Viele Gründe zum Posenangeln

Es gibt viele gute Gründe, für das Posenangeln. Das gilt auch beim Angeln auf Fischarten wie Karpfen, Aal und Zander, ­denen gewöhnlich mit der Grundrute nachgestellt wird. Warum, dass verraten wir Dir hier.

Nicht nur Karpfen, sondern auch andere Fried- und Raubfische lassen sich hervorragend mit der Pose fangen.

Nicht nur Karpfen, sondern auch andere Fried- und Raubfische lassen sich hervorragend mit der Pose fangen. Foto: Archiv

Die Vorteile beim Posenangeln

Vielleicht fragt Ihr zunächst: Wenn der Köder ohnehin am Grund liegt, was spricht dann dagegen, gleich mit dem Bodenblei zu angeln? Geht es nur um die Optik, nur um einen aufregenden Biss? Zugegeben, darum geht es auch. Nichts ist aufregender als ein Biss an der Pose! Aber es geht auch um praktische Vorteile, die uns das Posenangeln bringt. Hier die sechs wichtigsten im Überlick:

  1. Sehen, wo der Köder liegt

    Beim Grundangeln weiß man nur ungefähr, wo der Köder im Wasser gelandet ist. Schafft man es zehn Minuten später noch, exakt an diesen Fleck das Anfutter zu werfen? Wohl kaum. Oft zielen Sie fünf Meter vorbei und die Fische werden vom Köder weggelockt, nicht zu ihm hin. Das kann Ihnen beim Posenangeln nicht passieren. Denn die Pose ist nicht nur Biss­anzeiger, sie ist zugleich eine winzige Boje, die ihren Angelplatz markiert. Zielgenaues Füttern wird zum Kinderspiel. Ein großer Vorteil beim Angeln auf Weißfische, aber auch auf Karpfen und Schleie.

  2. Abziehen ist kontrollierbar

    Wenn es an der Grundrute zu einem Biss ­kommt, merkt und sieht man, dass die Schnur läuft. Aber man hat keine ­Ahnung, in welche Richtung der Fisch marschiert. Das kann verheerende Folgen haben, etwa dass der Traumfisch ein Hindernis erreicht, bevor man anschlagen kann. Mit der Pose kann man genau verfolgen, wohin der Fisch mit dem Köder schwimmt und daher rechtzeitig anschlagen, bevor die Beute in die Binsen geht. Diesen Vorteil schätze ich besonders beim Karpfenangeln vor Pflanzengürteln. Hier sorgt die Selbsthak-Methode mit Grund­blei oft zu einer ungestümen Flucht in die Pflanzen, noch ehe man zum Anschlagen gekommen ist. Es gibt sogar Hechtangler, die beim Grund­angeln oder beim Angeln mit der freien Leine einen so genannten Pilotkork in die Schnur fädeln. Er dient nicht der Biss­anzeige, er soll nur den Fluchtweg des Fisches zeigen. Und ebenfalls den Anhieb im Notfall ermöglichen. Warum dann nicht gleich mit der Pose angeln?!

  3. Auftrieb im Drill

    Beim Drill mit dem Grundblei passiert es oft, dass der Fisch sich am Grund festsetzt. Kein Wunder, das Blei zieht den Fisch und die Schnur runter, beides schrammt dicht über den Gewässerboden. Anders die Pose: Sie dient im Drill als Auftriebskörper, hält die Schnur vom Grund fern und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Fisch ohne Störung durch ein Hindernis in den Kescher bugsiert werden kann. Dieser Vorteil wird besonders beim Aalangeln (mit Knicklicht) in hindernisreichem Wasser geschätzt. Je eher man den Fisch vom Grund löst, desto besser. Zumal sich die Aale oft um Hindernisse wickeln und dann kaum mehr zu lösen sind.

  4. Kaum Widerstand

    Beim Grundangeln muss der Fisch die ganze Schnur zwischen Rolle und Köder mit sich ziehen, ehe man einen Biss bemerkt. Er spürt also immer Widerstand. Beim Posenangeln mit dem ersten Blei­schrot am Boden hebt der Fisch dieses lediglich an, ohne dass er mit sonstigen Widerständen zu kämpfen hätte. Eine im wahrsten Sinne feine Angelei. Gerade beim Angeln auf Raubfische wie Aal oder Zander neigen viele Bodenblei-Angler zu übertrieben grobem Gerät. Das mag der Grund sein, warum man beim Nachtangeln mit der leichten Knicklichtpose so erfolgreich ist. Probiert es aus, es ist nicht nur aufregend, wenn die Pose mit einer Leuchtspur über den See schlittert, das Knicklicht-Angeln ist auch äußerst effektiv.

    Zander lassen sich mit der Pose hervorragend an den Haken bringen. Die sensible Bissanzeige zeigt auch vorsichtige Bisse an.

    Zander lassen sich mit der Pose hervorragend an den Haken bringen. Die sensible Bissanzeige zeigt auch vorsichtige Bisse an. Foto: O. Portrat

  5. Kein Problem am Hindernis

    Habt Ihr schon einmal versucht, ein Grundblei fürs Karpfenangeln zwischen die Seerosen zu pfeffern? Dabei kann nicht viel herauskommen, höchstens Hänger und Krautsalat. Dagegen kann man mit einer Pose in den kleinsten Lücken zwischen den Seerosen auf Karpfen angeln – Hängerfrei. Der Köder lässt sich punktgenau anbieten, und auch der Drill geht in den meisten Fällen glatt.

    Die Pose wurde punktgenau zwischen den Seerosen platziert. Foto: Archiv

    Die Pose wurde punktgenau zwischen den Seerosen platziert. Foto: Archiv

  6. Für alle Tiefen geeignet

    Das Grundblei kann, wie der Name schon sagt, nur fürs Fischen am Grund verwendet werden. Die Pose dagegen ist für alle Wasserschichten geeignet. Man kann sie, wie schon beschrieben, blitzschnell verstellen. Das ist auch beim Angeln auf Grundfische wie Karpfen und Aale von Bedeutung. Denn nicht selten tauchen die Karpfen dicht unter der Oberfläche auf, gerade im Sommer. Dann kann ein Versuch mit der flach gestellten Pose lohnen. Der Favorit unter den Ködern ist in solchen Situationen die Brotflocke. Und auch auf Aal kann das flache Angeln erstaunliche Erfolge bringen.

Auf die Pose, fertig, los!

Meine Augen sind zusammengekniffen, als würde ich gegen die Sonne blinzeln. Dabei steckt der Morgen noch in den Kinderschuhen. Graues Dämmerlicht sickert vom Himmel, Nebel wabert in dicken Schwaden über den See. Doch meine Augen haben eine rote Antenne am Rand der Seerosen im Visier, eine Antenne, die nicht so lang ist wie die eines Radios, aber nach demselben Prinzip funktioniert: Sie empfängt Signale von anderswo, Signale aus der Tiefe.

Und das Frühstücksprogramm, das gerade begonnen hat, gefällt mir: Die Pose kippt ein wenig zur Seite, als wäre sie betrunken, kommt zögernd wieder auf die Beine und wird dann von einem Zitterkrampf geschüttelt, der leichte Wellenkreise über den glatten Wasserspiegel sendet. Nun steht sie wieder still wie ein Soldat. War es das schon? Hat der Fisch meine Mistwürmer abgelutscht? Soll ich einkurbeln, um nach dem Rechten zu sehen? In diesem Moment geht der Tanz weiter, mit einem winzigen Sprung in Richtung der Seerosen. Ein weiterer Ruck folgt. Noch einer. Jetzt marschiert die Pose! Ich schieße aus der Hocke nach oben und setze den Anhieb. Meine Matchrute schlägt heftig aus, die Rollenbremse stöhnt kurz auf, als hätte man sie aus dem Tiefschlaf ge­rissen.

Schlitternde Pose

Ich sehe, wie die Pose am Ende der gespannten Schnur über die Oberfläche schlittert. Aha, der Fisch steuert auf die Seerosen zu. Nur noch einen Meter, dann hat er sie erreicht. Ich erhöhe den Druck mit der Rute und schaffe es in letzter Sekunde, die Flucht zu stoppen. Der Fisch dreht eine Ehrenrunde vor den Panzen, dann kann ich ihn langsam in Richtung Ufer pumpen.

Meinen Kescher habe ich schon eingetaucht. Als die Pose vor der Rute aus dem Wasser kommt, begleitet von einem Schwall im moorigen Wasser, ist das mein Signal fürs Keschern. Das Netz hebt sich, eine prächtige Schleie wälzt sich im Netz. Sie ist eher schwarz als grün. Die rote Posenantenne schimmert daneben wie ein Zauberstab. Das Angeln mit der Pose, ich liebe es einfach! Nicht nur, weil es so viel Spaß macht, nicht nur, wenn es auf Schleien oder Rot­augen geht.

Nein, ich liebe das Posenangeln auf fast alle Fischarten, auch auf Aal und Zander, Karpfen und Brassen. Nicht zuletzt deshalb, weil die Pose so viele praktische Vorteile bringt gerade beim Angeln auf Fischarten, auf die es üblicherweise mit dem Bodenblei geht.

Gerade an Seerosen lassen sich gute Fänge erzielen. Foto: Blinker

Gerade an Seerosen lassen sich gute Fänge erzielen. Foto: Blinker

Flache Fänge beim Posenangeln

Nun sind einige Vorteile der Pose durchaus bekannt.

  • Die meisten Angler wissen es zu schätzen, dass sich mit der Pose alle Wasserschichten beangeln lassen, von der Oberfläche bis zum Grund.
  • Mit einem Handgriff kann man die Tiefe verstellen.
  • Bei der Laufpose verändert man die Posi­tion des Stoppers, bei der Feststellpose verrückt man die Pose selbst. So ist es in Sekundenschnelle möglich, nach dem Angeln im tiefen Keller den Köder oben im Dachgeschoss des Gewässers anzubieten, etwa weil dort ein Schwarm hungriger Rotfedern gesichtet wurde.

Aber stimmt es nicht, dass die Fische die meiste Nahrung am Grund aufnehmen? Und stimmt es nicht auch, dass ein Grundblei immer unten ankommt während ein Köder an der Pose oft über die Köpfe der Fische hinweg angelt? Schon wahr. Aber es gibt ein Gegenmittel: Warum nicht die beiden Erfolgsmethoden miteinander verbinden? Warum nicht die Pose als Bissanzeiger verwenden und den Köder gleichzeitig am Grund anbieten? Das ist meine Erfolgsmethode, gerade auf Grundfische wie Aal oder Zander, Schleie oder Karpfen.

Anhand der Grafik ist zu erkennen, wie man beim Auslostern vorgehen sollte bzw. wie sie die Pose und das Lotblei verhalten.

Anhand der Grafik ist zu erkennen, wie man beim Auslostern vorgehen sollte bzw. wie sie die Pose und das Lotblei verhalten. Grafik: JTSV

Die Technik ist ein Kinderspiel: Ich bleie eine feine Pose, meist einen Waggler von 3 bis 4 Gramm Tragkraft, so aus, dass nur die Antenne aus dem Wasser ragt. Dann klemme ich ein weiteres Blei­schrot mittlerer Größe zehn Zentimeter vor dem Haken auf die Schnur. Nun geht die Pose unter. Anschließend schiebe ich die Pose so lange auf der Schnur höher, bis die Antenne wieder aus dem Wasser schaut, aber nur noch ein bisschen.

Manchmal mit Lift

Auf diese Weise habe ich gleichzeitig ausgelotet und weiß: Mein Köder und das erste Bleischrot liegen definitiv am Grund. Damit die Pose nicht vom Wind vertrieben wird, tauche ich die Rutenspitze nach dem Einwerfen ins Wasser und kurble die Schnur stramm. So wird die Schnur der Oberflächenströmung entzogen. Handelt es sich also um die Liftmethode, jener Variante des Posenangelns, bei der ein Bleischrot am Grund liegt, die Schnur gespannt wird und die Pose beim Biss aus dem Wasser wächst? Nicht ganz. Ich verzichte darauf, meine Schnur beim Angeln gespannt zu halten. Das hat zwei Gründe:

  • Erstens erfordert die Liftmethode einen blitzschnellen Anhieb, weil der Fisch sonst Widerstand spürt. Das ist nicht immer mög­lich, schon gar nicht beim Angeln mit größeren Ködern auf Raubfische.
  • Zweitens führt die gespannte Schnur, etwa beim Schleienangeln, oft zu Fehlbissen. Sobald ein Fisch beim Gründeln an die Schnur kommt, schlägt die Pose Fehlalarm. Dennoch sehen die Bisse an der überbleiten Pose ähnlich aus: Oft hebt der Fisch beim Biss das letzte Schrotblei an, und die Pose wächst wie ein Spargel. Manchmal kommt es auch zu einem seitlichen Abziehen. Ganz egal, was die Pose auch tut: Ich warte, bis ich eine regelmäßige Bewegung feststelle. Dann schlage ich früher oder später an: früher mit kleinen Ködern wie Mais beim Karpfenangeln; später mit größeren Ködern wie Tauwurm auf Aal oder Fischchen auf Zander.
Beim Zanderangel ist eine sensible Pose wichtig, damit der Fisch beim abziehen kein Widerstand spürt. Foto: Blinker

Beim Zanderangel ist eine sensible Pose wichtig, damit der Fisch beim abziehen kein Widerstand spürt. Foto: Blinker

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