Die kurze Antwort ist: Es gibt weltweit rund 36.000 Fischarten. Wichtige Ergänzung: …, die wir bereits entdeckt haben. Immer wieder kommen neue dazu, andere sterben aus – eine genaue Anzahl zu nennen, ist deshalb unmöglich. Auch, da eine eindeutige Klassifizierung oft schwierig ist – oder sich im Laufe der Zeit ändert. Die Mehrheit der Forscher geht von einer Gesamtanzahl von ca. 40.000 bis 50.000 existierenden Fischarten aus.
Fischarten-Systematik: Mit Knochen oder ohne?
Fische sind alles andere als eine homogene Gruppe. Sie umfassen eine unglaubliche Vielfalt an Arten, die sich über mehr als 400 Millionen Jahre entwickelt haben. Wissenschaftlich betrachtet gibt es bei den Wirbeltieren zwei Überklassen: Agnatha (Kieferlose) und Gnathostomata (mit Kiefer). Die Gnathostomata (zu denen wir Menschen ebenfalls gehören) beinhalten auch Fische im engeren Sinne. Das sind wiederum zwei Klassen: die Knorpelfische (Chondrichthyes) und Knochenfische (Osteichthyes).

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Haie (hier ein Walhai) sind wohl die bekanntesten Knorpelfische.
Daneben existieren noch die Agnatha als eigene Überklasse innerhalb der Wirbeltiere, zu der die Rundmäuler (wie z.B. Neunaugen) gehören. Diese werden im weiteren Sinne ebenfalls als Fische gezählt.
Jede dieser Gruppen bringt ihre ganz eigenen Besonderheiten mit, sowohl im Körperbau der Fische als auch in ihrem Verhalten. Außerdem sind die Gruppen sehr unterschiedlich groß, sie umfassen eine drei- bis fünfstellige (!) Anzahl an Fischarten. Mit insgesamt rund 36.000 Arten (die die wissenschaftliche Online-Plattform FishBase aktuell listet) bilden die Fische zudem die größte Gruppe der Wirbeltiere.
Kieferlose Fischarten – die Rundmäuler aus der Urzeit
Die Rundmäuler (Cyclostomata) gelten als die ältesten überlebenden Verwandten der heutigen Fische. Ihnen fehlen echte Kiefer, weshalb sie sich mit einem runden, saugenden Mund am Leben halten. Vertreter dieser Gruppe sind zum Beispiel Neunaugen und Schleimaale. Sie gehören sicherlich nicht zu den Zielfischen der meisten Angler – sie erlauben jedoch einen tiefen Einblick in die Frühphase der Fischentwicklung.
Diese Urzeit-Fische sind mit aktuell 131 Arten eine sehr kleine Gruppe. Sie leben hauptsächlich im Süßwasser, in küstennahen Gebieten und der Tiefsee. Die größte Herausforderung bei der Bestimmung all ihrer Arten liegt darin, dass sie oftmals nachtaktiv sind und in schwer zugänglichen Habitaten leben. Für Angler interessant ist, dass Neunaugen gelegentlich als Köder beim Raubfischangeln Verwendung finden und in einigen Regionen auch als Delikatesse gelten.

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Bei Rundmäulern – wie diesem Neunauge – ist der Name Programm.
Wie viele Fischarten gibt es unter den Knorpelfischen?
Zu den Knorpelfischen zählen Haie, Rochen und Seekatzen. Anders als bei den meisten anderen Fischen besteht ihr Skelett nicht aus Knochen, sondern aus größtenteils flexiblem Knorpel – ähnlich wie bei Menschen in der Nase oder den Ohren.
Weltweit sind etwa 1.200 Knorpelfischarten bekannt, von kleinen, scheuen Rochen bis hin zum majestätischen Weißen Hai. Für den Angelsport gilt ein besonderer Umgang mit Knorpelfischen: Viele Arten sind sehr sensibel, einige von ihnen gelten zudem als bedroht und unterliegen strengem Schutz. Denn die meisten Knorpelfische wachsen langsam und haben nur sehr wenige Nachkommen im Vergleich zu Knochenfischen. Das macht Haie und Rochen besonders empfindlich für beispielsweise Überfischung. Wo der Fang eines Hais jedoch erlaubt ist, verspricht diese Angelei – gerade auf die größeren Exemplare – aber ein adrenalingeladenes und kräftezehrendes Erlebnis!
Die genaue Anzahl der Knorpelfischarten ist übrigens noch nicht ganz geklärt. Forscher entdecken immer wieder neue Arten in der Tiefsee, die bislang verborgen blieben. Dort unten im Dunkel lauern auch mit Sicherheit noch einige weitere Überraschungen.
Knochenfische: Die artenreichste Gruppe
Die überwältigende Mehrheit aller Fischarten gehört zu den Knochenfischen. Mit aktuell rund 35.000 dokumentierten Arten bilden sie die artenreichste Gruppe der Wirbeltiere auf unserem Planeten überhaupt! Ob der Zander im heimischen Fluss, der Papageienfisch am tropischen Riff oder der Belugastör im Kaspischen Meer, von Forelle bis Marlin – alle sind Knochenfische.

Bild: E. Hartwich
Knochenfisch und genauer ein Strahlenflosser: Der bei uns heimische Flussbarsch.
Diese Gruppe lässt sich weiter aufteilen in zwei Untergruppen:
- Strahlenflosser (Actinopterygii): Dazu gehören die allermeisten bekannten Fischarten, mit Flossen, die von Knochenstrahlen gestützt werden.
- Fleischflosser (Sarcopterygii): Hierzu gehören unter anderem die Quastenflosser – eine eher seltene Gruppe, die eng mit den Vorfahren der Landwirbeltiere verwandt ist.
Die Herausforderungen der Bestimmung: Wie viele Fischarten gibt es wirklich?
So konkret die Zahlen zunächst erscheinen mögen, alle absoluten Angaben sind mit Vorsicht zu genießen. Es gibt mehrere Gründe, warum die Frage „Wie viele Fischarten gibt es auf der Welt?“ nicht mit einer exakten Zahl beantwortet werden kann.
Stetige Entdeckungen in unbekannten Regionen
Vor allem in der Tiefsee und in tropischen Gebieten werden regelmäßig neue Fischarten entdeckt. Diese Wasserwelten sind teilweise schwer zugänglich, oft zu tief oder zu abgelegen für regelmäßige Untersuchungen. Ein aktuelles Beispiel ist die Entdeckung einer neuen Scheibenbauch-Art, die Forschende in über 3.000 Metern Tiefe entdeckt haben. Auch neue Haiarten werden immer wieder von Biologen gefunden.
Aber nicht nur im Meer, auch in Süßwasser-Regionen wie dem Amazonas oder in großen afrikanischen Seen gibt es bei der Erforschung der Gewässer regelmäßig neue Erkenntnisse. Ebenso wie vor unserer Haustür: 2024 entdeckte ein Fischartensammler in den Niederlanden die Chamäleon-Grundel. Im gleichen Jahr stießen Forscher in einem Schweizer Alpensee auf gleich sieben bislang unentdeckte Felchen-Arten.
Da sich viele verwandte Fische äußerlich sehr stark ähneln, braucht es heute oft modernste Methoden aus der Genetik und Molekularbiologie, um neue Arten sicher von bereits entdeckten unterscheiden zu können.

Bild: MBARI
Mit seinen runden großen Augen ginge der rosafarbene Scheibenbauch, der erst im Jahr 2025 entdeckt wurde, beinahe als Disney-Charakter durch.
Taxonomische Schwierigkeiten und Art-Abgrenzungen
Nicht immer sind Fischarten klar voneinander abzugrenzen. Insbesondere bei Fischen, die in unterschiedlichen Gewässern unterschiedliche Farbvariationen oder Größen zeigen, ist es schwierig zu differenzieren, ob es sich wirklich um verschiedene Arten handelt oder nur um unterschiedliche Populationen derselben Spezies.
In der Fischkunde werden immer wieder ganze Gattungen neu bewertet oder umsortiert, wenn neue Erkenntnisse vorliegen. Das bedeutet, dass sich Bezeichnungen und Einordnungen über die Zeit auch ändern können – durch ein stetig wachsendes wissenschaftliches Verständnis der Zusammenhänge in der Unterwasserwelt bleibt das Wissen darüber dynamisch.
Bedrohung und Aussterben
Bedrohte Fischarten verschwinden, oft auch ohne dass wir sie ausführlich kennenlernen konnten. Gerade Süßwasserfische sind häufig durch Gewässerverschmutzung, Bautätigkeiten und Überfischung gefährdet. Der Klimawandel, besonders die Erwärmung der Meere und deren Folgen, bedrohen auch die Fische im Salzwasser. Wenn eine Art ausstirbt, geht mit ihr wertvolles Wissen und ein Stück Vielfalt unserer Fauna verloren – und auch die Gesamtzahl der Fischarten verändert sich wieder.
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