Karpfenschnur: Die richtige Leine fürs Karpfenangeln

Monofil, Geflecht oder Fluorocarbon: Die richtige Karpfenschnur zu finden ist gar nicht so leicht. Denn es werden für verschiedene Einsatzbereiche unterschiedliche Schnüre verwendet. Damit bei Euch die Wahl der Leine nicht im Schnursalat endet, erklärt Chefredakteur des KARPFEN-Magazins Gregor Bradler worauf es ankommt.

Große Auswahl: Viele Schnurhersteller bieten inzwischen spezielle Karpfenschnur an. Foto: Blinker

Große Auswahl: Viele Schnurhersteller bieten inzwischen spezielle Karpfenschnur an. Foto: Blinker

Als ich mit dem gezielten Karpfenangeln begann, musste man sich bei der Auswahl der Karpfenschnur keine großartigen Gedanken machen: Auf die Rolle kam eine monofile Hauptschnur, meist in der Stärke 0,30 oder 0,35 Millimeter. Als Vorfachmaterial verwendete man weiches Geflecht, damit der Karpfen beim Einsaugen des Köders keinen Verdacht schöpfte. Die Kombination „Mono auf der Rolle, Geflecht an der Montage“ ist zwar auch heute noch eine gängige, aber längst nicht die einzige Möglichkeit. Mittlerweile werden geflochtene Hauptschnüre und Schlagschnüre sowie Vorfächer aus Monofil oder Geflecht eingesetzt. Seit kurzem wird auch Fluorocarbon beim Karpfenangeln verwendet – als Hauptschnur und als Vorfachmaterial. Angesichts dieser Vielfalt kann man schnell den Überblick verlieren, und es stellt sich die Frage: Wann setze ich welches Material ein?

  1. Monofile als Karpfenschnur

    Monofilschnüre bestehen aus einem Faden und werden aus Polyamid-Granulat hergestellt. Die Tragfähigkeit ist abhängig vom Durchmesser der Schnur. Charakteristisch für Schnüre aus monofilem Material sind ihre glatte Oberfläche und ihre Dehnfähigkeit. Diese Eigenschaften machen Monofil zu einer sehr guten Hauptschnur. Beim Auswerfen bietet sie aufgrund ihrer glatten Oberfläche wenig Widerstand. Dadurch kann man die Montage auch an weiter entfernt gelegene Stellen befördern. Durch die Dehnung werden im Drill die Kopfstöße eines Fisches sehr gut abgefedert, so dass man nur relativ wenige Ausschlitzer zu beklagen hat. In hindernisfreien Gewässern benutze ich eine Leine mit einem Durchmesser von 0,30 Millimeter, in Seen mit versunkenen Bäumen, steinigem Boden, oder beim Flussangeln gehe ich bis auf 0,40 oder 0,45 Millimeter hoch.

    Monofile Schnur kommt beim Karpfen­angeln am häufigsten auf die Rolle. Foto: BLINKER

    Monofile Schnur kommt beim Karpfen­angeln am häufigsten auf die Rolle. Foto: BLINKER

    Da monofile Schnüre anfällig gegen Witterungseinflüsse sind, nehme ich pro Saison mindestens einen Schnurwechsel vor. Und hier wird ein weiterer Vorteil des Monofils deutlich. Kauft man es auf der Großspule, ist es relativ günstig. Da reißt eine neue Ladung Schnur auf der Rolle kein Loch ins Portemonnaie. So ist es nicht verwunderlich, dass etwa 90 Prozent der Karpfenangler ihre Rollen mit Monofilschnur bespulen. Monofil kommt aber auch in anderen Bereichen zum Einsatz: als Schlagschnur und als Vorfachmaterial. Angelt man an einer Abbruchkante, die möglicherweise noch mit Muscheln besetzt ist, ist das Risiko groß, dass die Schnur beschädigt. Da darf man sich nicht wundern, wenn es im Drill zum Schnurbruch kommt. Dann muss eine robuste Schlagschnur – ein dickes Monofil in der Stärke 0,50 bis 0,60 Millimeter – her. Damit hat man auch scharfkantigen Steinen und fiesen Muscheln etwas entgegenzusetzen. Die Länge der Schlagschnur hängt von den Gegebenheiten am Gewässer ab.

    In der letzten Phase des Drills ist man mit einer monofilen Hauptschnur im Vorteil, weil sie eine plötzliche Flucht ­wirksam abpuffert. Foto: G. Bradler

    In der letzten Phase des Drills ist man mit einer monofilen Hauptschnur im Vorteil, weil sie eine plötzliche Flucht ­wirksam abpuffert. Foto: G. Bradler

    Hilfe in der Dunkelheit

    Ich verfahre meist folgendermaßen: Ich spule eine komplette Rutenlänge auf, außerdem sollten sich noch drei bis fünf Windungen Schlagschnur auf der Rolle befinden. Gerade beim Nachtangeln hat die Schlagschnur noch einen weiteren Vorteil: In der Dunkelheit ist es beim Drill manchmal schwierig zu ermitteln, wo der Fisch gerade ist, bzw. wie weit draußen er sich noch befindet. Gleitet die Schlagschnur durch die Rutenringe, weiß ich ganz genau, dass der Karpfen nicht mehr weit entfernt ist und kann mich auf die Endphase des Drill einstellen. Bei den beliebten Stiff-Rigs besteht das Rig nicht aus weichem Geflecht, sondern aus dickem Monofil ab 0,40 oder 0,45 Millimeter. Der Vorteil des steifen Monofils besteht darin, dass der Karpfen einen Köder an solch einem Vorfach kaum wieder ausspucken kann, ohne sich zu haken. Gerade an stark beangelten Gewässern, in denen die Karpfen schon schlechte Erfahrungen mit Montagen gemacht haben, ist man mit einem steifen Vorfach oft im Vorteil.

  2. Geflecht als Karpfenschnur

    Im Gegensatz zu Monofil besteht geflochtene Schnur aus mehreren Fasern. Bis zu 16 Einzelfasern werden zu einer Schnur verflochten. Das Geflecht ist im Vergleich zum Monofil bei gleichem Durchmesser deutlich stärker und weist keine Dehnung auf. Durch die fehlende Dehnung eignet sich geflochtene Schnur für drei Einsatzbereiche: Die Verwendung an der Lotrute, das Anfüttern mit der Futterrakete und beim Angeln auf große Distanz. Lotet man einen Platz aus und tastet mit Hilfe eines Bleis den Gewässergrund ab, überträgt die geflochtene Schnur die Bodenstruktur direkt an den Angler. Kies, Steine und weicher Boden werden sehr gut wahrgenommen. Beim Anfüttern mit der Futterrakete verwende ich sehr gerne eine dünne, schwimmende Geflechtschnur, weil sie nicht absinkt und die Arbeit der Rakete nicht negativ beeinflusst.

    Wenn die Schnurwahl stimmt, dann klappt‘s auch mit den dicken Fischen, wie Autor Gregor Bradler mit diesem Schuppenkarpfen zeigt. Foto: G. Bradler

    Wenn die Schnurwahl stimmt, dann klappt‘s auch mit den dicken Fischen, wie Autor Gregor Bradler zeigt. Foto: G. Bradler

    Vorsicht beim Drill

    Auch beim Angeln auf große Distanzen über 200 Meter setze ich auf geflochtene Schnüre in Durchmessern zwischen 0,14 und 0,20 Millimeter, weil sie die Bissanzeige deutlich verbessern. Viele Monofilschnüre haben eine Dehnung von etwa 15 Prozent. Da ist die Gefahr groß, dass man gar nicht mitbekommt, dass sich in 300 Meter Entfernung ein Fisch gehakt hat. Bei einer geflochtenen Schnur piepst der Bissanzeiger sofort. Darüber hinaus ist bei Geflechtschnüren nicht der beim Monofil auftretende Memory-Effekt zu beobachten, man hat also kaum mit Schnurdrall zu kämpfen. Allerdings kann die fehlende Dehnung des Geflechts auch zum Nachteil werden – nämlich im Drill. Die Gefahr, dass aufgrund des nicht vorhandenen Puffers gerade in der Endphase des Drill ein Fisch ausschlitzt, ist hoch. Deshalb schalte ich beim Distanzangeln zwischen geflochtene Hauptschnur und Montage etwa 20 Meter Monofil, das als Puffer fungiert. Dadurch lässt sich auch ein weiterer Nachteil der Flechtschnur ausgleichen –ihre nicht gerade gut ausgeprägte Abriebfestigkeit.

    Gegen eine dicke monofile Schlagschnur haben Muscheln keine Chance.

    Gegen eine dicke monofile Schlagschnur haben Muscheln keine Chance. Foto: G. Bradler

    Dicke geflochtene Schnüre kommen auch als Schlagschnur zum Einsatz. Der Effekt einer geflochtenen  Schlagschnur ist umstritten: Die einen sind der Meinung, dass das raue Geflecht sehr gut fürs Angeln in verkrauteten Gewässern geeignet sei, weil es im Drill das Grünzeug durchschneidet. Andere hingegen verneinen diesen Effekt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man mit einer geflochtenen Schlagschnur zwar Kraut durchtrennen kann, beim Drill mitten im dicksten Kraut aber auch Geflecht seine „Schärfe“ verliert. Als Vorfach wird Geflechtschnur nach wie vor sehr häufig eingesetzt. Der Pluspunkt dieses Materials ist wie schon erwähnt seine enorme Geschmeidigkeit, so dass der Karpfen den Köder leicht einsaugen kann.

  3. Fluorocarbon als Karpfenschnur

    Fluorocarbon gehört eigentlich zu den Monofilschnüren und wird häufig beim Raubfischangeln eingesetzt, erfreut sich aber auch bei der spezialisierten Fischerei auf Karpfen wachsender Beliebtheit. Es besitzt in etwa den gleichen Lichtbrechungsfaktor wie Wasser und ist daher nahzu unsichtbar. Deshalb eignet es sich besonders gut fürs Angeln auf erfahrene und vorsichtige Fische. Karpfenangler setzen Fluorocarbon als Hauptschnur und als Vorfachmaterial ein. Weil Fluorocarbon deutlich schwerer als normales Monofil ist, sinkt es sehr gut ab. Mit einer Fluorocarbon-Hauptschnur verhindert man, dass die Karpfen mit der Leine in Kontakt kommen und dadurch verschreckt werden. Gerade beim Angeln mit schlaffer Leine werden Hauptschnüre aus Fluorocarbon verwendet. Bei dieser Strategie wird die Schnur nicht gespannt, damit sie nicht als eine Art Barriere durchs Wasser verläuft. Eine Fluorocarbon-Schnur legt sich auf den Gewässergrund und bietet kein Kontaktrisiko.

    Fluorocarbon: Im Wasser praktisch unsichtbar!

    Fluorocarbon: Im Wasser praktisch unsichtbar! Foto: G. Bradler

    Vorfächer aus Fluorocarbon eignen sich für die beschriebenen Stiff-Rigs. Zur Steifigkeit kommt die Unsichtbarkeit des Materials. Fluorocarbon hat aber auch zwei Nachteile: Es ist nicht so geschmeidig wie herkömmliches Monofil, verfügt über eine geringere Knotenfestigkeit und ist relativ teuer. Man sollte also überlegen, ob sich die Investition wirklich lohnt. An schwierigen Seen kann Fluorocarbon mehr Fische bringen, an nicht so stark beangelten Gewässern reicht herkömmliches Mono und Geflecht meist aus.


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