Aalglocke: Der schönste Klang beim Angeln

Das Grundfischen mit der Aalglocke ist zwar weit ­verbreitet, seine Anwender gelten aber eher als alt­modische Grobmotoriker. Georg Duwe ist da ande­rer Meinung. Er findet Aal­angeln auf ­altdeutsch richtig spannend. Und wie sensibel die ­Me­thode ist, hängt davon ab, wie der Angler sie handhabt.

Die Methode mag nicht gerade delikat sein – die Beute ist es allemal.

Mitten ins Dunkel und das große Schweigen hinein fängt die Aalglocke an meiner rechten Aalrute wie wild an zu bimmeln. Schon im nächs­ten Augenblick hebt das Handteil vom Boden ab, während das Vorderteil ruppig in Richtung Wasseroberfläche gerissen wird. Die Glocke spielt ihr unverkennbares Lied zu diesem Geschehen in der Düsternis. Hammerbisse nenne ich diese griffigen Attacken. Jetzt heißt es: blitzschnell die Rute greifen, dagegen halten, um schnell und ohne Kompromisse den Fisch aus dem Wasser befördern zu können.

Ein Anschlag ist bei den Hammerbissen nicht erforderlich, denn der flüchtende Aal treibt sich den Haken von selbst ins Maul. Aber nicht immer beißen Aale so giftig. Dann wird das Grundangeln mit der ­Aalglocke auf altdeutsche Art, wie ich diese Methode gerne nenne, besonders spannend. Denn auch im Zeitalter von Carpsounder und Hi-Tech-Bissanzeiger ist die kleine Bimmel immer einen Versuch wert.

Aalglocken werden an der Rutenspitze befestigt und regieren sehr sensibel - und das nicht nur bei Aalen. Foto: BLINKER

Bild: Blinker

Aalglocken werden an der Rutenspitze befestigt und regieren sehr sensibel – und das nicht nur bei Aalen. Foto: BLINKER

Aalglocke: Beißerchen und Nervenschoner

Beim Kauf einer Aalglocke sind drei ­Dinge maßgebend. Zunächst sollte man die Finger von Modellen mit gezahnter Me­tallklemme lassen, weil diese ganz schnell die Ruten zerkratzen. Außerdem verrutschen die Modelle vom Typ Beißerchen sehr schnell beim Werfen oder im Drill. Das nervt. Deshalb bevorzuge ich Aalglocken, deren Befestigungsmechanismus aus Kunststoff besteht und die man an die Rutenspitze schrauben kann. Zweitens wähle ich Modelle, die zusätzlich über ­einen Einstecker für Knicklichter ver­fügen, denn wenn in dunkler Nacht mit mehreren Ruten gefischt wird, ist nicht nur das ­akustische Signal der Aalglocken für den Angler wichtig.

Ich will sofort erkennen, welche Rute bimmelt, und da ist ein an der Aalglocke eingestecktes Knicklicht natürlich hilfreich. Und drittens achte ich darauf, dass die Glocken nicht zu weit vom Rutenblank abstehen, denn je kürzer eine Aalglocke ist, desto seltener verfängt sich die Schnur in ihr. Und das schont meine Nerven. Schluck-Beschwerden Wenn ich mich altbacken an die Aale mache, angele ich grundsätzlich nur mit zwei Ruten, auch wenn mehr gestattet sind. Denn ich fische mit festgezogenen Rollenbremsen.

Wenn ein Großaal im Expresstempo abdampft, kann das Geschirr also ganz schnell ins Wasser gerissen werden. Zwei Ruten hat man aber im Griff. Nach dem Auswerfen der beköderten Montagen werden die Ruten nicht in rohrförmige Halter gesteckt wie bei vielen Kol­legen, sondern auf je einer Rutenauflage abgelegt. Die Ruten zeigen dabei schräg nach oben, etwa in einem Winkel von 40 Grad. Somit kann ich direkt aus der Aufla­ge heraus anschlagen, ohne die Rute vorher umständlich aus der Halterung zu ziehen. Die Schnüre sind dafür soweit gespannt, dass sie zwischen dem Spitzenring und dem am Gewässergrund aufliegenden Blei eine Gerade bilden, während sich die Rutenspitze ganz leicht biegt. Nur so hat man unmittelbaren Kontakt zum Köder, und jeder Zupfer lässt die Glocken klingen. Natürlich geht das nur mit geschlossenem Rollenbügel.

Wenn der Raubaal zweimal klingelt... Bei zaghaften Bissen (1) muss man die Rute senken, die Schnur lockern (2), und erst beim Abzug (3) anschlagen (4).

Bild: BLINKER

Wenn der Raubaal zweimal klingelt… Bei zaghaften Bissen (1) muss man die Rute senken, die Schnur lockern (2), und erst beim Abzug (3) anschlagen (4).

Mit Sargblei und Wurm

Zum Glocken-Angeln verwende ich neben kräftigen Stationärrollen, die mit 0,35er monofilen Schnüren bespult sind, starke Ruten mit einem Wurfgewicht zwischen 60 und 100 Gramm und einfache Laufbleimontagen. In strömungsreichen Gewässern greife ich dabei gern auf Sargbleie in Gewichten von 25 oder 30 Gramm zurück. Das reicht eigentlich immer, um den Köder an Ort und Stelle zu halten.

In stehenden Gewässern genügen Bleie von 10 bis 20 Gramm vollkommen. Weist das Gewässer jedoch einen sehr steinigen Grund auf, lasse ich die Sargbleie lieber in der Gerätekiste und montiere statt dessen Tiroler Hölzl in ähnlichen Gewichtsklassen, da sich diese Stehaufbleie nicht so schnell zwischen den Steinen verklemmen.

Übrigens verwende ich beim Ansitz mit Aalglocke ausschließlich Würmer als Köder, weil Aale diesen Köder fast immer an Ort und Stelle einsaugen und ich deshalb, falls überhaupt noch erforderlich, sehr schnell anschlagen kann. Ich denke, es versteht sich von selbst, dass man beim Ansitz nach altdeutscher Art die ausgelegten Ruten jederzeit unmittelbar aus dem Stuhl heraus greifen kann.

Ach so, und noch etwas: Wenn man sich einmal von den Ruten entfernen muss, kann ich nur empfehlen, entweder die Rollenbremsen zu lösen oder die Schnurfangbügel zu öffnen oder aber die Köder ganz einzuholen. Ein starker Aal könnte andernfalls für eine böse Überraschung sorgen.

Während bei den erwähnten Hammerbissen der Aal unmissverständlich den Ton angibt und den Angler nur noch reagieren lässt, sieht es bei vorsichtigen Bissen ganz anders aus: Wenn die Aalglocke nur ganz leise und sehr kurz bimmelt, hebe ich die Rute am Handteil etwas an. Sie bleibt dabei auf der Rutenauflage liegen, durch das Senken der Rutenspitze zur Wasseroberfläche hin erschlafft die zuvor gespannte Schnur (siehe Zeichnung). Der Aal kann sich den Köder nun einverleiben, ohne argwöhnisch zu werden. Wenn es dann zum zweiten Mal klingelt, schlage ich endlich richtig an. Und dann erklingt die letzte Strophe des Lieds von der Aalglocke.

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