Heringsangeln: Tipps für das Angeln auf die Silberlinge

Heringsangeln ist keine so leichte Übung, wie viele glauben. Das hat Thomas Bein an zahlreichen Angeltagen festgestellt. Aber er hat auch festgestellt, dass er mit bunten Paternostern mehr Heringe fängt als andere. Warum das so ist, erfährst Du in diesem Artikel.

Heringsangeln: Nach dem ersten Biss nicht gleich einholen - meistens beißt mindestens noch einer.

Nach dem ersten Biss nicht gleich einholen - meistens beißt mindestens noch einer.

Die besten ­Reviere zum Heringsangeln an der Ostseeküste:

  • die Schlei von Kappeln bis zur Mündung
  • der Nord-Ostsee-Kanal
  • die Kieler Förde
  • der Neustädter Hafen in Bremen
  • die Trave bei Travemünde
  • die Warnow bei Warnemünde oder Rostock
  • die Boddengewässer explizit der Strelasund bei Stralsund

Es gibt noch diverse weitere gute Fangplätze zum Heringsangeln, aber die genannten sind die, an denen man sehr gut vom Ufer aus angeln kann. Es empfiehlt sich, früh am Wasser zu sein, denn die wirklich guten Plätze sind meist schnell belegt.

Das richtige Gerät zum Heringsangeln

Es geht beim Heringsangeln weniger um Präzision als um Wurfweite. Oft werfen den ganzen Tag lang hunderte Angler ihre schweren Bleie nebeneinander in die Fluten. Die erreichte Wurfweite liegt dabei meist in einem Bereich bis 50 Meter. Natürlich haben die schweren Bleie gerade bei Fischen, die schon länger vor Ort sind, eine gewisse Scheuchwirkung. Denn sollte man das gerät für Wurfweite auslegen. Denn häufig stehen gerade die großen Schwärme weit draußen. Die Chancen, dort mehrere Heringe zu fangen, stehen dann deutlich besser.

Es gilt also, dass Gerät für weite Würfe zu optimieren: Dazu gehört eine nicht zu kleine Rolle (4000er Größe), bespult mit dünner Geflochtener (0,10–0,14 Millimeter). Eine drei Meter lange Spinnrute mit durchgehender, straffer Aktion und mindestens 40 Gramm Wurfgewicht bringt ein Heringsblei auf Distanz. Alternativ kann man natürlich auch anderes Gerät (Beispiel: Karpfenrute) verwenden, solange man dieses große Wurfweiten erreicht.

Mehr Gerät braucht es zum Heringsangeln nicht: Foto: BLINKER/J. Radtke

Mehr Gerät braucht es zum Heringsangeln nicht: Foto: BLINKER/J. Radtke

Heringe mögen es bunt

Als es für mich vor vielen Jahren zum ersten Mal an die Küste zum Heringsangeln ging, gab mir ein Angelfreund einen guten Rat: Nimm die weißen Paternoster, nur die mit echter Fischhaut und dann musst du immer so reißen mit der Rute. Der erste Versuch, Heringe damals noch im Rostocker Überseehafen zu fangen, ging gründlich daneben. Ein ganzer Angeltag brachte gerade mal fünf Heringe.

Heringsangeln: Wird hier gefangen? Bei der Heringssuche sollte man ein Auge auf die anderen Angler werfen. Foto: Blinker

Wird hier gefangen? Bei der Heringssuche sollte man ein Auge auf die anderen Angler werfen. Foto: BLINKER

Heute, gut 15 Jahre später, hat sich so mancher Kübel mit den Heringen gefüllt. Doch von dem guten Ratschlag des Angelfreundes von damals ist nicht mehr allzu viel übrig geblieben. Denn es hat sich gezeigt, dass die weißen Fischhaut-Paternoster nicht unbedingt die beste Wahl sind. Um den Beweis für diese Erkenntnis anzutreten, haben wir verschiedene Paternoster getestet und festgestellt: Sowohl das Paternoster als auch die Köderführung entscheiden darüber, wie voll der Eimer am Ende wird. Heringe zu fangen, wenn der Fisch gestapelt im Hafen steht, ist keine Kunst. Die Herausforderung besteht vor allem darin, die Heringe zum Anbiss zu überreden, wenn sie eigentlich gar nicht so richtig beißen wollen. Zuerst ist da die Köderführung. Viele Heringsangler reißen die Paternoster förmlich mit einer langen Rute in die Höhe und lassen sie dann wieder absinken, in der Hoffnung ein Hering schnappt sich einen der Köder. Dabei bringt eine langsame Köderführung meistens mehr Fische.

Viele Heringe und (fast) genauso viele unterschied­liche Heringspaternoster. Foto: BLINKER

Viele Heringe und (fast) genauso viele unterschiedliche Heringspaternoster. Foto: BLINKER

Strömung beim Heringsangeln beachten

An der Küste und in den Häfen gibt es immer Unterströmungen von auflaufendem und ablaufenden Wasser, und auch der Wind spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Wie beim Angeln mit Kunstködern im Süßwasser setze ich beim Heringsangeln gern die Faulenzermethode ein. Ich arbeite also nur ein bisschen über die Rolle und halte die Rute weitgehend still.

Paternoster mit echter Fischhaut gelten bei vielen Heringsanglern als die besten Köder. Foto: BLINKER

Paternoster mit echter Fischhaut gelten bei vielen Heringsanglern als die besten Köder. Foto: BLINKER

Das Blei liegt auf dem Grund, die Schnur wird einfach straff gehalten. Durch die Strömungen im Wasser tänzeln die einzelnen Seitenarme mit den Ködern des Paternosters über dem Grund. Ganz langsam und Stück für Stück wird das Paternoster herangekurbelt und nur leicht gezupft. Dann der erste Kontakt: Tok. Der Fisch hängt und ich spüre den leichten Zug. Wer jetzt noch einen Moment warten kann, holt vielleicht auch gleich den zweiten oder dritten Hering mit ans Paternoster. Ganz langsam wird die Montage mit Fisch herangekurbelt und oft fasst noch ein zweiter oder dritter Artgenosse zu, um den ersten Zubeißer in den Eimer zu begleiten.

Paternoster mit verschiedenen Farben. Nicht selten fängt nur eine ganz bestimmte Farbe. Foto: BLINKER

Paternoster mit verschiedenen Farben. Nicht selten fängt nur eine ganz bestimmte Farbe. Foto: BLINKER

Gerätekiste zum Heringsangeln im Überblick:

  • Spinnrute: bis 80 Gramm Wurf­gewicht
  • Heringsbleie: in den Gewichten von 30 bis 80 Gramm
  • Heringspaternoster: in unterschiedlichen Variationen und mit unterschiedlich großen Haken
  • Drahtsetzkescher
  • Totschläger
  • Messer

Manchmal sind die Strömungen aber auch sehr stark. Zum Beispiel auf dem Rügendamm kann der Wind einen entscheidenden Beitrag dazu leisten. Hier habe ich dann zum Teil mit einem 80 Gramm Birnenblei gefischt, um die Montage am Grund zu halten. Leichtes Zupfen hat dann schon gereicht, damit die Fische zum Biss verleitet werden. Nimmt man ein zu schweres Blei, kann man aber schnell an den Heringen vorbei angeln. Dann nämlich wenn sie in großen Schwärmen im Mittelwasser ziehen. Dann finden sie unseren Köder am Grund natürlich nicht. Für den Fall haben sich leichte Heringsbleie von 35 Gramm aber auch leichte Blinker bewährt. Sie trudeln nur langsam an der straff gespannten Schnur zum Grund und taumeln dabei länger als ein schweres Blei zwischen den ziehenden Heringen, die dadurch mehr Zeit haben, sich unseren Köder zu schnappen.

Farbenspiele

Nicht immer sind die einfachen, weißen Paternoster der Bringer, um den Heringseimer zu füllen. Ich habe nun schon einige Tage an der Küste erlebt, an denen die Angler dicht an dicht standen, aber nur einige von ihnen wirklich gut gefangen haben. Der Grund dafür war wirklich das Paternoster. Farbige Paternoster aus Silikonfolien, manchmal noch mit kleinen Glitzerstreifen garniert, haben an vielen Tagen deutlich mehr Fisch in meine Kiste gebracht als die weißen Paternoster der benachbarten Angler.

Treffen der Heringsangler auf dem Rügendamm. Alle machen dasselbe, aber einige fangen immer besser. Foto: BLINKER

Treffen der Heringsangler auf dem Rügendamm. Alle machen dasselbe, aber einige fangen immer besser. Foto: BLINKER

Es ist dann schon erstaunlich mit anzusehen, wie die Angelkollegen immer nervöser und hektischer werden, wenn man einen Fisch nach dem anderen aus dem Wasser zieht und bei ihnen der Haken leer bleibt. Einige haben dann verzweifelt die Stelle gewechselt. Anderen habe ich ein Paternoster geliehen und siehe da: Auch bei ihnen bissen die Heringe plötzlich. Woran diese Farbenfreude der Heringe liegt, kann ich nicht genau sagen. Bei hellem Wetter funktionieren die farbigen Paternoster jedenfalls deutlich besser und bringen zum Teil dreimal soviel Hering wie die einfachen, weißen Heringspaternoster mit der Fischhaut in die Kiste. Vor allem auf dem Rügendamm, wo die Angler zur Saison Schulter an Schulter stehen, sind die Unterschiede sehr deutlich.

Fische suchen

In vielen Bereichen der Ostsee muss man die Heringe immer wieder suchen. Ich erlebe das zum Beispiel an der Rostocker Warnow. Mal sind die Fische im Bereich des Stadthafens, mal viel weiter stromab. Mal stehen sie am Rande der Fahrrinne und mal im Meter tiefen Wasser direkt an den Schilfkanten. Wenn man sich hier eine halbe Stunde an einer Stelle aufgehalten hat, ohne einen Hering am Band zu haben, sollte man die Stelle wechseln.

Im Frühjahr gibt es vor allem in Rostock regelrechte Heringswanderungen der Angler an den Ufern. Die Angler sind mit Mofas, Fahrrädern und Autos ununterbrochen unterwegs, um auszukundschaften, wo sich die Fische aufhalten und wo gerade gefangen wird. Um sich selbst die Suche zu erleichtern, sollte man mit den anderen Heringssuchern ruhig einige Worte wechseln. So findet man schnell heraus, wo sich ein Versuch lohnt und welche Stellen man besser gar nicht anfährt.

Erfahrungsgemäß beißen die Heringe vor allem in den Morgen- und Abendstunden am besten. Aber auch tagsüber kann immer mal wieder ein starker Schwarm hereinkommen und ganz schnell 30 oder 40 Fische in die Kiste bringen. Man kann beim Heringsangeln Sternstunden erleben, aber auch hin und wieder Schneider bleiben. Auf jeden Fall ist eines sicher: Auch das Heringsangeln ist nicht kinderleicht und der Hering kein dummer Fisch, dem man nur irgendein Paternoster vor die Nase zu werfen braucht, damit er sich wie von Sinnen draufstürzt. Auch der Hering will nach allen Regeln der anglerischen Kunst verführt werden, bevor er sich als Lohn der Mühe in unsere Fischkiste gesellt und anschließend in der Pfanne gebräunt oder im Rauch vergoldet wird.

Video-Tipp: Heringe richtig filetieren


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ANGELSEE aktuell ist das einzige Magazin im deutschsprachigen Raum für die stetig wachsende Zahl der Angler, die an Angelseen, auch Forellenteiche genannt, ihre Köder auswerfen.
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