Sbirolino: Alles, was Ihr wissen müsst

Mit Sbirolino fischt fast jeder Angler am Forellensee. Aber Sbiro ist nicht gleich Sbiro und auch darüber, wie man die verschiedenen Typen einsetzt, die Montage und Führung herrscht oft Unwissenheit. Thorsten „Orle“ Orlowski lüftet alle Geheimnisse rund ums Sbirolino-Fischen.

Die Sbirolino-Vielfalt ist gewaltig. Da stellt sich die Frage: Wo liegen die Unterschiede? Foto: S. Rose

Eine Bemerkung vorweg: Den Sbirolino gibt es eigentlich gar nicht. Fährt man nach Italien, ins Mutterland des modernen Forellenangelns und befragt die dort ansässigen Angler, wird niemand etwas mit diesem Begriff anfangen können. Warum? Die korrekte Bezeichnung für diese spezielle Pose lautet nämlich „Bombarde“. Der Begriff Sbirolino (oder auch Sbirulino) hat sich nur in Deutschland eingebürgert. Aus diesem Grund wird gerade von Forellenexperten häufig der Begriff Bombarde verwendet.

Wenn wir schon einmal dabei sind, mit falschen Begriffen und falschen Vorstellungen aufzuräumen, kann gleich ein weiteres Vorurteil ausgeräumt werden: Für viele Angler ist der Sbirolino nur etwas für große Gewässer und weite Würfe. Aber das ist falsch, mit dem richtigen Sbirolino-Modell kann man sowohl in kleinen Teichen als auch in großen Seen erfolgreich aktiv angeln – und das nicht nur auf Forellen, sondern auch viele andere Raubfische. Hier wird schon deutlich, dass Sbirolino nicht gleich Sbirolino ist: Es sind viele unterschiedliche Modelle erhältlich. Und genau das ist das Problem.

Was Ihr über Sbirolinos wissen müsst

  • Mit dem Sbirolino wird aktiv geangelt.
  • Bauchige Sbiros fliegen besser als schlanke Modelle
  • Transparente Sbirolinos nicht bei starker Sonneneinstrahlung verwenden. Schwarze Sbiros sind am unauffälligsten.
  • Je länger das Schnurlaufröhrchen des Sbirolinos, desto besser seine Flugeigenschaften.
  • Es gibt nur schwimmende oder sinkende Sbirolinos, nichts dazwischen.
  • Das Gewicht des Sbirolinos sagt nichts über sein Sinkverhalten aus. Die Lauftiefe resultiert aus der Konstruktion des Sbiros.

Wichtige Eigenschaften eines Sbirolinos

  • Material

    Grundsätzlich sind alle Sbirolinos gleich aufgebaut: Sie bestehen aus einem Körper und einem Schnurführungsröhrchen. Aber damit haben sich die Gemeinsamkeiten schon erschöpft. Beginnen wir beim Material. Sbirolinos bestehen entweder aus Kunststoff, aus Hartschaum oder manchmal auch aus Balsaholz. Modelle aus Kunststoff sind recht günstig, für Sbirolinos aus Hartschaum oder Balsaholz muss man deutlich mehr Geld auf die Ladentheke legen. Der Aufpreis hat aber seinen Grund. Denn die teureren Modelle liegen besser im Wasser.

    Bei aus Hartschaum hergestellten Sbirolinos sorgt ein Messinggewicht im Inneren des Körpers dafür, dass der Sbiro perfekt austariert ist. Foto: ANGELSEEaktuell

    Bei aus Hartschaum hergestellten Sbirolinos sorgt ein Messinggewicht im Inneren des Körpers dafür, dass der Sbiro perfekt austariert ist. Foto: ANGELSEEaktuell

  • Form

    Der nächste Unterschied liegt in der Körperform. Es gibt bauchige und schlanke Sbirolinos. Bei einem bauchigen Sbirolino liegt der Schwerpunkt recht weit vorne, deshalb verfügt er über sehr gute aerodynamische Eigenschaften und lässt sich weit auswerfen. Nachteil des bauchigen Sbirolinos: Er sinkt geradezu kopfüber ab. Das kann dazu führen, dass eine vorsichtige Forelle beim Biss Widerstand spürt und wieder loslässt. Anders bei einem eher stromlinienförmigen schlanken Sbirolino. Bei ihm liegt der Schwerpunkt in der Mitte. Deshalb sinkt er nahezu waagerecht ab und bietet beim Biss kaum Widerstand.

    Ein bauchiger Sbirolino (oben) fliegt meist besser als ein schlankes Modell (unten). Dafür liegt der schlanke nahezu waagerecht im Wasser – und das wirkt Fehlbissen entgegen. Foto: ANGELSEEaktuell

    Ein bauchiger Sbirolino (oben) fliegt meist besser als ein schlankes Modell (unten). Dafür liegt der schlanke nahezu waagerecht im Wasser – und das wirkt Fehlbissen entgegen. Foto: ANGELSEEaktuell

  • Farbe

    Bei den Farben unterscheidet man drei Gruppen: transparente Sbirolinos, milchig-weiße Modelle und farbige Sbirolinos. Wie auch bei Kunstködern ist die Farbwahl häufig abhängig vom Geschmack des Anglers. Es gibt aber ein paar Grundsätze. Transparente Sbirolinos sind unauffällig und für den Einsatz in klarem Wasser konzipiert. Bei starker Sonneneinstrahlung wird das Licht allerdings vom Material reflektiert. Das macht die ganze Sache für den Fisch ziemlich verdächtig.

    Milchig-weiße Sbiros werden häufig beim Angeln an der Oberfläche eingesetzt, weil sie sehr gut sichtbar sind.

    Bei den farbigen Modellen gibt es viele verschiedene Typen. Der Grund für die Herstellung roter Sbirolinos liegt wahrscheinlich darin, dass sie im Flug für den Angler leichter zu verfolgen sind. Viele Sbiros sind schwarz gefärbt. Diese Färbung hat etwas mit der Scheuchwirkung zu tun, die ein voluminöser Körper bei den Fischen auslöst. Tests haben ergeben, dass die Farbe Schwarz bei den Fischen die geringste Scheuchwirkung hervorruft, deshalb sind schwarz gefärbte besonders unauffällig.

    Man unterscheidet grundsätzlich drei Farbtypen (von oben): transparente, milchige und schwarze bzw. ein- oder mehr farbige Sbiros. Foto: ANGELSEEaktuell

    Man unterscheidet grundsätzlich drei Farbtypen (von oben): transparente, milchige und schwarze bzw. ein- oder mehr farbige Sbiros. Foto: ANGELSEEaktuell

  • Gewicht

    Ein weiterer wichtiger Faktor für das Sinkverhalten des Sbirolinos ist die Art des Gewichts und die Gewichtsverteilung. Bei kostengünstigen Modellen bildet der komplette Körper auch das Gewicht. Das führt dazu, dass viele dieser Modelle nicht ausbalanciert sind und sich ziemlich plump im Wasser verhalten. Bei qualitativ hochwertigeren Sbiros befindet sich ein Messinggewicht im Körper. Diese Modelle sind optimal austariert.

    Einige Hersteller bieten auch Sbirolinos mit Flügeln an, die besonders weit fliegen sollen. Allerdings hat sich in der Praxis herausgestellt, dass einige davon im Flug flattern – und das kostet Weite.

    Auch das für einen Sbirolino charakteristische Schnurlaufröhrchen ist wichtig! Es stabilisiert den Flug und verhindert Verhedderungen. Je länger das Röhrchen, desto „sauberer“ fliegt der Sbiro. Ein krummes Röhrchen beeinflusst die Wurfeigenschaften des Sbirolinos negativ, führt aber nicht zu mehr Fehlbissen.

    Das Gewicht sagt nichts über das Absinkverhalten des Sbiros aus. Es gibt schwimmende und sinkende Modelle in der gleichen Gewichtsklasse. Foto: ANGELSEEaktuell

    Das Gewicht sagt nichts über das Absinkverhalten des Sbiros aus. Es gibt schwimmende und sinkende Modelle in der gleichen Gewichtsklasse. Foto: ANGELSEEaktuell

  • Sinkrate

    Jetzt ist es an der Zeit, mit einem Irrglauben aufzuräumen: Häufig hört oder liest man von halbsinkenden oder schwebenden Sbirolinos, sogenannten „Suspenders“. Das darf man nicht wörtlich nehmen. Entweder sinkt oder schwimmt ein Sbirolino. Sinkende Sbiros lassen sich allerdings in langsam oder schnell sinkende Modelle unterteilen.

    Um dem Angler die Orientierung zu erleichtern, findet man auf einigen Sbirolinos Lauftiefen-Angaben. Das bedeutet aber nicht, dass ein Sbirolino mit einer Angabe von 2 Meter Lauftiefe ständig auf dieser Tiefe schwebt. Legt man einen Stopp ein, wird der Sbiro langsam zum Grund sinken. Die Angabe ist nur ein ungefährer Richtwert, auf welcher Tiefe der Sbiro bei einer durchschnittlichen Einholgeschwindigkeit läuft. Manche Firmen drucken auch einen farbigen Ring auf den Sbirolino, der einen Anhaltspunkt für die Lauftiefe liefert.

    Ein Kardinalfehler, den viele Angler begehen, besteht darin, vom Gewicht des Sbirolinos auf sein Sinkverhalten zu schließen. Ein 60 Gramm-Blei sinkt schneller als ein 10 Gramm-Gewicht – das liegt auf der Hand. Also denken viele Forellenangler, dass ein 30 Gramm schwerer Sbiro schneller sinkt als ein 10 Gramm-Modell Aber bei Sbirolinos ist der Sachverhalt anders: Ein höheres Gewicht bedeutet nicht, dass der Sbirolino schnell sinkt. Das Gewicht beeinflusst die Wurfweite, aber nicht die Absinkgeschwindigkeit.

    Gewicht und Konstruktion bzw. das verwendete Material stehen in Relation zueinander. So gibt es beispielsweise langsam sinkende Sbirolinos in 10, 15 und 20 Gramm, aber auch schnell sinkende Modelle in 10, 15 und 20 Gramm. Ein  langsam sinkender Sbirolino wird allerdings voluminöser sein als ein sinkendes Modell in der gleichen Gewichtsklasse. Schließlich muss das höhere Gewicht durch schwimmendes Material ausgeglichen werden, damit der Sbiro nicht so rasant absinkt.

    Bei einigen Modellen ist die Lauftiefe auf den Sbirolino gedruckt. Auch farbige Ringe bieten eine Orientierungshilfe. Foto: ANGELSEEaktuell

    Bei einigen Modellen ist die Lauftiefe auf den Sbirolino gedruckt. Auch farbige Ringe bieten eine Orientierungshilfe. Foto: ANGELSEEaktuell

Sbirolino-Montage und Führung

Jetzt  beschäftigt sich Thorsten „Orle“ Orlowski mit der Sbirolino-Montage. Außerdem verrät er, wie man den Sbiro führen muss: absolut variabel! Denn das ist der große Vorteil dieser Methode: Man kann die Angeltiefe schnell dem Beißverhalten anpassen.

Mit Sbirolino wird fast ausschließlich aktiv gefischt. Das heißt, man wirft die Montage aus, lässt sie auf eine bestimmte Tiefe absinken und kurbelt sie dann ein. Damit der Sbiro seinen Dienst tun kann, muss er frei auf der Schnur laufen. Nur so kann der Fisch beim Biss widerstandslos Schnur abziehen und schöpft keinen Verdacht.

Um eine Sbirolino-Montage bauen zu können, wird zunächst der Sbirolino auf die Hauptschnur gezogen. Die meisten Angler verwenden eine monofile Hauptschnur mit einer Stärke von 0,18 bis 0,22 Millimeter. Monofil hat den Vorteil, dass es sich dehnt. Diese Dehnung wirkt beim Auswerfen und im Drill als Puffer. Hat man eine größere Forelle gehakt, federt die monofile Schnur die Kopfstöße und Fluchten zuverlässig ab. Das Risiko eines Ausschlitzers wird verringert und die Chancen, dass man den Fisch in den Kescher bekommt, steigen.

Man sollte allerdings darauf achten, dass die Schnur nicht zu weich ist und zu viel Dehnung aufweist. Sonst verschlechtert sich gerade auf große Distanz die Bisserkennung und man bekommt den Anhieb nicht durch.

Geflechtschnur wird von einigen Forellenanglern beim Angeln auf große Distanz eingesetzt. Mit dieser Leine ist auf große Distanz der Kontakt zum Köder und zum Fisch besser. Da eine Geflechtschnur keine Dehnung aufweist, fehlt allerdings im Drill der Puffer und die Gefahr, dass der Haken ausschlitzt, ist nicht unerheblich. Man sollte die geflochtene Hauptschnur also nur einsetzen, wenn man dazu gezwungen wird, weil die Forellen extrem weit draußen auf Beutezug gehen.

Sbirolino Montage Schritt für Schritt erklärt. Zeichnung: L. Deinzer

Zeichnung: L. Deinzer

 

Sbiro-Montage besser mit Karabiner

Nachdem der Sbirolino aufgezogen ist, platziert man einen Silikonstopper auf der Schnur, dann wird ein Dreifachwirbel angeknüpft. Der Stopper verhindert, dass der Sbirolino beim Auswerfen auf den Knoten schlägt und diesen beschädigt. Weil meist mit rotierenden Ködern (Bienenmaden in L-Form oder Teigpropeller) geangelt wird, bietet sich ein Dreifachwirbel an. Dieser wirkt Schnurdrall entgegen.

Bei der Frage, ob man einen Wirbel mit oder ohne Karabiner-Wirbel verwendet, scheiden sich die Geister. Manche Angler verzichten auf einen Karabiner, weil sie befürchten, dass sich die Montage dadurch leichter verheddern könnte. Die Erfahrung hat allerdings gezeigt, dass dies nicht zutrifft. Der Karabiner-Wirbel hat sogar einen großen Vorteil: Er erleichtert den Vorfachwechsel.

Einfach den Karabiner öffnen, altes Vorfach entfernen und neues einhängen. Und da sind wir schon bei einem besonders wichtigen Teil der Sbirolino-Montage: dem Vorfach. Als Material fürs Vorfach hat sich Fluorocarbon durchgesetzt, weil es den gleichen Lichtbrechungsfaktor wie Wasser aufweist und daher für die Fische kaum erkennbar ist. Gerade wenn die Salmoniden vorsichtig beißen, ist das ein unschätzbarer Vorteil.

Der Haken an der Sbirolino-Montage darf ruhig etwas größer ausfallen. Hakengröße 4 bis 8 ist genau richtig. Foto: G. Bradler

Der Haken an der Sbirolino-Montage darf ruhig etwas größer ausfallen. Hakengröße 4 bis 8 ist genau richtig. Foto: G. Bradler

Ein weiterer bedeutender Aspekt des Vorfachs ist die Länge. Bei der Sbirolino-Montage fallen die Vorfächer im Vergleich zu anderen Montagen ziemlich lang aus, nämlich zwischen 1,50 und 2,20 Meter. Warum diese Vorfachlängen? Weil der Sbirolino, egal welches Modell, eine Scheuchwirkung hat. Die Forelle kann den Sbiro über ihr Seitenlinienorgan und zusätzlich mit den Augen wahrnehmen und dadurch verschreckt werden. Deshalb muss man den Sbirolino auf Abstand zum Köder halten – sonst gibt es unter Umständen keine Bisse.

Lediglich wenn die Forellen gierig beißen, kann man ein kurzes Vorfach einsetzen, wodurch die Bissanzeige verbessert wird und der Anhieb besser durchkommt. Bei ganz vorsichtigen Salmoniden muss man das Vorfach wiederum verlängern. Abhängig von Gewässertiefe und verwendeter Rute kann der Abstand zwischen Sbirolino und Köder dann bis zu 4,50 Meter betragen.

Beim Haken lautet die Devise: lieber etwas größer. Die Forellen stören sich nicht an einem etwas größeren Modell, und außerdem greift ein größerer Haken besser im Fischmaul. Greifer der Größe 4 bis 8 sind genau richtig.

Zusammengefasst:

  • Der Sbirolino muss frei auf der Schnur laufen.
  • Ein Silikonstopper schützt den Knoten am Wirbel vor Beschädigungen.
  • Ein Dreifachwirbel mit Karabiner wirkt Schnurdrall entgegen.
  • Das Vorfach sollte mindestens 1,50 bis 2,20 Meter lang sein.
  • Größere Haken greifen besser im Fischmaul.

Richtig auswerfen

Verwendet man ein langes Vorfach, ist beim Auswerfen darauf zu achten, dass sich die Montage nicht im Uferbewuchs verheddern kann, sonst ist Neumontieren angesagt. Ist der Wurf geglückt, sollte man in der letzten Phase des Wurfes die Montage strecken, um Verhedderungen zu verhindern. Das funktioniert am besten, indem man die Schnur mit dem Finger gefühlvoll an der Spule abstoppt. So taucht die Montage gestreckt und verhedderungsfrei ins Wasser.

Ein großer Vorteil der Sbirolino-Montage besteht darin, dass man nicht – wie beim Angeln mit der Pose –  auf eine bestimmte Tiefe festgelegt ist. Mit Hilfe verschiedener Sbirolino-Modelle (schwimmend, langsam sinkend, schnell sinkend) kann man alle Wasserschichten nach hungrigen Fischen absuchen. Um nicht „auf blauen Dunst“ zu angeln, sollte man erst einmal ermitteln, wie tief das Gewässer in dem zu befischenden Bereich ist.

Dazu zählt man nach dem Auftreffen des Sbirolinos die Sekunden, bis er am Grund angekommen ist. Dadurch lässt sich die Tiefe zwar nicht auf den Meter genau ermitteln, aber man erhält einen ungefähren Anhaltspunkt. Dauerte es etwa 10 Sekunden, bis der Sbirolino am Grund angekommen ist und vermutet man die Forellen im oberen Bereich des Gewässers, zählt man beim nächsten Wurf bis zwei oder drei und kurbelt dann die Montage ein. Erfolgt ein Biss, kann man die Montage beim nächsten Versuch wieder in dieser Tiefe anbieten. Bleiben die Bisse aus, arbeitet man sich schrittweise bis zum Grund vor. So lässt sich die gesamte Tiefe systematisch absuchen. Auch die Einholgeschwindigkeit kann variiert werden. Dabei sollte man allerdings bedenken, dass bei langsamer Führung der Sbirolino tiefer absinkt. Umgekehrt steigt er bei schneller Führung auf.

Jetzt wisst Ihr, wie die Sbirolino-Montage aussieht und wie sie ausgeworfen bzw. geführt. Was fehlt noch? Klar, der Köder. Darum geht’s im nächsten Abschnitt. Außerdem erfahrt Ihr, welche Ausrüstung erforderlich und was beim Biss und im Drill zu beachten ist.

Absolut variabel: Das ist das Motto von Orle beim Angeln mit Sbirolino. Die Auswahl des Sbiros und die Einholgeschwindigkeit bestimmen, in welcher Tiefe der Köder läuft. Foto: G. Bradler

Absolut variabel: Das ist das Motto von Orle beim Angeln mit Sbirolino. Die Auswahl des Sbiros und die Einholgeschwindigkeit bestimmen, in welcher Tiefe der Köder läuft. Foto: G. Bradler

Bestens gerüstet beim Sbirolinoangeln

Welche Ausrüstung und welche Köder braucht man für das Angeln mit dem Sbirolino? Diese Frage beantwortet Forellenfachmann Thorsten „Orle“ Orlowski im dritten Abschnitt. Und damit die Forelle auch im Kescher landet, nachdem sie den Köder genommen hat, erklärt Orle das richtige Verhalten beim Biss.

Die optimale Rute fürs Forellenangeln mit dem Sbirolino gibt es nicht. Ob klassische Steckrute oder moderne Teleskoprute – viele Modelle eignen sich für diese Angeltechnik. Die Rute fürs Angeln mit dem Sbirolino sollte aber zwei Voraussetzungen erfüllen. Die erste: Weil man häufig mit langen Vorfächern fischt, darf die Rute nicht zu kurz sein. Grundsätzlich kann man festhalten: Je länger die Rute desto besser die Hebelwirkung und desto weiter kann man werfen. Allerdings ist man bei der Rutenlänge häufig durch den Uferbewuchs eingeschränkt. Nicht selten säumen Ufer und Sträucher die Ufer des Gewässers. Da ist sehr lange Rute hinderlich. Mit einer Rute um 3 Meter Länge kommt man aber an den meisten Gewässern zurecht.

Die zweite Bedingung: Das Wurfgewicht der Rute muss zum Gewicht der verwendeten Sbirolinos passen. Dabei sollte man bedenken, dass an Gewässern mit einer Größe von 1,5 Hektar der Sbirolino über 30 Gramm wiegen kann. Hier benötigt man schon eine Rute mit etwas Rückgrat, sonst besteht die Gefahr, dass das Material beim Werfen schlapp macht. Das heißt aber nicht, dass man einen „Knüppel“ einsetzen sollte. Denn je steifer die Rute ist, desto unsensibler ist sie auch. Es gilt also, einen Kompromiss zu finden. Moderne Teleskopruten sind häufig mit einer Nummer versehen, die die Wurfgewichtsklasse angibt. Ruten der Klasse 4 und 5 eignen sich für viele Einsatzgebiete der Sbirolino-Angelei.

4 und 5 sind die gängigen Rutenklassen bei den modernen Teleruten für das Angeln mit Sbirolino. Foto: G. Bradler

4 und 5 sind die gängigen Rutenklassen bei den modernen Teleruten für das Angeln mit Sbirolino. Foto: G. Bradler

Wichtige Rolle

Bei der Rolle sollte man dem Modell vertrauen, das sich bei anderen Angeltechniken bereits bewährt hat. Wichtig sind eine gute Schnurverlegung sowie eine fein justierbare und ruckfrei laufende Bremse. Um weit werfen zu können, bietet sich eine Rolle mit großem Spulenkopf an. Je größer der Spulenkopf, desto geringer der Reibungswiderstand der Schnur beim Auswerfen.

Die hier genannten Eigenschaften haben viele Stationärrollen fürs Spinnfischen. Allerdings sollte man noch auf einen Punkt achten – und zwar auf den Schnureinzug. Viele Rollen fürs Spinnfischen haben einen sehr hohen Schnureinzug. Damit eignen sie sich nicht fürs Forellenfischen mit Sbirolino. Verwendet man eine Rolle mit hohem Schnureinzug, kann man den Köder nicht langsam führen – und genau dieser Führungsstil bringt an vielen Tagen die Forellen an den Haken. Ein Schnureinzug von 5:1 ist ideal, 5,9:1 die absolute Obergrenze.

Der Schnureinzug der Rolle darf nicht zu hoch sein, sonst kann man den Köder nicht langsam führen. Eine Übersetzung von 5:1 wie hier ist genau richtig. Foto: G. Bradler

Der Schnureinzug der Rolle darf nicht zu hoch sein, sonst kann man den Köder nicht langsam führen. Eine Übersetzung von 5:1 wie hier ist genau richtig. Foto: G. Bradler

Lockende Naturköder

Beim Angeln mit dem Sbirolino unterscheidet man zwei Ködergruppen: Natur- und Kunstköder. Machen sich die Salmoniden an der Wasseroberfläche bemerkbar, sind Naturköder besser, weil sie von den Forellen sofort angenommen werden. Außerdem gibt es bei Naturködern nur wenige Fehlbisse. Die am häufigsten eingesetzten Naturköder sind Bienenmaden und Forellenteig. Die Bienenmaden werden in L-Form auf den Haken gezogen und rotieren beim Einkurbeln der Montage verführerisch um die eigene Achse. Forellenpaste wird so um den Haken geknetet, dass ein Propeller entsteht, der wie das Bienenmaden-L im Wasser Druckwellen aussendet und die Salmoniden zum Biss provoziert.

Auch der klassische Tauwurm eignet sich fürs Angeln mit dem Sbirolino. Man zieht entweder den Kopf oder das Schwanzstück des Wurms auf den Haken. Beim Einkurbeln bricht der Wurm seitlich aus, häufig beißen bei diesem Köderklassiker gerade die dicken Lachsforellen herzhaft zu.

Weitere Naturköder, die sich für den Einsatz an der Sbirolino-Montage eignen, sind „normale“ Maden, Mehlwürmer und im Sommer sogar Oberflächenköder wie etwa Grashüpfer.

Zusammengefasst: 

  • Bei hungrigen Fischen Naturköder einsetzen
  • Kunstköder provozieren beißfaule Fische zum Biss
  • In klarem Wasser und bei starker Sonneneinstrahlung Köder in gedeckten Farben einsetzen.
  • In trübem Wasser fangen Köder in auffälligen Farben.
  • Der Taumwurmkopf fängt in schwierigen Phasen und bringt häufig Lachsforellen an den Haken.

Provokante Kunst

Die Palette der Kunstköder ist groß: Spinner, Blinker und Gummiköder in unterschiedlichen Ausführungen. Gerade Spinner und Blinker senden starke Reize aus und kommen zum Einsatz, wenn die Fische eigentlich nicht fressen wollen und zum Biss provoziert werden müssen. Leider hat man beim Einsatz von Kunstködern häufig mit Fehlbissen zu kämpfen, weil die Forellen den Köder nicht schlucken, sondern ihn sofort wieder ausspucken. Einen Naturköder hingegen hält der Fisch deutlich länger im Maul. Das gibt dem Angler mehr Möglichkeiten, den Anhieb zu setzen.

Bei der Wahl der Köderfarbe spielen die Wassertrübung und die Sonneneinstrahlung eine wichtige Rolle. Ist der Himmel bewölkt und fischt man in trübem Wasser, ist ein heller Köder optimal, der im Wasser sehr auffällig ist. Bei klarem Wasser und Sonnenschein sind Köder in gedeckten Farben die bessere Wahl.

Kunstköder kommen zum Einsatz, wenn die Forellen zum provoziert werden müssen. Foto: G. Bradler

Kunstköder kommen zum Einsatz, wenn die Forellen zum provoziert werden müssen. Foto: G. Bradler

Anschlag-Regeln beim Angeln mit Sbirolinos

Hat man den richtigen Köder gewählt, lassen die Bisse meist nicht lange auf sich warten. Beim Angeln mit Kunstködern muss man einen Biss meist mit einem sofortigen Anhieb quittieren, sonst ist der Fisch weg. Anders verhält es sich beim Fischen mit Naturködern. Viele Angler öffnen dann den Rollenbügel – aber das ist absolut falsch. Je nach verwendetem Sbirolino kann es passieren, dass die Pose nach unten durchsackt und den Köder mit sich zieht. Wenn die Forelle nicht sehr hungrig ist, folgt sie dem Köder nicht und die Chance ist vertan. Außerdem hat man bei vgeöffnetem Rollenbügel keinen Kontakt zum Fisch.

Die bessere Vorgehensweise besteht darin, die Rute nach vorne zu führen, die Schnur auf Spannung zu halten und die Rutenspitze zu beobachten. So ist man immer darüber informiert, was am anderen Ende der Schnur passiert und weiß, wann der richtige Moment für den Anhieb gekommen ist. Beim Angeln mit Bienenmaden kann man die Rute schon nach ein bis zwei Sekunden nach oben führen, bei Paste sollte man etwas länger warten, weil die Forelle häufig damit spielt.

Beim Anhieb ist Gefühl gefragt. Fischt man weit draußen, muss der Anhieb etwas kräftiger ausfallen, damit der Haken im Maul des Fisches greift. Wer mit einer geflochtenen Hauptschnur angelt, kann auf den Anhieb verzichten. Wegen der fehlenden Schnurdehnung genügt es, die Rute nach oben zu führen.

Im Drill sollte man vorsichtig zu Werke gehen und sich Zeit lassen, gerade wenn es sich um ein größeres Exemplar handelt. Ein unentbehrlicher Ausrüstungsgegenstand für einen glücklichen Ausgang des Drills ist ein Kescher mit großem Netz und einem langen Stiel. Das mag auf den ersten Blick zwar etwas übertrieben aussehen, aber der lange Stiel erleichtert die Landung eines an einer langen Rute gedrillten Fisches enorm. Und in das große Netz passt auch eine kapitale Lachsforelle. Und die wünschen wir Euch bei Eurem nächsten Angeltag mit Sbirolino!

So geht’s beim Biss: Rute nach vorne strecken und Kontakt zum Fisch halten. Foto: G. Bradler

So geht’s beim Biss: Rute nach vorne strecken und Kontakt zum Fisch halten. Foto: G. Bradler

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