Die Jagd nach dem Welsrekord in den Niederlanden vollzog sich über mehrere Etappen und nahm an der Waal schließlich eine ebenso dramatische wie überraschende Wendung.
Akt I: Der Mann, der die Zentimeter fraß
Manche Angler fischen einfach. Und manche Angler verfallen einer Idee. Paul Breems gehört zur zweiten Kategorie. Sein Jagdrevier: Die Waal bei Nimwegen, ein Strom mit harter Strömung und Fischen, die Boote fressen. Sein Setup: Ein Bellyboat, ein Echolot und ein unerschütterlicher Glaube.
2023: Paul setzt mit 2,43 Metern ein erstes dickes Ausrufezeichen. Gleichstand mit dem alten Welsrekord in den Niederlanden. Der Clou? Den Fisch verdankt er einem Glücksamulett seiner Tochter mit der Aufschrift „Niemals aufgeben“. Ohne das Ding geht er nicht aus dem Haus. (Und wer von uns hat nicht diese eine stinkende Glücksunterhose im Schrank, die den Fisch bringen soll?)
September 2024: Paul legt nach. 2,46 Meter. Wieder aus dem Bellyboat, wieder auf Sicht per Echolot. Beim zweiten Wurf knallt der Gummifisch rein. Paul wird im Bellyboat gegen die Strömung gezogen – die menschliche Pose im Vorhof der Wels-Hölle.
Mai 2025: Es wird psychotisch. Paul meldet 2,47 Meter. Gefangen auf ein Tauwurmbündel. Er erklimmt die Karriereleiter des Wels-Fischens sprichwörtlich Zentimeter für Zentimeter. Die magische Grenze von 2,50 Metern ist zum Greifen nah. Die Medien drehen durch, das Telefon glüht. Paul weiß: Der Endgegner schwimmt da draußen.
Akt II: Der perfekte Plan und das Brutus-Szenario
Schnitt in den Mai 2026. Paul und sein Angelkollege Mohammed Massaoudi haben ihn auf dem Echolot gesehen. Ein Signal wie ein U-Boot. Jetzt zeigt sich die Reife des wahren Großfischanglers: Sie attackieren nicht sofort. Sie lassen den Hotspot tagelang in Ruhe, um den Fisch nicht misstrauisch zu machen. Taktische Meisterleistung.
Der Tag X kommt. Perfekte Drift. Mohammeds Rute verbeugt sich bis ins Handteil. Ein brachialer Biss erschüttert die Morgendämmerung. Was folgt, ist ein Drill, der kein Angeln mehr ist, sondern schwere körperliche Arbeit. Nach einer gefühlten Ewigkeit sind Mohammeds Arme nur noch übersäuerter Wackelpudding. Er kann nicht mehr.
Und wer watet ins Flachwasser, um den Fisch mit dem legendären Wallergriff zu sichern? Paul Breems. Der Mann, der diesen Fluss wie kein Zweiter kennt. Paul greift zu, wuchtet den Fisch an den Strand. Sie legen das Maßband an. Das bittere Ergebnis: 249 Zentimeter. Neuer offizieller Welsrekord in den Niederlanden. Mohammed sitzt auf dem Thron. Paul hat seinen eigenen Rekord verloren – um exakt zwei Zentimeter. Und er hat den Fisch auch noch selbst gelandet. Das ist die anglerische Version von Julius Cäsar: „Auch du, mein Sohn Brutus?“

Bild: Sportvisunie
Mohammed Massaoudi präsentiert den neuen niederländischen Rekordwels, den er vom Bellyboat aus bezwingen konnte.
Das Rekord-Tackle im Detail
Wer solche Monster aus der harten Strömung der Waal dirigieren will, braucht kein feines Besteck, sondern Abschleppseile. Hier ist das Setup, das den aktuellen Rekord brachte:
| Rute | Kurze, ultrasteife Vertikalrute (1,72 m), Wurfgewicht bis 280 g |
| Rolle & Schnur | Massive Multirolle, 0,33 mm geflochtene Hauptschnur |
| Montage | 200 g schweres Vertikal-System an robustem Kevlar-Vorfach |
| Köder & Haken | Zwei Einzelhaken, garniert mit einem dicken Tauwurmbündel |
Experten-Tipp: Die Psychologie des Hotspots
Wenn du auf dem Echolot eine echte „Mutti“ entdeckst, ist der größte Fehler die Gier. Wer sofort den Köder runterlässt und den Fisch nervt, vergrämt ihn oft für Wochen. Mach es wie Mohammed und Paul: Spot markieren, umdrehen, Kaffee trinken und den Fisch ein paar Tage vergessen. Großwelse haben feste Standplätze. Wenn die Bedingungen (Strömung, Trübung, Luftdruck) wechseln, kehrst du zurück. Und noch ein schmerzhafter Ehrlichkeitstipp: Such dir einen Angelkumpel, der im Zweifel schlechter fängt als du – oder stell dich darauf ein, seine Rekorde zu keschern!
Die Jagd nach dem Welsrekord ist nicht vorbei
Mohammed hält nun die Krone mit 249 Zentimetern. Aber wir kennen Paul Breems. Er hat das Amulett seiner Tochter. Er hat die Gewässerkenntnis. Und vor allem hat er jetzt eine offene Rechnung von genau einem Zentimeter bis zur magischen 2,50m-Marke – und ein paar Zentimetern Vorsprung, die er sich von Mohammed zurückholen muss. Die Waal bleibt heiß. Der Kampf um den Welsrekord in den Niederlanden ist damit spannender denn je – die nächste Rekordmeldung scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein.
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