Karpfen im Winter: 10 Mythen auf dem Prüfstand

Es wabern viele Mythen zum Karpfen im Winter umher. Robin Illner schaut sich die 10 größten Mythen an und prüft sie auf ihren Wahrheitsgehalt.

es beißen einfach nur weniger kleine Fische, somit erhöhen sich die Chancen. Foto: R. Illner

Bild: R. Illner

Der Winter ist DIE Jahreszeit für besonders Dicke? Na ja, nicht unbedingt – es beißen einfach nur weniger kleine Fische, somit erhöhen sich die Chancen.

Auf eine Sache kann man sich leider verlassen: Es wird Winter, der Karpfen fängt sich generell deutlich schlechter. Das ist nicht zu beeinflussen – aber eure Fänge trotz widriger Bedingungen hingegen schon. Robin Illner hat sich einigen Behauptungen angenommen, die manche vielleicht von einer winterlichen Tour abgehalten hätten. Lest und entscheidet selbst!

1. Würzige und fischige Köder fangen jetzt besser

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Karpfen fressen im Winter nicht nur fischige oder würzige Köder. Natürlich kann man mit diesen Ködern Fische fangen, allerdings ist ein hoher Proteingehalt meiner Meinung nach im Winter nicht das Wichtigste. Für mich ist klar: Karpfen benötigen in der kalten Jahreszeit kurzfristige Energiequellen. Das sind vor allem Einfachzucker, sprich Kohlenhydrate. Köder die süß sind und über Zucker verfügen, sind jetzt ideal. Oft haben Geschmacksrichtungen wie Frucht, Scopex oder Cream einen höheren Zuckeranteil. Ich habe im Winter mit den Scopex- und Pinenut-Boilies von Selfmade Baits gute Erfahrungen gemacht.

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2. Tiefe Gewässer sind im Winter besser als flache Gewässer

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Tiefe Gewässer halten oft bis in den Dezember eine höhere Temperatur als flache Gewässer. Je weiter der Winter voranschreitet, desto weiter tritt dieses Phänomen aber in den Hintergrund. Im späten Januar und Februar habe ich in warmen Perioden deshalb oft in flachen Gewässern besser gefangen. Dieser Gewässertyp heizt sich dann schneller auf und auch das Licht, das jetzt bis zur Gewässersohle durchdringt, ist ein entscheidender Faktor.

Angler hält gefangenen Karpfen in die Kamera.

Bild: R. Illner

Fluss-Fully (oder Halb- zeile?) aus dem Winter: An der Aussage, dass Karpfen in Fließgewässern etwas besser beißen, ist was dran.

3. Karpfen bewegen sich im Winter nicht

20 % WAHR

Diese These kann ich nicht unterstützen. Ich habe schon oft im Winter Karpfen beobachtet, die in flachen Gewässerabschnitten patrouillierten. Sie bewegen sich aufgrund der herabgesetzten Körpertemperatur zwar langsamer – aber sie bewegen sich! Dass sich Karpfen im Winter in den Schlamm einbuddeln, ist ein Mythos. Karpfen haben Phasen, in denen sie sich wenig bewegen, oft Frostperioden. Sobald es aber sonniger und heller wird, setzt der Bewegungsdrang wieder ein.

Blick auf einen diesigen See.

Bild: R. Illner

Tiefe Gewässer halten ihre Wärme länger als flache; also hat man bei sehr ungemütlichen Bedingungen dort bessere Chancen. Wenn im Februar aber die ersten warmen Sonnentage das Wasser erwärmen, sind flache Seen (oder flache Bereiche in tieferen) deutlich interessanter.

4. Karpfen suchen im Winter nach Unterständen

50% Wahr

Karpfen halten sich das ganze Jahr über gerne unter Unterstände wie versunkenen Bäumen oder Krautfeldern auf. Dass sie im Winter aber speziell hier zu finden sind, ist nicht ganz richtig. Mir ist es auch schon gelungen, Karpfen auf offenen Seeteilen zu fangen, die keine Strukturen aufgewiesen haben.

5. Im Fluss sind die Karpfen aktiver

75 % WAHR

Im Fluss herrscht das ganze Jahr über Strömung. Karpfen müssen hier mehr Energie aufbringen, da sie sich, anders als in Seen, durchgehend bewegen müssen. Im Spätherbst und Winter suchen die Fische jedoch oft strömungsberuhigte Bereiche auf. Das können tiefe Kurven sein, Hafenbecken oder Wehranlagen. Finden wir diese Bereiche, haben wir gute Chance die Fische zu fangen, da sie hier nun konzentrierter stehen als im Sommer.

Angler sitzt in Dunkelheit an der Wasserkante mit Rute im Wasser.

Bild: R. Illner

Winterangeln ist unangenehm und (ganz ehrlich) in jeglicher Hinsicht ineffektiver als im Frühjahr oder Herbst, aber trotzdem brauchen wir „Stoff“. Vier Monate ohne Angeln? Für viele undenkbar. Vielleicht helfen euch Robins Tipps, eure Winterangelei zu verbessern.

6. Schuppenkarpfen beißen im Winter besser als Spiegelkarpfen

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Dieser Mythos stimmt gar nicht. Schuppenkarpfen und Spiegelkarpfen gehören zur gleichen Art und unterscheiden sich nur durch ihr Äußeres. Wahr ist jedoch, dass es Stämme aus Züchtungen gibt, die besser mit kaltem Wasser zurechtkommen und aktiver sind. Ich habe im Winter je- doch Schuppenkarpfen und Spiegelkarpfen gleich gut fangen können. Einen Unterschied konnte ich nicht feststellen.

7. Der Winter ist die Zeit der großen Karpfen

30 % WAHR

Große Fische werden im Winter nicht öfter gefangen als im restlichen Jahr. Allerdings beißen weniger kleine Karpfen! Da- her wirkt es schnell so, als wäre der Winter die Zeit der dicken Karpfen. Kleinere Karpfen sind nicht mehr so aktiv wie im Sommer. Größere Fische haben mehr Muskelmasse als kleinere. Deshalb müssen sie auch im Winter mehr Energie durch Futter aufnehmen, um Körperfunktionen wie die Muskelaktivität aufrecht erhalten zu können. Ich kann bestätigen, dass ich im Winter weniger, aber oft größere Fische fangen konnte.

Grüner Eimer wird mit Trockenfutter befüllt.

Bild: R. Illner

Alles, was schnell löslich ist, ergibt im Winter Sinn – so zum Beispiel Trockenfutter. Das lockt, sättigt aber kaum.

8. Dosenmais ist ein guter Winterköder!

80 % WAHR

Dosenmais ist ein sehr guter Winterköder. Aber warum? Dosenmais verfügt über einen hohen Zuckeranteil, liefert also eine Menge Energie. Zudem hat Dosenmais einen hohen Salzanteil. Auch Salze sind für Stoffwechselfunktionen der Fische wichtig. Brassen, Rotaugen und Co. sind im Winter außerdem nicht so aktiv. Der Dosenmais wird also von Mitessern nicht so schnell weggeschnappt und bleibt für die Karpfen liegen. Meiner Ansicht nach ist Dosenmais, aber auch selbst zubereiteter Mais, Weizen oder Hanf mit einem hohen Zuckeranteil und einer Prise Salz ein gutes Winterfutter. Ich ergänze das Futter gerne noch mit süßen Boilies und Trockenfutter aus der Stippangelei.

Eine Hand voller Maiskörner.

Bild: R. Illner

Nur fischige Köder fangen“ – stimmt nicht wirklich. Vieles funktioniert, Robin angelt sogar noch lieber mit süßen Kohlenhydratködern oder Dosenmais.

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9. Kleine Köder sind besser als große Köder

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Kleine Köder bringen im Winter nicht mehr Bisse. Man hört immer wieder, dass viele Karpfen auf kleine Ködern gefangen werden. Ich bin der Überzeugung, dass hier ein anderes Phänomen der ausschlaggebende Punkt ist: Deutlich mehr Angler benutzen kleine Köder. Auch im Winter habe ich gute Erfahrungen mit 25 Millimeter großen Boilies plus passendem Pop Up gemacht. Ich erkenne keinen logischen Grund, warum Karpfen im Winter nur kleine Köder aufnehmen sollten: 1) Große Köder liefern mit einer Portion mehr Energie. 2) Karpfen verfügen im Winter über ein ähnliches Nahrungsangebot wie im Sommer. Große Muscheln und Krebse gehören dazu.

Glas von Murmelködern liegt auf einem Haufen Murmelködern.

Bild: R. Illner

Woran Robin nicht glaubt, ist, dass kleine Köder im Winter besser fangen. Er benutzt gern auch 20er oder 25er Murmeln.

10. Karpfen verbrauchen im Winter keine Energie

5 % WAHR

Auch wenn sich Karpfen im Winter weniger bewegen, verbrauchen sie trotzdem Energie. Schwimmbewegungen, also die Muskelaktivität, ist nicht der einzige Energiefresser. Stoffwechselprozesse und Hirn-Aktivität verschlingen ebenfalls viel Energie. Die Konsequenz daraus ist – und das ist die gute Nachricht für Angler –Karpfen fressen im Winter und sie sind fangbar.

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