Haarlänge bei der Karpfenmontage: Richtig anpassen und fangen!

Das Haar ist Karpfenanglern besonders wichtig. Damit ist meist nicht die eigene Haarpracht gemeint, wohl aber das Haar an der Selbsthakmontage. Worauf muss man bei der Haarlänge an einer Karpfenmontage achten, damit sich die Fänge sehen lassen können? Chefredakteur des KARPFEN-Magazins Gregor Bradler gibt Tipps, damit sich der Erfolg schnell einstellt.

Auf ein Haar lassen sich nicht nur Bolies, sondern auch Mais, Würmer, Pellets etc. aufziehen. Foto: BLINKER/O.Portrat

Auf ein Haar lassen sich nicht nur Bolies, sondern auch Mais, Würmer, Pellets etc. aufziehen. Foto: BLINKER/O.Portrat

Als vor mittlerweile über 30 Jahren die Haarmontage beim Karpfenangeln in Mode kam, wurde die Anglerwelt auf den Kopf gestellt: Vorher wurde darauf geachtet, dass der Haken möglichst unauffällig im Köder verborgen war. So wurde der Greifer tief in die Teigkugel oder in die damals sehr beliebte Kartoffel gedrückt. Auf einmal war nun das Gegenteil angesagt: Der Haken war nun nicht mehr versteckt, sondern lag auf einmal komplett frei. Der Köder, Partikel oder ein Boilie wurde nun auf ein Stück Schnur, das Haar, gezogen. Doch um den Köder überhaupt richtig anbieten zu können, ist die Haarlänge bei einer Karpfenmontage besonders wichtig. Worauf man achten sollte, möchte ich euch im Folgenden etwas genauer zeigen.

5 Tipps für die optimale Haarlänge bei der Karpfenmontage

  • Mit einer No Knot-Verbindung lässt sich am einfachsten ein Haarvorfach herstellen.
  • Weiches geflochtenes Material verbessert die Flexibilität des Köders.
  • Zieht man zuerst den Köder aufs Haar und fixiert danach den Haken, lässt sich der richtige Abstand sehr gut festlegen.
  • Der Abstand zwischen Hakenbogen und Köder darf nicht zu lang und nicht zu kurz sein: 1 Zentimeter ist ein guter Richtwert.
  • An schwierigen Gewässern auch mal mit der Haarlänge experimentieren.

Der Name Haarmontage rührt daher, dass für die Anköderung zunächst sogar echtes Haar verwendet wurde. Die Skepsis gegenüber dieser aus England stammenden Montage, die dort Hair-Rig genannt wird, war zunächst groß. Aber die kapitalen Fänge, die dieses Rig in Kombination mit modernen Ködern an den Haken und in den Kescher brachte, belehrten auch die größten Skeptiker eines Besseren. Heute ist das Hair-Rig aus der modernen Karpfenangelei nicht mehr wegzudenken.

Haarlänge bei der Karpfenmontage: Dank Haar-Montage und Boilies werden regelmäßig große Karpfen gefangen. Foto: Gregor Bradler

Dank Haar-Montage und Boilies werden regelmäßig große Karpfen gefangen. Foto: Gregor Bradler

Haarlänge bei der Karpfenmontage – Freies Karpfenangeln mit hoher Ausbeute

Der einstige Hauptkritikpunkt an der Haarmontage ist sein größter Vorteil: Der Haken liegt frei und kann deutlich besser im Fischmaul greifen als ein im Köder verborgener Greifer. Es wäre auch ziemlich sinnlos, den Haken in harten Boilies oder Maiskörnern zu versenken. Die Gefahr eines Fehlbisses wäre zu groß. Hatte man früher häufig mit Fehlbissen zu kämpfen, so gehört dieses Szenario beim Angeln mit Hair-Rig und Festbleimontage in den meisten Fällen der Vergangenheit an. Besser noch: Man muss nicht mal mehr einen Anhieb setzen – der Fisch hakt sich in den meisten Fällen selbst. Einfach Rute aufnehmen und der Drill kann beginnen. Auch wenn die Haarmontage das Karpfenangeln enorm erleichtert hat – so ganz unkompliziert ist sie doch nicht. Damit sie funktionieren kann, muss man mehrere Faktoren beachten.

  • Zum einen das Material: Man muss sich für den Bau eines Hair-Rigs zwar kein Haar ausreißen, aber das Material sollte weich sein, damit der Köder flexibel ist und sich im Wasser natürlich verhält. Dickes Monofilament ist da fehl am Platz. Ein weiches Geflecht ist für die Herstellung eines Hairs genau richtig. Das Haar aus einem extra dünnen Stück geflochtener Schnur herzustellen, wenn man ein geflochtenes Vorfach einsetzt, halte ich allerdings für übertrieben. Ich stelle Vorfach und Haar mit einer No Knot-Verbindung aus dem gleichen Geflecht her.

    Für die Standard-Haarmontage kommen weiche geflochtene Materialien zum Einsatz. Foto: G. Bradler

    Für die Standard-Haarmontage kommen weiche geflochtene Materialien zum Einsatz. Foto: G. Bradler

  • Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Länge des Haars. Wer sich Fotos in Zeitschriften oder Büchern aus den Anfängen des modernen Karpfenangelns anschaut, wird erkennen, dass das Haar damals ziemlich lang war: Ein Abstand von drei bis vier Zentimetern zwischen Hakenbogen und Köder war durchaus normal. Es wurde größten Wert darauf gelegt, dass sich der Boilie oder die Maiskörner möglichst frei bewegen können. Im Laufe der Zeit scheinen die Haare kürzer geworden zu sein. Das gilt zum einen für die Frisuren bei den meisten Karpfenanglern, aber auch für die Hairs an den Selbsthakmontagen. Wenn ich an meinem Hausgewässer spazieren gehe, sehe ich manchmal so kurze Hairs, dass der Boilie förmlich am Hakenbogen klebt.Dahinter steht in den meisten Fällen der Wunsch, dass sich ein erfahrener Karpfen nach dem Einsaugen des Köders sofort hakt und keine Möglichkeit mehr hat, den Haken wieder auszuspucken. Aber meiner Meinung nach ist diese Vorgehensweise falsch: Wenn sich Boilie oder Partikel zu nah am Haken befinden, ist der Hakeffekt deutlich schlechter. Denn nun können sich Haken und Köder nicht mehr frei bewegen. Ziehen Sie einmal einen Köder am ultra-kurzen Haar über den Handrücken. Bei dieser Simulation des Verhaltens im Karpfenmaul werden Sie feststellen, dass sich Haken und Köder häufig förmlich verkanten. So können sie den Haken über Ihren Handrücken ziehen, ohne dass er Halt findet. Das Gleiche passiert auch im Maul des Karpfens.
Mit der richtigen Haarlänge klappt es auch mit der Bissausbeute beim Karpfenangeln. Foto: G. Bradler

Mit der richtigen Haarlänge klappt es auch mit der Bissausbeute beim Karpfenangeln. Foto: G. Bradler

Es gilt also einen Kompromiss zu finden zwischen Flexibilität und Kürze. Ein Abstand von einem Zentimeter zwischen Hakenbogen und Köder hat sich als sehr gut erwiesen. Bei dieser Länge verhält sich der Köder recht natürlich und der Haken kann sich frei drehen und gut im Maul des Karpfens greifen. Wie kann man garantieren, dass der Abstand auch bei einem Zentimeter liegt? Häufig werden die Rigs zu Hause vorgebunden und dann auf einem Rig Board ans Wasser transportiert. Da ist es schwierig, den optimalen Abstand zu finden. Schließlich weiß man nicht, ob auf dieses Hair später ein 16 Millimeter-Boilie, eine 20 Millimeter-Kugel oder sogar zwei 24er Murmeln gezogen werden sollen. Schnell fällt das Hair zu kurz oder zu lang aus und die mühevolle Heimarbeit war für die Katz.

Die universelle Haarlänge gibt es nicht

Damit alles passt, stelle ich entweder zu Hause oder direkt am Wasser Hair Rigs für verschiedene Ködergrößen her. Im ersten Schritt trenne ich ein Stück geflochtene Vorfachschnur ab, binde dann ans Ende eine Schlaufe, ziehe einen Boilie in der gewünschten Größe (etwa 20 Millimeter) auf und sichere ihn mit einem Boiliestopper. Erst dann fädle ich den Haken auf, lege den gewünschten Abstand zwischen Hakenbogen und Boilie fest und binde danach den No Knot. Ich kann den Boilie nun angeködert lassen, wenn ich das Vorfach direkt verwenden möchte. Habe ich es für einen späteren Einsatz vorgesehen, wird es, mit einer Markierung versehen, auf dem Rig Board verstaut.

Der Abstand muss stimmen: Links ist das Haar etwas zu lang, rechts ist es deutlich zu kurz. In der Mitte hat beträgt der Abstand zwischen Hakenbogen und Boilie etwa einen Zentimeter – genau richtig. Foto: Gregor Bradler

Der Abstand muss stimmen: Links ist das Haar etwas zu lang, rechts ist es deutlich zu kurz. In der Mitte hat beträgt der Abstand zwischen Hakenbogen und Boilie etwa einen Zentimeter genau richtig. Foto: Gregor Bradler

Karpfenangler sind Tüftler, deshalb gibt es auch Variationen des herkömmlichen Hair-Rigs. Die bekannteste ist das sogenannte D-Rig. Dabei wird wird der Boilie, meist ein Pop-Up, an einem Metallring befestigt. Dieser Ring bewegt sich in einer am Hakenschenkel befindlichen Schlaufe. Im Gegensatz zum normalen Hair-Rig bestehen diese Schlaufe und auch das Vorfachmaterial nicht aus weichem Geflecht, sondern aus steifem Monofilament. Der Hintergedanke bei dieser Montage ist, dass sich der Köder flexibel bewegt, der Karpfen den Köder nach dem Einsaugen aufgrund des steifen Vorfachmaterials nicht mehr so leicht ausspucken kann. Diese Montage und diese Form des „Hairs“ habe ich auch schon mit Erfolg eingesetzt – besonders an stark befischten Gewässern.

Angler, lass Dein Haar herunter

Dass die Entwicklung beim Hair nicht still steht, bzw. altes wieder in Mode kommt, habe ich vor kurzer Zeit in einem niederländischen Magazin für Karpfenspezialisten gesehen. Dort berichtete ein Angler von seinen guten Erfahrungen mit einem bis zu zehn Zentimeter langen Haar beim Befischen von schwierigen Gewässern. Er erklärte sich seine Erfolge damit, dass die Karpfen bei herkömmlichen Montagen den nah am Köder liegenden Haken erkennen konnten. Bei seinem, weit vom Haken liegenden Boilie schöpften die vorsichtigen Rüssler keinen Verdacht. Vielleicht kommen lange Haare ja doch wieder mal in Mode. In den meisten Fällen fischt es sich aber mit dem Zentimeter-Haar aber doch am besten.

Das D-Rig ist eine Weiterentwicklung der Haarmontage für schwierige Gewässer. Foto: Gregor Bradler

Das D-Rig ist eine Weiterentwicklung der Haarmontage für schwierige Gewässer. Foto: Gregor Bradler

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