Angeln in Norwegen: Drillvergnügen unterm grünen Flammenmeer

Angeln Norwegen: Was wird mich wohl erwarten, im Land der Wikinger? Ich habe schon viel über Norwegen gelesen. Raue Wetterbedingen, riesige Felsformationen, unendliche Wasserflächen und vor allem eine enorme Fischvielfalt in kapitalen Größen. Das wollte ich auch einmal live erleben und bin deshalb nach Steigen in Nord-Norwegen gereist. Von Steve Kaufmann

Angeln in Norwegen

Polarlichter inklusive. Neben dem Angeln und Fangen, sind Polarlichter ein absolutes Highlight in Steigen. Ab September bis in den Mai hinein, kann man dieses Naturschauspiel beobachten. Foto: Paul Sylvfest Fortun

Das Boot schaukelt im Takt der Wellen und mit ihm der Pilker, der an der schweren Ruten hängt. Auf seiner glänzenden silbernen Oberfläche werden die Sonnenstrahlen reflektiert, die ihn wie ein Edelstein immer wieder reizvoll aufblitzen lassen, bevor er in das glasklare Wasser abtaucht. Es dauert einige Sekunden, bis der 250 Gramm schwere Köder den sandigen Grund in 80 Meter Tiefe erreicht. Der Aufprall ist deutlich in der Rute zu spüren und im gleichen Moment wird er mit einem kräftigen Rutenschlag in Bewegung versetzt. Ein Mal und noch einmal und dann folgt ein harter Einschlag der bis in das Handteil spürbar ist. Anhieb!

Jetzt merkt man deutlich kräftige Kopfstöße, die die Rutenspitze immer wieder Richtung Wasser ziehen. Die wenigen Meter Schnur, die auf die Multirolle aufgespult sind, werden kurzerhand wieder runter gerissen. Es dauert einige Minuten bis das Spiel entschieden ist und in dem glasklaren Wasser, weit unter dem Boot, eine helle Silhouette zu sehen ist. Ein Dorsch taucht aus die Tiefe des Nordatlantiks auf, der am Ende noch einmal für mächtig Aktion an der Wasseroberfläche sorgt, bevor er im Boot landet. Der anschließende Freudenschrei hallt durch die riesigen Felsformationen, die den Spot umgeben. Willkommen in Nord-Norwegen, genauer gesagt in Steigen im südlichen Vestfjord, wo eine beindruckende Naturlandschaft auf eine enorme Fischvielfalt trifft, die jeden Angler das Herz höher schlagen lässt.

Angeln in Norwegen Seelachs

Teamarbeit
Selbst solche großen Seelachse kann man in der Küstenregion in Nord-Norwegen fangen. Klar, dass sich Guide Paul und Autor Steve über diesen fetten Fang freuen.
Foto: L. Berding

Tausche Kaffee gegen Angelrute

Als wir mit dem Flieger über unserem Ziel Norwegen hinwegfliegen, bekomme ich immer größere Augen am kleinen Flugzeugfenster. Gewaltige Berglandschaften, bei denen die Bergspitzen teilweise mit Schnee bedeckt sind, werden von enormen Wassermassen umschlossen. Bei diesem Anblick ging mir nur eines durch den Kopf: Ich will jetzt angeln! Als wir Abends unsere Unterkunft erreichen, einem traditionellen rotem Holzhaus, mit Terrasse, moderner Ausstattung und das beste, direkt am Nordatlantik gelegen, war es schon zu spät für einen Ausflug mit der Spinnrute. Daher konnte ich den nächsten Tag kaum erwarten.

Frühmorgens, 6 Uhr, klingelt mein Wecker. Von Müdigkeit keine Spur. Eher die Freude, diese Landschaft um uns herum im Tageslicht zu erblicken und vor allem den ersten Ausflug mit der Angel und dem Boot zu unternehmen. Noch ist es dunkel aber in der Ferne sehe ich schon die ersten Lichtstrahlen am Himmel. Der Tag bricht an und ich tausche meinen Kaffee gegen eine Angelrute. Dick eingepackt gehe ich vor unsere Haus und mache den ersten Wurf. Ein Gedankensprung und Kurbelumdrehung weiter merke ich plötzlich Widerstand am Ende. Kann das wirklich sein, dass mein erster Wurf vom Ufer im Nordatlantik mit einem Fisch gekrönt wird? Ja, wird es. Zwar hängt nur ein kleiner Dorsch am Haken aber es zeigt mir schon einmal, was mich hier erwarten wird.

Angeln in Norwegen Uferangeln

Frühsport
Frühmorgens ging es vor der Bootsausfahrt vom Ufer aus auf Dorsch. Hier brachte fast jeder Wurf einen Fisch und der Tag war gerettet.
Foto: Lars Berding

Vom Winde verweht

Am Morgen weht noch ein laues Lüftchen am Ufer. Aber nach dem Dorsch und einem reichhaltigen Frühstück später frischt dieser merklich auf. Unser norwegischer Guide Paul meinte, eine Ausfahrt aufs offene Wasser ist zu gefährlich und das Angeln unmöglich. Aber die Region in Steigen ist auch für solche Situationen gerüstet. Denn weitläufige Schärengebiete bieten Schutz vor dem rauen Wellengang und machen auch so jederzeit das Angeln möglich. Also packen wir unsere Pilkruten, Köder und Proviant ins Boot und dann geht es los.

Mit gemächlicher Geschwindigkeit fahren wir im Zick-Zack-Kurs durch die Schärengebiete. Immer wieder kreuzen Felsen und Untiefen unseren Fahrweg. Nur wenige Fahrminuten später fiel die Wassertiefe von 6 Meter auf 100 Meter und mehr ab. Hier stehen sie: die Räuber und warten hoffentlich nur auf unsere Köder. Außer uns waren nirgends andere Angler zu sehen. Ein seltener Anblick, wenn man in Deutschland und anderswo den starken Angeldruck kennt – einfach traumhaft! Während nur wenige Hundert Meter von uns der Wind über das offene Meer fegt, können wir im Schutz der Schären unsere Köder zu Wasser lassen und sind gespannt, was uns wohl an den Haken gehen wird.

Tipp: So klappt’s mit den Norwegen-Räubern

Wer es gezielt auf Seelachse abgesehen hat, sollte sich nicht vor zu einer schnellen Köderführung scheuen. Zu schnell gibt es bei dieser Angelei eigentlich nicht. Der Köder wird zu Grund gelassen und im Eiltempo wieder nach oben gezogen. Wenn plötzlich die schnelle Fahrt unterbrochen wird, so als man gegen eine Mauer fährt, dann ist es mit ziemlicher Sicherheit ein Seelachs, der am Haken hängt. Beim Grundnahen angeln mit Pilker oder Köderfisch ist die Chance einen Lump, Leng, Dorsch oder Heilbutt zu fangen recht hoch. Besonders auffällig war, dass Lump und Leng sich gerne Köderfischfetzen, in Kombination mit Kunstködern, zu Gemüte führen. Das ganze Jahr über hat man sehr gute Chancen, einen Heilbutt zu fangen. Grundnahe Köderpräsentation ist dabei das a und o. Auf Sandplateaus, die direkt ins Tiefe führen, sind genau die richtigen Spots, für die großen Flachmänner.

Ich bin auf alles vorbereitet

Angeln in Norwegen ist nichts für Weicheier. Ruten von 180 Gramm bis hin zu brutalen 30lbs sind Pflichtprogramm. Denn hier muss man mit allen rechnen:

  • von Dorsch
  • Pollack
  • Seelachs
  • Lump
  • Leng
  • bis hin zu Heilbutt…

…kann einem hier jeder Zeit alles an den Haken gehen – selbst in den geschützten und verhältnismäßigen flachen Schärengebiete. Während mein Kollege es zunächst mit einem 400 Gramm schweren Pilker versucht, hängte ich mir einen großen, bläulichen Gummiköder in das 1Millimeter dicke Vorfach. Als der Köder in die Tiefe rauscht, kann ich ihn die ersten zwei drei Sekunden im klaren Wasser noch sehen, bis er gänzlich aus meinem Blickfeld verschwindet. Einige Sekunden später merke ich deutlich, wie er auf den sandigen Grund aufschlägt. Wir haben diesen Platz gewählt, weil sich hier am Grund eine Erhebung befindet, die häufig ein magischer Anziehungspunkt für die Fische im Meer ist.

Ich bewege meinen Köder nun im gleichmäßigen Takt hoch und runter. Als ich ihn wieder langsam zu Boden lasse wird er durch einen kräftigen Ruck gestoppt und es kommt Bewegung ins Spiel. Die Rute ist im Halbkreis gebogen. Immer wieder wippt die Spitze Richtung Wasser. Was wird mich wohl gleich erwarten? Aus der Tiefe taucht eine helle Silhouette auf, gleich ist es geschafft und dann liegt der Fisch auch schon im Boot. Ein schöner Dorsch, vor einer ebenso tollen Kulisse.

Die Seefische aus der Tiefe hochzupumpen artet manchmal ganz schön in Schwerstarbeit aber man hat immer ein fettes Grinsen im Gesicht. Irgendwie skurril. Meine Köderbox ist dabei recht überschaubar gefüllt:

  • vier unterschiedliche Pilker in Gewichtsklassen von 100 bis 500 Gramm
  • sechs Gummifische mit Längen von 18 bis 26 Zentimeter
  • Bleiköpfe von 60 bis 120 Gramm.

Mehr braucht es nicht, um erfolgreich im Nordatlantik vor der Region Steigen zu fischen.

Angeln in Norwegen Dorsch

Dorsch geht immer.
Im Schutz der Schärengebiete lassen sich sehr gut Dorsche mit Pilker, Gummifisch oder beim Schleppen mit Wobbler fangen.
Foto: L. Berding

Grünes Flammenmeer

Die Region Steigen mit der Fisch- und Fangvielfalt ist ziemlich beeindruckend. Während unserer einwöchigen Tour gingen wir nie leer aus – und das obwohl auf der offenen See der Wind tobte. Ein einzigartiges Revier, mit enormen Fangpotenzial und unterschiedlichsten Gewässerstrukturen und Angelmöglichkeiten. Die Highlights

  • ein richtiger kapitaler Lump
  • duzende große Dorsche
  • kampfstarke Seelachse, die an der 30lbs Rute für mächtigen Spaß sorgen und am Abend eine richtig leckere Mahlzeit abgeben.

Gratis dazu gab es von der Terrasse einen Ausblick auf die seltenen Polarlichter, die den Himmel in ein grünes Flammenmeer verwandelten. Ein Anblick, der einem ziemlich ins Staunen versetzt, genauso wie die ganze Region. Für alle, die das Außergewöhnliche beim Angeln suchen, sind in Nord-Norwegen genau richtig.

Angeln in Norwegen Polarlichter

Polarlichter inklusive
Neben dem Angeln und Fangen, sind Polarlichter ein absolutes Highlight in Steigen. Ab September bis in den Mai hinein, kann man dieses Naturschauspiel beobachten.
Foto: Paul Sylvfest Fortun

Video-Tipp: Bei schlechtem Wetter, klappt es Norwegen auch vom Ufer!

Das Reiseziel ist buchbar bei:

Angelreisen Teltow
Bunsenstraße 8a
21365 Adendorf
04131-409018-0
E-Mail: info@sportreisen-teltow.de
www.angelreisen-teltow.de

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