Anfüttern: Zielgerichtet und verantwortungsbewusst

Anfüttern bringt ohne Zweifel mehr Fische – soll jedoch den Gewässern ­schaden. Ist das wirklich so? Die Fischerei­biologen Thomas Klefoth, Matthias Emmrich, Ralf Gerken und Florian Möllers vom Anglerverband Niedersachsen klären auf. Außerdem stellen wir euch hier die richtige Futter-Strategie vor und wie ihr euer Lockfutter preiswert herstellen könnt.

Hier wird großflächig gefüttert, um die Fische am Platz zu halten.

Bild: Blinker/ D. Konopatzki

Hier wird großflächig gefüttert, um die Fische am Platz zu halten.

Für Friedfischangler ist Angeln ohne Anfüttern nicht denkbar, egal ob ein Köderfisch oder ein kapitaler Schuppenträger erbeutet werden soll. Man weiß: Wer füttert, fängt schneller und mehr. Doch die Praxis des Anfütterns ist zunehmend in die Kritik geraten. Sowohl aus Angler- als auch aus Behördenkreisen werden die Stimmen lauter, dass die mit dem Anfüttern verbundenen Nährstoff­einträge dauerhaft den Gewässern schaden.

Verbote von Anfuttermitteln oder gleich des gesamten Angelns, wie etwa vom ­Niedersächsischen Landkreistag für ­(manche) Natura 2000-Gebiete vorgeschlagen, sind die Konsequenz. Dies haben wir beim Anglerverband Niedersachsen zum Anlass genommen, eine Nährstoffbilanz des Friedfischangelns zu erstellen und die verfügbare wissenschaftliche Literatur zum Anfüttern zusammenzufassen. Dabei haben wir festgestellt, dass Verbote von Anfuttermitteln nicht begründbar sind.

Anfüttern aus Sicht des Anglers

Der durchschnittliche deutsche Angler verwendet rund 60 Gramm Anfutter­mittel je Angelstunde und 7,3 Kilogramm Futtermittel pro Jahr, welches überwiegend aus Getreide und Getreidemehlen besteht.    Allerdings füttern 48,5 Prozent der deutschen Angler gar nicht an, sodass die andere Hälfte der Anglerschaft rund 120 bis 150 Gramm Futter je Angelstunde einsetzt.

Die Spannweite der eingesetzten Futtermengen schwankt dabei gewaltig und liegt zwischen null und 300 Kilo pro Angler und Jahr. Im europäischen Vergleich füttern deutsche Angler damit sogar ­vergleichsweise wenig. Durch das Anfüttern kann der Angler insbesondere Friedfische an die Angelstelle locken und so die Fangrate mitunter um ein Vielfaches steigern (Diagramm). Folglich ist Anfüttern ein wichtiger Bestandteil des Angelns.

Empfehlungen für Angler­ und Gewäs­ser­bewirtsch­after

  • Nur nachfüttern, wenn Fische am Platz sind.
  • Tageshöchstgrenzen für Anfuttermittel in sensiblen Gewässern einführen.
  • Nachhaltiges Anfüttern ist dann gegeben, wenn die eingebrachte Futtermenge (kg) kleiner als die entnommene Fischbiomasse ist.
  • Auch mal die oft ungeliebten Weißfische entnehmen.

Anfüttern aus Sicht der Fische

Das Anfüttern stellt einen Nahrungseintrag für Fische dar, von dem sie grundsätzlich profitieren. Da die meisten eingebrachten Futtermittel von den Fischen auch gefressen werden, handelt es sich beim Anfüttern um eine Nahrungsergänzung, vergleichbar mit dem Füttern von Singvögeln in Städten, Gärten und Parks. Aus Sicht des Fisches liefern Futtermittel also wichtige und einfach verfügbare Nährstoffe für Wachstum und Vermehrung.

Futterbälle und Maden: Mit dem Pole Cup ist es möglich, beide punktgenau auszubringen.

Bild: Blinker/H. Plass

Futterbälle und Maden: Mit dem Pole Cup ist es möglich, beide punktgenau auszubringen.

Anfüttern aus Sicht des Ökosystems

Ein Hauptargument für Anfütterverbote sind die damit verbundenen Nährstoff­einträge. Für die propagierten Gewässerverschlechterungen durch Angler ist Phosphor der entscheidende Faktor. In zu hohen Konzentrationen lässt Phosphor Gewässer schneller altern und kann zu Blaualgenblüten führen. Phosphor wird in Form von Anfutter in das Gewässer eingebracht, jedoch in Form des geangelten Fisches auch wieder ausgetragen (Diagramm), denn Fische nehmen den Nährstoff über ihre Nahrung auf und lagern ihn in Knochen und Gewebe ein.

Phosphorausträge durch Fischentnahme (schwarze Linie) und Netto-Phosphoreinträge bei Verwendung durchschnittlicher Futtermixe (gestrichelte Linie). Beim Einsatz von rund 2 kg Futtermittel werden dem Gewässer durchschnittlich die meisten Nährstoffe entzogen, da die Fänge durch das Füttern überproportional ansteigen.

Bild: Blinker

Beim Einsatz von rund 2 kg Futtermittel werden dem Gewässer durchschnittlich die meisten Nährstoffe entzogen, da die Fänge durch das Füttern überproportional ansteigen.

Bezieht man auch die Extreme des Anfütterns und des Zurücksetzens von Fischen ein, trägt jeder deutsche Angler in Form von Anfuttermitteln 34 Gramm Phosphor pro Jahr in die Gewässer ein; im gleichen Zeitraum entnimmt er 13 Kilo Fisch. Diese Fische enthalten im Mittel 0,56 bis 0,70 Prozent Phosphor – die durchschnittliche Nährstoffentnahme pro Angler beträgt also zwischen 73 und 91 Gramm Phosphor im Jahr. In anderen Worten: Der deutsche Durchschnitts­angler entzieht den Gewässern mehr als doppelt so viel Phosphor wie er durch das Anfüttern einträgt!

Zudem steigt die Menge gefangener Fische durch moderates Anfüttern überproportional an (bis zu einer Futtermenge von zirka zwei bis drei Kilo pro Angler und Tag), sodass die Nährstoff­bilanz der Angler durch moderates Anfüttern sogar verbessert wird (Diagramm). Zu dieser Schlussfolgerung, dass Angler den Gewässern grundsätzlich Nährstoffe entziehen, kamen übrigens auch Studien aus England, Portugal und Polen.

Anfüttern: Mit der richtige Strategie zum Fisch

Ein fester Gewässerboden ist beim Anfüttern immer besser geeignet, weil der Köder und das Futter nicht im Schlamm einsinken und schnell von den Fischen gefunden werden. Wie viel gefüttert wird, ist immer abhängig von der Dichte des Fischbestandes und wie das Futter angenommen wird. Hat man keine Informationen über den Friedfischbestand in einem neuen Gewässer, ist es immer ratsam, vorsichtig anzufangen und dann, wenn nötig, die Futtermenge zu erhöhen.

Vor allem an Gewässern mit hohem Angeldruck muss man sich eine Futtertaktik überlegen. Dabei gilt: Je länger sich Fische an der Futterstelle aufhalten und je mehr Vertrauen er beim Fressen gewinnt, desto eher macht er einen Fehler und nimmt den Hakenköder auf.  Gefüttert wird sowohl mit Boilies als auch mit Partikelködern wie Tigernüssen, Hartmais und weißen Bohnen.

Mais gibt es mittlerweile in allen möglichen Farben. Er eignet sich sowohl zum Anfüttern als auch als Hakenköder.

Bild: Blinker/JG

Mais gibt es mittlerweile in allen möglichen Farben. Er eignet sich sowohl zum Anfüttern als auch als Hakenköder.

Futter-Strategien beim Karpfenangeln

Beim Anfüttern hat es sich immer wieder bewährt, das Futter in einer bestimmten Form im Gewässer zu verteilen:

  • X-Fütterung

    Bei der X-Fütterung wird das Futter X-förmig im See ausgebracht. So können die Karpfen von vier Enden auf den Futterplatz stoßen. Diese Strategie ist vor allem in größeren Seen vorteilhaft. Die Größe des Futterplatzes in X-Form wird zwischen 30 und 50 Meter gewählt, sodass die Fische schnell auf die Futterbahn stoßen. Die Köder werden dabei direkt auf der Futterspur abgelegt. Diese Methode ist geeignet, um eine große Fläche mit verhältnismäßig wenig Futter abzudecken.

    Bei der X-Fütterung wird das Futter X-förmig im See ausgebracht. So können die Karpfen von vier Enden auf den Futterplatz stoßen. Diese Strategie ist vor allem in größeren Seen vorteilhaft. Die Größe des Futterplatzes in X-Form wird zwischen 30 und 50 Meter gewählt, sodass die Fische schnell auf die Futterbahn stoßen. Die Köder werden dabei direkt auf der Futterspur abgelegt. Diese Methode ist geeignet, um eine große Fläche mit verhältnismäßig wenig Futter abzudecken.

    Bild: Blinker/R.Jahnke

  • V-Fütterung in Ufernähe

    Die V-Fütterung wird vor allem im unmittelbaren Uferbereich eingesetzt. Hier ist das Wasser recht flach, und die Fische lassen sich leicht zum Köder führen, wenn sie von links oder rechts das Ufer entlang patrouillieren und auf die Futterspur stoßen. Die Spitze des V zeigt in Richtung Gewässermitte. Auch hier gehört der Köder genau auf die Futterspur gelegt werden.

    Die V-Fütterung wird vor allem im unmittelbaren Uferbereich eingesetzt. Hier ist das Wasser recht flach, und die Fische lassen sich leicht zum Köder führen, wenn sie von links oder rechts das Ufer entlang patrouillieren und auf die Futterspur stoßen. Die Spitze des V zeigt in Richtung Gewässermitte. Auch hier gehört der Köder genau auf die Futterspur gelegt werden.

    Bild: Blinker/R.Jahnke

  • Punktfütterung

    Bei der Punktfütterung wird das Futter auf eine möglichst kleine Fläche beschränkt. Die Punktfütterung ist vor allem an Kraut- und Seerosenfeldern erfolgreich, sofern man weiß, wo die Fische entlang ziehen, um Nahrung aufzunehmen. Oft machen die Karpfen aber durch Rollen an der Oberfläche auf ihre Fress-Straßen aufmerksam.

    Bei der Punktfütterung wird das Futter auf eine möglichst kleine Fläche beschränkt. Die Punktfütterung ist vor allem an Kraut- und Seerosenfeldern erfolgreich, sofern man weiß, wo die Fische entlang ziehen, um Nahrung aufzunehmen. Oft machen die Karpfen aber durch Rollen an der Oberfläche auf ihre Fress-Straßen aufmerksam.

    Bild: Blinker/R.Jahnke

  • Kreisfütterung

    Bei der Kreisfütterung wird das Futter als Spur kreisförmig ausgelegt. Die Fische suchen den Futterkreis Schritt für Schritt ab, so entsteht wenig Unruhe am Hakenköder. Die Köder an den Ruten werden entweder in der Mitte des Kreises oder außerhalb davon platziert. Insbesondere in viel befischten Gewässern eine Erfolgsgarantie.

    Die kleineren, unerfahrenen Fische nehmen den Futterplatz in der Regel schneller an, als die alten erfahrenen Karpfen, die sich meistens abseits des Getümmels aufhalten, wo dann unser Hakenköder liegen sollte.

    Um die Distanz des Futterplatzes zum Ufer zu ermitteln, steckt man zwei Erdspieße im Abstand von 5 Meter in den Boden. Das Schnurende wird an einem Spieß befestigt. Dann führt man die Schnur um die Spieße, bis sich die Markierung am untersten Rutenring befindet und addiert die Strecken.

    Bild: Blinker/Jahnke

    Um die Distanz des Futterplatzes zum Ufer zu ermitteln, steckt man zwei Erdspieße im Abstand von 5 Meter in den Boden. Das Schnurende wird an einem Spieß befestigt. Dann führt man die Schnur um die Spieße, bis sich die Markierung am untersten Rutenring befindet und addiert die Strecken.

Anfüttern mit den richtigen Zutaten

Für viele Angler beginnt die Saison mit dem Angeln auf Weißfische. Beim Stippen und Feedern heißt das richtig anfüttern! Wir zeigen, wie das Lockfutter preiswert und gut wird.  Von Guido Müller und Tobias Steinbrück

Grundlage unseres Beifutters bildet ein Fertigmix vom Händler, den wir mit preiswerten, herkömmlichen Zutaten aus dem Supermarkt verfeinern und somit die Menge enorm vergrößern. Zu einer 1-kg-Tüte Fertigmix kommt Paniermehl, fertig gekauft bzw. mittels Küchenreibe aus alten, trockenen Brötchen selbst hergestellt, Maisgries und Vogelfutter in Körnerform. Im Frühjahr bevorzugen wir einen würzigen Mix, z. B. mit Hanf oder Anis. Alle Zutaten werden gut vermischt und ergeben ein effektives Lockfutter. Mit der Zugabe einiger Tropfen Aroma verleiht man dem Mix die eigene Note.

Die besten Futterrezepte für Friedfische:
Ihr sucht fängige Futterrezepte? Hier stellen wir Eure Top-Futtermischungen zum angeln auf Karpfen, Rotaugen, Brassen und weiteren Friedfischen ausführlich vor.

Das optimale Futter, um im Fluss auf Brassen & Co. zu angeln

Bild: BLINKER

Das optimale Futter, um im Fluss auf Brassen und Co. zu angeln.

Ohnehin sollte man sich immer „sein“ Futter zusammenmischen – Futter, das exakt auf die Bedingungen am Gewässer abgestimmt ist. Kaum ein Profi-Stipper verwendet ausschließlich Einzelfutter. Die Spezis mischen verschiedene Sorten zusammen oder kreieren ganz eigene Schöpfungen. Die funktionieren dann an ihrem Gewässer hervorragend, können aber am nächsten See oder Fluss komplett versagen.

Ursächlich dafür sind die verschiedenen Geschmacksstoffe, die man dem Futter beimischen kann: Ein echtes „Stinkefutter“ für den Einsatz in belasteten Gewässern dürfte in einem kristallklaren Baggersee durch seine immense Duftwolke eher abschreckend wirken.

Schwer und leicht anfüttern

Generell unterscheidet sich Futter für das Flussangeln und für das Angeln im Stillwasser in der Dichte. Flussfutter ist meistens schwer, oft versetzt mit Erde, Lehm oder gar Kies, damit es in der starken Strömung schnell zum Grund sinkt, sich dort aber nur langsam auflöst.

Teichfutter sind dagegen oft leicht, locker und fluffig. Sie sinken relativ langsam zum Grund und erzeugen bei entsprechender Mixtur eine Futtersäule von der Oberfläche bis zum Grund, die lange in der Schwebe bleibt.

Als Grundlage für beide Futtersorten kann man sich ein fertiges Grundfutter kaufen. Dem setzt man dann eigene Aromen zu oder streckt sie z. B. mit verschiedenen Mehlen aus Haferflocken, Kokosraspeln usw. aus dem Lebensmittelhandel oder Tierfutterhandel. Gerade so, wie man es braucht! Das ist in den allermeisten Fällen billiger als der Kauf teurer Spezialmischungen.

Noch billiger wird es, wenn man sich mit mehreren Angelkollegen zusammentut und Futter in großen Gebinden, am besten gleich für das ganze Jahr, bestellt. Denn je größer die Menge, die man kauft, desto günstiger wird der Kilo-Preis. Und das spart bares Geld!

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    ANGELSEE aktuell ist das einzige Magazin im deutschsprachigen Raum für die stetig wachsende Zahl der Angler, die an Angelseen, auch Forellenteiche genannt, ihre Köder auswerfen.
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