Angeln am Velfjord: Heilbutte in Nordnorwegen

Für Claas Grube war klar: Diese Reise könnte das bisherige Highlight seines Angler-Lebens werden! Nach schlaflosen Nächten der Vorfreude ging es für ihn hoch in den Norden – an den Velfjord!

Nach vielen Bissen und verlorenen Fischen fing Claas endlich seinen ersten Butt. Auch wenn er nicht riesig war, die Freude über den auf Gummi gefangenen Fisch war es! Foto: J. Radtke

Bild: J. Radtke

Nach vielen Bissen und verlorenen Fischen fing Claas endlich seinen ersten Butt. Auch wenn er nicht riesig war, die Freude über den auf Gummi gefangenen Fisch war es!

Ein Blick auf das Echolot und mein Puls schießt in die Höhe. Der Bildschirm zeigt ein riesiges Echo, das zu meinem 40-Zentimeter-Köderfisch aufsteigt. „Das muss doch ein Butt sein!“, denke ich laut. Ich komme gar nicht zum Spekulieren, ob es nicht doch einer der großen Dorsch-Einzelgänger ist, die wir hier auch schon fangen konnten. Meine Multirolle gibt ein paar Klicks von sich. Pause. Dann neigt sich die Rutenspitze und die Rolle rattert los. Während ich die Rute aus dem Relinghalter nehme, reden mir Johannes und David gut zu, machen im Boot alles bereit. Beide haben auf dieser Tour an den Velfjord schon einige Butte gefangen, diesen Fisch gönnen sie mir von Herzen.

Der spätherbst­liche Himmel hängt schwer über dem Velfjord. Doch die triste, müde Stimmung trügt! Es hängt eine fast greifbare Anspannung über dem Flachwasser – wo der Butt lauert. Foto: J. Radtke

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Der spätherbst­liche Himmel hängt schwer über dem Velfjord. Doch die triste, müde Stimmung trügt! Es hängt eine fast greifbare Anspannung über dem Flachwasser – wo der Butt lauert.

Ich hatte schon ein paarmal Pech mit versiebten Bissen und verlorenen Butts – diese Fischart macht mich richtig nervös! Mit ratternder Rolle in der Hand warte ich auf Johannes’ Signal für den Anhieb. Nach einer gefühlten Ewigkeit, in Wirklichkeit waren es Sekunden, kommt das „Jetzt“. Ich reiße die Rute nach oben und halte die Spule mit dem Daumen fest. Ohne irgendwie an Fahrt zu verlieren, reißt der Fisch trotz Bremse plus Daumen sofort Schnur von der Rolle. Sofort merke ich, dass ich so ein Kaliber von Fisch noch nie am Haken hatte. Wahnsinn! Ich kann nur die Rute festhalten und die Knie schlottern lassen. Nach ein paar Sekunden ist er plötzlich weg. Ausgeschlitzt – die S*u!

Angelreise an den Velfjord: Nervöse Vorfreude und schlaflose Nächte

Dieser Trip fühlt sich vielleicht wie meine erste Norwegenreise an, aber tatsächlich war ich schon zweimal mit meinem Großvater zum Angeln in Norwegen. Damals haben wir allerdings das klassische Hochseeangeln betrieben (30-Pfund-Bootsrute, 200-Gramm-Pilker und ab dafür!), was auch schon Spaß gemacht hat, doch dem eher zweckmäßigen Charakter der Fleischbeschaffung folgte. Auf dieser Reise an den Velfjord wollte mein Kollege Johannes mir eine ganze Reihe Norwegen-Methoden zeigen, die ich noch gar nicht kannte: Leichtes Jiggen im Flachen auf große Dorsche, Speedpilken auf großen Seelachs oder Spinnfischen auf Butt, und noch mehr …

Dementsprechend war ich, obschon kein Norwegen-Neuling, vor der Reise sehr aufgeregt. Eigentlich konnte ich schon ab dem Zeitpunkt nicht mehr gut schlafen, als Johannes mitteilte, dass es für uns zusammen mit seinem sehr netten ­Kumpel David wahrscheinlich in diesem Jahr noch mal nach Norwegen geht. Als sich der Plan, im Spätherbst in ein angeblich sagenhaft fischreiches Revier nach Nord-Norwegen zu fahren, verfestigte, war es endgültig vorbei mit dem entspannten Schlaf. Und dass ich mich mit Johannes täglich darüber unterhielt, was wir dort mit welchen Methoden alles fangen würden, verschlimmerte meine Nervosität. Auch die Beschreibungen des Reiseveranstalters Michael Teltow zu diesem Revier und die Auskünfte des ehemaligen Guides Robin Moigk machten die Sache kein Stück besser.

2000 Kilometer mit dem Auto

Die Woche vor der Abreise war folglich die längste meines Jahres. Als es endlich losging, gab es bereits nach nicht einmal 30 Minuten im Auto einen Tiefschlag. Unsere Nacht-Fähre von Frederikshavn nach Oslo wurde windbedingt abgesagt. Nach kurzem Überlegen und einem Blick auf die Windvorhersage waren wir uns einig, dass wir ohne Fähre und über die Brücken via Dänemark und Schweden am schnellsten am Velfjord wären – 2000 Kilometer am Stück. Uff! Zu allem Überfluss kam ein Wintereinbruch mit Schneefall im Norden hinzu. Das Positive: die Elche, Schneehasen und Rentiere, die unseren Weg in dunkler Nacht kreuzten, konnten wir dank reichlich Schnee frühzeitig erkennen – dafür sank unsere Durchschnittsgeschwindigkeit mit jeder Stunde.

Vor der ersten Ausfahrt noch schnell ein paar Köder raussuchen … gleich geht es mit dem Aluboot und 80 PS raus auf den Velfjord! Foto: J. Radtke

Bild: J. Radtke

Vor der ersten Ausfahrt noch schnell ein paar Köder raussuchen … gleich geht es mit dem Aluboot und 80 PS raus auf den Velfjord!

Unsere Unterkunft am Velfjord

Letztendlich kamen wir etwa gegen 5 Uhr morgens an der Anlage am Velfjord an – nur ein paar Stunden später als mit der geplanten Anreise via Fähre.Die sogenannte Velfjordferie-­Anlage liegt an einem Seitenarm des großen Velfjords, ungefähr auf halber Strecke zwischen Trondheim und Bodø. Direkt vor den Unterkünften liegen die Boote, nicht mal 50 Meter entfernt – sehr bequem! Zwischen Boot und Unterkunft haben Sie in einem großen Holzunterstand die Möglichkeit, Ihre Fische zu schlachten und einzufrieren. Die Unterkünfte in Form mehrerer Wohnungen sind gemütlich und bieten alles, was man braucht. Was wir nach der Ankunft brauchten, waren die Betten! Bis zum Vormittag ruhten wir uns aus.

Wir sind dank Michael Teltow von Angelreisen Teltow auf diese besondere Destination gestoßen. Michael ist selbst ein Velfjord-Fan und wir wissen jetzt, warum! Wenn Sie diesen interessanten Fjord ebenfalls erkunden wollen, legen wir Ihnen die Anlage Velfjordferie ans Herz. Der sympathische, Deutsch sprechende Eigentümer Sigmund Aarstrand hat die Wohnungen, Boote und Filetierplatz bestens in Schuss und sorgt dafür, dass Sie eine schöne Zeit am Velfjord erleben. Buchen können Sie Ihren Urlaub hier einfach über Angelreisen Teltow.

  • Unterbringung: Appartement-Wohnungen direkt am Bootssteg für bis zu sechs Personen mit vollausgestatter Küche, Badezimmer und gemütlichem Wohnzimmer.
  • Boote: Sigmund hat eine ganze Flotte zur Verfügung, von der 18 Fuß-Hansvik (25 oder 40 PS) bis zum 19-Fuß-Aluminiumboot mit 80 PS
  • Fischarten: Heilbutt, Köhler, Dorsch, Pollack, Leng, Rotbarsch, Steinbeißer, Meerforelle, Makrele, Wittling
  • Saison: ganzjährig
  • Buchung und Infos: Angelreisen Teltow • www.angelreisen-teltow.de • Tel. 04131/ 4090180 • [email protected]

Tipp der Redaktion: Verpasst nicht das Vielfalten-Festival 2022!

Der Velfjord bietet durch seine geographische Lage eine für Norwegen sehr lange Angelsaison – selbst im Oktober kann man hier noch wahnsinnig gut fischen! Wer sich wie Claas, Johannes und David selbst davon überzeugen will, sollte das „Velfjords Vielfalten-Festival“ vom 15.10. bis 22.10.2022 nicht verpassen. Angelt auf Pollack, Dorsch, Seelachs, Heilbutt und Leng – wer die größte Gesamtlänge erzielt, kann tolle Preise gewinnen. Mehr dazu bei Angelreisen Teltow!

Struktur am Fjord: Inseln, Unterwasserberge und Steilwände

Dann ging es das erste Mal mit dem 19-Fuß-Boot und 80 PS raus auf den ­Velfjord. Der Velfjord liegt in einer atemberaubenden Landschaft im südlichsten Bereich Nordnorwegens. Wie uns der Reiseveranstalter Michael Teltow im Vorfeld berichtete, ist der Velfjord einer der wenigen Fjorde der Region, die Abwechslung, Fischreichtum und vor allem Schutz vor starken Winden bieten. Schließlich war es Ende Oktober, eine Zeit, in der das Wetter ungemütlich werden kann.

Karte der besten Angelstellen am Velfjord Bild: BLINKER

Bild: BLINKER

Karte der besten Angelstellen am Velfjord.

Vom Hauptfjord zweigen sieben kleinere Fjorde mit unterschiedlichsten Gegebenheiten ab. Es gibt Unterwasserberge, die von über 200 Meter auf 30 aufsteigen, Inseln, sandige Buchten, Straumen und Steilwände. Auch die Strömungsverhälnisse machen das Revier sehr interessant. Ausgeprägte Strömungskanten findet man je nach Tide an jedem Ausgang der kleinen Fjorde. Das Revier bietet so viele erstklassige Möglichkeiten, dass Johannes, David und ich jeden Abend lange abwägen mussten, welches Highlight am Folgetag dran sein sollte.

Angeltechniken für den Velfjord: „Speedpilken“ bringt Fisch!

Neuer Tag, neues Glück! Den verlorenen Butt von gestern habe ich noch im Hinterkopf, aber dieses Projekt würden wir uns später nochmal vornehmen …

Johannes möchte mir erst einmal etwas anderes zeigen: das Speedpilken! Denkbar einfach: einen Pilker runterlassen und anschließend wie ein Berserker nach oben kurbeln. Je schneller, desto besser. Hier würde wohl eine ganz neue Erfahrung auf mich zukommen. Die Vorstellung, einen 90-Zentimeter-Freiwasser-Torpedo mit einer Spinnrute zu bezwingen, versetzt mich in echte Aufregung – beinahe ein Dauerzustand auf dieser Reise!

Speedjiggen am Eingang des bildhübschen Storbørja – eine sichere Sache für große Seelachse. Bei dieser Tour standen aber noch mehr Fische weiter im offenen Velfjord. Foto: J. Radtke

Bild: J. Radtke

Speedjiggen am Eingang des bildhübschen Storbørja – eine sichere Sache für große Seelachse. Bei dieser Tour standen aber noch mehr Fische weiter im offenen Velfjord.

Seelachs, Dorsch und Heilbutt am Velfjord

Zunächst müssen wir aber mit dem Echolot einen Schwarm Köhler finden. Denn „ohne Seelachs ist Speedpilken echt langweilig“, versichert mir Johannes augenzwinkernd. Stechende Möwen auf dem Velfjord weisen uns den Weg. Tatsächlich – bei 80 Metern Wassertiefe sehen wir auf dem Echolot deutliche Linien im Mittelwasser. „So sehen aktive Seelachse aus!“ Johannes spornt David und mich an.

Ich greife zu meiner Rute und lasse den silber-blauen 40-Gramm-Pilker runter. David ist mit 80 Gramm etwas schneller auf Tiefe. Er kurbelt ein paar Meter und macht plötzlich ein lustiges Geräusch, als seine Rute mit Kraft nach unten gerissen wird. Ein sehr großer Fisch hat seinen Bleifisch auf dem Weg nach oben abgefangen und will nun nach unten. Als ich von David zurück auf meine Rolle gucke, merke ich, dass mein Pilker gar nicht mehr absinkt – zu früh!

Dorsche in den flachen, krautigen Buchten (Krebsfresser) lieben Twister. Unter Beutefisch-Schwärmen fangen klassische Gummifische alle Räuber. Für Heilbutt kann ein kleiner Drilling anstelle des Einzelhakens am Gummifisch nicht schaden. Und beim Seelachs kommen klassische Pilker gut an. Foto: J. Radtke

Bild: J. Radtke

Dorsche in den flachen, krautigen Buchten (Krebsfresser) lieben Twister. Unter Beutefisch-Schwärmen fangen klassische Gummifische alle Räuber. Für Heilbutt kann ein kleiner Drilling anstelle des Einzelhakens am Gummifisch nicht schaden. Und beim Seelachs kommen klassische Pilker gut an.

Seelachse liefern starke Drills

Ich schließe den Bügel und augenblicklich spüre ich Druck auf meiner Schnur – viel Druck! Ich kann noch ein, zwei Meter Schnur einholen, dann kommt die Flucht. Solche Brutalität und Kraft habe ich bisher kaum an der Rute gespürt. Mein Gegner will nicht weiter nach oben und donnert unaufhaltsam in die Tiefe. Bei David sieht es ganz ähnlich aus. Doch da er eine kräftigere Rute und dickere Schnur verwendet, kann er nach ein paar Minuten den ersten Seelachs der Reise an den Velfjord nach oben bringen. Zeit, seinen Fisch zu bestaunen, bleibt mir aber nicht, mein Kontrahent nutzt gnadenlos jedes bisschen lockerer Schnur für eine neue Flucht. Doch ich merke, dass er müde wird und langsam lässt er sich zur Oberfläche bringen. Wow! Was für ein Prachtfisch, zirka 80 Zentimeter lang und ein Körper wie ein Sumo-Seelachs.

Ein starker Köhler ist oben, im Hintergrund wird noch freudig gedrillt. Beachtlich: selbst Seelachse bis 97 Zentimeter hatten überwiegend Krill im Magen! Foto: J. Radtke

Bild: J. Radtke

Ein starker Köhler ist oben, im Hintergrund wird noch freudig gedrillt. Beachtlich: selbst Seelachse bis 97 Zentimeter hatten überwiegend Krill im Magen!

Es geht lustig weiter mit den Seelachsen und wir genießen die kurzweilige Angelei. Mitten im Fangrausch sehen wir in einiger Entfernung plötzlich etwas an der Oberfläche, was wir für einen Schweinswal halten. Natürlich fahren wir dichter heran, 50 Meter vor dem Boot durchbricht ein massiver schwarzer Leib das Wasser – ein Fisch, kein Wal! Da Johannes mir im Vorfeld von der Möglichkeit berichtet hatte, Fische an der Oberfläche zu fangen, habe ich natürlich auch ein paar Stickbaits eingepackt.

Stickbaits werden sofort genommen

Was jetzt folgt, kann ich kaum in Worte fassen. Denn was die Seelachse mit einem Stickbait anstellten, übertrifft alles, was ich bisher erlebt habe. Der Stickbait fliegt zwei, dreimal in die Luft, bevor ein Fisch den Köder richtig packt – und das sofort! Direkt beim ersten Wurf mit dem Stickbait knallt mir ein riesiger Seelachs mehrfach auf den Köder. Der anschließende Drill ist ohnehin der Wahnsinn. Für mich ist dieses Erlebnis beinahe surreal, zum Glück waren zwei Freunde dabei …

Als wir abends die Fische ausnehmen, gibt es die Überraschung. Auch die richtig großen Seelachse fressen im Velfjord untypischerweise massenhaft Krill und nur ein wenig Kleinfisch. Die Raubfische drücken sogar jetzt im Herbst noch die kleinen Krebstierchen an die Oberfläche. Von oben stechen die Möwen herunter, deswegen fanden wir den Fisch auch mithilfe der Vögel. Doch natürlich gibt es nicht nur große Seelachse. Wir fanden alle Größen – in wahnsinnigen Mengen. Passte uns die Fischgröße nicht, suchten wir einfach nach einem neuen Schwarm.

Große Dorsche im Flachwasser

Die besondere Struktur des Velfjordes macht aber nicht nur abwechslungsreiches Seelachsangeln möglich. An den Untiefen stand sehr viel Kleinfisch und direkt darunter lauerten große Dorsche. Die südlichen und nach Westen weisenden flachen Fjorde waren bevölkert von Tangdorschen. Im Flachwasser war ohnehin reichlich Dorsch unterwegs. Sobald dort allerdings „reiner Grund“ und Sand im Spiel war, nahmen die Dorschfänge merklich ab. Vermutlich traute sich zu unserer Reisezeit kaum ein Dorsch ins sandige Flachwasser, konnte er sich doch sicher sein, von gierigen Augen eines am Boden lauernden Jägers verfolgt zu werden – denn der Butt war allgegenwärtig!

Am Hang der Unterwasserberge und in den nicht zu sandigen Flachwasserbereichen waren Dorsche allgegenwärtig. Am leichten Gerät liefern solche Fische tolle Drills. Foto: J. Radtke

Bild: J. Radtke

Am Hang der Unterwasserberge und in den nicht zu sandigen Flachwasserbereichen waren Dorsche allgegenwärtig. Am leichten Gerät liefern solche Fische tolle Drills.

Auf Leng oder Pollack versuchten wir es so auch kaum – dank der kurzen Tage und vor allem der allgegenwärtigen Chance auf Heilbutt. Die vielen sandigen Bereiche des Reviers bieten natürlich einen perfekten Lebensraum für den Plattfisch-Boss. Doch deren Aktivität und ich glaube auch ihre Menge war schon außergewöhnlich. Es verging kein Tag – nicht mal ein halber – ohne Butt-Biss oder -Fang! Wann angelt man denn schon mal in einem Revier „voller Heilbutt“?

Dorsch und Pollack im Nebenfjord

Es ist der vorletzte Tag vor unserer Abreise. Noch habe ich leider keinen Heilbutt gefangen. Da sich unsere Reise dem Ende nähert, wollen mit dem Lislbørja einen neuen, noch unerkundeten Nebenfjord auschecken. Nachdem wir den schmalen Ausgang des Fjordes passieren, bietet sich uns mal wieder ein unglaublicher Ausblick. Der relativ kleine Fjord ist von riesigen Felsen umringt. Keine Straße führt hier zum Wasser. Nur zwei, drei Hütten mit kleinen Grünflächen davor schmiegen sich an die Hänge. Wir fangen an, die steilen Felswände mit kleinen Twistern in der Hoffnung auf Pollack abzuwerfen und arbeiten uns tiefer in den Fjord hinein.

Ein paar schöne Dorsche und kleine Pollacks können wir fangen. Je tiefer wir in den kleinen Nebenfjord hineindriften, desto flacher wird es. Das Echolot zeigt nur noch 30 Meter und ebenen Grund. Ich spiele mit dem Gedanken, mir wieder einen fetten Gummifisch für Heilbutt einzuhängen. Die vergangenen Tage haben gezeigt, dass man wirklich in allen flachen Bereichen dieses Revieres die Chance auf Butt hat. Unentschlossen begutachte ich meinen kleineren Gummifisch, bis Johannes „guter Fisch“ ruft. Seine Fliegenrute ist beängstigend krumm, was für ein Drill! Schlussendlich kommt ein vielleicht 90 Zentimeter langer Butt an die Oberfläche, gefangen auf Johannes’ größten Streamer.

Das nimmt mir meine Köderentscheidung auf jeden Fall ab! Ich hänge den größeren Gummi ein und fange an, zu werfen und einzuleiern. Mittlerweile sind wir bei zehn Metern und gerade als ich den Grund sehen kann, hat David einen Butt-Nachläufer. Wir setzen eine neue Drift an und befischen den Bereich erneut, die Spannung in der Luft ist fast greifbar!

Kurz vor der Abreise kommt der ersehnte Heilbutt

Plötzlich sehe ich beim Einholen einen Schatten hinter meinem Köder. Ein Butt verfolgt meinen Gummifisch neugierig, aber ist etwas zu schüchtern, um ihn zu nehmen. Zwar gibt mir das wieder Motivation, aber lange können wir nicht mehr fischen. Wir setzen noch zwei weitere Driften an und das Tageslicht schwindet ebenso wie mein Glaube an einen dieser königlichen Plattfische. Mitten in meiner sich ausbreitender Resignation knallt ein Fisch auf meinen Gummifisch. Wir sind gerade im sehr flachen Bereich angekommen und ich sehe den Fisch sofort auf einer Tiefe von fünf Metern. Er dreht sich, was alle Zweifel beseitigt. Es hat sich tatsächlich doch noch ein Heilbutt für meinen Gummifisch entschieden.

Hier hat es fast gescheppert – ein Heilbutt hat den Gummifisch bis nah die Oberfläche verfolgt und ist dann zurück zum Grund ­geschwommen … Foto: J. Radtke

Bild: J. Radtke

Hier hat es fast gescheppert – ein Heilbutt hat den Gummifisch bis nah die Oberfläche verfolgt und ist dann zurück zum Grund ­geschwommen …

Der emotionalste Drill der Angelreise

Der Butt ist nicht groß und liefert mir nicht den härtesten, aber den emotionalsten Drill des Urlaubs am Velfjord. An der Oberfläche angekommen, macht der Plattfisch noch einmal eine sehr beängstigende Flucht in die Tiefe, aber beim zweiten Mal kann David den Fisch keschern. Obwohl der Fisch nicht besonders groß ist, freuen wir alle uns wie wahnsinnig! Mein Ziel, einen Heilbutt zu fangen, ist doch noch aufgegangen und jetzt bin ich mit der Reise voll zufrieden. Der Fangerfolg dieser Reise hat meine vorherigen Erwartungen maximal übertroffen.

Freude trotz „Schietwetter“! Gegen Ende der Reise an den Velfjord war es fast egal, wo geangelt wurde, überall gab es Butt! Foto: J. Radtke

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Freude trotz „Schietwetter“! Gegen Ende der Reise an den Velfjord war es fast egal, wo geangelt wurde, überall gab es Butt!

Aber ich muss auch zugeben, dass ich mich im Nachhinein schon geärgert hätte, wenn ich keinen Butt gefangen hätte. Die Heilbuttaktivität im Revier war zu unserer Reisezeit einfach unvorstellbar. Vor der Reise war der Butt noch eine absolute Traumvorstellung für mich. Beim Angeln am Velfjord habe ich unglaublich viele neue Eindrücke und Erfahrungen gewonnen. Dazu konnte ich von Johannes sowohl praktisch, als auch theoretisch total viel lernen. Diese Woche war das bisherige Highlight meines Angler-Lebens.


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