- Revierfrage: Hier lohnt sich der Ansitz
- Das passende Gerät für Schleie
- Köder und Montagen für Schleie: Das sollte an den Haken
- Ein faszinierender Zielfisch
Der Wecker klingelt um 2 Uhr. Schnell schlage ich auf die Off-Taste, um meine bessere Hälfte nicht zu wecken. Zu spät. Sie ist schon wach. Ich selbst habe in dieser Nacht vor Aufregung kaum geschlafen, denn heute soll es zum Schleienangeln gehen. Als ich gähnend aus dem Bad komme, reicht mir meine Frau schon die belegten Brote. Küsschen. Herzlichen Dank!
Eine knappe Autostunde später bin ich am Wasser. Was man nicht alles auf sich nimmt, um eine der Schönheiten mit den roten Augen an den Haken zu bekommen. Noch ist es dunkel, aber es sollte nicht mehr lange dauern, bis die Sonne aufgeht. Also absolviere ich noch im Dunkeln die 500 Meter Fußmarsch bis zum Angelplatz.

Bild: W. Krause
Frühaufsteher haben beim gezielten Schleienangeln meistens die Nase vorn – ab Vormittag geht die Bissquot oft drastisch zurück!
Schleien lieben die Dämmerung. Sowohl Morgens als auch Abends. Aber – im Gegensatz zu vielen Menschen – sind sie eher die Frühaufsteher. Ihre Beißzeit ist morgens deutlich ausgeprägter. Bis neun Uhr kann man mit regelmäßigen Bissen rechnen. In Ausnahmen auch bis kurz nach Mittag. Dann ist Flaute, bis es Abends wieder losgeht. Warum das so ist, konnte ich bislang nicht ermitteln. Aber das macht den Reiz eben auch aus!
1.Revierfrage: Hier lohnt sich der Ansitz
Gute Schleiengewässer sind meist nicht sehr tief. Ich befische bevorzugt einen See, der an keiner Stelle tiefer als drei Meter ist. Außerdem ist er von Schilf umgeben, und genau davor will ich angeln. Hier ist es im Schnitt einen halben bis einen Meter tief. Ein paar Tage Sonnenschein im Frühjahr reichen, dass sich das Wasser so weit erwärmt hat, dass die Schleien erste Nahrung aufnehmen. Wichtig: Die Montage muss direkt vor dem Schilf liegen.
Schleien fühlen sich in den unterschiedlichsten Habitaten wohl. Deshalb kommen sie auch in den allermeisten Ecken Deutschlands vor. Klassische Schleiengewässer sind kleine Teiche mit weichem Grund und Seerosen oder krautige Kiesseen mit hartem Boden. In jedem Fall ist genaues Ausloten der Tiefe Pflicht, damit der Köder nicht im Sediment oder Gemüse versinkt, sondern von der Schleie auch gefunden wird.

Bild: F. Pippardt
Typisches Schleiengewässer: Flach und am besten mit Kraut, Schilf und Seerosen.
Schleien sind im Drill überraschend gute Kämpfer. Gegenüber der bulligen Kraft eines Karpfens haben sie eher etwas „Flatterhaftes“, was man bei ihren Fluchten perfekt in der feinen Posenrute spürt. Meist bleiben die Fische hart am Grund, und mit großen Exemplaren von über 40 Zentimetern hat man sogar ganz schön zu tun.
2.Das passende Gerät für Schleie
Als Rute zum Schleienangeln verwende ich eine kräftige Matchrute oder eine Posenrute mit einer Testkurve von 1,5 lbs und einer Länge von 3,60 oder 3,90 Metern. Damit lassen sich Schleien über Krautfelder am Ufer hinweg dirigieren. Als Rolle reicht eine kleine Stationärrolle der 2500er-Größe mit einer 0,20er Hauptschnur.
Außerdem fische ich am liebsten mit der Pose auf Schleien. In flachen Gewässern bevorzuge ich die transparenten Drennan- oder Middy-Modelle. Bei starkem Wind und Oberflächendrift, aber auch in tieferen Gewässern, kommt eine Pose mit tief liegendem Körper zum Einsatz. Diese steht auch jetzt noch stabil im Wasser.

Bild: A. Pawlitzki
Schweres Gerät ist zum Posenangeln auf Schleie nicht notwendig: Fein fischt hier meist besser!
Meine Pose stelle ich ein wenig übertief ein. Beträgt die Wassertiefe einen halben Meter, wird die Pose nach 55 Zentimetern an der Hauptschnur gestoppt. Nach dem Wurf spanne ich die Pose so, dass nur noch die Posenspitze aus dem Wasser guckt. Nimmt eine Schleie den Köder auf, hebt er die Tungsten-Paste, die ich statt eines Schrotbleies verwende, mit an. Die Pose steigt mit ihrer langen Antenne aus dem Wasser. Sie „liftet sich“. Ein typischer Hebebiss – ich kann sofort anschlagen.

Bild: B. Gierth
So funktioniert die Bissanzeige mit der übertief eingestellten Pose: Beim Biss fällt die Pose einfach um.
3.Köder und Montagen für Schleie: Das sollte an den Haken
Mistwürmer sind für mich vielleicht der beste Köder für Schleie überhaupt. Dabei biete ich einen oder zwei kleine Würmer am 14er-10er Haken an. Wofür ich mich entscheide, hängt von der gefühlten Tagesform der Fische ab. Bekomme ich auf den „großen“ Köder viele Fehlbisse, schalte ich einfach einen Gang runter. Halten Sie sich in Sachen Köder ruhig an den Wurm – er reicht in der Regel völlig aus, um eine Schleie zum Biss zu reizen.

Bild: E. Hartwich
Mit aromatischen Mistwürmern macht man beim Schleienangeln selten etwas verkehrt!
Schlaue Schleie? Jetzt kommt der Wurm ans Haar!
An Gewässern, in denen viel mit Würmern gefischt wird, riecht die Schleie manchmal den Braten, nimmt den Köder genau unter die Lupe und spielt mit diesen herum. Bemerke ich dies, befestige ich den Wurm am Haar. Das funktioniert nicht nur beim Karpfenangeln mit einem Köder wie dem Boilie, sondern auch bei der Schleie und einem Wurm. Und es ist recht einfach: Sie benötigen nur ein Haarvorfach und einen Push Stop.

Bild: W. Krause
Ein Wurm mit Baitstop am Haar montiert ist immer dann eine gute Antwort, wenn die Schleien viel mit dem Köder spielen.
Schleie: Alternative Köder-Variante und das passende Anfutter
Ein Köder, der mir neben dem Wurm die meisten Schleien gebracht hat, ist Dosenmais. ein absoluter Klassiker für Friedfischangler. Gerne ködere ich ein gelbes Korn zusammen mit einem kleinen Wurm oder einer Made auf den Haken. Anscheinend lockt die grelle Farbe des Maiskorns die Schleien an, dann finden sie den Köder und versuchen, diesen zu fressen. Und die Pose steigt erneut aus dem Wasser.

Bild: Archiv Blinker
Ein auffälliges Maiskorn in Kombination mit Made oder Wurm ist oft eine top Köder-Variante.
Beim Angeln auf Schleie spielt nicht nur der Köder eine Rolle – auch Anfüttern kann sich bezahlt machen! Als Futtermittel für Schleien setze ich auf Hanf aus der Dose, der von vielen Angelgerätefirmen angeboten wird. Die kleinen schwarzen Körnchen haben aus irgendeinem Grund eine enorme Anziehungskraft auf die goldgrünen Schleien. Ohne Hanf gehe ich erst gar nicht ans Wasser! Damit ich die Körner ausbringen kann, gebe ich dem Hanf soviel Pulverfutter bei, dass er sich gerade eben so Ballen formen lassen, die aber beim Auftreffen auf die Oberfläche auseinanderbrechen.

Bild: E. Hartwich
Schleien stehen auf Hanf! Perfekt, um die Moosgrünen an den Platz zu locken!
Mit dem Festblei abräumen: Schleie ganz nach Karpfen-Manier
Neben der feinen Angelei Matchrute und Pose, kann man Schleien auch hervorragend mit klassischen Karpfenmontagen und Festblei beangeln. Hat man gezielt Schleien im Visier, wird die Montage etwas filigraner aufgebaut als beim reinen Karpfenangeln, dennoch sollte man immer genug Reserven haben, falls ein Karpfen beißt. Denn das kann man nie wirklich ausschließen – in den meisten Schleien-Gewässern kommen auch Karpfen vor. Für das Angeln mit dem Festblei genügen leichtere Karpfenruten in z.B. 2–2,75 lbs und auf der Rolle genügt hier schon eine 0,30er Schnur.

Bild: T. Steinbrück
Das Chod-Rig punktet auch auf Schleie. Als Köder sind kleine Pop-Ups top. Das Gewicht sollte hier nicht so schwer sein – ca. 50g reichen.
In Sachen Montage ist das Chod-Rig ein heißer Kandidat, auch für Schleie. Das Chod-Rig ist eine Karpfenmontage, bei der ein kurzes, sehr steifes Vorfach frei auf einem schnellsinkenden Leadcore (geflochtene Schnur mit Bleiseele) gleitet. Durch diese flexible Konstruktion legt sich dieses Rig sogar auf Krautteppichen sanft ab – vorausgesetzt, das Leadcore ist länger als das Kraut. In Sachen Hakengröße liegst du für Schleie mit Größe 8 richtig, das passt perfekt für Pop-Ups in 10-15mm.

Bild: [M] Joshua Zettelmeier für den BLINKER; verw. Bilder: JP Danko/Stocksy/Adobe Stock; BLINKER; telletic
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PVA und Method-Feeder: Hängerfrei am Gemüse vorbei
Ist der Krautwuchs noch überschaubar, oder ist der Grund sauber (z.B. vor Schilfkanten oder der Krautkante), genügt vielleicht auch schon ein PVA-Beutel, um die Montage sicher zum Grund zu bringen und den Köder reizvoll zu präsentieren. Im PVA-Beutel wird die komplette Montage aus Inline-Blei und kurzem Boilie-Vorfach zusammen mit Futter (Stick-Mix, Pellets, zerkleinerte Boilies) untergebracht.
Der PVA-Beutel schützt den Haken, so kann sich das Rig beim Absinken nicht im Kraut verfangen. Nach einer Weile löst sich der Beutel im Wasser auf und der Köder wird dann verführerisch auf einem Häufchen Futter präsentiert. Einen ähnlichen Effekt bekommt man, wenn man den Haken samt Köder auf einem Method-Feeder anbietet.

Bild: T. Steinbrück
Auch ein PVA-Beutel kann verhindern, dass sich das Rig im Kraut verfängt. Außerdem liegt so immer ein wenig Futter direkt beim Köder.
4.Ein faszinierender Zielfisch
Die Schleie fasziniert nicht nur durch ihr makelloses Äußeres mit der moosgrünen Farbe und den feuerroten Augen. Auch lassen sich bei den Schleien Männchen (Milchner) und Weibchen (Rogner) – anders als bei anderen Fischen – leicht unterscheiden. Betrachtet man beide nebeneinander, fallen die großen, abgerundeten Bauchflossen des Schleienmännchens auf. Die weiblichen Schleien haben dagegen kleinere, spitzer zulaufende Brustflossen. Beim Männchen reichen diese bis ans Waidloch heran, beim Weibchen enden sie davor.

Bild: W. Hauer
Die Männchen haben besonders große Bauchflossen, fast wie Flügel.

Bild: W. Hauer
Bei den Weibchen sind diese Flossen deutlich kleiner.
Wussten Sie, dass …

Bild: Ch. Chew
Schleien sind nicht nur wunderschön, sondern auch echte Überlebenskünstler!
- … sich der Name Schleie von ihrer Haut ableitet? Diese fühlt sich wegen der kleinen Schuppen sehr schleimig und schlüpfrig an. Die Schleie wird daher auch „Schlüpfling“ genannt.
- … man dem Schleim der Schleien heilsame Wirkung zuschreibt? Deshalb wird die Schleie auch als Doktorfisch bezeichnet.
- … Schleien sich auch durch ihre große Widerstandsfähigkeit gegen Sauerstoffmangel und saures Moorwasser auszeichnen? Als äußerst anpassungsfähige Art verträgt die Schleie sowohl niedrigste Sauerstoffgehalte als auch extreme pH-Werte und fühlt sich sogar im Sommer in abgestandenem Wasser wohl. Den Sauerstoffmangel in flachen, schlammigen Seen übersteht sie, indem sie in eine Kälte- und Hitzestarre verfällt.
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Schöne Schleienfänge auch unter: www.angelmasters.de









