Angelschnur aufspulen: Kein Drall, keine Probleme

Wer das Aufspulen zu Hause übernehmen möchte, muss sich an einige Besonderheiten verschiedener Schnurarten halten, um Perücken oder das Einschneiden der Schnur zu vermeiden. Hier geht’s zum ultimativen Ratgeber, wenn es um das Aufspulen von Angelschnur – ob Mono oder Geflecht – gehen soll.

Monofil auf Stationärrolle

Bild: W. Krause

Angelschnur aufspulen: Kein Hexenwerk, muss aber gelernt sein.

Das Aufspulen einer Angelschnur gehört zu den grundlegenden Handgriffen beim Angeln – und wird dennoch häufig unterschätzt. Dabei entscheidet eine sauber aufgespulte Schnur maßgeblich darüber, wie weit Sie werfen können, wie zuverlässig die Bremse arbeitet und ob es zu Perücken, Schnurdrall oder Knoten kommt. Wer seine Angelrolle bespulen möchte, sollte daher nicht hastig vorgehen, sondern systematisch und mit etwas Vorbereitung arbeiten. Im folgenden Artikel erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie monofile und geflochtene Schnur korrekt auf eine Stationärrolle bringen und worauf es beim Aufspulen auf Multi- und Baitcastrollen ankommt.

Vorbereitung: Das richtige Setup

Bevor Sie mit dem Aufspulen beginnen, sollte die Rolle fest an der Rute montiert sein. So stellen Sie sicher, dass die Schnur später in der richtigen Achse aufgespult wird. Öffnen Sie den Rollenbügel und führen Sie die Schnur durch die ersten Rutenringe. Anschließend wird sie mit einem einfachen Grinner-Knoten an der Spule befestigt. Das gilt für Mono, zu Geflochtener kommen wir später. Wichtig ist zudem, dass die Schnur gleichmäßig unter Spannung steht – nur so legt sie sich sauber und ohne Hohlräume auf die Spule.

Monofilschnur wird mit einem Cuttermesser von der Spule geschnitten

Bild: F. Pippardt

Alte Schnur weg: Monofilschnur wird mit einem Cuttermesser von der Spule geschnitten.

Monofile Angelschnur auf eine Stationärrolle aufspulen

Monofile Schnüre sind vergleichsweise dehnbar und neigen bei falschem Aufspulen schnell zu Drall. Eine bewährte Methode, um dies zu vermeiden, ist das Aufspulen aus einem Eimer Wasser. Dabei wird die Schnurspule vollständig in einen mit Wasser gefüllten Eimer gelegt. Das Wasser sorgt für einen leichten Widerstand und hilft gleichzeitig, die Schnur zu entspannen.

Halten Sie die Schnur zwischen zwei Fingern leicht unter Spannung und kurbeln Sie langsam und gleichmäßig. Achten Sie darauf, dass sich die Schnur sauber parallel auf die Spule legt. Füllt sich die Rolle ungleichmäßig oder wölbt sich die Schnur stark, sollten Sie den Vorgang stoppen und die Schnur gegebenenfalls neu ausrichten. Wer seine Angelrolle bespulen möchte, sollte die Spule nicht übervoll machen – ein Abstand von etwa ein bis zwei Millimetern zum Spulenrand ist ideal.

Ein weiterer Tipp: Dreht sich die Schnur beim Aufspulen sichtbar ein, kann es helfen, die Schnurspule im Eimer umzudrehen. Ziel ist es, den natürlichen Drall der Schnur möglichst gering zu halten. So wird das Angelschnur aufspulen mit monofiler Schnur deutlich problemloser.

Angelrolle mit monofiler Schnur

Bild: F. Pippardt

Karpfenrollen mit monofiler Schnur zu füllen, ist eine leichte Übung.

Geflochtene Angelschnur auf eine Stationärrolle aufspulen

Bei Geflecht andere Regeln als bei Mono. Geflochtene Schnüre sind extrem glatt und dehnungsfrei. Würde man sie direkt auf die leere Rollenspule wickeln, bestünde die Gefahr, dass sie unter Zug auf der Spule durchrutscht. Deshalb ist eine Unterfütterung aus monofiler Schnur Pflicht.

Spulen Sie zunächst einige Meter Mono auf die Rolle – meist reichen 5 bis 10 Meter, je nach Spulengröße. Bei einer tiefen Spule können es auch bis zu 100 Meter Mono sein, das kommt auf die zu erwartende Fischgröße und den Durchmesser des Geflechts an. Diese Unterlage sorgt für Halt und spart zudem teure Geflechtschnur. Verbinden Sie anschließend Mono und Geflecht mit einem schlanken Verbindungsknoten, etwa einem doppelten Grinner– oder Albright-Knoten.

Schnurspule mit Geflecht und Klebeband

Bild: A. Pawlitzki

Kleiner Tipp: Geflochtene Schnur auf der Rolle mit Klebeband festkleben, dann gibt’s kein Rutschen mehr und man spart sich die Mono-Unterfütterung (bei. flachen Spulen manchmal nötig).

Nun beginnt das eigentliche Aufspulen der geflochtenen Angelschnur. Anders als bei Mono sollte die Geflechtschnur von der Spule ablaufen, nicht abspringen. Ideal ist es, wenn eine zweite Person die Schnurspule mit einem Tuch festhält und konstanten Druck ausübt. Die Schnur muss deutlich straffer aufgewickelt werden als monofile Schnur, da sie sich sonst später beim Drill in die unteren Lagen einschneiden kann. Auch hier gilt: gleichmäßig kurbeln, sauber füllen, nicht überladen. So wird das Angelschnur aufspulen mit Geflecht langlebig und zuverlässig.

Angler mit zwei Hechtködern und einer Stationärcombo

Bild: F. Pippardt

Beim Spinnfischen darf das Geflecht auf keinen Fall auf der Spule rutschen.

Angelschnur auf Multirolle oder Baitcastrolle aufspulen

Beim Bespulen von Multi- oder Baitcastrollen ist besondere Sorgfalt gefragt. Da die Spule hier direkt rotiert, wirkt sich jede Unregelmäßigkeit sofort aus. Die Schnur sollte unter konstant hohem Zug aufgespult werden, idealerweise mithilfe eines Tuchs oder spezieller Aufspulhilfen. Auch bei Multirollen empfiehlt sich bei geflochtener Schnur eine monofile Unterfütterung. Wichtig ist zudem, die Schnur exakt mittig und gleichmäßig zu führen, damit sich keine Hügel oder Vertiefungen bilden. Gerade bei Baitcastrollen können solche Fehler später zu Backlashes führen. Wer hier sauber arbeitet, wird mit präziseren Würfen und besserer Kontrolle belohnt.

Baitcastrolle mit rotem Geflecht

Bild: R. Schwarzer

Wer Baitcaster richtig bespult, verhindert Vogelnester beim Werfen.

Ob Mono, Geflecht oder Multirolle – korrektes Angelschnur aufspulen ist kein Hexenwerk, erfordert aber Aufmerksamkeit. Wer seine Angelrolle bespulen möchte und dabei auf gleichmäßige Spannung, passende Unterfütterung und saubere Wicklung achtet, vermeidet viele typische Probleme bereits im Vorfeld. Eine gut aufgespulte Schnur wirft weiter, hält länger und sorgt letztlich für mehr Freude am Wasser.


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