Thunfisch: Angeln im Geschwindigkeitsrausch

Hattest Du beim Angeln schon mal einen Thunfisch am Haken? Kaum ein anderer Meeresfisch vereint Kraft, Geschwindigkeit und Ausdauer in einem solchen Maß wie Thunfische. Die Hochseekämpfer sehen aus wie aus dem Windkanal – eine „fleischgewordene Unterwasserrakete“. Ein sichelförmiger Schwanz wie ein regelrechtes Antriebsaggregat und ein Körper, der fast nur aus Muskeln besteht.

BLUEFIN

Bild: J. Radtke

Thunfische sind mitunter die kampfstärksten Fische, mit denen man sich weltweit anlegen kann!

Wer einmal auf Thunfisch angeln möchte, sollte die verschiedenen Arten kennen, die richtigen Fanggebiete und die passende Ausrüstung wählen und vielleicht auch ein paar Übungen im Fitnessstudio absolvieren. Denn Thunfisch-Drills sind echte Schwerstarbeit und sicher nichts für schwache Gemüter. Thunfische bringen definitiv den Sport in den Angelsport. In diesem Artikel erfährst Du alles Wichtige über die Boliden und wie man sie erfolgreich mit der Angel fangen kann.

Die wichtigsten Thunfischarten für Angler

Thunfisch ist nicht gleich Thunfisch. Nicht jede Art verhält sich gleich, und auch Größe, Lebensraum, Fangmethoden und geeignetes Gerät unterscheiden sich deutlich. Hier sind die wichtigsten Vertreter der Thunfisch-Familie.

Blauflossen-Thunfisch – der Gigant

Der Blauflossen-Thunfisch gilt als der König unter den Thunfischen. Einzelne Exemplare können über 600 kg wiegen und enorme Kräfte entwickeln. Dieser Fisch erreicht im Wasser Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h. Besonders im Mittelmeer, im Atlantik sowie vor der Ostküste Nordamerikas ist der Blauflossen-Thunfisch (Bluefin Tuna) verbreitet.

Großer Blauflossenthunfisch

Bild: AWO

Blauflossen-Thunfische erreichen schon fast das Format „Kleinwagen„.

Gelbflossen-Thunfisch – der Farbenfrohe 

Der Gelbflossen-Thunfisch zählt zu den beliebtesten unter den Thunfischen. Er besticht durch ein gefälliges Äußeres mit den namensgebenden auffälligen gelben Flossen und Körper. Der Yellowfin erreicht meist ca. 10-70 kg (in Ausnahmefällen Gewichte von bis zu 200 kg) und ist vor allem in tropischen und subtropischen Gewässern verbreitet. Diese Art jagt häufig in Schwärmen („Feeding Frenzies“) und lässt sich gut beim Trolling oder mit Poppern und Stickbaits fangen.

YFT

Bild: J. Müller

Yellowfin Thunfische verfügen über ein tolles Farbkleid und die namensgebenden gelben Flossen.

Großaugen-Thunfisch – der Tiefe

Der Großaugen-Thunfisch ähnelt äußerlich dem Gelbflossen-Thunfisch, lebt jedoch meist in tieferen Wasserschichten. Beim Angeln auf diesen Thunfisch werden häufig tief laufende Köder oder Downrigger eingesetzt.

Skipjack-Thunfisch – der Kleine

Der Skipjack ist deutlich kleiner als die anderen genannten Arten. Er wird meist höchstens ca. 10 kg schwer, liefert am leichten Gerät aber ebenso brachiale Fluchten wie seine großen Verwandten. Der Rekord für den Skipjack-Thun liegt bei 34,5 kg. Besonders im Pazifik und Indischen Ozean lässt sich diese Thunfisch-Art fangen, oft sogar in größeren Stückzahlen.

Skippie

Bild: J. Müller

Skipjack Tune sind klein aber definitiv oho! Am leichten Gerät liefern sie ebenso brachiale Fluchten wie die großen Arten.

Die besten Reviere zum Angeln auf Thunfisch

Erfolgreiches Angeln auf Thunfisch beginnt mit der Wahl des richtigen Reviers. Thunfische sind pelagische Räuber und folgen großen Beuteschwärmen wie Sardinen oder Makrelen. Dabei legen sie enorme Strecken zurück. Die meisten Arten bevorzugen tiefes Wasser und sind eher selten direkt an der Küste zu finden.

Zu den weltweit bekanntesten Hotspots zählen:

  • Mittelmeer (Spanien, Kroatien, Italien)
  • Kanaren, Azoren und Madeira
  • Kapverdische Inseln
  • Mexiko und Baja California
  • Hawaii
  • Australien
  • Die Ostküste der USA
  • Panama
  • Nordsee (UK und Norwegen)
  • Kanada/Alaska (z.B. Nova Scotia)
BIG YFT

Bild: Robert Balkow

Thunfische findet man fast weltweit, Blauflossen Thune gibt es auch im Mittelmeer und der Nordsee – Yellowfins wie dieser sind aber eher in den Tropen zu finden.

Die effektivsten Methoden beim Angeln auf Thunfisch

Thun Trolling

Bild: J.Radtke

Beim Schleppfischen lässt sich eine große Wasserfläche nach Thunen absuchen – perfekt auch, um bei einem Platzwechsel weiterhin die Chance auf einen Biss zu haben.

Trolling

Trolling ist eine der beliebtesten Methoden beim Big Game Angeln und auch hervorragend für das Angeln auf Thunfisch geeignet. Dabei werden mit Geschwindigkeiten von ca. 6-12 kn meist mehrere Köder wie Skirts oder Wobbler hinter dem fahrenden Boot her geschleppt. Die hohen Schleppgeschwindigkeiten wären für heimische Fische deutlich zu schnell, sind aber für einen Thunfisch absolut kein Problem. Das Trolling erlaubt eine große Wasserfläche nach beißwilligen Fischen abzusuchen.

Spinnfischen

Beim Oberflächenangeln mit Poppern und Stickbaits oder Spinnfischen mit Casting-Jigs und Gummifischen auf Thunfisch entstehen spektakuläre Attacken, oft sogar auf Sicht. Das aktive Angeln mit der Spinnrute bietet sich vor allem dann an, wenn raubende Thunfische an der Oberfläche beobachtet werden können. Durch den langen Hebel mit einer Spinnrute im Vergleich zur kurzen Big Game oder Jigruten sollte der Angler hier ein gewisses Maß an körperlicher Fitness mitbringen. Spinnfischen auf Thunfische ist echter Hochleistungssport!

BFT Malle Spinnrute

Bild: R. Korn

Blauflossen-Thunfisch mit der Popperrute ist die absolute Königsdisziplin.

Jigging

Vertical oder Speed-Jigging eignet sich besonders gut für Großaugen-Thunfische oder immer dann, wenn Thune auf dem Echolot in größeren Tiefen zu sehen wind. Schwere Metalljigs werden dabei in Highspeed vertikal durch die Wassersäule geführt und imitieren flüchtende Beutefische. Nicht nur die Köderführung selbst ist bereits sehr anstrendend – die Bisse der Thune erfolgen auf die flott geführten Köder ebenfalls immer im D-Zug-Tempo!

Chumming

Vor allem im Mittelmeer ist diese Technik beliebt. Im Vergleich zu den aktiven Angeltechniken ist Chumming eher mit einem Karpfenansitz zu vergleichen – zumindest so lange, bis ein Thunfisch anbeißt und dann brachial Schnur von der Rolle strippt. Beim klassischen Chumming wird mit Sardinen und anderen Köderfischen vom treibenden oder verankerten Boot gefischt. In der Regel wird ebenfalls mit Sardinen angefüttert, um die Thune im offenen Meer in die Nähe des Bootes und zu den Ködern zu locken.

Chumming Gear tackle

Beim Chumming werden Sardinen und andere Köderfische mit Gewichten und Ballons in verschiedenen Tiefen angeboten. Nebenbei wird in aller Regel auch angefüttert.

Die richtige Ausrüstung für das Thunfisch-Angeln

Beim Angeln auf Thunfisch spielt neben der Fitness des Anglers auch das verwendete Gerät eine entscheidende Rolle. Thunfische entwickeln enorme Kräfte und stellen höchste Anforderungen an das verwendete Gerät.

Ruten für Thune

Ruten für Thunfisch müssen natürlich den auftretenden Kräften im Drill gewachsen sein. Gerade bei den Spinnruten müssen die Ruten aber auch in der Lage sein, selbst kleine Köder auf Weite zu bringen.

Drill Tuna Rute

Bild: R. Korn

Kurze Stand-Up-Ruten (Hier auch mit Bent-Butt – dem „geknickten“ Rutengriff) sind beliebt beim Thunfischangeln. In letzter Zeit liegen auch solche Ruten mit Spiralwicklung im Trend.

Geeignete Ruten sind beispielsweise:

Big Game Ruten

In der Regel kurze bis sehr kurze Ruten, die für den Drill mit Kampfgurt mit Kreuzabschluss versehen sind. Beim Chumming werden besonders gerne auch solche Ruten mit „Bent Butt“ eingesetzt. Das erleichtert das Handhaben der Ruten, wenn mehrere Ruten in den Haltern in der Bordwand platziert sind. Ebenfalls häufig sieht man in letzter Zeit Ruten mit einer Spiralwicklung. Durch diese Beringung soll die Kraft im Drill besser auf den Blank verteilt werden.

  • 20–30 lbs für kleinere Thunfische
  • 50–80 lbs für Gelbflossen-Thunfische, Big Eyes oder zum Chumming im Mittelmeer (wo eher kleinere Blauflossen-Thunfische zu erwarten sind)
  • 80–130 lbs für Blauflossen-Thunfische und große Yellowfin bzw. Big Eye Thune

Spinnruten

  • Meeres-Spinnruten oder typische Hechtruten (Wurfgewicht ca. 100g) für das leichte Angeln auf Skipjack-Thun
  • Spezielle Thunfisch-Popperruten (meist ca. 2,50m lang, PE6-8 oder noch schwerer) für Bluefin und Yellowfin Thune
Skipjack Drill Light Gear

Bild: J. Müller

Für Skipjack Thune reicht schon eine kräftige Spinnrute – atemberaubende Drills sind dann garantiert.

Jigruten

  • Leichtere Jigruten (ca. PE 3) für Skipjack
  • Schwere Jigruten (PE 4-8) für kleinere Yellowfin, Big Eye und Bluefin-Thunfische, extra schwere Jigruten (Bis PE12) für große Yellowfin und Bluefin Thune

Rollen

Der wohl am meisten geforderte Teil der Ausrüstung ist die Rolle beim Angeln auf Thunfische. Hier sollte nur hochwertiges Gerät zum Einsatz kommen, denn größere Thunfische können schnell einmal mehrere Hundert Meter Schnur von der Rolle ziehen – und das gegen satte Bremskräfte. Zum Spinnfischen kommen nur hochwertigste Statios zum Einsatz. Neben einem robusten Aufbau sollte die Rolle auch einen sehr hohen Schnureinzug haben, denn oft ist beim Spinnfischen eine echte Highspeed-Führung gefragt.

Beim Jiggen können sowohl robuste, niedrig übersetzte Stationärrollen, als auch hoch übersetzte Jigging-Multis verwendet werden. Beim klassischen Trolling und Chumming kommen in aller Regel Big Game Multirollen aus Vollmetall mit Schiebebremse zum Einsatz. Wichtig ist in allen Fällen eine ausreichende Schnurmenge auf der Rolle. Für Skipjack-Thune reichen 200-300 m Schnur, je nach Größe der Zielfische sind für die anderen Thunfische eher 400-500 m oder sogar 800-1000 m (große Blauflossen Thunfische) angebracht.

Drill bft

Bild: Dave Robinson/Nash Tackle

Gerade die Rolle hat beim Thunfischangeln kein leichtes Leben – nur hochwertige Modelle halten den Belastungen stand.

Schnüre und Vorfächer

Schnüre mit Tragkräften zwischen 30 und 130 lbs sind Standard beim Thunfisch angeln. Beim Spinnfischen und Jiggen haben sich geflochtene Schnüre etabliert. Zum Schleppangeln und Chumming ist Mono ebenfalls gut geeignet. Mono hat den Vorteil, dass es sich leichter handhaben lässt, weniger leicht verwickelt und auf der Rolle einschneidet als Geflecht. Da Thunfische sehr gute Augen haben (und auch gegen Abrieb durch Flossen und Zähne) werden in aller Regel robuste aber unauffällige Vorfächer aus Fluorocarbon oder Monofil verwendet.

Haken und Kleinteile

Wie eigentlich bei jedem anderen Teil der Ausrüstung beim Angeln auf Thunfisch ist auch die Qualität der Kleinteile wie Crimps, Wirbel und Haken enorm wichtig. Nur hochwertiges Material kann den großen Kräften im Drill mit einem Thunfisch widerstehen. Bei den Haken kommen in der Regel robuste (Big Game) Einzelhaken oder Drillinge (z.B. Spinnfischen), sowie beim Chumming vermehrt auch Circle Hooks zum Einsatz.

Tuna leader Hook

Bild: Sven Hille

Auch bei den Haken und anderen Kleinteilen sollte man beim Angeln auf Thunfisch nichts anbrennen lassen!

5 wichtige Extratipps für das Angeln auf Thunfisch

Selbst mit perfekter Ausrüstung ist es eine Herausforderung einen Thunfisch zu fangen. Einige strategische Tipps können jedoch den Unterschied machen.

1. Beobachten Sie die Natur: Seevögel, springende Fische oder Delfine weisen oft auf aktive Thunfischschwärme hin. Häufig verraten sich aktive Thunfische an der Oberfläche durch Feeding Frenzies und es sieht aus, als würde das Wasser kochen, wenn die Thune ihre Beute an die Oberfläche treiben. Dann ist es oft nur eine Frage der Zeit, bis der Biss erfolgt.

2. Variieren Sie Köder und Geschwindigkeit: Beim Trolling lohnt es sich, Geschwindigkeit und Ködergrößen regelmäßig zu wechseln. Manchmal fressen selbst große Thune erstaunlich kleine Beutefische. Auch der Einsatz von Teasern kann sich hier bezahlt machen.

3. Gerade beim Chumming ist oft Finesse gefragt: Das Vorfach muss oft sehr unauffällig sein, und der Haken gut im Köder versteckt, damit die Fische den Köder nehmen. Sollten Bisse ausbleiben, lohnt sich oft der Griff zu einem dünneren Leader. Mit einem sauberen Tuch sollte das Vorfach ab und an von Köderschleim und -Öl befreit werden, dadurch erscheint es im Wasser klarer und ist weniger leicht zu sehen.

4. Achten Sie auf die Tageszeit: Die Dämmerung ist oft die beste Zeit zum Thunfischangeln. Besonders früh morgens und am späten Nachmittag/Abend steigen die Chancen deutlich.

5. Teamarbeit ist entscheidend: Große Thunfische können den Angler in stundenlange Kämpfe verwickeln. Eine koordinierte Crew und gutes Teamwork an Bord erleichtern den Drill und die Landung erheblich.

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