Fischbestände erreichen wieder Vorkrisenniveau
Die Fischbestände in der Unteren Oder haben sich nach aktuellen Untersuchungen weitgehend erholt und erreichen inzwischen wieder etwa das Niveau vor der Umweltkatastrophe von 2022. Zu diesem Ergebnis kommt das Sonderuntersuchungsprogramm ODER~SO unter Federführung des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB).
Im August 2022 waren auf mehr als 300 Flusskilometern schätzungsweise 1.000 Tonnen Fische sowie unzählige Muscheln und weitere Wasserorganismen verendet. Das Fischsterben gilt als eine der schwersten Umweltkatastrophen in einem europäischen Fließgewässer der vergangenen Jahrzehnte.
Goldalge löste Umweltkatastrophe aus
Als Auslöser identifizierten die Wissenschaftler die massenhafte Vermehrung der giftbildenden Goldalge (Prymnesium parvum). Begünstigt wurde deren Ausbreitung durch hohe Salzfrachten sowie eine starke Nährstoffbelastung des Flusses.
Die aktuellen Untersuchungen zeigen jedoch, dass sich viele Fischarten vergleichsweise schnell erholen konnten. Ein wichtiger Grund dafür waren Nebengewässer, Uferzonen und andere Rückzugsräume, in die Fische während der Krise ausweichen konnten. Diese Bereiche dienten anschließend als Ausgangspunkte für die Wiederbesiedlung der betroffenen Flussabschnitte.
Muschelbestände weiterhin massiv geschädigt
Deutlich schlechter sieht die Situation bei den Großmuscheln aus. Nach Angaben der Forscher gingen mindestens zwei Drittel der Bestände verloren. Da sich die Tiere nur langsam vermehren, dürfte ihre Erholung noch viele Jahre in Anspruch nehmen.
Großmuscheln spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem, da sie große Mengen Wasser filtern und damit zur natürlichen Reinigung des Flusses beitragen.

Bild: IGB
Befischung der Strommitte der Oder im November 2022 durch IGB-Forscher Dr. Christian Wolter und sein Team.
Wissenschaftler fordern mehr Renaturierung
Um ähnliche Katastrophen künftig zu verhindern, empfehlen die Wissenschaftler eine deutliche Verringerung der Salz- und Nährstoffeinträge. Darüber hinaus sprechen sie sich für die Renaturierung von Auen, die bessere Anbindung von Nebengewässern sowie die Schaffung naturnaher Uferbereiche aus.
Strukturreiche Flüsse sind mit vielfältigen Lebensräumen deutlich widerstandsfähiger gegenüber Umweltkrisen als stark verbaute Gewässer.

Bild: IGB
Die Oder erstreckt sich von Tschechien über Polen bis zur Ostsee und bildet auf langen Abschnitten die deutsch-polnische Grenze.
Ursachen der Katastrophe nicht vollständig beseitigt
Trotz der positiven Entwicklung bei den Fischbeständen sehen die Wissenschaftler die Oder noch nicht über den Berg. Die Ursachen, die zur Umweltkatastrophe geführt haben, seien bislang nicht vollständig beseitigt. Um das Risiko einer erneuten Massenvermehrung der Goldalge zu verringern, seien weitere Anstrengungen beim Gewässerschutz notwendig. Die Oder bleibt auch weiterhin ein sensibles Ökosystem, das langfristig mehr Schutz und naturnahe Entwicklung benötigt.
Quelle: Das IGB ist das größte deutsche und eines der international führenden Forschungszentren für Binnengewässer.
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