Jagd auf den Kormoran: Auf diese Punkte sollte man achten

FliegenFischen-Autor Werner Berens ist Jäger – und Angler und beschäftigt sich seit Jahrzehnten intensiv mit dem Artenschutz und zeigt, wie man das Thema Kormoran in den Griff bekommen kann – inklusive Tipps zur Jagd auf den Kormoran bis hin zum richtigen Kaliber.

Die schwarzen Vögel können vor allem in kleineren Gewässern starken ökologischen und wirtschaftlichen Schaden anrichten. Daher ist die Jagd auf den Kormoran ein wichtiger Faktor von Jägern und Anglern. Foto: O. Portrat

Bild: BLINKER/ O.Portrat

Die schwarzen Vögel können vor allem in kleineren Gewässern starken ökologischen und wirtschaftlichen Schaden anrichten. Daher ist die Jagd auf den Kormoran ein wichtiger Faktor von Jägern und Anglern.

Wenn man den Fraßdruck der Kormorane nachhaltig an seinem Gewässer begrenzen möchte, bestehen im Prinzip zwei Möglichkeiten, um die Jagd auf den Kormoran effektiv zu gestalten. Doch dazu müssen Sie den Jagdpächter für Ihr Vorhaben gewinnen – und einige wichtige Dinge wissen.

Die Jagd auf den Kormoran ist mit der kleinen Kugel (die verschiedenen Kaliber der Gruppe 5,6 mm) möglich. Damit kann man einzelne Kormorane auch auf Entfernungen um die hundert Meter aus den Schlafbäumen oder vom Pfahl schießen, auf dem er sein Gefieder trocknet. Aber dabei verbietet sich der waagerechte Schuss oder gar der Schuss nach schräg oben. Die Geschosse fliegen etwa 1.500 Meter! Kein Jäger riskiert, statt in 100 Meter Entfernung einen Kormoran vom Pfahl in 500 Meter Entfernung einen Radfahrer vom Rad zu holen.

Der Kugelschuss ist nur brauchbar, wenn hinter dem Kormoran ein ansteigender Hügel als Kugelfang dient, wenn das Geschoss an der Küste ins maritime Nirwana fliegen kann oder wenn die Kugel aus einer hohen Kanzel schräg nach unten fliegt. Bei einem Winkel von mindestens 15 Grad kann sie in die Wasseroberfläche schlagen oder sich in den Erdboden bohren.

Manchmal ist Fantasie gefragt: Ein mir bekannter Jäger und Fischer rammt vom Boot aus Pfähle in den Grund – als Angebot für den Kormoran, nach der Jagd darauf Platz zu nehmen und sein Gefieder zu trocknen. Der Platz war gut gewählt, denn die hohe Uferböschung hinter den Pfählen war der perfekte Kugelfang.

Effektive Jagd auf den Kormoran

Zumeist wird in unseren dicht besiedelten Breiten der Kormoran mit der Flinte gejagt. Gegenüber der Kugel hat der Schrotschuss den Vorteil, dass der Gefährdungsbereich deutlich geringer ist, etwa Schrotstärke mal hundert. Bei 3,5 mm also 350 Meter. Geht der Schuss steil nach oben, ist eine Hinterlandgefährdung kaum vorhanden.

Nachteil dieser Methode: Man muss auf 30 Meter an den Kormoran heran, damit die Schrotgarbe noch ausreichend gebündelt und durchschlagkräftig genug ist, um den Vogel sofort zu töten. Kein Kormoran lässt einen Jäger bis auf 30 Meter herankommen.

Das bedeutet: Man muss die Annäherung umkehren, sodass nicht der Jäger zum Kormoran, sondern der Kormoran zum Jäger kommt. An bayrischen Seen, zum Beispiel am Chiemsee, bauen Jäger mit Hilfe der Berufsfischer mit Tarnnetzen und dergl. „Hinterhalte“ auf, platzieren ein paar Kormoran-Attrappen auf Pfähle und auf die Wasseroberfläche und warten auf Kormorane, die sich dazu gesellen wollen.

Als sehr erfolgreiche Methode beschreibt der bayrische Kormoranbeauftragte Matthias Ruff die Jagd am Schlafbaum: Dort, wo die Kormorane sich abends zum Schlafen einfinden, baut man nachmittags ein in der Jägersprache „Blind“ genanntes Versteck auf, das aus Tarnnetzen und Gestänge besteht. Und aus diesem schießt man dann die in den Schlafbaum einfallenden Kormorane. Die Jagd am Schlafbaum ist die zahlenmäßig bei weitem erfolgreichste Methode, mit ihr können Strecken im hohen zweistelligen Bereich erzielt werden!

Was Sie tun können! Machen Sie dem Jäger die Arbeit leichter!

Nun könnte man sich fragen, warum erläutere ich Jagdhandwerkliches? Ganz einfach. Weil die Mithilfe der Angler vor, während und nach der Bejagung unbedingt notwendig ist und Beteiligte wissen müssen, was wie und wo geht.

Manche Jäger sind auch Fischer, davon wiederum wenige Fliegenfischer. Ihnen ist der Artenschutz im Fischwasser ein natürliches Anliegen. Aber – ich erwähne es ausdrücklich – ohne Mithilfe der Fischer vor Ort funktioniert in der Regel bei der Jagd auf den Kormoran nicht viel, denn die meisten Jäger sind eben keine Angler und Jäger zugleich.

Die Bereitschaft eines nicht fischenden Jägers zur Hilfe wird gegen Null tendieren, wenn man ihm allein die Arbeit überlässt. Einerseits haben Jäger Verständnis für Artenschutz auch außerhalb ihres jagdlichen Umfeldes, aber andererseits mehr als genug zu tun, unter Artenschutzaspekten in ihrem Revier den Fuchs „kleinzuhalten“, unter seuchenprophylaktischen Gesichtspunkten die Wildschweine zu dezimieren, das überfahrene Wild von der Straße zu klauben und in ungeliebter Rolle als „Schädlingsbekämpfer“ die Fehler eines falsch verstandenen Naturschutzes auszubügeln.

Dass unter den Bedingungen eine aufwendige jagdliche Kormoranvergrämung auf ihrer Wunschliste keinen vorderen Platz einnimmt, ist verständlich. Konkret bedeutet das, dass alle notwendigen Arbeiten, die Sie als Angler erledigen können, auch von diesen erledigt werden müssen!

Das müssen Sie machen und das sollten Sie wissen

  1. Herauszufinden, wo die Schlafbäume sind und ab wann die Kormorane dort abends einfallen.
  2. Mit dem jeweiligen Jagdpächter Kontakt aufnehmen und ihn für die letale Kormoranvergrämung zu gewinnen.

Wenn das gelungen ist, ist die „Arbeit“ der Angler noch nicht beendet: Beim Aufbauen des Tarnstandes ist Hilfe gern gesehen. Die Entsorgung der Kormorane (bei entsprechend großen Zahlen in der Tierkörperbeseitigungsanstalt, sonst vergraben) muss übernommen, die Munition (25 Schuss etwa 12 Euro) und die Attrappen (pro Stück etwa 12 Euro) bezahlt werden.

So funktioniert eine Kooperation von Anglern und Jägern

Das ist ja alles recht aufwendig und kompliziert, wird der ein oder andere jetzt einwenden. Doch wenn wir etwas gegen den Kormoran unternehmen wollen, dann liegt der Ball in unserem Feld! „Das Fischereirecht umfasst die Pflicht, einen der Größe und Beschaffenheit des Gewässers entsprechenden artenreichen, heimischen Fischbestand zu erhalten und zu hegen“, sagt dazu Paragraph 3, Absatz 2 des NRW-Fischereigesetzes.

Diese Hegepflicht wird in der Regel vom Gewässereigentümer bzw. der Fischereigenossenschaft auf den bewirtschaftenden Pächter übertragen. Man muss sich darüber klar sein, dass es nicht reicht, beklagenswerte Zustände zu beklagen!

Wer an oft traumhaft schönen Gewässern fischen will, der hat auch die Pflicht, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten um ihr artspezifisches Wohlergehen seiner Beute zu kümmern. Dass das geht, beweisen etliche Beispiele gelungener Kooperationen zwischen Fischern und Jägern!

Ob man als Angler und Jäger selbst Kormorane dort vergrämt, wo man fischen und jagen darf, ob der Vereinsvorstand dem örtlichen Jagdpächter und seinen Jägern den Kormoranabschuss durch Mithilfe erleichtert, sich bei ihnen durch ein gemeinsames Frühstück oder Abendessen nach der Jagd bedankt oder ob man als Angler alle Möglichkeiten nutzt, Jäger für den Schutz von Thymalus thymalus zu gewinnen, liegt in unserer Hand! Möglichkeiten sind durchaus vorhanden, wie vor allem das erfolgreiche Kormoranmanagement in Bayern beweist.

Ich hoffe darauf, dass man auch an „meinen“ Gewässern, der unteren und oberen Rur, eines Tages wieder beim Blick von der Brücke die Fahnen der Äschen in der Strömung spielen sieht. Es wäre schön, wenn Sie und ich dann gewiss sein können, einen Teil zu ihrer Rückkehr beigetragen zu haben.

Dieser Artikel wurde im Fliegenfischen-Magazin 01/2019 veröffentlicht

Fliegenfischen-Magazin Ausgabe 01 2019

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