Die britischen Wildlachsbestände erfuhren seit 2006 einen Rückgang um 30-50%! Der Atlantische Lachs ist deshalb jetzt von der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur als „stark gefährdet“ eingestuft worden. Der kommerzielle Fang von Wildlachsen ist verboten, viele von ihnen enden jedoch als Beifang in Fischernetzen.
Ein Bericht von Wildlife and Countryside Link, Hidden in the Haul: The true scale of bycatch, der im Juni veröffentlicht wurde, führt erstmals britische Beifangdaten über verschiedene Arten hinweg zusammen. Das Bild, das das Papier der größten britischen Umwelt-Vereinigung für die Fische zeichnet – insbesondere für den stark gefährdeten Atlantischen Lachs – ist erschütternd.
Lachs-Beifang: Ein Wildlachs pro 1,25 km Netz!
Lachse werden bei allem folgenden Gerät als Beifang gefangen:
- Mittelwasser-Schleppnetze
- Stellnetzen
- Grundschleppnetzen
- Grundlangleinen
- Ringwaden
In allen Monaten, in denen die Untersuchung stattfand, wurde erhebliche Fischereiaktivität in den Wanderregionen des Lachses festgestellt, was auf ein hohes Beifangrisiko hindeutet. Die genau Schätzung des Lachs-Beifangs bleibt dabei eine Herausforderung. Das Salmonid Management Round the Channel Project hat für die küstennahen Gewässer Südwestenglands einen Beifang durch Stellnetze von einem Lachs pro 1,25 km Netz nachgewiesen. Große Boote können mit Netzen bis 20 km Länge arbeiten!
Wildlachse als Beifang der Makrelenfischerei
Die Schätzung der Beifangraten variiert in der Makrelenfischerei sehr stark. Doch selbst bei Annahme einer mittleren Rate von fünf bis sechs Atlantischen Lachsen pro 1.000 Tonnen Makrele, sterben jährlich über 1.200 Wildlachse alleine in britische Gewässern durch die Makrelenfischerei (233.000 Tonnen Makrele in 2024). Darin sind Lachse, die verletzt werden, aber wieder entkommen, nicht eingerechnet. Ebenso wenig jene, die von der Screening-Ausrüstung schlichtweg nicht erkannt werden.
Das ist die verheerende Auswirkung einer nicht nachhaltigen Fischerei, bei der die Fangmengen durchweg über den wissenschaftlichen Empfehlungen festgesetzt wurden. Dies führt zu Ökosystemauswirkungen wie einem Rückgang der nordostatlantischen Makrelenbestände um 75 % seit 2015 sowie eben zu erheblichem Beifang geschützter Arten.
Wirkungsvolle Maßnahmen erfordern detailliertere Erhebungen
Um gezielte Maßnahmen ergreifen zu können, braucht es mehr und bessere Daten. Im vergangenen Jahr wurde der Atlantische Lachs in die Liste der Arbeitsgruppe zum Beifang geschützter Arten im Internationalen Rat der Meeresforschung aufgenommen. Deshalb sind ab diesem Jahr bessere Schätzungen des Lachs-Beifangs im gesamten Nordatlantik zu erwarten.
Wichtig wäre zudem jedoch, Lachs-Hotspots und Wanderkorridore zu identifizieren und Trends im Zeitverlauf zu identifizieren. Qualitativ höherwertige Daten können dann Maßnahmen wie selektiveres Fanggerät oder zeitliche und oder räumliche Beschränkungen der Fischerei begründen.
Marcus McAuley vom Institute of Fisheries Management bezieht klar Stellung: „Wir können nicht steuern, was wir uns weigern zu messen. Das Institute of Fisheries Management fordert die britische Regierung dringend auf, den Lachs als Meeresfisch anzuerkennen, die elektronische Fernüberwachung flottenweit einzuführen und einen ordentlich finanzierten Aktionsplan zur Minderung des Beifangs von Atlantischem Lachs vorzulegen, bevor diese ikonische Art weiter an den Rand des Abgrunds gerät.“ (Anm. d. Red.: Zitat übersetzt aus dem Englischen)
Bei Weitem nicht nur Atlantische Lachse betroffen
Zu den Beifang-Schätzungen des Berichts Hidden in the Haul gehören neben den Lachsen über 10.000 Seevögel, über 1.000 Wale und Delfine (Cetaceen), etwa 500 Robben sowie über 120 Tonnen geschützter Haie, Rochen und Rochenverwandter, die jedes Jahr in britischen Gewässern gefangen werden.
Die Autoren betonen, dass es sich dabei mit ziemlicher Sicherheit um Unterschätzungen handelt: Die staatliche Überwachung deckt nur einen winzigen Bruchteil der Fischereiaktivität ab – lediglich 2,4 % der Seetage bei der Mittelwasser-Schleppnetzfischerei und 1,2 % bei Stellnetzen – und die Selbstberichterstattung hat sich als völlig unzuverlässig erwiesen. Seit die Meldung von Beifang mariner Säugetiere im Jahr 2021 zur gesetzlichen Pflicht wurde, meldeten die Fischer über fünf Jahre hinweg nur neun marine Säugetiere – bei Schätzungen, die in die Tausende gehen.
Beifang vermeiden: 7 zentrale Forderungen
Beifang ist vermeidbar! Die Autoren der Umwelt-Koalition Wildlife and Countryside Link zeigen in ihrem Bericht einen klaren Weg zu nachhaltigerer Fischerei:
- Einen Aktionsplan zur Minderung des Beifangs von Atlantischem Lachs (Atlantic Salmon Bycatch Mitigation Action Plan) mit konkreten, messbaren und terminierten Zielvorgaben.
- Die Anerkennung des Atlantischen Lachses und anderer wandernder Fische als Meeresfische, damit sie in die britischen Meeresforschungs- und Überwachungsprogramme einbezogen werden.
- Die Beprobung pelagisch fischender Boote, die in den Wanderkorridoren junger Lachse und in den Nahrungsgebieten erwachsener Tiere operieren, um den Beifang geschützter Fische zu ermitteln.
- Die Berücksichtigung des Beifangs geschützter Fische als wesentlichen Faktor in den Fischereimanagementplänen für Wolfsbarsch, Makrele, Hering und Sprotte sowie innerhalb der Marine Wildlife Bycatch Mitigation Initiative.
- Die Einführung der elektronischen Fernüberwachung (Remote Electronic Monitoring, REM) in der gesamten Flotte, einschließlich der Boote unter 10 m Länge, um das wahre Ausmaß des Beifangs offenzulegen.
- Das langfristige Auslaufen von Stellnetzen mit hohem Beifang zugunsten von Fanggerät mit geringeren Auswirkungen.
- Die Erforschung von eDNA als neuartiges Mittel zur Erkennung und Quantifizierung des Lachs-Beifangs.
Lesen Sie hier den ganzen Bericht: Hidden in the haul: The true scale of bycatch.
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