Bleifrei angeln – funktioniert das?

Blei und Angeln – das gehört seit eh und je zusammen. Doch wie gefährlich ist das giftige Schwermetall für unsere Gewässer, und wie funktioniert bleifrei angeln? Sind Bleiverbote gerechtfertigt? Blinker-Redakteur Johannes Radtke klärt auf.

Beim Karpfen und aktiven Raubfischangeln- und Meeresangeln gehen extrem viele Köder verloren – und mit ihnen auch die Bleigewichte.

Bild: Blinker/F.Pippardt

Beim Karpfen und aktiven Raubfischangeln- und Meeresangeln gehen extrem viele Köder verloren – und mit ihnen auch die Bleigewichte.

Zupf. Zupf. Hänger! Wer mit Gummifisch an den großen Strömen auf Zander und Co. angelt, der kennt das Spiel. Niemand reißt gern seine geliebten Gummis und Jigköpfe in den Steinpackungen ab und dennoch, Tage mit zehn Abrissen kommen vor. Auch Karpfen-, Brandungsangler und Norwegenfahrer kennen die Problematik: Wir versenken jedes Jahr reichlich Blei in unseren Gewässern. Aber geht das auch anders? Kann man bleifrei angeln?

Das macht Blei gefährlich

Blei ist nicht ganz unkritisch – es ist eines der giftigen Schwermetalle. In gelöster Form, in speziellen chemischen Verbindungen und als Staub kann Blei zu Vergiftungen führen – der Begriff Bleivergiftung hat nicht nur etwas mit Clint Eastwoods schneller Colthand zu tun.

Gelangt es in einen Körper, schädigt es das Nervensystem, die Blutkörperchen, den Verdauungsapparat. Es wird als krebserregend eingestuft und kann bei einer andauernden Aufnahme zu bleibenden Schäden und in Extremfällen zum Tode führen. Auch unter Wasser kann Blei Probleme machen. Es wird von Organismen aufgenommen und nur sehr langsam wieder ausgeschieden.

Blei besitzt als Schwermetall eine Masse von 11,342 g/cm3, Eisen ist mit 7,874 g/cm3 deutlich leichter, Wolfram (beim Angeln oft als Tungsten bezeichnet) ist mit 19,25 g/cm3 jedoch viel schwerer.

Bild: Blinker/R.Schwarzer

Blei besitzt als Schwermetall eine Masse von 11,342 g/cm3, Eisen ist mit 7,874 g/cm3 deutlich leichter, Wolfram (beim Angeln oft als Tungsten bezeichnet) ist mit 19,25 g/cm3 jedoch viel schwerer.

Bleifrei angeln – ein Blick über die Landesgrenzen

Im EU-Parlament wurden zu Beginn dieses Jahrzehnts Pläne für ein generelles EU-weites Bleiverbot beim Angeln und Jagen ausgearbeitet, jedoch nicht beziehungsweise nur teilweise umgesetzt. Politik, Angel- und Jagdverbände sowie Umweltschutzorganisationen sind sich offensichtlich uneinig über sinnvolle Vorgehensweisen und Regelungen. So gibt es bislang nur wenige Länder, in denen bereits konkrete Verbote und Einschränkungen existieren beziehungsweise in Planung sind.

  • Dänemark

In Dänemark ist es dem Handel bereits seit 2002 untersagt, bleihaltige Angelgeräte zu verkaufen und Anglern verboten, mit in Dänemark erworbenen bleihaltigen Angelgerätschaften zu angeln. Auch wenn es Deutschen zwar nach wie vor erlaubt ist, nicht in Dänemark erworbene Bleiprodukte zum Angeln zu verwenden, liegt im Kontrollfall die Beweispflicht beim Angler. In der Praxis dürfte der Nachweis jedoch nur schwer zu erbringen sein. Der Dänische Sportfischerverband schlägt deshalb auch einen freiwilligen Bleiverzicht vor.

  • Grossbritannien

In Großbritannien gibt es bereits seit dem Jahr 1986 ein Verbot von Bleien mit einem Gewicht unter 28,3 Gramm. Besonders die kleinen Größen wurden von Wasservögeln gefressen und verursachten Gesundheitsschäden. Als die ersten Königlichen Schwäne daran starben, war die Zeit des Bleischrots in Großbritannien vorbei.

Die königlichen Schwäne waren für das Bleiverbot in Großbritannien mitverantwortlich.

Bild: Blinker/F.Schlichting

Die königlichen Schwäne waren für das Bleiverbot in Großbritannien mitverantwortlich.

  • USA

In den USA erließ der US Fish and Wildlife Service ein generelles Bleiverbot beim Angeln, das ab Januar 2022 flächendeckend für die gesamten USA gelten soll. Hierbei handelte es sich um eines der letzten Dekrete, das während der Amtszeit des ehemaligen US-Präsidenten Obama erlassen wurde. Die American Sportfishing Association wehrt sich nun entschieden gegen diese Verordnung.

Bleifrei angeln – das sind die Alternativen

Am Markt gibt es einige Alternativen für Angelblei. Sogar bleifreies Blei­schrot ist dank des Verbots in Großbritannien schon seit Ende der 80er Jahre zu haben. Viele deutsche Angler besitzen „Blei“ vom Hersteller Dinsmores und wissen gar nicht, dass kein Gramm Blei enthalten ist. Aber Achtung: Der Hersteller produziert echtes Angelblei und Blei-Ersatz.

Am Markt gibt es einige Alternativen für Angelblei. Sogar bleifreies Blei­schrot ist dank des Verbots in Großbritannien schon seit Ende der 80er Jahre zu haben. Viele deutsche Angler besitzen „Blei“ vom Hersteller Dinsmores und wissen gar nicht, dass kein Gramm Blei enthalten ist. Aber Achtung: Der Hersteller produziert echtes Angelblei und Blei-Ersatz.

Bild: Blinker

Am Markt gibt es einige Alternativen für Angelblei. Sogar bleifreies Blei­schrot ist dank des Verbots in Großbritannien schon seit Ende der 80er Jahre zu haben. Viele deutsche Angler besitzen „Blei“ vom Hersteller Dinsmores und wissen gar nicht, dass kein Gramm Blei enthalten ist. Aber Achtung: Der Hersteller produziert echtes Angelblei und Blei-Ersatz.

Stein statt Blei

Eine weitere Möglichkeit, bleifrei zu angeln sind Steinmontagen. Anstatt eines Bleis wird einfach ein gewöhnlicher Stein als Beschwerung verwendet. Die Steine lassen sich ganz einfach in eine Haltevorrichtung einspannen und als Bleiersatz verwenden. Nach dem Biss klingt der Stein einfach aus – das verringert die Gefahr eines Aussteigers. Für das Gewässer ist der verlorene Stein natürlich kein Problem.

So sieht die fertige Fishstone-Montage zum bleifrei angeln aus. Foto: AngelWoche/Marvin Heins

Bild: AngelWoche/Marvin Heins

So sieht die fertige Fishstone-Montage zum bleifrei angeln aus.

Experte Dr. Thomas Meinelt im Interview

Ist Blei also pauschal schlimm fürs Gewässer? Betrifft das auch von uns Anglern verlorene Bleigewichte? Kann man bleifrei angeln? In den letzten Jahren ist bei Anglern ein steigendes Interesse an unserer Umwelt zu beobachten. Egal ist damit vielen der Verbleib der verlorenen, potenziell gefährlichen Bleigewichte längst nicht mehr. Es kursieren viele Halbwahrheiten um das Thema, daher haben wir einen Fachmann befragt.

Dr. Thomas Meinel ist unser Experte zum Thema bleifrei angeln. Foto: David Ausserhofer

Bild: David Ausserhofer

Dr. Thomas Meinel ist unser Experte zum Thema bleifrei angeln.

Herr Dr. Meinelt, würden Sie unseren Lesern kurz erklären, warum Sie der richtige Mann sind bei Fragen über die Gefährlichkeit von Angelblei?

„Als Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei beschäftige ich mich seit 1989 unter anderem mit Giftstoffen in Gewässern. In den 90er Jahren habe ich mich intensiv mit Metallen, deren Aufnahme durch Fische sowie Interaktionen zwischen Metallen und verschiedenen Stoffen im Gewässer beschäftigt. Heute erforsche ich mit meinen Kollegen unter anderem den Einfluss von Kaliabwässern auf die Gesundheit und Reproduktion der Fische. Außerdem bin ich selbst aktiver Angler und kann daher vielleicht ein wenig einschätzen, wie die Lage an den Gewässern und in der Angelei ist.“

Wie stehen Sie zu einem generellen Bleiverbot in der Angelei, wie beispielsweise in Dänemark?

„Ich halte ein Bleiverbot beim Angeln für nicht zwingend notwendig. Blei in Angelködern ist schließlich kompakt, nicht mobil und kommt nicht gelöst im Wasser vor. Somit kann es kaum von Wasserorganismen aufgenommen werden, ist also nur bedingt toxisch. Lediglich gelöste Metallionen können von den im Wasser lebenden Organismen aufgenommen und zu einem Problem werden. Im Gegensatz zu anderen, wesentlich problematischeren Schadmetallen, wie zum Beispiel Quecksilber und Cadmium, reichert sich Blei kaum in Wasserlebewesen an. Ich glaube, man sollte sich auf diese echten Problem-Metalle konzentrieren, sie verursachen in der gesamten Nahrungskette große Probleme.“

Was passiert denn nach einem Abriss beim Angeln mit dem Blei im Wasser?

„Verlorenes Blei sinkt in die Sedimente ab und bildet dort eine Art Schutzschicht. Diese Schicht besteht aus einer schwer löslichen Bleisulfidoberfläche, somit ist unser abgerissenes Blei dann quasi konserviert.“

Kann sich das Blei, das wir verlieren, denn mit der Zeit doch noch auflösen? Dann würde es ja zu dem von Ihnen angesprochenen frei im Wasser schwebenden Blei und somit zum Problem werden.

„Richtig, zum Problem wird es nur, wenn es in Lösung geht – sich also kleinste Teilchen ins Wasser lösen. Dies geschieht nur unter ganz besonderen Bedingungen – zum Beispiel in versauerten Seen. Das ist also wirklich ein Sonderfall. Im Allgemeinen sorgen also im Sediment liegende Bleie für keine Probleme innerhalb des Sees, auch nicht mit der Zeit.“

Könnte es in unseren Angelgewässern denn zu dem Problem der Rücklösung durch Säure kommen?

„Dazu wären schon stark saure Bedingungen nötig – so sauer, dass dort keine Fische mehr leben. Wer würde da schon angeln gehen!? Versauerte Seen enthalten nur sehr wenige Wasserorganismen.“

Gibt es auch gefährlichere Formen von Blei-Verbindungen in unseren Gewässern und woher kommen diese?

„Durch chemische Reaktionen können organische Bleiverbindungen entstehen, die wesentlich gefährlicher sind. Ein Beispiel für gefährliche Bleiverbindungen sind die früher sehr verbreiteten und heute verbotenen Anti-Klopf-Mittel für Ottomotoren – Stichwort Superverbleit. Das hier enthaltene Blei ist in der Tat viel mobiler in Gewässern und hat so größeren Schaden angerichtet.“

Wenn selbst Sie als Wissenschaftler sich gegen ein grundsätzliches Bleiverbot aussprechen – warum wird dieses Verbot andernorts überhaupt angestrebt?

„Es ist nachgewiesen, dass Wasservögel Bleischrot aufnehmen können und an diesem erkranken. Wo dies tatsächlich vermehrt beobachtet wird, muss natürlich eingegriffen werden. Für Fische ist mir das nicht bekannt. Ich sehe ein generelles Bleiverbot als eine Art Aktionismus an, den wir leider bei verschiedenen Umweltfragen beobachten müssen.“

Wovon raten Sie dem Angler im Umgang mit Blei grundsätzlich ab?

„Da wir in unserem Magen ein sehr saures Milieu haben, würde ich vor dem Verschlucken von Blei warnen. Hier wäre die Aufnahme einer toxischen Menge Blei möglich. Angelbleie gehören also nicht in den Mund. Zudem sollten Angler mit Rücksicht auf Wasservögel darauf verzichten, Bleie unachtsam wegzuwerfen, insbesonders in flachen Gewässerbereichen.“

Bleifrei angeln – unser Fazit

Wir teilen die Meinung von Dr. Meinelt – ein generelles Bleiverbot wäre unsinnig. Es würde unser Hobby stark einschränken, den Herstellern massiv schaden und hätte quasi keinen positiven Effekt für die Umwelt. In Hinsicht auf die Gefahr für Wasservögel raten wir allerdings davon ab, insbesondere kleine Bleigewichte achtlos wegzuwerfen – weder ans Ufer noch in flaches Wasser. Drohen viele Verluste von Angelblei, wo Vögel dieses leicht erreichen können, dürften Sie gerne bleifreie Alternativen verwenden – wie zum Beispiel Steingewichte.

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