Wolfsbarschangeln: Top Techniken mit modernen Fangmethoden

Der Wolfsbarsch ist ein toller Kämpfer, der mittlerweile überall die Anglerherzen erobert hat. Auch unser Autor Rob Staigis ist dem Barsch-Fieber schon seit vielen Jahren verfallen. Er weiß ganz genau, worauf es beim Wolfsbarschangeln ankommt.

Das Wolfsbarschangeln auf die Salzwasser-Barsche kann süchtig machen. Beim Oberflächenangeln explodiert förmlich die Wasseroberfläche, wenn die Räuber Jagd auf den Köder machen.

Bild: Blinker/R. Staigis

Das Wolfsbarschangeln auf die Salzwasser-Barsche kann süchtig machen. Beim Oberflächenangeln explodiert förmlich die Wasseroberfläche, wenn die Räuber Jagd auf den Köder machen.

Wo hauptsächlich Kurgäste die Strände bevölkerten, stehen heute in den warmen Sommermonaten immer mehr Spinnangler auf den Wellenbrechern deutscher Nordseeinseln, um den Wolfsbarschen nachzustellen. Beim Wolfsbarschangeln wird dem begehrten Salzwasser-Räuber mit klassischen Kunstködern wie Gummifisch, Twister und Blinker auf die Schuppen gerückt.

Doch schaut man sich das Spinnfischen auf Wolfsbarsch einmal bei unseren europäischen Nachbarn genauer an, wird man schnell feststellen, wie facettenreich die Spinnangler dort zu Werke gehen. Hier würde man es als „modernes Spinnfischen“ bezeichnen. Was sich bei uns im Süßwasserspinnangeln seit einigen Jahre etabliert hat, ist in Nachbarländer auch bei Spinnanglern im Meer gang und gäbe. In Ländern wie Frankreich, Portugal, England oder auch den Niederlanden hat der Wolfsbarsch einen Stellenwert wie bei uns an der Ostsee die Meerforelle. Dort stehen nicht Kunstköder wie Meerforellen-Blinker oder Küstenwobbler an erster Stelle, sondern Wobbler mit und ohne Tauchschaufel. „Jerking“, „walk the dog“, oder „twitching“ sind alles Schlagworte, die moderne Raubfischangler hierzulande die Ohren spitzen lassen. Aber auch an der Küste unserer europäischen Nachbarn sind dies geläufige Begriffe.

Ein gutes Sortiment schlanker Kunstköder ist die Voraussetzung für den gezielten Fang von Wolfsbarschen.

Bild: Blinker/R. Staigis

Ein gutes Sortiment schlanker Kunstköder ist die Voraussetzung für den gezielten Fang von Wolfsbarschen.

Wie sagte einmal ein bekannter Wolfsbarschangler: „Wer seinen Köder lieb- und leblos durchs Wasser zieht, wird bei den Wolfsbarschen nur selten Gast sein“. Wolfsbarsche lieben Action: Die oben aufgeführten Techniken lassen die Wobbler so verführerisch durchs Wasser tanzen, das Wolfsbarsche vehement zupacken. Viele von ihnen höre ich jetzt sagen: „Schon wieder dieser moderne Kram mit englischen Ausdrücken“. Aber das Angeln mit Kunstködern wurde nun mal in den englischsprachigen Ländern erfunden, und so modern ist diese Angelei auch wieder nicht. James Heddon baute 1902 einen der ersten Stickbaits, den „Dowagiac“, mit dem er durch die sogenannte „Walk the Dog“-Aktion die Anglerwelt eroberte.

Wolfsbarsch-Bestimmungen

In allen EU-Ländern gelten ab 2016 einheitliche Bestimmungen: So darf man in der Zeit von April bis einschließlich Oktober nur einen Wolfsbarsch entnehmen. Das Mindestmaß beträgt 42 Zentimeter. In Irland planen die Inland Fisheries aber schon, das Mindestmaß auf 50 Zentimeter heraufzusetzen.

Drei Techniken zum Wolfsbarschangeln

Der knallharte Anbiss beim auf einen gut geführten Wobbler sorgt für reichlich Adrenalinausschüttung und wird zu einem unvergesslichen Erlebnis – es besteht Suchtgefahr! Drei erfolgreiche Techniken die das Wolfsbarschangeln mit Wobbler für die Räuber attraktiver gestalten: Jerken, Twitchen und Speed-Jigging.

  1. Jerken

    Die wohl bekannteste Technik der Wobblerführung für die Wasseroberfläche (Topwater) ist die „Walk the Dog-Action“. Ruckartige Schläge mit der Rutenspitze (engl. to jerk = rucken), ausgeführt aus dem Handgelenk, lassen den Stickbait von rechts nach links flitzen. Viele machen zu Anfang den Fehler und führen die Schläge mit dem Unterarm aus. Hierbei lässt sich der Stickbaits nur schwer kontrollieren, und am Abend schmerzen einem die Gelenke. Mit etwas Übung stellt sich der Erfolg schnell ein.

    Zwischen den Rucken sollte man eine Pause von 2 bis 3 Sekunden einlegen. Oft werden die Stickbaits attackiert, wenn sie ruhig im Wasser liegen. Wiederum kann ein hektisch hin und her flitzender Stickbait bei schneller Führung den Jagdinstinkt der Wolfsbarsche wecken. Eine abwechslungsreiche Köderführung beim Angeln mit Stickbaits kann die Erfolgsausichten erheblich steigern. Die daraus resultierenden, blitzartigen Attacken der Barsche lassen das Wasser an der Oberfläche förmlich explodieren.

    Oft verfehlen die Wolfsbarsche bei der ersten Attacke den schnell geführten Stickbait um Haaresbreite. Dann gilt es Nerven zu bewaren und nicht gleich anzuschlagen, einfach den Stickbait im selben Rhythmus weiter führen. Wolfsbarsche folgen dem Stickbait selbst bis vor die Füße des Anglers, um dann noch eine Attacke zu starten. Erst wenn man einen Widerstand spürt, wird der Anhieb erfolgreich sein. Das typische Zick-Zack-Muster vollführen nicht nur schwimmende Stickbaits, sondern auch einige Wobbler. Vor allem den schlanken, hochrückigen Ausführungen gelingt das „Walk the Dog“ beim Jerken.

  2. Twitchen

    Das unregelmäßige Twitchen, besser gesagt, kurzes Zupfen (engl. to twitch) mit der Rutenspitze ist eine gängige Technik der Wobblerführung. Durch das Zupfen oder kurze Rucken lässt man den Wobbler bei seinem Lauf verführerisch nach links und rechts ausbrechen. In der Strömung und bei Wellengang gelingt das Twitchen am besten mit Wobblern, die ein festes Eigengewicht haben. Wobbler mit losen Kugeln oder beweglichem Tungstengewicht werden im Wasser zu leicht aus dem Gleichgewicht gebracht.
    Faustformel für die Köderführung in den Gezeitenmeeren wie Atlantik und Nordsee: Bei Strömung den Minnow einfach nur einholen und mit der Rutenspitze leicht beschleunigen. Fällt die Strömung weg, ist eine schnelle variantenreiche Führung gefragt. In der Dunkelheit sollte die Einholgeschwindigkeit eher langsam (Zeitlupentempo) als zu schnell sein. Das reicht völlig aus, um Wolfs-Bisse zu provozieren.

    Schlanke Minnows (3) für strömendes Wasser, Pencil (4) oder Stickbaits (1) für das Ober­flächenfischen, Jerkbaits mit breiter Tauchschaufel (2), wenn das Wasser zum Stehen kommt, kommen extreme Flachläufer (5) zum Einsatz.

    Bild: Blinker/R. Staigis

    Schlanke Minnows (3) für strömendes Wasser, Pencil (4) oder Stickbaits (1) für das Ober­flächenfischen, Jerkbaits mit breiter Tauchschaufel (2), wenn das Wasser zum Stehen kommt, kommen extreme Flachläufer (5) zum Einsatz.

  3. Speed-Jigging

    Das Speed-Jigging spielt sich nicht, wie man vermuten könnte, in tiefen Wasserschichten oder gar auf Grund ab, sondern dicht unter der Oberfläche. Nach dem Auswerfen werden die tieflaufenden Wobbler (häufige Bezeichnung: Deep Diver oder Deep Runner) mit ein paar Kurbelumdrehungen auf eine Lauftiefe von  0,5 bis 1 Meter gebracht. Danach wird die Rute beim Einholen des Köders mit vertikalen Schlägen geführt, so dass der Wobbler wie verrückt nach rechts und links ausbricht. Steigert man dabei noch die Einholgeschwindigkeit, lässt der verrückt laufende Wobbler keinen Wolfsbarsch kalt.

    Bei dem schnellen Führungsstil ist zu beachten, dass der Wobbler nicht durch die Wasseroberfläche bricht. Um dies zu verhindern, sollten die Rutenschläge so flach wie möglich ausgeführt werden. Am besten testet man die Technik im flachen, klaren Flachwasser. Läuft der Wobbler konstant unter der Wasseroberfläche, sind bei dieser Technik knallharte Anbisse garantiert. Deshalb ist es wichtig, die Rollenbremse nicht zu hart einzustellen. Der blitzartige Anbiss und die fast zeitgleiche Flucht eines kapitalen Fisches kann eine 10 Kilo tragende Schnur in der Sekunde zerreißen lassen.

    Um diese Techniken ermüdungsfrei umzusetzen zu können, eignen sich Spinnruten mit einer Länge von 2,40 oder 2,70 Meter mit einem Wurfgewicht von maximal 50 Gramm und einer straffen Aktion. Größe und Gewicht der Rolle sollten mit der Spinnrute harmonieren, will man den Angeltag nicht mit einem schmerzenden Handgelenk beenden. Eine geflochtene Schnur von rund 9 Kilo Tragkraft sollte für unsere Nordseewölfe ausreichen. Ein wichtiger Faktor bei der Wahl der Rolle ist ein ruckfreies Arbeiten der Rollenbremse.

    Aufgrund der dehnungsarmen geflochtenen Schnur und der harten Rute sind bei einer fehlerhaften Rollenbremse Fischverluste durch Schnurbruch oder Ausschlitzen des Hakens vorprogrammiert. Zum Schutz der geflochtenen Schnur vor rauen Steinen oder scharfkantigen Muscheln wird an der geflochtenen noch ein 0,5 bis 1 Meter langes Stück Monoschnur oder Fluorocarbon geknüpft. Eine Qualitätsschnur mit einem Durchmesser von ca. 0,40 Millimeter sollte in den meisten Fällen ausreichen. Dickere Schnüre beeinflussen zu sehr den Lauf der Wobbler. Als verlässlicher Verbindungsknoten der monofilen mit der geflochtenen Schnur hat sich der Albrightknoten bewährt.

    Shads am Bleikopf, ohne oder mit Schaufel­schwanz (1,2,3) eignen sich hervorragend für das Fischen über sandigen Flächen oder zwischen Wellenbrechern. Slugs am Offsethaken (5) (mit oder ohne Bebleiung)(4) sind an hängerträchtigen Spots mit viel Wasserpflanzen wie Blasentang, Kelp oder zwischen Steinen unschlagbar.

    Bild: Blinker/R.Staigis

    Shads am Bleikopf, ohne oder mit Schaufel­schwanz (1,2,3) eignen sich hervorragend für das Fischen über sandigen Flächen oder zwischen Wellenbrechern. Slugs am Offsethaken (5) (mit oder ohne Bebleiung)(4) sind an hängerträchtigen Spots mit viel Wasserpflanzen wie Blasentang, Kelp oder zwischen Steinen unschlagbar.

Gerät zum Wolfsbarschangeln

Langes Suchen der Wolfsbarsche mit vielen Würfen erfordert leichtes Tackle. Um den Tag über ermüdungsfrei zu fischen, eignen sich Spinnruten mit einer Länge von 2,40 oder 2,70 Meter mit einem Wurfgewicht bis maximal 50 Gramm. Eine schnelle Aktion sollte die Rute besitzen, damit wir beim Angeln mit Shads leichte Bleiköpfe verwenden können.

Je länger sich die Shads im Schwebezustand einige Zentimeter über Grund halten, desto länger befindet sich der Köder im Sichtbereich der Räuber. Auch das Twitchen und Jerken (Rucken und Schlagen) des Wobblers fällt mit der straffen Aktion der Rute viel leichter, da der Köderkontakt stetig gegeben ist.

Die Rolle, bespult mit einer geflochtenen Qualitätsschnur von rund 9 Kilo Tragkraft, reicht für unsere Nordseewölfe aus. Wolfsbarsche sind im Drill nicht zimperlich. Zum Schutz vor rauen Steinen oder scharfkantigen Muscheln wird an der geflochtenen Schnur noch ein etwa ein Meter langes Stück 0,40er Fluorocarbon geknüpft.

Wo und wann zum Angeln auf Wolsbarsch

Kommen wir nun zu den interessanten Fragen, wo und wann ich am besten mit diesen Techniken fangen. An der Küste unserer Nordsee ist die Frage recht einfach zu beantworten. An der deutschen Nordsee, hauptsächlich auf den friesischen Inseln, sind vor allem die seewärtigen Strände interessant. An der niederländischen und belgischen Küste verlaufen die vielversprechenden Strände direkt am Festland.

Auch größere Wellenbrecher können zum Erfolg führen. Am Kopf des Wellenbrechers verläuft eine tiefere Rinne. Also nicht gleich an jedem noch so kleinen Spot vorbei laufen.

Bild: Blinker/R.Staigis

Auch größere Wellenbrecher können zum Erfolg führen. Am Kopf des Wellenbrechers verläuft eine tiefere Rinne. Also nicht gleich an jedem noch so kleinen Spot vorbei laufen.

Wo die Strände mit Wellenbrechern gegen Sturmfluten gesichert sind, finden wir an den aus Stein oder Holz gebauten Schutzwällen wahre Hotspots, die wie Finger ins Meer ragen. Meist sind diese Wellenbrecher an den Seiten und am ins Meer ragende Ende, dem so genannten Kopf, noch zusätzlich mit einer Steinschüttung gesichert. Dicht an dieser Steinschüttung suchen kleine Fische oder Garnelen Schutz vor der harten Gezeitenströmung. Das wissen auch die Wolfsbarsche, deshalb gilt es dort die Wobbler zu platzieren. Aus diesem Grund sollten die Wobbler zum Wolfsbarschangeln zwischen 12 und 18 Zentimeter lang sein und mehr als 20 Gramm wiegen.

Sinkende Wobbler, die auch bei wechselnden Strömungsverhältnissen stabil im Wasser stehen, haben sich bewährt. Modelle mit einer breiten aber kurzen Tauchschaufel produzieren unter Wasser Schwingungen in der richtigen Frequenz. Wobbler mit langen Schaufeln fangen deutlich schlechter.

Regionen, an denen sich das Wolfsbarschangeln lohnt.

Bild: Blinker

Regionen, an denen sich das Wolfsbarschangeln lohnt.

Beim Wolfsbarschangeln auf die Temperatur achten

Die Wassertemperatur ist ein wichtiger Faktor beim Wolfsbarschangeln. In der Nordsee und dem Atlantik werden Wolfsbarsche erst bei einer Wassertemperatur von 12 °C aktiv und stürzen sich auf die Kunstköder. Wichtig im Mittelmeer: Bei einer Wassertemperatur von 23 °C suchen sie dann tiefere, kältere Wasserschichten auf oder stellen ihre Nahrungssuche auf das Sammeln von Krustentieren wie Krabben und Garnelen um.

Kommen wir zur besten Angelzeit beim Wolfsbarschangeln. Eigentlich sollt man erwarten, dass die Fische mit der Flut kommen. Aber Wolfsbarsche ticken etwas anders. Die beste Angelzeit erleben wir bei ablaufendem Wasser. Aufgrund der harten Ebbströmung werden die Fische, Krebse und Granelen regelrecht aus den Steinen gespült. Und genau das machen sich die Wolfsbarsche zu nutze und jagen förmlich aus dem Hinterhalt nach leichter Beute.

Vor allem die Hafeneinfahrten sollte man aktiv befischen. Die Wolfsbarsche ziehen umher, das sollten auch die Angler tun.

Bild: Blinker/R.Staigis

Vor allem die Hafeneinfahrten sollte man aktiv befischen. Die Wolfsbarsche ziehen umher, das sollten auch die Angler tun.

Die heißeste Phase erlebt man etwa zwischen 2,5 Stunden vor bis 1 Stunde nach der Ebbe. Erleben wir diese heiße Phase dazu noch in den Morgen- oder Abendstunden, stehen die Chancen, einen oder mehrere Wolfsbarsche zu fangen, am besten. Fischt man über Tag, sind weitere Faktoren wie aufgewühltes Wasser, wolkiger Himmel und leicht auflandiger Wind Erfolgversprechend.

Doch sollte man sich bewusst sein, dass nicht an jedem Wellenbrecher Wolfsbarsche jagen. Mobilität ist eine wichtige Eigenschaft des Wolfsbarschangler, denn wer sich zu lange an ein und der selben Buhne aufhält, verpasst womöglich einen jagenden Wolfsbarschtrupp an dem Wellenbrecher nebenan.

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