Etwas unterhalb des Ortes Rapottenstein treffe ich Michaeli Grohmann, einen der Bewirtschafter des Revieres. Schon die kurzen Ausblicke von der Straße auf den kleinen Fluss offenbarten eine der Besonderheiten dieses Gewässers: Riesige rundgeschliffene Granitblöcke liegen am und im leicht braunen, aber klaren Wasser. Das Revier heißt zwar „Kleiner Kamp“, allerdings gehören auch 3,5 km Großer Kamp dazu. Und am Großen Kamp starten wir unsere Fliegenfischer-Expedition. Es ist Mitte Mai. Nach einem heftigen Regenschauer ist die Temperatur auf 5°C gefallen, mit nun wieder leicht steigender Tendenz. Wir wandern flussab und sehen in einer Flussbiegung einen Fliegenfischer, der seine Trockenfliege auf steigende Fische zutreiben lässt.
Kleiner Kamp: Aktion an der Oberfläche
Immer wieder nehmen die Fische die Trockenfliege – aber keiner bleibt hängen. „Das ist einer der Teilnehmer des Fliegenfischer-Kurses, der gerade stattfindet“, sagt Michi zu mir. Erstaunlich, dass die Fische bei dieser niedrigen Temperatur so aktiv an der Oberfläche sind. Schaut fast aus, wie an einem Fischweiher bei der Fütterung. Wir betrachten das Treiben noch etwas und wandern weiter. Michi versucht es an einem der vielen Mäander etwas weiter unten mit der Trockenfliege. Aber die Steigaktivität war offensichtlich vorbei, denn die Trockenfliege wird konsequent ignoriert. Erst nach dem Wechsel auf Nymphe bekommt Michi einige vorsichtige Bisse, die Fische lösen sich aber – wie zuvor beobachtet – schnell wieder vom Haken. Michi wirft präzise die vermuteten Standplätze an.
Plötzlich krümmt sich die Rute, nach einem kurzen Drill kann Michi den ersten Fisch landen, eine kleine Äsche. Dem Drill nach hätte ich einen deutlich größeren Fisch vermutet. „Sind halt alles Wildfische – und die sind stark“, sagt Michi Grohmann. „Bei den regelmäßigen Bestandserhebungen haben wir 14 Fischarten nachgewiesen, darunter auch die seltene Aalrutte. Der Hauptfisch bei uns ist aber eindeutig die Bachforelle. Die Äsche hat einen stabilen Bestand, jedoch befinden wir uns hier am oberen Ende ihres Verbreitungsgebietes, deswegen ist sie geschont“, erzählt er mir.

Bild: S. Prantler
Insgesamt wurden 14 Fischarten im Gewässer nachgewiesen: Neben der Bachforelle ist auch die Äsche regelmäßig zu finden, wenn auch ganzjährig geschont.
Willkommen im Zauberwald!
Wir fahren flussauf an den Kleinen Kamp, etwas oberhalb des Zusammenflusses mit dem Großen Kamp. Und was für ein Anblick das ist, der sich uns hier bietet! Wir tauchen ein in einen Zauberwald, der unwillkürlich die Vorstellung von Kobolden und Feen aufkommen lässt. Stark mäandernd windet sich der kleine Fluss durch Bäume und riesige Grantiblöcke, oft größer als ein Auto. Sie liegen verteilt am und im Wasser. Manchmal so viele, dass das Wasser nicht mehr zu sehen ist. Dann folgen längere freie und flache Züge, immer wieder unterbrochen von Rauschen und Pools.
Jetzt kommt sogar die Sonne durch und erzeugt eine noch unwirklichere, mystische Stimmung. Die Kunst am Fischen hier ist, an das Wasser zu kommen, ohne die Fische zu verscheuchen. Sie sind so gut getarnt, dass man sie meist erst erkennt, wenn sie aufgeschreckt die Flucht ergreifen. Trotzdem gelingt es Michi, immer wieder mal eine der zahlreich vorkommenden Bachforellen an die Leine zu bekommen und den einen oder anderen Fisch zu landen. „Die meisten Bachforellen, die man fängt, sind kleiner als 30 Zentimeter“, erzählt er mir. „Größere gibt es, aber die sind schwer zu fangen, die stehen in den zahlreichen Unterständen bei den Steinen und unter den ausgespülten Ufern“.
Kleiner Kamp: Menschliche Einflüsse
Besonders an diesem zauberhaften Revier ist auch das immer noch immense Insektenaufkommen. An warmen Tagen schwirren riesige Schwärme von Köcher- und Eintagsfliegen über das Wasser. Sogar die Maifliege (Ephemera danica) kommt hier noch zahlreich vor. Warme Abende mit Wolken an Fliegen können am Kamp wahre Sternstunden bescheren. Durch vorsichtigstes Anpirschen und wenig Leerwürfe gelingt es Michi, eine Bachforelle von knapp über 30 Zentimetern zu überlisten.
Eine fast schon unwirklich kräftige und wunderschöne Färbung haben die Salmoniden. Echte Wildfische eben, die alle auf völlig natürliche Weise geboren und aufgewachsen sind. Das Revier wird seit knapp 40 Jahren völlig ohne Besatzmaßnahmen bewirtschaftet. Trotz der landschaftlichen Idylle hat der Mensch auch an diesem Gewässer Spuren hinterlassen. Vier Wehre zerteilen das malerische Habitat. „Wir haben natürlich auch eine Reihe von Problemen. Der unnatürliche Fichtenbestand versauert den Boden und das Wasser, was zu einer erhöhten Erosion des Urgesteines führt, das zu Sand zerfällt und damit die Laichmöglichkeiten reduziert“, erläutert mir Michi Grohmann.

Bild: S. Prantler
An den freien Bereichen muss besonders vorsichtig geangelt werden, wenn man keine Deckung nutzen kann – denn die Wildfische sind scheu!
Allen Widrigkeiten zum Trotz
Trotz all der negativen menschlichen Einflüsse reichen die vorhandenen Laichplätze aber immer noch für einen außerordentlich hohen Fischbestand. Die jährlichen Bestandserhebungen haben bis zu 150 kg Fische pro Hektar nachgewiesen. Einen so guten Fischbestand haben selbst intensiv besetzte Gewässer oft nicht. „Wir sind überzeugt davon, dass wir diese stabilen Fischbestände gerade deshalb haben, weil wir nichts besetzen. Unsere Fische haben sich an die Gegebenheiten des Gewässers angepasst und trotz der auch bei uns hohen Prädatorendichte bleiben unsere Bestände stabil. Selbst das außergewöhnlich starke Hochwasser 2024, haben unsere Wildfisch-Bestände gut überstanden“, erzählt Michi. Der Kleine Kamp ist wirklich ein Vorzeige-Beispiel, wie man es machen kann.
Fast 30 km Fließgewässer, die abwechslungsreicher nicht sein könnten. Oberhalb der Waldstrecke mäandert der kleine Fluss durch Wiesen, was die Fischerei dort mangels Deckung nicht leichter macht. Eine so lange Strecke kann man selbst in vielen Angeltagen nicht erkunden. In meiner Denkweise sind gerade Gewässer wie dieses regelrechte „Meistermacher“. Denn: Wenn man an solchen Gewässern mit reinen Wildfischen erfolgreich ist, kann man überall Fische fangen. Jeder gefangene Fisch dort ist ein Erfolg. Und sei er noch so klein, wiegt er ungleich mehr als jeder noch so große Besatzfisch! Ich jedenfalls komme wieder und lasse mich von der Landschaft und den wilden Fischen im Waldviertel verzaubern!

Bild: S. Prantler
Das Wasser beim Kleinen Kamp weist eine leicht bräunliche Färbung auf.
Info:
Das Revier hat eine Gesamtlänge von etwa 26,5 km, davon 3,5 km Großer Kamp, beginnend unterhalb von Rapottenstein.
Tageskartenpreis: 70 €
Entnahme: 4 Fische pro Tag
Entnahmefenster: Bachforelle: 20–25 cm, für Aalrutte, Aitel, Hasel, Regenbogenforelle und Rotauge gelten die festgelegten Schonzeiten und -maße der Fischereiverordnung des Bundeslandes Niederösterreich. Die Äsche ist ganzjährig geschont.
Weitere Informationen und Tageskarten: https://www.diebewirtschafter.at/kleiner-kamp
Auch interessant
- ForellenangelnForellensee Barderup: Mit Höhen und Tiefen
- FliegenfischenParadebeispiel Untere Möll: Bewirtschaftung ohne Besatz










