Zupf. Zupf. Hänger! Wer mit Gummifisch an den großen Strömen auf Zander und Co. angelt, der kennt das Spiel. Niemand reißt gern seine geliebten Gummis und Jigköpfe in den Steinpackungen ab und dennoch, Tage mit zehn Abrissen kommen vor. Auch Karpfen-, Brandungsangler und Norwegenfahrer kennen die Problematik: Wir versenken jedes Jahr reichlich Blei in unseren Gewässern. Aber geht das auch anders? Kann man bleifrei angeln? Und wo liegt beim Blei eigentlich das Problem?
Das macht Blei so gefährlich
Blei ist nicht ganz unkritisch – es ist eines der giftigen Schwermetalle. In gelöster Form, in speziellen chemischen Verbindungen und als Staub kann Blei zu Vergiftungen führen. Der Begriff Bleivergiftung hat also nicht nur etwas mit Clint Eastwoods schneller Colthand zu tun.
Gelangt es in einen Körper, schädigt es das Nervensystem, die Blutkörperchen und den Verdauungsapparat. Es wird als krebserregend eingestuft und kann bei einer andauernden Aufnahme zu bleibenden Schäden führen. In Extremfällen sogar zum Tod! Auch unter Wasser kann Blei Probleme machen. Es wird von Organismen aufgenommen und nur sehr langsam wieder ausgeschieden.

Bild: Blinker/R.Schwarzer
Blei besitzt als Schwermetall eine Masse von 11,342 g/cm3, Eisen ist mit 7,874 g/cm3 deutlich leichter, Wolfram (beim Angeln oft als Tungsten bezeichnet) ist mit 19,25 g/cm3 jedoch viel schwerer.
Bleifrei angeln: Ein Blick über die Landesgrenzen
Im EU-Parlament wurden bereits vor etlichen Jahren Pläne für ein generelles EU-weites Bleiverbot beim Angeln und Jagen ausgearbeitet. Kürzlich konnten sich die Beteiligten auf einen Fahrplan einigen – damit ist das Bleiverbot beschlossene Sache. Aufgrund einer Vorlaufzeit für den Handel gibt es akut noch keine Einschränkungen und auch ab dann erfolgt der Rückgang schrittweise. Einige einzelne Länder sind bereits weiter:
Angeln in Dänemark: Besser bleifrei!
In Dänemark ist es dem Handel bereits seit 2002 untersagt, bleihaltige Angelgeräte zu verkaufen und Anglern verboten, mit in Dänemark erworbenen bleihaltigen Angelgerätschaften zu angeln. Auch wenn es Deutschen zwar nach wie vor erlaubt ist, nicht in Dänemark erworbene Bleiprodukte zum Angeln zu verwenden, liegt im Kontrollfall die Beweispflicht beim Angler. In der Praxis dürfte der Nachweis jedoch nur schwer zu erbringen sein. Der Dänische Sportfischerverband schlägt deshalb auch einen freiwilligen Bleiverzicht vor.

Bild: Marvin Heins
So sieht die fertige Fishstone-Montage zum bleifrei angeln mit Stein aus.
Großbritannien: Nein zu Bleischrot, Ja zu Vögeln
In Großbritannien gibt es bereits seit dem Jahr 1986 ein Verbot von Bleien mit einem Gewicht unter 28,3 Gramm. Besonders die kleinen Größen wurden von Wasservögeln gefressen und verursachten Gesundheitsschäden. Als die ersten Königlichen Schwäne daran starben, war die Zeit des Bleischrots in Großbritannien vorbei.
USA: Bleifrei Angeln seit 2022
In den USA erließ der US Fish and Wildlife Service ein generelles Bleiverbot beim Angeln, das ab Januar 2022 flächendeckend für die gesamten USA gelten soll. Hierbei handelte es sich um eines der letzten Dekrete, das während der Amtszeit des ehemaligen US-Präsidenten Obama erlassen wurde. Die American Sportfishing Association wehrt sich nun entschieden gegen diese Verordnung.
Das sind die Alternativen zu Blei im Angelsport
Am Markt gibt es einige Alternativen für Angelblei. Sogar bleifreies Bleischrot ist dank des Verbots in Großbritannien schon seit Ende der 80er Jahre zu haben. Viele deutsche Angler besitzen „Blei“ vom Hersteller Dinsmores und wissen gar nicht, dass kein Gramm Blei enthalten ist. Aber Achtung: Der Hersteller produziert echtes Angelblei und Blei-Ersatz.

Bild: Blinker
Blei oder Blei-Ersatz? Bei den Kugeln vom Hersteller Dinsmores nur an der Verpackung zu erkennen.
Mit Steinen lässt es sich bleifrei angeln
Eine weitere Möglichkeit, bleifrei zu angeln sind Steinmontagen. Anstatt eines Bleis wird einfach ein gewöhnlicher Stein als Beschwerung verwendet. Die Steine lassen sich ganz einfach in eine Haltevorrichtung einspannen und als Bleiersatz verwenden. Nach dem Biss klinkt der Stein einfach aus – das verringert die Gefahr eines Aussteigers. Für das Gewässer ist der verlorene Stein natürlich kein Problem.
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