Anfüttern beim Karpfenangeln: notwendig oder überflüssig?

Anfüttern beim Karpfenangeln – ja oder nein? Dieses Thema wird unter Karpfenanglern oft heiß diskutiert. Vor dem Angeln, beim Angeln oder gar nicht – es gibt viele Vorgehensweisen.

5 Tipps fürs Anfüttern beim Karpfenangeln:

  • Wenn möglich mehrere Tage vor dem Angeln anfüttern – und immer zur gleichen Zeit.
  • Auch Wasservögel mögen Boilies und Mais: Wer nachts abfüttert schlägt den Mitessern ein Schnippchen.
  • Für längere Futterkampagnen keine Plätze wählen, die häufig gefischt werden. Dort können die Karpfen kein Vertrauen zum Futter fassen.
  • Befinden sich viele Weißfische und Karpfen im Gewässer, darf man auch größere Futtermengen einbringen.
  • Zu Beginn des Angeltages sparsam Anfüttern und erst bei Fischaktivität nachlegen.

Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass regelmäßiges Anfüttern beim Karpfenangeln die Fangaussichten beim steigert: Wer mehrere Tage vor dem Angeln eine Stelle mit Futter präpariert, gewöhnt die Fische daran, dass es dort etwas zu fressen zu gibt. Nach einiger Zeit wird der Platz regelmäßig von den Rüsslern aufgesucht. Wichtig ist, dass man immer zur gleichen Zeit anfüttert.

So kann man die Fische sogar auf eine bestimmte Uhrzeit konditionieren. Wichtig ist, dass man am Angeltag die Ruten schon ausgeworfen hat und Ruhe am Angelplatz eingekehrt ist, wenn die „Anfütterzeit“ anbricht. Dann schöpfen die Karpfen keinen Verdacht. Und was auch bedeutsam ist: Der Platz sollte während der Futterkampagne möglichst nicht befugt werden. Sonst können die Karpfen kein Vertrauen zum Futter aufbauen.

Anfüttern beim Karpfenangeln - ja oder nein? Dieses Thema wird unter Karpfenanglern oft heiß diskutiert. Vor dem Angeln, beim Angeln oder gar nicht - es gibt viele Vorgehensweisen.

Anfüttern beim Karpfenangeln – ja oder nein? Dieses Thema wird unter Karpfenanglern oft heiß diskutiert. Vor dem Angeln, beim Angeln oder gar nicht – es gibt viele Vorgehensweisen. Foto: G. Bradler

Anfüttern beim Karpfenangeln: Die richtige Strategie

Anfüttern unmittelbar vor und während des Angelns steigert ebenfalls die Fangchancen, denn so lockt man die Karpfen an den Platz. Man darf beim Füttern nicht zu großzügig sein, sonst kann es passieren, dass die Fische aufgrund der großen Futtermenge den Hakenköder nicht finden. So ist das Anführen kontraproduktiv. Aussichtsreicher ist es, zunächst eine kleinere Menge Futter einzubringen und nach jedem Biss etwas nachzulegen. So hält man die Fische an der Stelle und kann auf weitere Bisse hoffen.

Kein Futter oder ganz wenig Futter – auch diese Methode kann zum Erfolg führen, besonders an stark befürchten Gewässern. Hier reagieren die Karpfen negativ auf auffällige Futterplätze, weil sie damit schon schlechte Erfahrungen gesammelt haben. Dann kommt die sogenannte Single Hookbait-Strategie zum Einsatz. Dabei wird der Köder ohne Futter oder nur mit einer kleiner Portion Boilies oder Partikel wie Mais und Tigernüsse im PVA-Beutel angeboten. So bekommt man die besonders vorsichtigen Kapitalen ans Band.

Mit einem PVA-Sack lassen sich Partikel zielgenau am Angelplatz anbieten.

Mit einem PVA-Sack lassen sich Partikel zielgenau am Angelplatz anbieten. Foto: G. Bradler

4 Tipps zur Futterstrategie

1. Hotspots: Mit dem Blei ertasten

Mit Hilfe von Tastbleimontagen lassen sich Angelstellen äußerst präzise erkunden. Dazu verwende ich eine kräftige Karpfenrute, eine Rolle mit geflochtener Schnur und ein handelsübliches Tastblei-Marker-System (Drop Zone Marker Kit). Aufgrund der fehlenden Dehnung der Schnur lassen sich mit dem Blei am Ende der Montage kleinste Unterschiede am Boden ertasten. Man kann harte von weichen Untergründen deutlich unterscheiden. Wenn ich eine interessante Stelle gefunden habe, gebe ich so viel Schnur von der Rolle frei, bis das Marker Float aufsteigt. Nun kann ich abschätzen, wie tief es an dieser Stelle ist und auf welche Entfernung ich angeln muss. Thomas Talaga, Blinker-Autor

2. Technik: Signale richtig deuten

Viele Echolote zeigen bereits im Automatikmodus die Tiefe, Wassertemperatur und Fische in Form von Fischchen mit Tiefenangaben an. Im unteren Bereich des Bildschirms wird die Bodenstruktur dargestellt. Harter Untergrund gibt ein starkes Signal zurück und wird als dicker dunkler Streifen angezeigt. Weiche Böden absorbieren das Signal stärker und werden als dünnere Linie dargestellt. Die Fischsymbole sind sicher nett anzusehen, aber als Karpfenangler ist es mir wichtiger, die Grundstruktur richtig zu erkennen. Ein altes Flussbett, eine Fahrrinne oder ein Hindernis schwimmt nicht so schnell weg, ein Fisch schon. Marcel Schouten, Karpfen-Experte aus Holland

3. Bodenstruktur: Gründlich abklopfen

Ein Echolot ist zwar ein wichtiges Hilfsmittel, zeigt aber oft nicht alle Details der Bodenstruktur an. Deshalb verwende ich beim Erkunden vom Boot ein Tastblei, mit dem ich interessante Bereiche noch einmal genau abklopfe. Das Tastblei ist ein 80 Gramm schweres Birnenblei, das ich an eine Spule mit geflochtener Schnur knüpfe und zum Grund absinken lasse. Hebt man das Blei an und lässt es wieder auf den Boden prallen, überträgt die Schnur sehr gut die Bodenbeschaffenheit. Bei hartem Grund spürt man deutlich, wenn das Blei am Boden ankommt, im schlammigen Boden ist fast kein Grundkontakt bemerkbar. Gregor Bradler, Chefredakteur Karpfen-Magazin

 4. Anfüttern beim Karpfenangeln: Jahreszeit beachten

Wenn ich einen neuen Platz beangle, hängt meine Anfütterstrategie von der Jahreszeit ab. Im Frühling und Sommer empfehle ich einen Mix aus Hanf- und Hirsesamen sowie kleinen fruchtigen Boilies. Um die Fische an den Platz zu gewöhnen, beginne ich 3 bis 5 Tage vor dem Angeln mit dem Füttern. Die ideale Menge sind 1,5 bis 2 Kilo Samen und 300 bis 500 Gramm Boilies, die ich auf einer 30 mal 50 Meter breiten Fläche ausbringe. Im Herbst und zu Winterbeginn benutze ich mehr Boilies, aber auf Fischmehlbasis. Mein Futtermix setzt sich dann aus kleinen Pellets und Hanfsamen zusammen. Die Menge bleibt dieselbe.  Yann Cuvelier, Karpfen-Experte aus Frankreich

1 Kommentar2 Antworten

  1. Profilbild von sascha

    In unserem Zeitalter der chronisch knappen Freizeit, ist es relativ mühsam, Karpfen und andere Friedfische ohne intelligentes Anfüttern mit Verstand, zu befischen.
    Viel wichtiger als „Anfüttern ja oder nein“ finde ich allerdings vorab die Frage „Was bezwecke ich eigentlich mit dem Fisch, den ich fange?“!

    Foto oder Küche?

    Wenn man – wie wahrscheinlich die große Mehrheit der passionierten Karpfenfreunde – ausschließlich für Foto, Maßband und Waage fischt, sollte man die Fische besser einfach in Ruhe lassen und auch dem Gewässer den biochemischen Stress durch sinnfrei eingebrachtes Futter ersparen.
    Denn mit solcher falsch gelebter „Tierliebe“ durch die Philosophie des „catch and release“ – so ehrenhaft sie im Grunde gemeint ist – betreibt man nichts weiter als reine Tierquälerei und darf sich wirklich nicht wundern, wenn einem Hardliner a la PETA oder Umweltbehörden mit immer neuen Restriktionen regelmäßig aufs‘ Dach steigen.
    Wenn denn ein Karpfen von vornherein zum Verzehr gedacht ist, sollte auch nichts gegen den Einsatz von Futter – mit Verstand und Maß – sprechen.

    Und jetzt bin ich mal auf den shitstorm gespannt…

    • Profilbild von Philipp Fliegauf

      Da bin ich ganz der selben Meinung! Ebenso verstehe ich nicht wie man sich da über den vielleicht „Fisch seines Lebens“ freuen kann, wenn ihn zuvor schon drei andere gefangen hatten und danach nochmal drei andere fangen werden. Und bei jedem weiteren Fänger ist er von der Mästerei ein paar Hundert Gramm schwerer. Wo ist da der Sinn?

      • Profilbild von piepenkoenig

        Ich sag mal so: Wenn Du Deine Traumfrau findest ,ist es Dir doch auch egal ob sie schon vorher mit anderen zusammen war.


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