Die richtige Bezeichnung der Schnur
Die erste Schwierigkeit beinhaltet schon die Bezeichnung der Schnur. Sie heißt nämlich Fluo-ro-carbon, also mit einem „ro“ hinter dem „Fluo“. Sie wird umgangssprachlich aber trotzdem ganz einfach als Fluocarbon bezeichnet, also ohne das „ro“. Oder zumindest hört man das „ro“ in der Aussprache meist nicht. Und selbst in Schriftform, weiß jeder, was mit Fluocarbon ohne „ro“ gemeint ist.
Wir schreiben Fluorocarbon Schnur natürlich immer vollständig. Aber das soll jetzt keine Klugscheißerei sein, sondern ist nur als Info gedacht. Wenn man also irgendwo mal (von einem Klugscheißer) auf das fehlende „ro“ angesprochen wird, ist es hilfreich, wenn man zumindest schon mal davon gehört hat. Und weil es so kompliziert ist, wird die Schnur immer häufiger nur als FC-Schnur – oder noch kürzer – nur als FC bezeichnet. Und so machen wir es hier in diesem Artikel ab jetzt auch.
Fluorocarbon ist fast unsichtbar
Die alles entscheidende Eigenschaft von FC-Schnur ist aber, dass sie im Wasser so gut wie unsichtbar und deshalb perfekt als Vorfachmaterial geeignet ist. Das liegt an dem so genannten Lichtbrechungsindex. Aber keine Sorge, das wird jetzt hier kein ausführlicher Vortrag in Physik. Wir machen es ganz kurz: Der Lichtbrechungsindex von Wasser liegt bei etwa 1,33, der von FC bei 1,42 und der von normalen Polyamidschnüren bei 1,58. Weil FC mit 1,42 dichter an 1,33 dran liegt als Polyamid mit 1,58, ist FC-Schnur im Wasser schlechter zu sehen als eine Polyamid-Schnur. Auf der Website von Stroft gibt es dazu noch viele weitere interessante Informationen zu Fluorocarbon Schnur.
Der Feine Unterschied
Da der Index von FC und Wasser nicht gleich, sondern trotzdem etwas unterschiedlich ist, bedeutet das, dass FC nicht komplett unsichtbar ist, sondern nur nahezu unsichtbar. Der Sichtbarkeits-Unterschied zwischen FC- und Polyamid-Schnüren ist aber auf jeden Fall so groß, dass man ihn im Wasser im direkten Vergleich gut erkennen kann. Auf Foto unten ist das gut dokumentiert: Während die aus einer transparenten Polyamid-Legierung gefertigte „Stroft GTM“, die vom TÜV München übrigens als beste Angelschnur bezeichnet wurde, im Wasser vergleichsweise deutlich zu erkennen ist, muss man sich ziemlich anstrengen, um auch die Schnur „Stroft FC 2“, die aus 100 % Fluorocarbon gefertigt ist, zu sehen. Bei Fischen, die im klaren Wasser gut gucken können, kann das der fangentscheidende Unterschied sein. Deshalb ist die „Stroft GTM“ eine perfekte Hauptschnur und die „Stroft FC2“ eine optimale Vorfachschnur (wobei man sie trotzdem auch als Hauptschnur nutzen kann).

Bild: Schlichting
Der linke Gummifisch hängt an einer transparenten „Stroft GTM“. Der rechte Gummifisch hängt an einer „Stroft FC 2“. Der Sichtbarkeits-Unterschied ist deutlich, oder?

Bild: Schlichting
Außerhalb des Wassers sind die beiden 0,40er Schnüre gut zu sehen und lassen sich optisch nicht unterscheiden.
Verwechslungsgefahr
Da FC-Schnüre und transparente Polyamid-Schnüre außerhalb des Wassers komplett gleich aussehen, ist es unmöglich, sie optisch zu unterscheiden. Wenn sie sich also nicht mehr auf einer Spule mit Angaben befinden, weiß man nicht, was man vor sich hat. Eine Polyamid Schnur oder eine Fluorocarbon Schnur? Und da gibt es einen einfachen Trick. Und zwar den Flammentest. Wenn man eine klassische Polyamid-Schnur in eine Feuerzeugflamme hält, brennt die Schnur und schmilzt am Ende zu einer transparenten Kugel, die auch als Pilz bezeichnet wird. Das ist sehr praktisch, weil diese Verdickung bei Knoten oder Crimpverbindungen als Aufrutschsicherung genutzt wird.
Flammentest bei Fluorocarbon
Eine Schnur aus echtem Fluorocarbon reagiert aber anders: Weil der enthaltene Kohlenstoff in der Flamme nicht restlos verbrennt, bleibt reiner Kohlenstoff als Ruß übrig, so dass sich keine transparente Kugel wie bei Polyamid bildet. Und während Polyamid-Schnüre auch ohne Flamme weiterbrennen und schmelzen, brennt eine FC-Schnur nicht weiter, wenn man die Flamme entfernt. So lassen sich FC-Schnüre ganz leicht identifizieren!

Bild: Schlichting
Der Flammentest: wenn FC-Schnüre und klassische Polyamid-Schnüre in eine Feuerzeugflamme gehalten werden, reagieren sie unterschiedlich. Während sich bei Polyamid eine transparente Schmelzkugel bildet, bleibt bei FC immer schwarzer Kohlenstoff zurück.
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