Raubfischrute: Wichtige Kriterien für die Auswahl

Die Raubfischrute ist der verlängerte Arm des Anglers – wichtig für die Köderführung, den Anhieb und einen sicheren Drill. Damit Ihr Euch im Ruten-Dschungel des Angelladens zurechtfindet, verraten unsere Spinnangel-Experten, worauf es ankommt.

Eine Raubfischrute für einen bestimmten Einsatzzweck? Unsere Experten geben Tipps für die richtige Rutenwahl.

Bild: BLINKER/W.Krause

Eine Raubfischrute für einen bestimmten Einsatzzweck? Unsere Experten geben Tipps für die richtige Rutenwahl.

Zander, Hecht und Barsch gehören hierzulande zu den drei beliebtesten Raubfischen. Vor allem mit Kunstködern wird ihnen auf die Schuppen gerückt. Dazu braucht man unbedingt das richtige Werkzeug. Aber mit welcher Raubfischrute ist man nun gut bedient? Gibt es die eine für alle? Welches Wurfgewicht, welche Länge und was für eine Biegekurve sollte die Gerte haben? Wir haben drei Spezialisten für das moderne Fischen auf die drei Räuber befragt, welche Rute sie als die ultimative Universalwaffe empfehlen.

Raubfischrute zum Barschangeln

Gibt es die perfekte Raubfischrute zum Barschangeln, mit der sich fast alle Angeldisziplinen abdecken lassen? Barsch-Papst Johannes Dietel weiß, was die eierlegende Wollmilchsau alles können muss.

Ja, selbst als Barsch-Spezialist ist es möglich, mit nur einer Rute sehr viele Barsch-Disziplinen abzudecken! In Kurzform: Die Raubfischrute sollte etwa zwei Meter lang sein, ein Wurfgewicht von etwa vier bis 15 Gramm haben, relativ steif sein mit viel „Feuerkraft“, nachgiebig in der Spitze und viel Rückgrat besitzen.

Länge: Eine 1,80 bis 2,10 Meter lange Rute bietet einen kurzen Hebel. Dieser macht sich gut beim Angeln mit Methoden, bei denen ich den Köder mit nur minimalen Bewegungen aus dem Handgelenk zum Leben erwecke und möglichst lange an einem Platz halten möchte – zum Beispiel beim Angeln mit Texas-Rig (Bullet-Blei), Shaky Heads (besonderer Bleikopf) oder beim Dropshotten. Will man beim Twitchen (Zupfen des Köders) die schlanken Wobbler hektisch durchs Wasser schlagen, gelingt das ebenfalls am besten mit einer kurzen Rute und Bewegung von oben nach unten.

Aktion und Biegekurve: Früher galten weiche Ruten als ideal, um die Schüttelbewegungen abzupuffern und Drillaussteiger zu vermeiden. Das ist meines Erachtens überholt. Wer mit scharfen Haken fischt und einen beherzten Anhieb setzt, landet die Fische auch an relativ steifen Ruten sicher.

Die Spitze sollte im Drill dennoch ein bisschen nachgeben. Je steifer der Blank, desto zackiger und präziser kann ich einen Köder führen. Und genau darauf kommt es bei den meisten Methoden an. Zwar vibrieren dicke Crankbaits (die dickbauchigen Wobbler) an steifen Ruten bis ins Handgelenk. Der klassische Barsch-Crank ist aber nicht besonders groß und so ist der Kompromiss problemlos akzeptabel.

Power: Beim Barschangeln steigen immer wieder auch Hechte, Zander oder Rapfen ein, allesamt größer und stärker als ein Barsch. Im Idealfall biegt sich die Allround-Barschrute unter Belastung bis zum Leitring und hat dann viel Rückgrat und setzt selbst kampfstarken Fischen viel Power entgegen.

Wurfgewicht: Viele Barschruten sind mit einem großen Gewichtsbereich angegeben. Fünf bis 30 Gramm zum Beispiel kann eine Rute aber in der Praxis nicht wirklich gut abdecken. Machen diese Ruten auch nicht. Das reale Wurfgewicht liegt dann eher im Bereich von über zehn bis knapp 30 Gramm. Damit fliegen kleine Wobbler, leichte Finesse-Montage, Mini-Jigs etc. gut raus. Deswegen hat eine Allround-Barschrute im Idealfall ein Wurfgewicht von unter fünf bis maximal 15 Gramm. Mit dieser Rute kann man dann fast alle Methoden und gängigen Montagen fischen und somit alles machen, was das Barschangeln so spannend macht.

Redet man von Barschen, fällt unweigerlich sein Name: Blinker-Autor und Barsch-Experte Johannes Dietel.

Bild: BLINKER/J. Dietel

Redet man von Barschen, fällt unweigerlich sein Name: Blinker-Autor und Barsch-Experte Johannes Dietel.

Die richtige Raubfischrute zum Zanderangeln

Dietmar Isaiasch – der Raubfischweltmeister ist einer der bekanntesten Produktentwickler und Köderdesigner. Er weiß genau, was eine moderne Zanderrute können muss.

Ich muss Euch ein wenig enttäuschen: Die eine Universalrute für den Zanderangler gibt es für mich nicht! Zumindest zwei unterschiedliche Ruten müssen es schon sein, um für alle Zanderfälle gewappnet zu sein – eine Rute zum Jiggen und eine zum Fischen mit Wobblern.

Die perfekte Jig-Rute: Die Rute muss den Köder „starten“ können. Im Klartext: schneller Blank mit straffer Spitzenaktion – bretthart, aber mit einer gewissen Biegung im ersten Drittel. Keine Besenstil-Aktion – idealerweise sollte die Biegung nahezu „L-förmig“ sein. Die Spitze sollte nicht schwabbelig sein, um beim Anschlag nicht zurückzuwippen. Das Handteil sollte nicht zu kurz sein und gut in voller Länge am Unterarm anliegen. Die Rutenlänge sollte zwischen 2,40 Meter fürs Jiggen von erhöhten Bereichen (Ufer, Boot, Spundwand) bis 2,75 Meter fürs Jiggen von Steinpackungen liegen.

Die Ringe sollten nicht zu klein gewählt werden (Zusetzen bei Frost). Der Leitring kann als Zweisteg-Ring ausgeführt sein, die anderen Ringe besser als Einsteg. Das optimiert die Rutenaktion und spart Gewicht. Das Handteil im Bereich über der Rolle sollte nicht zu lang sein. Für den besseren  Kontakt zum Köder sollten die Finger direkten Kontakt zum Blank haben. Das ideale Wurfgewicht liegt bei etwa 14 bis 56 Gramm.

Die ideale Wobbler-Rute: Die Rute sollte die Ködereigenschaften ungehindert übertragen und nicht blockieren. Die Rute sollte schnell, aber eben nicht zu hart sein. Je härter der Blank ist, desto „abgehackter“ kommt der Wobblerlauf rüber. Deshalb darf die Rute im ersten Drittel ruhig etwas weicher sein, aber sie muss noch genügend Rückgrat aufweisen, um den Haken zu setzen.

Das Handteil sollte ähnlich wie bei der Jigging-Ausführung sein. Ich empfehle Rutenmodelle in Längen zwischen 2,40 und 2,50 Meter. Die Beringung identisch wie bei der Jig-Rute. Das Wurfgewicht sollte etwa 36 Gramm betragen.

Individuelle Griffform: Welcher Griff an der Raubfischrute der Richtige ist, muss jeder Angler für sich ent­scheiden. Es gibt so viele unterschiedliche Hände, dass der passende Griff eine sehr individuelle Angelegenheit ist.

Blinker-Autor Dietmar Isaiasch zählt zu den bekanntesten Zanderanglern Europas.

Bild: BLINKER/D. Isaiasch

Blinker-Autor Dietmar Isaiasch zählt zu den bekanntesten Zanderanglern Europas.

Raubfischrute zum Hechtangeln

Christopher Görg – der langjährige Blinker-Autor und  Kunstköder-Experte weiß genau, was eine Hechtrute können muss, mit der er größere Gummifische anbietet.

Für das Gummifischangeln auf Hechte nutze ich eine 2,70 Meter lange Steckrute mit einem Wurfgewicht bis 120 Gramm. Mit dieser Rutenlänge kann man sehr gut vom Ufer aus fischen, und auch die Angelei vom Boot ist möglich. Zudem lassen sich sehr hohe und aggressive Sprünge des Gummifisches ohne Probleme produzieren. Vor allem in den Sommermonaten, wenn die Hechte sehr agil sind, ist ein schneller, aktiver Führungsstil oft sehr erfolgreich.

Wurfgewicht: Das Wurfgewicht von 120 Gramm ermöglicht mir auch den Einsatz von großen „Happen“. Nicht nur das Bleigewicht des Jigkopfes, sondern auch das Eigengewicht des Gummifisches muss hier beachtet werden. Gleichzeitig ermöglicht mir das hohe Wurfgewicht beim Drill eines wirklich großen Hechtes, stets die Kontrolle zu behalten und den Fisch von Hindernissen weg zu dirigieren.

Aktion: Sehr straff – diese Eigenschaft ist mir besonders wichtig! Das gilt sowohl für die Köderführung als auch für die Erkennung und Verwertung der Bisse. Eine zu weiche Rute würde die Rucke mit der Rute beim Jiggen einfach „verschlucken“. Ähnliches würde auch bei einem Biss passieren und der Anhieb ginge ins Leere.

Der Anhieb im harten Hechtmaul muss sitzen. Eine zu weiche, wabbelige Spitze führt vermehrt zu Aussteigern. Eine straffe Aktion sollte jedoch keinesfalls der eines „Besenstiels“ gleichen. Auch ein kleinerer Hecht soll die Rute ruhig zum Biegen bringen. Meine Lieblingsrute hat eine verhältnismäßig sensible Spitze. Nachdem jedoch die ersten 40 Zentimeter gebogen sind, zeigt der Blank, wie straff er ist und welche Power er hat (Spitzenaktion).

Ruten mit progressiver Aktion biegen sich bei leichter Belastung erst im Spitzenbereich durch und geben dann mit wachsendem Zug bis ins Handteil nach. Solche Blanks sind vielseitig einsetzbar und werden hauptsächlich für Spinn- und Fliegenruten verwendet. Diese Feinheiten, also die tatsächliche Aktion einer Rute, lassen sich im Detail allerdings nur unter Belastung, also im Drill erkennen.

Bild: Blinker

Ruten mit progressiver Aktion biegen sich bei leichter Belastung erst im Spitzenbereich durch und geben dann mit wachsendem Zug bis ins Handteil nach. Solche Blanks sind vielseitig einsetzbar und werden hauptsächlich für Spinn- und Fliegenruten verwendet. Diese Feinheiten, also die tatsächliche Aktion einer Rute, lassen sich im Detail allerdings nur unter Belastung, also im Drill erkennen.

Balance: Um die Rute so gut es geht auszubalancieren, verwende ich eine 4000er Stationärrolle, die mit einer geflochtenen Schnur bespult ist. Die Größe der Rolle erlaubt ein schnelles Beschleunigen des Köders und eignet sich prima zum Hechtangeln. Die Geflechtschnur stellt einen direkten Kontakt zum Köder her und ermöglicht eine perfekte Führung und Bisserkennung.

Ausstattung: Über dem Rollenhalter sollte der Griff so kurz sein, dass ich immer mit einem Finger am Blank fischen kann. Selbst sehr feine Bisse auf den Köder werden so spürbar und sorgen für mehr Fänge.

Das Hechtangeln mit Kunstködern ist die Welt von Christopher Görg.

Bild: BLINKER/D. Isaiasch

Das Hechtangeln mit Kunstködern ist die Welt von Christopher Görg.

Dieser Artikel ist im BLINKER-Magazin 10/2017 erschienen. Weitere spannende Themen rund ums Angeln findet Ihr in den aktuellen Ausgaben

Titel_Blinker_10/2017

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