Teil 9: Karpfenfischen im Winter

Karpfenfischen im Winter ist sicher nicht jedermanns Sache. Neben einer guten Gewässerkenntnis sind auch Durchhaltevermögen und ein gesundes Selbstvertrauen gefragt. Da das Winterangeln nicht

gerade der ideale Einstieg für Karpfenangler ist, habe ich diesen Teil bewusst ans Ende dieser Reihe gestellt. Definition Der Begriff Winterangeln deckt sich meiner Meinung nach nicht ganz mit dem kalendarischen Winter. Ich würde den Zeitraum zwischen Mitte November und Ende Februar als eigentliche Winterperiode für das Karpfenfischen definieren (Wassertemperatur unter 7 Grad). Dieser Zeitraum kann aber auch je nach Wetter länger oder kürzer andauern. Wenn man mal an die zurückliegenden Jahre denkt so gab es teilweise um die Weihnachtszeit frühlingshaftes Wetter, andererseits gibt es manchmal auch Anfang März noch strengen Frost. Nun gibt es ja auch diverse Flüsse und Kanäle mit Warmwasserzuflüssen. In diesen Bereichen herrschen für die Fische (und Angler) immer angenehm sommerliche Temperaturen und viele Angler bevorzugen im Winter diese aussichtsreichen Fangplätze. Mit Winterangeln im eigentlichen Sinn hat das aber nichts zu tun, da die Wassertemperatur ja immer noch hoch ist. Ich möchte mich daher in diesem Bericht auf das Angeln an „unbeheizten“ Gewässern beschränken. Ausrüstung Die eigentliche Angelausrüstung kann natürlich auch bei kalten Temperaturen verwendet werden. Da man im Winter oft lange Zeit auf einen Biss warten muss, sollte man aber bei der Zusammenstellung der Ausrüstung besonders auf funktionelle Kleidung und einen guten Wetterschutz (Zelt) achten. Wer mit nasser Kleidung frierend am Gewässer sitzt, wird schon nach kurzer Zeit aufgeben, ein gewisser Komfort ist daher kein Luxus sondern vielmehr eine Grundvoraussetzung für konzentriertes und erfolgreiches Angeln. Die folgenden Teile sollten in keiner Winterausrüstung fehlen: Warme Kleidung (Fleece ist ideal), Thermoanzug Regenjacke und -hose (z.B. BW Goretex Nässeschutzanzug) ein warmer Schlafsack (bis -20 oder -30 Grad!) ein brauchbares Zelt (Dome oder Titan mit Winterskin/Extreme Canopy) ein Kocher, der auch bei Minusgraden funktioniert (z.B. Coleman Benzinkocher) eine Thermoskanne eine Gaslampe (eignet sich notfalls auch als kleine Zeltheizung) Taschenlampe mit Ersatzbatterien   Zusätzlich zu dieser Basisausstattung gibt es noch einige praktische Dinge, die den Aufenthalt am Gewässer noch angenehmer machen: eine Zeltheizung (Katalytofen) ein Radio ein Minifernseher Finger weg von einfachen Heizstrahlern, die es in allen Baumärkten für 50-70 DM zu kaufen gibt! Mal abgesehen davon, dass diese Geräte mit Leistungen ab 2500 W aufwärts für ein Zelt völlig überdimensioniert sind und reinste Saunatemperaturen schaffen, sind sie auch noch sehr gefährlich, da es bei Kontakt mit dem Schlafsack oder anderen brennbaren Materialien in kürzester Zeit zu einem Brand kommen kann!!! Der von der Firma Coleman angebotene Ministrahler ist ist in dieser Hinsicht nicht viel besser und außerdem in der Heizleistung kaum besser als eine Gaslampe. Zusätzlich ergibt sich hier das Problem, ständig die Kartusche wechseln zu müssen, denn die hält nur ein paar Stunden. Der Benzin-Katalytofen, den Coleman bis vor einigen Jahren vertrieben hat, gibt es leider nicht mehr. Der große Vorteil dieses Ofens ist, dass man ohne die voluminöse Gasflasche auskommt, das ganze Teil ist mit Tank nicht größer als ein 5l Eimer und lässt sich daher auch an schwer zugängliche Stellen mitnehmen. Wenn der Transport und die Größe keine Rolle spielen, ist ein Gas-Katalytofen sicher die beste Wahl. Die Heizleistung ist regelbar und mit einer 11 kg Flasche kommt man schon ein paar Tage hin. Da es keine offene Flamme gibt, ist auch ein plötzliches Flammeninferno weitgehend ausgeschlossen. Stellensuche Zuerst einmal muss man sich für ein geeignetes Gewässer entscheiden. Die Überlegung, dass Karpfen in Flüssen und Kanälen aufgrund der Strömung einen höheren Energieverbrauch haben und sich damit auch eher für den Köder interessieren könnte zu der Folgerung führen, dass gerade diese Gewässer ideal für einen Winteransitz sind. Man sollte aber bedenken, dass sich in Flüssen und Kanälen die (wenigen) Karpfen auf eine vergleichsweise riesige Wasserfläche verteilen. Wenn man sichere Anhaltspunkte für bevorzugte Winterstandorte hat, ist es sicherlich einen Versuch wert, ansonsten würde ich diese Gewässer aber nur mit Einschränkung zum Winterangeln empfehlen (Warmwasserzuflüsse natürlich ausgenommen!). Meiner Meinung sind kleine bis mittlere Baggerseen und Teiche mit gutem Karpfenbestand die beste Wahl für die kalte Jahreszeit. Dieses Gewässer sollte man auch schon im Sommer befischt haben. Außerdem sollten vorhandene Features wie Kanten, Flachwasserzonen usw. bekannt sein, denn die Location ist gerade im Winter eine Grundvoraussetzung zum Erfolg. Welche Fangplätze sind im Winter besonders fängig? Diese Frage ist schwer zu beantworten, denn das hängt von vielen Dingen ab. Zum einen gibt es bevorzugte Ruhezonen, in denen die Karpfen einen Großteil der Zeit verbringen, zum anderen gibt es aber auch Fresszonen, die bei bestimmten Wetterbedingungen aufgesucht werden. Während die Ruhezonen oft in tieferen Wasserabschnitten liegen sind die Fresszonen oft in seichten Buchten lokalisiert. Ideal für einen ersten Versuch halte ich Gewässerabschnitte, in denen die tiefen Zonen in flache Bereiche übergehen. Hier hat man die Möglichkeit, verschiedene Gewässertiefen zu befischen. Futter und Futtertaktik Es gibt grundsätzlich zwei Vorgehensweisen, man kann sich auf eine Stelle beschränken und warten, dass die Karpfen den Futterplatz aufsuchen, oder man versucht den jeweiligen Standort dynamisch zu finden. Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile: Um heraus zu finden, wo es gute Fangzonen gibt, kann man zunächst einmal mehrere Futterplätze in verschiedenen Gewässerbereichen anlegen und diese jeweils kurzzeitig befischen. Wenn man bereits einen guten Fangplatz kennt, kann es sich aber auch lohnen, sich auf diese Stelle zu konzentrieren und diese regelmäßig anzufüttern. Durch eine konsequente Fütterung, die bereits im Herbst beginnt, kann man dann die Karpfen an diese Stelle gewöhnen. Bei der Futtermenge sollte man aber aufpassen: Während man im Herbst ruhig großzügig füttern kann, sollte man die Menge bei Wassertemperaturen unter 8 Grad doch drastisch reduzieren. Hier ist es sinnvoller, wenn man regelmäßig kleine Mengen füttert, denn sonst kann es passieren, dass ein Großteil des Futters am Boden liegen bleibt und vor sich hingammelt. Wie kann man nun auch mit geringen Futtermengen und bei kaltem Wasser eine gute Lockwirkung erzielen? Zum einen kann man von den normalerweise ölbasierten Flavours auf ein Ethylalkohol-Flavour ausweichen. Ethylalkohol-Flavours breiten sich bei kaltem Wasser besser aus, zusätzlich kann man auch die Dosierung gegenüber den Sommermonaten leicht erhöhen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Boilies vor dem Füttern mit Flavour zu besprühen oder in Dips einzulegen. Wenn man beim Füttern nicht allzu weit hinaus muss, kann man auch die Boilies halbieren. Die Boiliehälften geben einen intensiven Geruch ab. Eine weitere Alternative sind sog. Miniboilies, das sind Boilies mit einem Durchmesser von 8-10 mm. Damit kann man einen intensiv duftenden Futterteppich anlegen ohne die Karpfen zu schnell zu sättigen. Leider ist die Eigenproduktion von größeren Mengen dieser erbsengroßen Köder äußerst umständlich und Fertigboilies in diesen Größen sind recht teuer. Probleme ergeben sich auch beim Füttern, da man mit den Minikugeln allenfalls auf mittlere Distanzen kommt. Eine günstige Alternative zum Anfüttern sind auch sog. Pellets, die es zum einen speziell zum Karpfenfischen gibt, zum anderen aber auch in jedem Tierfutterhandel (Forelli, Karpfenpellets). Pellets zerfallen in 2-4 Stunden und geben einen intensiven Geruch ab. Die Überbleibsel werden im allgemeinen von Weißfischen komplett weggeputzt. Beim Füttern ist man aber auch auf kurze bis mittlere Distanzen limitiert. Ein letzter Tipp: Bei der Boilieherstellung einfach einen Teigrest aufheben und dann ein wenig Teig ums Blei oder um den Boilie kneten. Der Teig löst sich innerhalb von Stunden langsam auf und gibt eine gute Duftwolke ab. Fazit Winterfischen auf Karpfen setzt einiges an Ausdauer und Einsatzbereitschaft voraus. Ein schön gefärbter Winterkarpfen ist aber sicherlich eine Entschädigung für die vielen Stunden ohne Biss. Bericht von Christian Höhmann


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Angelsee aktuell 02 2019

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