Barsch-Alarm: Fängt man mit Stahl wirklich weniger?

Die Verwendung von Stahlvorfächern beim Barschangeln ist ein heiß diskutiertes Thema. Wann lohnt sich die „Hechtversicherung“, und gibt es mit Stahl wirklich weniger Bisse? Johannes Dietel von Barsch-Alarm klärt auf.

Barsch Vorzeiger Stahl

Bild: J. Dietel

Schöner Barsch – diesen Fisch hat das Stahlvorfach scheinbar nicht gestört.

Ich komme zum Angeln viel herum und treffe auch immer wieder sehr gute Barschangler. Es gibt viel, was uns verbindet. Aber auf ein Phänomen schaue ich anders als die meisten der eingefleischten Barsch Hunter: Die vermeintliche Stahl-Scheuheit großer Barsche.

Macht Stahl beim Barschangeln wirklich DEN Unterschied?!

Während der überwiegende Teil der Barsch-Fundamentalisten fest daran glaubt, dass ein Stahlvorfach jeden Tag Fische kostet, bezweifle ich das in vielen Situationen stark. Vor dem Hintergrund immer dünner und stärker werdender Vorfächer, stelle ich mir oft die Frage, ob ich es moralisch vertreten kann, ohne Stahl zu angeln, nur um eventuell einen Barsch mehr zu fangen. Zwar gibt es Studien, in denen bewiesen wurde, dass Hechte die abgebissenen Köder relativ schnell wieder loswerden.

Aber eigentlich ist es schon – um es mal im Gossenslang zu sagen – ziemlich assi, die Hechtpräsenz in unseren Gewässern zu ignorieren. Und dann ist es ja auch so, dass so ein Hecht ein edles Tier ist und man sich am Ende eines Angeltages ja auch immer freut, wenn man zwar nur ein paar kleine Barsche hatte – aber halt diesen einen krassen Hecht landen konnte, der am leichten Gerät einen adrenalinschubproduzierenden Drill aufs Parkett gelegt hat.

Hecht ohne Stahl: ein Glücksspiel

Ich habe selber schon sehr viele Hechte auf Finesse-Montagen gefangen. Ohne Stahl. Natürlich geht das, wenn der Haken schön weit vorne im Hechtmaul sitzt und die Schnur während des Drills nicht zwischen die scharfen Kauleisten kommt. Gerade Offset-Haken rutschen beim Anhieb meistens sauber bis an den äußersten Rand des Kiefers durch. Aber auch Dropshot-Bisse sind oft das Produkt ganz zarter Einsammelaktionen seitens der Hechte. Da sitzt der Haken auch oft vorne – manchmal im alleräußersten Millimeter noch vor den Zähnen. Nichtsdestotrotz: Der eh schon nervenzerfetzende Drill eines großen Fisches am nicht für ihn ausgelegten Tackle ist ohne Stahlversicherung immer eine noch heftigere Zitterpartie, als sie es eh schon ist. Natürlich gibt’s Montagen, bei denen es schwer ist, ein Stahl zu integrieren.

Hecht beim Barschangeln

Bild: J. Dietel

Hecht-Beifang beim Barschangeln: Mit einer kurzen Stahlspitze kann man auch solche Fische problemlos landen!

Barsch mit Stahl: Das Gewicht entscheidet

Ein Köder am Dropshot-Rig zum Beispiel spielt schon schöner, wenn das Rig mit Fluorocarbon gebunden ist und nicht mit Stahl – auch wenn das mit den neuen knotbaren Materialien machbar wäre. Wann immer das Gewicht des Stahls die Köderaktion einschränkt oder die Komplexität des Rig-Aufbaus ein Einbinden von Stahl vermiest, tue ich mich auch schwer. Auch wenn es mein Vorname nahelegt und sie mir den Titel „Barschpapst“ gegeben haben – ich bin kein Heiliger. Aber ich teste es oft und habe ja oft auch den Vergleich, weil meine Mitangler ja häufig konsequent auf Stahl verzichten. Und ich kann mich eigentlich an fast keinen Tag erinnern, an dem ich das Gefühl hatte, dass mich meine Stahlspitzen aus dem Barschrennen genommen haben.

Drillinge immer mit Stahl!

Jedenfalls gibt es Köder, bei denen ich mich moralisch verpflichtet fühle, mit Stahl zu angeln. Das sind ALLE Köder mit Drillingen – bis auf Topwater (und da bin ich dran). Ich finde es einfach ultrafies, Hechte (oder andere Fische, die das dünne FC im Drill bzw. beim Biss sprengen können) mit einem Drilling im Maul abzureißen. Das geht für mich eigentlich gar nicht. Leute, das können wir nicht bringen! Das Gute ist: Die Drillingsköder setzen oft auf einen Reaktionsbiss. Sie werden oft schnell oder hektisch geführt, rasen durchs Wasser, brechen aus und provozieren dadurch den Angriff.

Chatter Barsch

Bild: J. Dietel

Gerade bei den Krawallmachern unter den Ködern stört ein feines Stahlvorfach wenig.

Der Barsch schaut sich den Köder also gar nicht minutenlang an und entscheidet sich dann gegen die Attacke – er sieht den Köder, nimmt wahr, dass die vermeintliche Beute abhauen will, und brettert dann drauf. Da bleiben ihm für irgendwelche Stahlfragen gar keine Zeit. Bedeutet: Cranks und Twitchbaits könnt ihr auf jeden Fall ohne Stress mit Stahl angeln. Auch Suspender übrigens.

Ein dünnes Stahlvorfach wiegt praktisch nichts und zieht den Köder auf keinen Fall rasant nach unten. Auch kleine Chatterbaits, Spinnerbaits, Underspins und andere Radaubrüder mit Einzelhaken sind für mich Köder, bei denen ich nur ganz selten auf Stahl verzichte, weil sie erstens auch Hechtmagnete sind und zweitens mit einem Reizgewitter auf die Fische einwirken, in dem das kurze und dünne Stahlstück komplett untergeht.

Das passende Stahl für Barsch: Fein und knotbar

Das Material, von dem ich die ganze Zeit spreche, nennt sich in meinem Fall „Perch Wire“. Das Zeug ist 7×7 Stahl. Durchmesser? 0,20 mm! Tragkraft? 5 kg! Super geschmeidig und vor allem: Sehr gut knotbar. Das macht es auf der einen Seite unfassbar einfach, es zu verarbeiten. Zum anderen braucht es keine Klemmhülsen, die auch in meinem Kopf Vergrämungsphantasien produzieren und die außerdem zusätzliches Gewicht einbringen würden, das den Suspender dann evtl. wirklich ein bisschen nach vorne abkippen ließe. Man könnte das Material mittels Albright-Knoten direkt ans Fluorocarbon binden. Hier leiste ich mir aber das „Gewicht“ eines Micro-Rings.

Stahlspitze Vorfachring

Bild: J. Dietel

Sieht nur in der Nahaufnahme klobig aus, ist aber eigentlich ganz fein: Die Verbindung zur Hauptschnur erfolgt mit Vorfachringen (z.B. von Stroft).

Meine Stahlvorfächer sind recht kurz. Je nach Köder und Situation sind sie nur 10 bis 20cm lang. Ich hältere sie in einer Vorfachbox, statte sie teilweise mit unterschiedlich starken Einhängern aus. Und wenn ich den Köder des Tages gefunden habe und diesen dann konsequent durchangle, binde ich ihn oft direkt an das Stahl. Das bedeutet, dass für mich der Einhänger eine viel größere Scheuchwirkung als mein feines Stahlvorfach hat!

Leute, Ihr musst bedenken, dass sich die Zeiten ständig verändern. Nicht nur unsere Köder und Montagen werden immer besser. Auch in Sachen Stahl hat sich viel getan. Ich glaube, dass es spätestens jetzt ein Stückweit unsere moralische Pflicht ist, darauf zu reagieren. Und das Schöne ist: Ihr müsst auf keinen Barsch verzichten und könnt die Drills großer Hechte am leichten Gerät voll auskosten! Den PerchWires dieser Welt sei Dank!

Stahl Pike Wire

Bild: J. Dietel

Feine Material reicht völlig aus – zum Beispiel das PerchWire von Zeck mit 5kg Tragkraft.

Mehr zum Thema Barsch auch unter: barsch-alarm.de

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