Mehr als 1.500 festliegende Handelsschiffe im Persischen/Arabischen Golf könnten schon bald zur Gefahr für Küsten und Gewässer auf der ganzen Welt werden. Meeresbiologen warnen, dass die ungewöhnlich lange Liegezeit ideale Bedingungen für Bio-Invasoren schafft. Sobald der Schiffsverkehr wieder anläuft, könnten sich zahlreiche gebietsfremde Arten in neuen Lebensräumen ausbreiten.
Bio-Invasoren finden ideale Bedingungen
Ein internationales Forschungsteam unter Leitung des University of Maryland Center for Environmental Science (UMCES) warnt vor einem möglichen globalen „Super-Spreader-Ereignis“ für marine Bio-Invasionen. Die Studie erschien kürzlich im Fachjournal Biological Invasions.
Normalerweise verbringen Frachtschiffe nur ein bis drei Tage im Hafen. Die derzeit im Persischen/Arabischen Golf festsitzenden Schiffe liegen jedoch bereits mehr als 40-mal so lange vor Anker. Dadurch haben Algen, Muscheln, Seepocken, Mikroorganismen und andere Arten ausreichend Zeit, sich an den Schiffsrümpfen anzusiedeln und zu vermehren.

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Steht ein Schiff im Wasser, wachsen am Rumpf und in den Ballasttanks verschiedene Organismen. Die können dann mit dem Schiff auch über große Distanzen verbreitet werden.
Bewuchs wächst rasant
Bereits nach etwa zehn Tagen Stillstand beginnt der sogenannte Biofouling-Bewuchs stark zuzunehmen. Während der Fahrt unterstützen Antifouling-Beschichtungen den Schutz vor Bewuchs. Liegen Schiffe jedoch längere Zeit still, verlieren diese Schutzsysteme deutlich an Wirkung. Internationale Empfehlungen sehen deshalb vor, Schiffe nach etwa 18 bis 30 Tagen Liegezeit vor der Weiterfahrt zu reinigen.
Der Persische Golf begünstigt Bio-Invasoren
Die aktuellen Bedingungen verschärfen das Risiko zusätzlich. Der Persische/Arabische Golf ist ein flaches, nahezu abgeschlossenes Meer mit hoher Salinität, geringer Wasserzirkulation und extremen Sommertemperaturen von bis zu 38 Grad Celsius. Diese Faktoren fördern das Wachstum vieler wärmeliebender Algen und wirbelloser Tiere.
Hinzu kommt, dass der Schiffsstau während Frühjahr und Sommer anhält – genau in der Zeit, in der sich viele Bewuchsorganismen besonders schnell vermehren. Larven können benachbarte Schiffe besiedeln und sich so von Schiff zu Schiff ausbreiten, bevor sie über den Bootsrumpf und Ballasttank über internationale Handelsrouten in andere Regionen gelangen.

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Die Meerenge „Straße von Hormuz“ ist in den letzten Monaten in aller Munde. Mit den hohen Temperaturen in dieser Region wachsen Algen, Seepocken und andere Organismen an den Schiffsrümpfen besonders schnell.
Unsichtbare Gefahr für Ökosysteme
Die Wissenschaftler betonen, dass Bio-Invasoren weit mehr umfassen als den sichtbaren Bewuchs an Schiffsrümpfen. Mit den Organismen können auch Parasiten und Krankheitserreger transportiert werden, die heimische Tierbestände oder wirtschaftlich wichtige Arten gefährden.
Zusätzlich könnten sich Populationen aus verschiedenen Weltregionen genetisch vermischen. Dadurch könnten invasive Arten widerstandsfähiger gegenüber Umweltstress werden und sich künftig noch leichter an steigende Wassertemperaturen anpassen.
Weltweites Risiko durch internationale Schifffahrt
Die Forscher analysierten mehr als 3.000 Schiffe mit über 248.000 Hafenanläufen in 3.517 Häfen und Ankerplätzen weltweit. Dadurch könnten Bio-Invasoren aus dem Persischen/Arabischen Golf Küsten in Europa, Asien, Afrika und vielen weiteren Regionen erreichen. Aus Sicht der Wissenschaftler wäre eine gründliche Reinigung der Schiffsrümpfe vor dem Auslaufen die wirksamste Maßnahme. Gleichzeitig würde weniger Bewuchs den Treibstoffverbrauch senken und die Effizienz der Schiffe verbessern.
Da die Reinigung aller Schiffe kurzfristig kaum realisierbar ist, empfehlen die Forscher stattdessen, den Bewuchs vor jeder Abfahrt zu bewerten, die geplanten Routen zu analysieren und die Zielhäfen frühzeitig zu informieren. Bereits eine Sichtkontrolle im Bereich der Wasserlinie könne Hinweise auf starken Bewuchs liefern.
Die Wissenschaftler vergleichen die Situation mit dem Beginn einer Infektionswelle: Die Schiffe fungieren als Überträger, die Häfen als Knotenpunkte und die lange Liegezeit ermöglicht es den Bio-Invasoren, sich anzusammeln und anschließend weltweit auszubreiten.
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Quelle: SciTechDaily
Originalpublikation: “Closure of the Strait of Hormuz may trigger a bioinvasion super-spreader event” by Mario N. Tamburri, James T. Carlton, April M. H. Blakeslee, Alejandro Bortolus, João Canning-Clode, Susana Carvalho, Andrew L. Chang, Ian C. Davidson, Sarah C. Donelan, Lisa A. Drake, Amy E. Fowler, Amy L. Freestone, Linsey E. Haram, Chad L. Hewitt, A. Whitman Miller, Jim R. Muirhead, Okko Outinen, Tamara B. Robinson, Gregory M. Ruiz, Christopher Scianni, Evangelina Schwindt, Carolyn K. Tepolt, Thomas W. Therriault and Bella S. Galil, 22 July 2026, Biological Invasions.









