Erfolgreiches Fliegenfischen hat sehr viel mit Verständnis für die Natur zu tun. Zu wissen, was gerade am Wasser passiert, macht es uns deutlich leichter, das Verhalten von Fischen richtig zu deuten und die geeignete Fliege zu wählen. Als Fliegenfischer müssen wir zwar nicht das Wissen eines studierten Entomologen besitzen, aber ein paar Basics in Insektenkunde können nicht schaden.
Und genau hier setzt dieser Überblick an: Er gibt einen praxisnahen Einblick in das Leben der Eintagsfliegen, beschränkt sich dabei aber bewusst auf das, was für die Fischerei wirklich relevant ist. Denn so vielgestaltig der Lebenszyklus dieser Insekten auch ist – für uns am Wasser zählt vor allem, was wir beobachten und nutzen können.
Inhalte dieses Ratgebers zur Eintagsfliege
- Die Bedeutung der Eintagsfliege fürs Fliegenfischen
- Die Lebensweisen der Eintagsfliegen-Larve
- Der Schlupf der Eintagsfliegen
- Von der Dun zum Spinner
- Der Schwarmflug der Eintagsfliegen
- Das Insekt im Jahresverlauf

Bild: [M] Joshua Zettelmeier für den BLINKER; verw. Bilder: JP Danko/Stocksy/Adobe Stock; BLINKER; telletic
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Eintagsfliegen: Warum sie beim Fliegenfischen so wichtig sind
Für Fliegenfischer gehört die Eintagsfliege zu den wichtigsten Insekten überhaupt. Betrachtet man ihren Lebenszyklus genauer, wird schnell klar warum. Im Gegensatz zu vielen anderen Insekten spielt sich ihr gesamtes Leben im oder auf dem Wasser ab. Dadurch ist sie für Fische in jedem Entwicklungsstadium verfügbar und wird zuverlässig als Nahrung wahrgenommen.
Hinzu kommt, dass Eintagsfliegen in nahezu jedem Fließgewässer vorkommen – oft in großen Mengen. Kommt es zu einem Schlupf, sind häufig Tausende Individuen beteiligt. Für Forellen, Äschen und andere Fischarten entsteht so ein regelrechtes Nahrungsüberangebot, auf das sie sich vollständig einstellen. Für den Fliegenfischer bedeutet das: Wer den Lebenszyklus dieser Insekten versteht, kann gezielter und erfolgreicher fischen.

Bild: H. Bayler
Deshalb lieben wir Fliegenfischer die Zeit des Eintagsfliegenschlupfes. Diese perfekte Forelle fing Harald Bayler noch vor der ersten Phase des Schlupfes. Der Fisch passte aufsteigende Nymphen ab, eine war aus Hasenohr …
Die Lebensweise der Eintagsfliegen-Larven
Bevor wir die Eintagsfliege als flugfähiges Insekt auf der Wasseroberfläche zu Gesicht bekommen, verbringt sie je nach Art meist ein bis drei Jahre als Larve im Wasser. Die Larven werden anhand ihrer Lebensweise in Lebensformtypen unterteilt.
Drei Lebensformtypen im Fokus
Die Unterschiede der einzelnen Larven liegen in ihrer Größe und Körperform. So haben Steinklammerer, die in schnell fließenden Gewässern leben, einen flachen und eher breiten Körper. Arten, die langsam fließende Gewässer bevorzugen, besitzen dagegen eher eine zylindrische Körperform.
Ein weiterer Lebensformtyp, der für uns aber nur in den Schlupfzeiten eine fischereiliche Bedeutung hat, ist der Grundgräber, zu denen Larven der bekannten Danica gehören. Der Grundgräber führt ein verborgenes Leben im Schlamm und ist für den Fisch nur erreichbar, wenn die Larve beim Schlupf zur Oberfläche schwimmt.

Bild: H. Bayler
Die Hare’s Ear Nymphe imitiert eine Vielzahl von Eintagsfliegen-Larven.
Die Eintagsfliegen-Larve: Eine Konstante in der Ernährung
Larven stehen bei den Fischen das ganz Jahr hindurch oben auf der Speisekarte – so kann es passieren, dass eine Larve von der Strömung erfasst und dadurch im Freiwasser vom Fisch erbeutet wird. Ebenfalls suchen Fische gezielt Wasserpflanzen und Steine ab, um die versteckten Larven einzusammeln. Fische wie die Barbe drehen sogar Steine im Wasser um, damit sie an die gut versteckten Steinklammerer kommen.
Ein aktiver Fisch, der Larven einsammelt, ist meist an leichten Seitwärtsbewegungen und einem aufblitzenden Maul zu erkennen. Die Larven der Eintagsfliege lassen sich sehr gut mit einfachen Gruppenmustern imitieren. Jedoch sollten Größe und Farbe der Nymphe den Larven im Wasser angepasst werden.
Die einzige Ausnahme ist hier der Grundgräber, der aufgrund seiner Größe und Körperform von anderen Larven stark abweicht. Alle anderen Lebensformtypen der Eintagsfliege können mit der Hare’s Ear oder einer Pheasant Tail sehr effektiv imitiert werden.

Bild: H. Bayler
Die Pheasant Tail ist wohl eine der besten Nymphen der Welt.
Der Schlupf der Eintagsfliegen in zwei Phasen
Einen starken Schlupf von Eintagsfliegen zu erleben, ist ein faszinierendes Naturschauspiel. Plötzlich scheinen aus dem Nichts Tausende Insekten aufzutauchen – und auch unter Wasser verändert sich alles.

Bild: H. Bayler
Geschafft: Diese Danica- Subimago startet zu ihrem ersten Flug.
Der Schlupf verläuft in der Regel in zwei Phasen. Zunächst steigen die Larven, die nun als Nymphen bezeichnet werden, vom Gewässergrund zur Oberfläche auf. Dabei treiben sie im Freiwasser mit der Strömung. Da dieser Prozess oft massenhaft gleichzeitig stattfindet, steigt das Nahrungsangebot für die Fische schlagartig an. Forellen und Äschen merken schnell, dass auf einmal viel Nahrung im Freiwasser unterwegs ist. Hektisches Hin- und Herschwimmen sowie das Ansteigen von Fischen ist für uns ein klares Zeichen, dass etwas passiert.

Bild: H. Bayler
Die Subimago (rechts) besitzt im Vergleich zur fertigen Imago (links) etwas trübere Farben und Flügel.
Der Schlupf: Die kritischste Phase für Insekt und Fisch
Zu Beginn konzentrieren sich die Fische meist noch auf die antreibenden Larven im Freiwasser, da diese als erstes verfügbar sind. Nimmt die Anzahl der schlupfbereiten Nymphen auf der Wasseroberfläche zu, verlagert sich der Bereich, in dem die Fische nach Nahrung suchen, vom Freiwasser zur Wasseroberfläche.
Hat die Nymphe die Wasseroberfläche erreicht, platzt die Larvenhaut im Bereich der Flügelscheide auf und die Subimago der Eintagsfliege kriecht aus der Larvenhülle; dabei streift sie die Larvenhaut ab. Diese Phase ist extrem gefährlich für das werdende Fluginsekt. Viel kann schief gehen: das Abstreifen der Larvenhülle misslingt, die Flügel verkleben auf oder ein Teufel aus der Tiefe bemerkt das hilflose Insekt.
Dun: Ein Festmahl für Forelle und Äsche
Die Subimago, bei Fliegenfischern auch Dun gennant, ist die noch nicht geschlechtsreife Eintagsfliege. Bevor die frisch geschlüpfte Eintagsfliege jedoch von der Wasseroberfläche abfliegen kann, muss sie zuerst ihre Flügel vollständig entfalten. In dieser Zeit sitzt sie auf dem Wasser und treibt mit der Strömung.

Bild: H. Bayler
Bevor die frisch geschlüpften Subimagos abheben, müssen sie ihre Flügel entfalten – ein völlig hilfloser Moment.
Nun beginnt die Phase, in der Forellen und Äschen anfangen, aktiv die schlüpfenden und noch nicht flugfähigen Eintagsfliegen von der Wasseroberfläche zu sammeln. In der Regel stehen die Fische jetzt sehr flach und sammeln eine Eintagsfliege nach der anderen ein. Aufgrund der hohen Nahrungsdichte konzentrieren sich Forellen und Äschen meist nur auf die Eintagsfliegen, die ihnen direkt vors Maul treiben.
Durch die schiere Menge an Insekten während eines synchronisierten Schlupfes steigt die Überlebenswahrscheinlichkeit des einzelnen Insekts. Stehen die Fische also flach und sammeln die antreibenden Eintagsfliegen auf dem Wasser ein, sind Imitationen der Dun meist die richtige Wahl.
Tipp: Jetzt sollte die Parachute gefischt werden, da dieses Fliegenmuster die frisch geschlüpften Eintagsfliegen realistisch imitiert.

Bild: H. Bayler
Eine fängige Imitation für frisch geschlüpfte Eintagsfliegen ist die Parachute.
Eintagsfliege: Von der Dun zum Spinner
Hat es die Subimago der Eintagsfliege geschafft, von der Wasseroberfläche abzufliegen, sucht sie Schutz am Ufer. Dort erfolgt die letzte Häutung. Aus der Subimago wird die Imago, also der geschlechtsreife Spinner.
Der Spinner unterscheidet sich deutlich von der Dun. Seine Flügel sind klar, und die Körperfarben wirken kräftiger. Nun beginnt der letzte Abschnitt im kurzen Leben der Eintagsfliege.

Bild: H. Bayler
Hechelfliegen wie die Quill Gordon eignen sich gut als Spinner- bzw. Imagoimitation.
Schwarmflug der Eintagsfliegen: Paarung, Eiablage und Spent-Fall
Die Spinner der Eintagsfliege sammeln sich meist in den frühen Abendstunden zu einem eindrucksvollen Schwarmflug. Zu Tausenden fliegen sie am Wasser entlang und führen ihren Hochzeitstanz auf. Dabei flattern sie gerade nach oben und segeln mit gespreizten Flügeln wieder langsam nach unten.

Im Schwarmflug finden sich die Partner – und die Paarung folgt unmittelbar.
Hat die Eintagsfliege einen Partner gefunden, erfolgt die Paarung meist im Flug. Die Männchen sterben direkt nach der Paarung und fallen tot aufs Wasser. Die Weibchen sterben nach der Eiablage. Die toten Spinner werden auch als Spent bezeichnet – und treiben dann zu Tausenden auf dem Wasser.

Bild: H. Bayler
CDC-Muster mit weit abgespreizten Flügeln imitieren Spents sehr gut.
In dieser Zeit haben die Fische die letzte Chance, die Eintagsfliege zu erbeuten. Danach schließt sich der Kreis und die nächste Generation der Eintagsfliegen wächst im Wasser heran. Der Zeitraum zwischen Schlupf und Eiablage dauert in der Regel bis zu drei Tage. Geschlüpften Eintagsfliegen besitzen keine Fresswerkzeuge – sie haben nur den Zweck der Paarung und Eiablage. Sobald sie also aus ihrer Nymphenhülle schlüpfen, ist ihr nahes Ende besiegelt.
Eintagsfliegen im Jahresverlauf: Größen, Zeiten und richtige Fliegenwahl
In Mitteleuropa existieren über 100 Gattungen der Eintagsfliege mit Körpergrößen zwischen 3 und 40 Millimetern. Für Fliegenfischer ist es jedoch nicht notwendig, jede Art im Detail zu kennen.

Bild: H. Bayler
Die Märzbraune ist eine der frühesten Arten und mit 20 mm recht groß. Jeder Fischer kennt ihren Namen, obwohl sie selten vorkommt.
Wichtiger ist die Beobachtung, dass Eintagsfliegen im Laufe des Jahres kleiner werden. Während im Frühjahr und Frühsommer größere Muster in den Größen 12 bis 14 sinnvoll sind, sollte man später im Jahr auf kleinere Fliegen in den Größen 16 bis 20 zurückgreifen.
Die Flugzeiten wiederholen sich grundsätzlich jährlich, können jedoch durch äußere Einflüsse wie Temperatur oder Wasserstand variieren. Auch zwischen einzelnen Gewässern einer Region gibt es Unterschiede. Letztlich zeigt sich erst am Wasser, welche Arten tatsächlich aktiv sind.

Bild: H. Bayler
Letzte Bestellung! Die massenhaft an der Oberfläche treibenden Spents markieren das Ende des Fressrausches für die Fische. Doch der Hunger wurde in den vorangegangenen Tagen mehr als gestillt.
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