Wenn der See kippt: Hilfe bei Fischsterben und Algenblüte

Trübes Wasser, übler Geruch, massive Algenblüten oder Fischsterben – gerade im Sommer häufen sich Meldungen über Seen, die scheinbar aus dem Gleichgewicht geraten. Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) hat deshalb einen frei verfügbaren Leitfaden veröffentlicht. Er soll Kommunen, Angelvereinen, Behörden und engagierten Bürgern eine erste Orientierung geben, wenn an einem See plötzlich Probleme auftreten.

Müggelsee Algenblüte

Bild: IGB/Tom Shatwell

Blaualgenblüte (Cyanobakterien) im Berliner Müggelsee. Solche Massenentwicklungen treten besonders in warmen Sommern häufiger auf und können ein Hinweis auf ein gestörtes Gewässergleichgewicht sein.

So erkennen Sie echten Handlungsbedarf am Gewässer

Viele Angler kennen die Situation: Das Wasser wird innerhalb weniger Tage trüb, Wasserpflanzen verschwinden, Algen breiten sich aus oder tote Fische treiben am Ufer. Schnell stellt sich die Frage, ob es sich um eine natürliche Entwicklung handelt oder ob akuter Handlungsbedarf besteht.

Neuer Leitfaden: Was tun, wenn ein See kippt?

Genau hier setzt das neue IGB Manual an. Die Veröffentlichung erklärt die wichtigsten fachlichen Grundlagen und beschreibt, welche ersten Schritte sinnvoll sind, bevor Maßnahmen eingeleitet werden.

Prof. Michael Hupfer vom IGB erklärt, Ziel des Leitfadens sei es, nach den ersten Beobachtungen einen gut koordinierten und strukturierten Prozess anzustoßen, der dem Gewässer langfristig hilft.

Nicht jedes Gewässer ist automatisch ein See

Die Wissenschaft weist darauf hin, dass der Begriff „See“ im Alltag oft sehr unterschiedlich verwendet wird. Tatsächlich gelten in der Gewässerforschung bestimmte Kriterien.

Als See wird in der Regel ein dauerhaft vorhandenes stehendes Binnengewässer bezeichnet,

  • das größer als ein Hektar ist,
  • und dessen Wasser mindestens drei Tage im Gewässer verbleibt.

Viele Teiche, Staugewässer oder Speicherbecken werden umgangssprachlich ebenfalls als Seen bezeichnet. Ökologisch unterscheiden sie sich jedoch teilweise deutlich. Deshalb lassen sich Maßnahmen, die an großen Seen funktionieren, nicht immer auf kleinere Gewässer übertragen.

Blaualgen Müggelsee Sommer

Bild: IGB

Hitze, Nährstoffeinträge und geringe Wasserbewegung begünstigen die Entwicklung von Cyanobakterien. Hier zu sehen eine Blaualgenblüte im Berliner Müggelsee.

Keine Ferndiagnosen anhand von Fotos

Gerade in den Sommermonaten erreichen die Wissenschaftler regelmäßig Anfragen von Bürgern oder Vereinen, die sich Sorgen um „ihren“ See machen.

Nach Angaben des IGB lassen sich Ursachen für Veränderungen jedoch nicht seriös anhand einzelner Fotos oder kurzer Videos beurteilen. Ob Handlungsbedarf besteht, müsse deshalb zunächst durch eine Zustands- und Ursachenanalyse geklärt werden. Oft liegen Ursache und sichtbare Auswirkungen räumlich oder zeitlich weit auseinander.

Vorsicht vor Wundermitteln

Besonders deutlich warnt das Institut vor Anbietern, die schnelle oder einfache Lösungen versprechen.

Immer wieder würden Produkte angeboten, deren Wirksamkeit wissenschaftlich nicht belegt sei. Teilweise bewegten sich solche Angebote sogar im Bereich esoterischer Heilsversprechen.

Es empfiehlt deshalb, vor dem Einsatz ungewöhnlicher Methoden grundsätzlich eine unabhängige fachliche Einschätzung einzuholen.

Wer ist überhaupt zuständig?

Ist ein öffentliches Gewässer betroffen, sind je nach Bundesland unterschiedliche Behörden verantwortlich.

Dazu gehören beispielsweise

  • Wasserbehörden,
  • Naturschutzbehörden,
  • Gemeinden oder
  • Landesbehörden.

Welche Stelle zuständig ist, unterscheidet sich regional. Deshalb empfiehlt des sich, zunächst die verantwortliche Behörde zu kontaktieren und möglichst direkt den zuständigen Ansprechpartner in der Fachabteilung einzubeziehen.

Gemeinsam Lösungen für den See finden

Probleme an Seen lassen sich in der Praxis häufig nur gemeinsam lösen. Denn neben den zuständigen Behörden sind meist zahlreiche Interessengruppen betroffen. Dazu gehören unter anderem Angelvereine, Naturschutzverbände, Wassersportvereine, die Berufsfischerei sowie touristische Betriebe und Badeeinrichtungen.

Bewährt haben sich sogenannte Runde Tische oder Arbeits- und Projektgruppen, an denen alle Beteiligten gemeinsam Lösungen erarbeiten. So können unterschiedliche Interessen frühzeitig berücksichtigt und ein gemeinsames Verständnis für die Probleme am Gewässer entwickelt werden.

Orientierung für Angler und Gewässerbewirtschafter

Der Leitfaden „Hilfe für Seen im schlechten Zustand “ steht kostenlos zum Download bereit. Es richtet sich an Kommunen, Behörden, Verbände, Vereine und alle, die sich für den Schutz und die nachhaltige Nutzung von Seen engagieren.

Gerade angesichts zunehmender Hitzewellen, sinkender Wasserstände und häufiger auftretender Algenblüten dürfte der Leitfaden für viele Angler und Gewässerbewirtschafter eine hilfreiche Orientierung sein.

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