werden, mit denen das Werfen doch einige Probleme bereiten würde. Solche Köder fallen in der freien Wassersäule besonders gut auf und reizen natürlich vermehrt die großen und sehr großen Hechte. Um große Hechte zu fangen, müssen aber keinesfalls immer XXL-Formate gefischt werden!

Bild: E. Hartwich
Größe ist bei den Hechtködern nicht alles. Vor allem muss der Wobbler zur Situation passen!
Bei der Größenfrage gilt generell: Das Angeln muss in erster Linie praktikabel sein. Es hat keinen Sinn, mit einem Riesenwobbler zu angeln, den man nicht vernünftig werfen und führen kann. Der Köder muss auch zur Situation passen. Es ergibt weniger Sinn, einen XXL-Köder mit einem lauten Platsch an einem kleinen, flachen Gewässer an die Schilfkante zu werfen. Dann lieber ein paar Zentimeter weniger, das ist unauffälliger und würde hier aller Wahrscheinlichkeit nach viel besser funktionieren. Schließlich lassen sich auch mit Wobblern von 10–15 Zentimeter Länge große Hechte fangen. Dafür genügt auch leichteres Gerät, was das Angeln entspannter und spaßiger macht.
Wobbler variantenreich führen
Wer seine Wobbler immer nur gleich führt, verschenkt viel Fangpotenzial. Man kann ganz einfach etwas Abwechslung einbauen, indem man:
- die Wobbler herunterzieht und auftauchen lässt (1)
- sie gleichmäßig einholt (2)
- die Köder mit kurzen ruckartigen Bewegungen führt (3)
- sie bis auf den Grund zieht und immer wieder leicht aufsteigen lässt (4)

Jeder Wobbler lässt sich auf unterschiedliche Art und Weise führen. Welche Führungsvariante nun die Beste ist, muss ein Angler selbst herausfinden.
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