Fliegenbinden für Anfänger: So einfach gelingt der Einstieg

Fliegenbinden für Anfänger: Viele starten mit gekauften Fliegen, doch nicht alle Muster überzeugen am Wasser. Trockenfliegen verlieren an Auftrieb, Nymphen an Haltbarkeit, und passende Modelle sind oft nicht verfügbar. Wer unabhängig fischen und seine Fliegen gezielt an Gewässer und Situation anpassen möchte, findet im Fliegenbinden die ideale Lösung – vom richtigen Werkzeug bis zu den ersten eigenen Mustern.

Fliegenbinden

Bild: E. Müller

Fliegenbinden mag auf den ersten Blick kompliziert wirken. Mit ein paar Tipps gelingt das Fliegenbinden für Anfänger ganz einfach.

Viele Fliegenfischer beginnen mit gekauften Mustern. Die Kosten sind überschaubar, und auch handelsübliche Fliegen fangen Fisch – ein Grund, selbst zu binden, besteht anfangs oft nicht. Mit der Zeit zeigt sich jedoch, dass nicht jeder Kauf erfolgreich ist. Trockenfliegen schwimmen nicht immer sauber oder verlieren an Haltbarkeit.

Gerade bei steigenden Fischen wird das deutlich: Gekaufte Trockenfliegen gehen schnell unter oder halten den Belastungen nicht stand, während Nymphen nach einem Fang teilweise auseinanderfallen. Hinzu kommt, dass bewährte Muster nicht immer verfügbar sind und sich die Fliegendose schneller leert als gedacht. Für viele wird deshalb klar: Wer unabhängig sein und zuverlässig fischen möchte, sollte eigene Fliegen binden.

Fliegenbinden für Anfänger – Werkzeuge und Bindematerial

Es ist wie immer im Leben: Noch kein Meister ist vom Himmel gefallen. Doch mit jeder selbst gebundenen Fliege wächst die handwerkliche Fähigkeit. Deshalb ist es wichtig, mit einfachen Mustern zu beginnen und sich Schritt für Schritt zu steigern. So lernt man unterschiedliche Bindetechniken kennen und entwickelt ein Gefühl für die Materialien. Nur keine Scheu: Mit der ersten selbst gebundenen Fliege einen Fisch zu fangen, ist ein ganz besonderes Erlebnis.

Werkzeug Werkzeughalter Fliegenbinden

Diese Werkzeuge benötigt man zum Fliegenbinden.

WerkzeugBeschreibungTipp
BindestockSpannvorrichtung zum Fixieren des Angelhakens beim Binden. Es gibt einfache Modelle für Einsteiger sowie hochwertige Varianten mit Bodenplatte. Unterscheidung zwischen starren und Rotationsbindestöcken.Vor dem Kauf testen, ob auch kleine Haken (Größe 14–18) sicher gehalten werden.
SchereEines der wichtigsten Werkzeuge beim Fliegenbinden. Sollte spitz sein und sehr gut schneiden.Zwei Scheren verwenden – eine für feine Arbeiten, eine für Draht.
Spulenhalter (Bobbin)Hält die Fadenspule und führt den Bindefaden. Sollte gut in der Hand liegen und keine scharfen Kanten haben.Modelle mit Keramikeinlage wählen und auf Spulenbreite achten.
Dubbing-BürsteWird verwendet, um den Körper der Fliege auszubürsten und buschiger zu machen.Alternativ Klettband auf einen Eisstiel kleben und selbst herstellen.
Whip FinisherWerkzeug zum Ausführen des Abschlussknotens (Kopfknoten).Vor dem Kauf testen, da Handhabung unterschiedlich sein kann.
Dubbing-TwisterHilft beim Erstellen von Dubbing-Strängen durch Verdrillen von Material in einer Fadenschlaufe.Mit etwas Übung lassen sich sehr gleichmäßige und stabile Stränge herstellen.
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Bild: [M] Joshua Zettelmeier für den BLINKER; verw. Bilder: JP Danko/Stocksy/Adobe Stock; BLINKER; telletic

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Bindematerialien Fliegenbinden

Verschiedene Bindematerialien auf einen Blick: Hahnenbalg, Federn, Haarmaterial, Bindefaden und Bindestock.

Schritt für Schritt zur Grundwicklung

Mit der Grundwicklung beginnt jede Fliege, und beim Fliegenbinden für Einsteiger stellt gerade dieser erste Schritt meist ein Problem dar. Daher zeigen wir gleich, wie sie gemacht wird. Diese Grundwicklung hat zwei Funktionen:

  1. In erster Linie dient sie dazu, unseren Faden am Haken zu fixieren.
  2. Eine weitere wichtige Aufgabe der Grundwicklung: Sie verhindert das Verrutschen von Bindematerial. Metall hat eine sehr glatte Oberfläche. Durch die Grundwicklung wird die Oberfläche des Hakens griffiger, unser Material findet auf dem Haken besseren Halt.

Wichtig dabei: Alle Wicklungen erfolgen in die gleiche Richtung, in diesem Fall von ihrem Körper weg oben über die Fliege.

So gelingt die Grundwicklung beim Fliegenbinden:

 

1. Legen Sie den Faden, wie auf dem Foto, am Haken an. Halten Sie dabei das lose untere Ende des Fadens straff. Führen Sie nun den Faden mit dem Bobbin um den Haken, halten Sie dabei das lose Ende des Fadens unter Spannung. Machen Sie nun einige Windungen in Richtung Öhr des Hakens.

Bild: Harald Bayler

1.Legen Sie den Faden, wie auf dem Foto, am Haken an. Halten Sie dabei das lose untere Ende des Fadens straff. Führen Sie nun den Faden mit dem Bobbin um den Haken, halten Sie dabei das lose Ende des Fadens unter Spannung. Machen Sie nun einige Windungen in Richtung Öhr des Hakens

2. Winden Sie den Faden dann in dicht aneinander liegenden Windungen in Richtung des Hakenbogens. Dabei umwickeln Sie automatisch das lose Ende des Bindefadens, das Sie in der anderen Hand halten. Foto: Harald Bayler

Bild: Harald Bayler

2. Winden Sie den Faden dann in dicht aneinander liegenden Windungen in Richtung des Hakenbogens. Dabei umwickeln Sie automatisch das lose Ende des Bindefadens, das Sie in der anderen Hand halten.

Fliegenbinden 3. Nachdem Sie ca. 1/3 des Hakenschenkels umwickelt haben, können Sie das lose Ende des Fadens mit der scharfen Schere dicht am Hakenschenkel abschneiden. Foto: Harald Bayler

Bild: Harald Bayler

3. Nachdem Sie ca. 1/3 des Hakenschenkels umwickelt haben, können Sie das lose Ende des Fadens mit der scharfen Schere dicht am Hakenschenkel abschneiden.

Fliegenbinden 4. Jetzt können Sie den Bobbin loslassen und durchatmen – Ihre erste Grundwicklung ist fast fertig, Sie haben den Faden (ohne Knoten oder Klebstoff) perfekt fixiert.

Bild: Harald Bayler

4. Jetzt können Sie den Bobbin loslassen und durchatmen – Ihre erste Grundwicklung ist fast fertig, Sie haben den Faden (ohne Knoten oder Klebstoff) perfekt fixiert.

Fliegenbinden 5. Danach kann die weitere Grundwicklung bis zum Hakenbogen gemacht werden. Wickeln Sie möglichst mit gleichbleibender Spannung und achten Sie darauf, dass Sie den Bindefaden nicht an der Hakenspitze beschädigen. Foto: Harald Bayler

Bild: Harald Bayler

5. Danach kann die weitere Grundwicklung bis zum Hakenbogen gemacht werden. Wickeln Sie möglichst mit gleichbleibender Spannung und achten Sie darauf, dass Sie den Bindefaden nicht an der Hakenspitze beschädigen.

Schritt für Schritt: Schwanzfibern einbinden

Um die Schwanzfibern von Insekten zu imitieren, wird bei vielen Fliegen ein Schwänzchen eingebunden. Bei Trockenfliegen verwendet man eher steife Federn, um die Schwimmeigenschaften der Fliege zu verbessern. Beim Binden von Nymphen und Nassfliegen verwendet man weiche Federn, da diese im Wasser besser spielen. Als kleine Grundregel für die Proportionen gilt: bei Nymphen ca. 1/3 der Länge des Hakenschenkels, bei Trockenfliegen dürfen die Schwanzfibern so lang wie der Körper der Fliege sein.

Nach der Grundwicklung umwickeln Sie die Stelle direkt vor dem Hakenbogen mehrfach mit dem Bindefaden. Dadurch entsteht eine kleine Verdickung, die dafür sorgt, dass sich die Schwanzfibern später schön spreizen. Bevor Sie die Fibern für das Schwänzchen aus einer Feder lösen, wird zuerst der Flaum vom Kiel gezupft. Dieser ist nicht geeignet.

Nun können 5 bis 10 Fibern gleichzeitig vom Federkiel nach unten von der Feder abgezogen werden. Diese Fibern werden oben auf den Haken gelegt und mit zwei bis drei Windungen des Bindefadens gesichert. Überprüfen Sie die Position der Fibern. An dieser Stelle können Sie diese korrigieren. Wenn die Fibern richtig liegen, ziehen Sie den Bindefaden fest.

Nachdem das Schwänzchen in der gewünschten Position fixiert ist, kann der Rest der Federn mit dem Faden noch ein Stück umwickelt werden. Der Rest der Fibern kann im Anschluss abgeschnitten und überwickelt werden, um einen gleichmäßigen Übergang zu erhalten.

Schritt für Schritt zur Rippung

Um den Körper einer Fliege vor spitzen Zähnchen zu schützen, verwendet man eine Rippung. Das Material sollte möglichst robust sein, es eignet sich Draht, Tinsel oder Monofil. Neben dem Schutz sorgt die Rippung auch für eine Segmentierung des Körpers und kann Glitzereffekte erzeugen.

Wichtig: Das Einbinden der Rippung erfolgt VOR dem Binden des Körpers und wird daher gerne vergessen.

Um das Material für die Rippung zu fixieren, wird der Tinsel oder Draht vor der Fertigstellung des Körpers am Haken angelegt und mit dem Faden überwickelt. Ist das Material sehr rutschig, kann nach dem Überwickeln etwas Bindelack aufgetragen werden.

Im Anschluss wird der Körper der Fliege gebunden. Wenn Sie Bild 1 und 2 vergleichen, sehen Sie, dass sich der rote Bindefaden jetzt rechts am Öhr der Fliege befindet.

Wichtig: Das Material wird ENTGEGEN der Binderichtung um den Körper gewickelt! Die Grundwicklung und der Körper wurden von Ihnen WEG gebunden, die Rippung erfolgt zu Ihnen HIN. Der Abstand der Wicklungen wird zum Öhr hin größer.

Ist man mit der Rippung fertig, wird das Material mit dem Bindefaden fest überwickelt. Der überstehende Rest wird mit einer spitzen Schere dicht am Körper abgeschnitten.

Schritt für Schritt zum Dubbing-Strang

Es gibt beim Fliegenbinden mehrere Möglichkeiten, Dubbing an den Faden zu bringen. Die einfachste Technik ist es, die Fasern um den Faden zu spinnen. Wie füllig oder schlank der Körper wird, ist von der Menge des Dubbings und dem Druck abhängig. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man anfangs oft zu viel Dubbing verwendet. Aus diesem Grund rate ich, mit weniger Dubbing anzufangen. Bei Bedarf können Sie weiteres Dubbing um den Faden spinnen.

  1. Nehmen Sie etwas Dubbing und verteilen Sie es gleichmäßig auf der Fingerkuppe. Halten Sie den Faden leicht unter Spannung und legen Sie das Dubbing am Faden an.
  2. Klemmen Sie das Dubbing zwischen Daumen und Zeigefinger und drehen Sie es mit leichtem Druck um den Faden. Achten Sie darauf, das Material immer in die gleiche Richtung zu drehen.
  3. Ist das Dubbing um den Faden gesponnen, können Sie den Strang noch etwas verschieben und vorsichtig zum Haken führen.
  4. Winden Sie den Dubbingstrang um den Haken. Nachdem die ersten Fasern fixiert sind, können Sie das Dubbing erneut verdrehen und den Strang schlanker machen.
  5. Legen Sie weiteres Dubbing an, spinnen Sie es um den Faden und wickeln Sie den Strang um den Hakenschenkel, bis der Körper fertig ist. Am Ende wird der Dubbingstrang mit dem Bindefaden fest überwickelt.

Fliegenbinden: Schritt für Schritt zur ersten Nymphe

KomponenteBeschreibung
HakenHayabusa H.FLY 384, Größe 12 bis 16 (oder ein anderes, leicht gebogenes Modell)
BindefadenDyneema, Stärke 10/0
BeschwerungKopfperle 2,8 mm (Goldkopf oder Tungsten) plus Bleidraht
KörpermaterialDubbing-Kaninchen (Farbe frei wählbar, hier Natur)
RippungGolddraht, 0,16 mm
FarbgebungEdding 3000 Permanentmarker, Farbe 018 (Dunkelbraun)
  1. Schieben Sie zunächst die Kopfperle auf den Haken. Das geht am einfachsten, wenn Sie den Widerhaken andrücken.
  2. Legen Sie den Golddraht hinter der Bleiwicklung am Haken an und fixieren Sie ihn mit dem Faden, indem Sie diesen mehrfach überwickeln. Wickeln Sie den Bindefaden am hinteren Ende der Bleiwicklung mehrfach um den Hakenschenkel, um einen Übergang zu schaffen. Anschließend nehmen Sie etwas Dubbing und spinnen es um den Bindefaden. Achten Sie darauf, dass ein leicht konischer Dubbingstrang entsteht.
  3. Formen Sie mit dem Dubbingstrang einen schlanken, leicht konischen Körper, der zur Kopfperle hin dicker wird. Rippen Sie die Fliege mit dem Golddraht in entgegengesetzter Binderichtung. Sichern Sie den Draht mit dem Faden und schneiden Sie den Rest ab. Färben Sie anschließend etwa 8 cm des Fadens mit dem Filzstift und machen Sie mit dem Whip Finisher einen Kopfknoten. Nach dem Abschneiden des Fadens wird der Kopfknoten mit etwas Bindelack gesichert. Fertig ist Ihre erste Nymphe!

Der Haken ist die Basis jeder Fliege

Die Form des Hakens beeinflusst die Form des Fliegenkörpers und muss daher passend
zum Fliegenmuster gewählt werden.

Haken Fliegenbinden

Da Hakengrößen nicht genormt sind, fallen Modelle je nach Hersteller unterschiedlich aus
und sind eher als grober Richtwert zu sehen. Angaben wie „2× strong“ oder „2× long“ geben
Auskunft über Drahtstärke und Länge des Hakenschenkels – je größer die Zahl, desto dicker
bzw. länger der Haken.

Dickdrahtige Haken werden aufgrund ihres Gewichts meist für Nymphen verwendet,
dünndrahtige eher für Trockenfliegen.

Das Kürzel BL („barbless“) kennzeichnet Schonhaken ohne Widerhaken. Es empfiehlt sich,
mit Schonhaken zu fischen, da sie für die Fische schonender sind. Der Widerhaken eines
normalen Hakens kann zwischen den Spannbacken des Bindestocks angedrückt werden.

Tipp: Bei kleinen Hakengrößen sollte die Weite des Hakenbogens nicht zu klein sein,
damit der Haken im Maul des Fisches sicher greift.

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