Das Heilbutt-Revier
Wer gezielt Heilbutt angeln möchte, muss nicht bis ans Nordkap reisen. Bereits ab der Höhe Kristiansunds steigen die Chancen auf den größten Plattfisch des Nordatlantiks. Gute Heilbuttreviere finden sich beispielsweise rund um Hitra und Smøla. Im Norden Norwegens sind jedoch meist sowohl die Stückzahlen als auch die Durchschnittsgewichte höher.
Ab Bodø beginnt die besonders heiße Region. Zu den bekanntesten Heilbuttrevieren gehören die Lofoten mit den Inseln Værøy und Røst sowie die Gebiete um Tromsø und das Nordkap. Auch rund um Vannøya werden regelmäßig starke Heilbutte gefangen.

Bild: Rainer Korn
Die kleine Lofoteninsel Værøy gilt als Top-Heilbuttrevier in Norwegen.
Die beste Zeit zum Heilbutt angeln
Zu den besten Monaten für das Heilbuttangeln in Norwegen gehören Mai und Juni. Aber auch während des Sommers und bis in den September hinein werden vielerorts gute Fische gefangen. Neben der Jahreszeit beeinflussen Strömung, Gezeiten, Mondphase, Luftdruck und Wetterlage das Beißverhalten. Besonders interessant sind die Phasen mit stärkerer Strömung sowie die Zeiten rund um den Tidewechsel.
Gute Fangplätze für Heilbutt finden
Die besten Monate für den Fang norwegischer Heilbutte sind Mai und Juni. Auch wenn im Sommer bis in den September an vielen Plätzen Butte gefangen werden – versucht, Eure Reise in die erstgenannten Monate zu legen. Dann stehen auch die Chancen auf kapitale Brocken am besten.
Flach fängt gut
Heilbutte werden häufig flacher gefangen, als viele Angler vermuten. Tiefen zwischen 10 und 50 Metern sind besonders interessant, wobei der Bereich zwischen 20 und 40 Metern oft sehr produktiv ist. Einzelne große Heilbutte beißen sogar in nur wenigen Metern Wassertiefe. Aussichtsreich sind sandige oder kiesige Flächen, Rinnen, Kanten und Übergänge zwischen unterschiedlichen Bodenstrukturen.

Bild: Rainer Korn
Rainer Korn mit einem Heilbutt, der um den schweren Jerk nicht herum kam.
Fragen Sie den Guide oder Betreuer vor Ort nach bekannten Hotspots. Gute Ortskenntnis spart viel Suchzeit und erhöht die Erfolgsaussichten deutlich.
Köder und Ausrüstung zum Heilbutt angeln

Bild: Rainer Korn
Jigs mit großen Gummifischen, hier das sehr fängige Storm-Modell, haben sich in der letzten Zeit als überaus erfolgreiche Köder auf Heilbutt erwiesen.
Den einen Heilbuttköder, der immer und überall fängt, gibt es nicht. Bewährt haben sich große Gummifische, Twister, Pilker sowie Naturköder wie Köhler beziehungsweise Seelachs, Makrele, Hering und Wittling. Die verwendete Multirolle sollte robust sein und über eine zuverlässige Bremse sowie ein kräftiges Getriebe verfügen. Mindestens 300 Meter geflochtene Schnur mit etwa 25 Kilogramm Tragkraft bieten ausreichende Reserven. Rute, Rolle, Schnur, Vorfach und Haken müssen aufeinander abgestimmt sein.
Heilbutt mit Kreishaken angeln
Das Naturköderangeln bringt häufig die größeren Heilbutte. Unter erfahrenen Anglern haben sich dafür Kreishaken, sogenannte Circle Hooks, durchgesetzt. Sie sitzen in mehr als 90 Prozent der Fälle im Maulwinkel. Dadurch lassen sich selbst große Heilbutte vergleichsweise schnell und sicher enthaken. Der Haken darf mit Größen von 12/0 bis 16/0 ruhig groß ausfallen.

Bild: Rainer Korn
Wirkungsvoll und Fisch schonend: Angeln mit Kreishaken.
Der Köderfisch sollte dagegen nicht überdimensioniert sein. Je größer der Köder ist, desto höher fällt häufig die Ausstiegsrate kurz nach Beginn des Drills aus. Der Heilbutt hält einen großen Köder zunächst manchmal nur fest und schwimmt damit davon. Ein kleinerer Köderfisch landet schneller vollständig im Maul. Köhler sind ausgezeichnete Heilbuttköder. Auch Makrele, Hering und Wittling fangen zuverlässig. Wer verantwortungsvoll auf Heilbutt angelt, sollte vor allem beim Naturköderangeln auf Drillinge verzichten. Das Angeln mit lebenden Köderfischen ist in Norwegen verboten.
Mit Multicolor-Schnur die Tiefe kontrollieren
Farbig abgesetzte geflochtene Multicolor-Schnüre eignen sich hervorragend zum Heilbuttangeln. Durch die regelmäßig wechselnden Farben lässt sich jederzeit erkennen, in welcher Tiefe sich der Köder befindet. Das ist besonders wichtig, weil Heilbutte dem Köder häufig weit vom Grund nach oben folgen. Mit einer Multicolor-Schnur kann ich den heißen Bereich vom Meeresboden bis etwa 20 Meter darüber systematisch absuchen, ohne ständig darüber rätseln zu müssen, in welcher Tiefe mein Köder gerade arbeitet.

Bild: Rainer Korn
Farbig abgesetzte Multicolorschnüre (Geflochtene) werden immer beliebter. Auch zum Angeln auf Heilbutt sind sie optimal. So kann ich immer den heißen Bereich vom Grund bis 20 m aufwärts beangeln, ohne darüber zu rätseln, in welcher Tiefe mein Köder sich denn nun befindet.
Heilbutt mit Attraktoren anlocken
Heilbutte sind von Natur aus neugierig. Attraktoren am Vorfach können sie auf den Köder aufmerksam machen. Geeignet sind unter anderem Twisterschwänze, Spinnerblätter und Gummi-Oktopusse. Bei Spinnerblättern ist die richtige Befestigung entscheidend.
Das Blatt sollte nicht mit einem herkömmlichen Spinnerblattbügel auf dem Monovorfach rotieren. Durch den entstehenden Druck dreht es sich sehr schnell, sodass die Ösen des Bügels das Vorfach beschädigen oder sogar durchtrennen können. Besser ist es, das Spinnerblatt an einem Wirbel zu befestigen und dessen zweite Öse auf das Vorfach zu ziehen. Dadurch schlägt das Blatt stärker, als dass es rotiert. Die Lockwirkung bleibt erhalten, ohne das Monovorfach zu gefährden.
Naturköder immer in Bewegung halten
Naturköderangeln auf Heilbutt muss nicht passiv sein. Häufig ist es erfolgreicher, den Köderfisch vom Grund extrem langsam nach oben zu kurbeln und dabei immer wieder Pausen einzulegen. Die Betonung liegt tatsächlich auf extrem langsam. Durch diese Führung taumelt der Köderfisch nach oben und wirkt wie ein schwer verletzter Fisch. Da er sich zugleich in Richtung Oberfläche bewegt, kann der Heilbutt oft nicht anders, als ihm zumindest zu folgen. Diesen Effekt kennen viele Angler von Überbeißern: Ein bereits gehakter Fisch wird nach oben gekurbelt und plötzlich biegt sich die Rute, als hätte man ein U-Boot gehakt. Genau diesen Reiz nutzen wir, wenn wir einen toten Köderfisch ganz langsam nach oben führen und dadurch einen Überbiss provozieren.

Bild: Claudia Otero Davila
Hochkonzentriert beim Naturköderangeln auf Butt: Autor Rainer Korn.
Heilbutt sicher landen
Für die meisten von Anglern gefangenen Heilbutte ist ein großer, stabiler Kescher die sicherste und einfachste Landehilfe. Mit dieser Methode sind viele Angler bereits vertraut. Der Fisch sollte nicht am Kescherstiel ins Boot gehoben werden. Nach dem Einnetzen wird der Bügel in die Senkrechte gekippt und an die Bordwand gezogen. Anschließend heben mehrere Personen den Bügel mitsamt dem Heilbutt ins Boot. Mit einem entsprechend stabilen und großen Kescher lassen sich selbst Heilbutte von etwa 1,40 Metern Länge landen.
Ich setze Heilbutte ab 1,25 Metern grundsätzlich zurück. Dafür sprechen die nachlassende Fleischqualität, die mögliche Belastung mit Schadstoffen und die Bedeutung großer Fische für die Fortpflanzung. Große Heilbutte, die zurückgesetzt werden sollen, dürfen keinesfalls über die Bordwand gehoben werden. Sie können dabei schwer verletzt werden. Kapitale Exemplare bleiben im Wasser und werden dort gesichert und möglichst schnell vom Haken befreit.
Mondphasen und Strömung beachten
Wie alle Plattfische werden Heilbutte besonders bei Strömung aktiv. Die wechselnden Mondphasen beeinflussen deshalb die Erfolgsaussichten. Bei Voll- und Neumond entstehen Springtiden mit größeren Tidehüben und stärkeren Strömungen. In diesen Phasen sind die Heilbutte häufig aktiver. Besonders gute Erfahrungen habe ich in der Woche vor den Springtiden gemacht – also in der Phase von der Nipp- zur Springtide.

Bild: Rainer Korn
Der Mond hat großen Einfluss aufs Beißverhalten des Heilbuttes.
Nach Voll- und Neumond gehen die Bisse häufig deutlich zurück. Rund um die Halbmondphasen kann es selbst in guten Heilbuttrevieren zu Nulltagen kommen. Deshalb bilden die Mondphasen für mich eine wichtige Grundlage bei der Auswahl guter Heilbuttwochen. Allerdings spielen auch der Luftdruck und die allgemeine Wetterlage eine wichtige Rolle. Weil sich das Beißverhalten des Heilbutts innerhalb kurzer Zeit so stark verändern kann, habe ich ihm den Namen „launische Diva“ gegeben. Auch während eines Angeltages lohnt es sich, die Gezeiten genau zu beobachten. Rund um den Tidewechsel beginnt häufig eine kurze, aber intensive Beißphase.
Nach dem Heilbuttbiss geduldig bleiben
Die Aufregung ist groß, wenn ein Fisch den Köder gepackt hat. Trotzdem ist Geduld gefragt. Ein Heilbutt nimmt einen Köderfisch nicht immer sofort vollständig ins Maul, sondern hält ihn manchmal zunächst fest. Beim Angeln mit Kreishaken wird kein klassischer Anhieb gesetzt.

Bild: Rainer Korn
Alles richtig gemacht: Nach dem Biss hat dieser Angler lange genug gewartet, so dass der Heilbutt Zeit bekam, den Köder zu nehmen.
Warten Sie, bis der Fisch konstant Druck aufgebaut hat und die Rutenspitze deutlich zum Wasser gezogen wird. Erst dann wird kontrolliert in den flüchtenden Fisch hineingekurbelt. Dabei darf nicht zu schnell gekurbelt werden. Viele Heilbutte gehen unmittelbar nach dem Biss verloren, weil der Angler zu früh reagiert und der Kreishaken noch nicht sicher im Maulwinkel greifen konnte.
Den Köder nach einem Biss kontrollieren
Nach einem Fehlbiss lohnt sich ein genauer Blick auf den Köderfisch. Längliche und tiefe Einschnitte in dessen Haut sprechen deutlich für eine Heilbuttattacke. Wirkt die Haut dagegen eher abgeschabt und fehlen die tiefen Schlitze, war häufig ein Dorsch oder Köhler am Werk. Bei kleinen Lengs und Lumbs sind die Bissspuren meist ebenfalls weniger tief und weisen keine ausgeprägten Schlitze auf.

Bild: Rainer Korn
Längliche, tiefe Schlitze: verursacht durch einen Heilbutt.
Diese Köderkontrolle verrät, ob Heilbutte am Platz sind. Nach einem erkannten Heilbuttbiss sollte der Köder sofort erneuert oder sauber gerichtet und erneut in derselben Tiefe angeboten werden.
Twister oder Gummifisch?
Als ich vor 20 Jahren mit dem Spinnfischen auf Heilbutt begann, war der Gummifisch mit Tellerschwanz unsere bevorzugte „Waffe“. Doch das änderte sich mit der Zeit. Wir stellten fest, dass Twisterschwänze eine ganz besondere Lockwirkung auf Heilbutte ausüben.

Bild: Rainer Korn
Twisterschwänze: Heilbutte haben sie zum Fressen gern.
Heute gebe ich dem Twister vor allem beim Spinnfischen mit Gewichten bis etwa 150 Gramm den Vorzug. Das bedeutet nicht, dass klassische Gummifische nicht mehr fangen. An manchen Tagen können sie weiterhin ausgesprochen erfolgreich sein. Der Twister ist jedoch eine sehr gute Alternative, wenn die Heilbutte den üblichen Gummiködern nur folgen oder diese ignorieren.
Heilbutt mit der toten Rute fangen
Beim Angeln mit der „toten Rute“ steht die Rute im Halter, während der Köder durch die Bewegungen des Bootes geführt wird. Genau diese Bewegungen machen die Methode so fängig.

Bild: Rainer Korn
Die tote Rute fängt zum Teil besser als die aktiv geangelten.
Der Köder hebt und senkt sich langsam und vermittelt dem Heilbutt den Eindruck eines geschwächten oder verletzten Fisches. Der Effekt ähnelt dem extrem langsamen Hochkurbeln eines Köderfisches. Die Technik funktioniert sowohl mit Naturködern als auch mit Gummiködern. Der Köder muss dabei nicht ständig am Grund angeboten werden. Sind die Heilbutte aktiv, können sie sogar 30 Meter über dem Meeresboden beißen. Am besten eignet sich eine Multirolle mit Schiebebremse. Öffnen Sie die Bremse so weit, dass sich die Schnur mit leichtem Widerstand abziehen lässt. Aktivieren Sie die Knarre und stellen Sie die Rute in einem stabilen Rutenhalter ab. Zusätzlich sollte die Rute mit einer Sicherungsleine und einem Karabiner am Boot befestigt werden.
Video-Tipp: Heilbutt angeln in Norwegen
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Aktuelle Regeln für das Heilbuttangeln in Norwegen
Für das Heilbuttangeln gelten in Norwegen strenge Vorschriften. Diese können sich ändern und müssen vor jeder Reise noch einmal überprüft werden. Maßgeblich sind immer die aktuellen Bestimmungen der norwegischen Fischereidirektion: www.fiskeridir.no/fritidsfiske/kveite-for-fritidsfiskarar










