Steckbrief Heilbutt

Der Heilbutt gehört zu den rechts­seitigen Plattfischen. Er ist vergleichsweise länglich-schlank und weniger rund als andere Platt­fische.

Heilbutt auf den Gewässergrund.

Wer beim Heilbuttangeln einmal erlebt hat wie brutal die Bisse und Drills von einem Heilbutt ablaufen, kann im nachhinein nicht genug von dieser faszinierenden Angelei bekommen. Heilbutts können bis zu 50 Jahre alt werden. Je nach Vorkommen, werden zwei verschiedene Arten unterschieden:

  • Der nord­atlantische Heilbutt (weiße Heilbutt) kann eine Körperlänge bis zu 3 Meter erreichen und bis zu 400 Kilo schwer werden.Es ist die größte Art der Plattfische.
  • der Schwarze Heilbutt (Reinhard­tius hippoglossus), bleibt deutlich kleiner. Länge maximal 1,20 Meter, Höchstgewicht 45 Kilogramm; er lebt vor ­allem in den arktischen Gewässern der Beringstraße sowie vor ­Kanada und Alaska. Der Schwarze Heilbutt wird intensiv vor Kanada von Trawlern befischt, seit der Kabeljau­bestand dort zusammengebrochen ist. Der Fisch kommt auch vor in Nordnorwegen, bei Island ­und bei Grönland.

Wo und wann fängt man einen Heilbutt

Wo Europa mit am schönsten ist, also im hohen Norden, dort wird auch der herrlichste aller Plattfische gefangen: Rund um Island, vor der Küste Nordnorwegens, zwischen den Ork­neys und dem schottischen Festland bestehen gute Chancen. Aber auch im norwegischen Fjordland überlisten die Angler jedes Jahr gewaltige Fische. So biss der norwegische Rekord-Heilbutt nicht etwa in Nordnorwegen, sondern am Ausgang des Bömlafjords, also noch südlich von Bergen. Der dicke Fisch wog 161,2 Kilogramm und war 2,35 Meter lang. Die Landung dieses Giganten war ein Abenteuer für sich, erst nach Stunden konnten die zwei Angler, die mit einem großen Boot unterwegs waren, den gewaltigen Fisch bändigen und mit mehreren Tauen im Boot fixieren.


Natürlich ist der Fang eines ­kapitalen Heilbutts überall Glückssache. Doch wer in der richtigen Zeit am richtigen Ort ist, der vergrößert seine Chancen beträchtlich. Die Frage nach der richtigen Zeit ist rasch beantwortet: Das warme Halbjahr von April bis Ende Oktober ist die beste Zeit zum Heilbuttfang. Im Winter verschwinden die großen Fische, um zu laichen.

Schwieriger ist die Antwort nach dem richtigen Ort. Immer richtig ist man im Sommer und Spätsommer an den Fjorden und Küstengewässern Nordnorwegens. Rund um die nordische Metropole Tromsö beispielsweise, bereits weit über dem Polarkreis, steigen die Heilbutt-Chancen. Denn vor den Toren Tromsös liegt ein heilbuttreiches Inselgewirr. Eine der vielen hundert Inseln heißt Vannöy, und rund um diese Insel werden immer wieder viele Heilbutt gefangen, darunter auch zentnerschwere Prachtfische. Weitere Top-Stellen findet man im Westen Islands und vor der grönländischen Küste. Geradezu berühmt ist das Heilbutt-angeln vor Alaska rund um die Insel ­Kodiak. Wer hier zum Heilbutt­angeln hinausfährt, hat her­vorragende Chancen auf einen Fisch von über 100 Pfund.

Wem das alles zu weit ist, der sollte in den Norden Schottlands reisen. Im Meer zwischen Schottland und den Orkneys sowie rund um die Shetlands gehen gelegentlich Riesen an den Haken. So wurde der britische Rekord-Heilbutt (106,1 Kilogramm) einst im Pentland Firth überlistet, jener fischreichen Meerenge zwischen dem schottischen Festland und den Orkneys. Dieses Revier zählt auch heute noch zu den besten Plätzen für Meeresangler. Hier fängt man auch große Leng, Rochen, Heringshaie und Köhler.

Dicke Heilbutt wie dieses Exemplar, werden vor allem in der beliebten Angelregion Norwegen gefangen. Foto: R. Korn

Dicke Heilbutts wie dieses Exemplar, werden vor allem in der beliebten Angelregion Norwegen gefangen. Foto: R. Korn

Wie und womit

Einen Heilbutt am Haken, das ist ein Traum. Doch paradoxerweise hatten schon viele Meeresangler ein solches Ungetüm an der Angel, ohne die geringste Chance, den Fisch auch zu bezwingen. Die einen glaubten an einen Hänger, die anderen an ein versehentlich gehaktes U-Boot. Wenn die Rolle jaulend Schnur freigibt und sich die Rute beinahe zum Kreis biegt, dann drehen die meisten die Bremse zu oder wickeln ein Holz um die Schnur, um sich mit Gewalt von dem vermeintlichen Hänger zu befreien.

Wie dem auch sei: Mit leichtem Pilkgerät hat man absolut keine Chance, einen ausgewachsenen Heilbutt zu bezwingen. Man kann nur hilflos zusehen, wie der Fisch mühelos die Schnur vor der Rolle reißt und sich rasch wie ein Felsblock ins Tiefe verabschiedet. Gerade viele Deutsche und Holländer fischen bei Hochseeangeltouren in Nordnorwegen mit viel zu leichter Ausrüstung. In Gewässern, in denen gute Heilbuttchancen bestehen, sollte man selbst beim normalen Dorschpilken lieber extra schweres Gerät montieren. Norwegische Meeresangelexperten fischen daher mit 50-lbs-Bootsruten und mit geflochtenen Schnüren von 0,40mm Durchmesser. Diese Hochleistungsschnüre besitzen eine Tragkraft von über 30 Kilogramm und sitzen auf schweren Mulitrollen Größe 6/0 oder 9/0. Damit bezwingt man sowohl kapitale Dorsche, meterlange Leng und eben auch einen Heilbutt.

Gezieltes Heilbuttfischen ist fast immer Schleppangeln vom Kutter oder vom kleineren Boot. In Westnorwegen bevorzugt man große Köder, am liebsten ganze Makrelen. Am aussichtsreichsten ist eine Schleppmontage mit drei Haken, die in unterschiedlicher Höhe laufen. Auf den untersten Haken gehört die ganze Makrele, die anderen beiden Haken werden oft nur mit einem großen schwarzen Gummimakk oder mit einem großen Fischfetzen beködert. Beim Schleppen wird die Höhe ständig variiert, mal läuft die Montage knapp über dem Grund, mal acht, mal sogar 20 Meter über dem Meeresboden das steigert die Aussicht auf einen Heilbutt-Biß. Daß man für diese Angelei enorm robustes Geschirr benötigt, leuchtet ein, allein schon das Blei wiegt je nach Wetterlage ein bis zwei Kilogramm. Auch beim Pilken werden gute Heilbutt gefangen; zu empfehlen sind große chromfarbene Pilker, deren Drilling zusätzlich mit einem Fischfetzen beködert werden sollte.

Dieser Butt nahm den Köder an der Grundmontage. Die riesigen Fische beißen oft erstaunlich vorsichtig. Foto: Blinker

Dieser Butt nahm den Köder an der Grundmontage. Die riesigen Fische beißen oft erstaunlich vorsichtig. Foto: Blinker

Der Drill eines Heilbutt zählt zum härtesten, was die nördlichen Meere zu bieten haben. Wenn Rute und Rolle den ersten kraftstrotzenden Fluchten gewachsen sind, kann der Angler versuchen, den Fisch Stückchen für Stückchen heranzupumpen. Das ist Schwerstarbeit, die ohne weiteres eine Stunde dauern kann. Ist der Fisch dann endlich außenbords an der Oberfläche, dann stellt sich die nächste entscheidende Frage: Wie soll man den Heilbutt ins Boot bekommen? Auf den Angelkuttern greift die Besatzung zu zwei starken Gaffs und kümmert sich um die Landung. Vor Alaska nehmen die Skipper einen Revolver und erschießen die größeren Fische, bevor sie sie ins Boot ziehen. Schließlich ist ein großer Heilbutt mit seinem hammerharten Schwanz ohne weiteres in der Lage, das halbe Boot in Kleinholz zu verwandeln.

Aber wenn man nun allein oder zu zweit in einem normalen Angelboot auf einem norwegischen Fjord unterwegs ist und tatsächlich einen großen Heilbutt am Boot hat? Dann liegt hoffentlich nicht nur ein Gaff, sondern auch ein solides Tau bereit. Wenn es glückt, dem großen Butt ein Tau durch Kiemen und Maul zu ziehen, hat er schon fast verloren. Notfalls bindet man das Tau am Boot fest. Mit einer zweiten Seilschlinge um den Schwanz kann man schließlich auch einen Riesen ruhigstellen.

Vorkommen von Heilbutt

Der herumstreifende Grundfisch liebt die kühlen, aber küstennahen Gewässer rund um den ­Po­larkreis. Er bevorzugt Meereswasser mit hohem Salzgehalt und Temperaturen bis neun Grad. Einzelne Fische wandern im Sommer zwar in Flachwassergebiete, doch normalerweise lebt der gefräßige Räuber in Tiefen von 50 bis 200 Meter.

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