Blaualge: So beeinflusst die Bakterie das Angeln und die Tierwelt

Wenn im Sommer der Lieblingsbadesee in voller Algenblüte steht und aus Sicherheitsgründen für alle Badegäste vorsorglich gesperrt wird, sind einige Kleinstlebewesen in den Schlagzeilen ganz groß: Blaualgen! Die Besonderheiten dieser Bakterie, Gefahren für Mensch und Tier sowie Auswirkungen auf das Angeln und das Gewässer – wir erklären euch, was ihr wissen müsst!

Blaualgen sind gerade im Sommer allgegenwärtig. Wir erklären euch, was ihr zu diesem Thema wissen solltet. Foto: Archiv/J.Radtke

Blaualgen sind gerade im Sommer allgegenwärtig. Wir erklären euch, was ihr zu diesem Thema wissen solltet. Foto: Archiv/J.Radtke

Bei einigen Menschen lässt allein schon ihr Name die Sorgenfalten auf der Stirn größer werden. Andere wissen damit gar nichts anzufangen. Wenn der angestammte Badesee im Sommer trüb wird und beginnt, sich langsam grün zu färben, ist es wieder soweit: die Blütezeit der Blaualgen hat begonnen!

Aber ist die Blaualge wirklich giftig? Welche Konsequenzen hat das Auftreten von Blaualgen für das Angeln und das Gewässer? Und wie entsteht eine Algenblüte? Immer noch herrscht eine große Unsicherheit im Umgang mit diesen Kleinstlebewesen. Hier findet Ihr alle Informationen und die Antworten auf offene Fragen zur Blaualge.

Das kleine Blaualgen-Einmaleins

  • Es gibt nicht „die“ Blaualge – es gibt sogar annähernd zweitausend Arten.
  • Die Blaualge ist keine Alge, sondern eine Bakterie, genau genommen eine „Cyanobakterie”
  • Einige Blaualgenarten produzieren für Mensch und Tier potentiell schädliche Gifte.
  • Mit Blaualgen belastete Gewässer sollten nicht beangelt werden.
  • Eine Algenblüte ist – in diesem Fall – die massenhafte Vermehrung von Blaualgen durch einen übermäßigen Eintrag von Nährstoffen in ein Gewässer.
  • Sauerstoffmangel ist die größte Gefahr einer Algenblüte für die Gewässerökologie.
  • Algenblüten lassen sich nur durch vorbeugende Maßnahmen effektiv verhindern.
Blaualgen sind während der Algenblüte sehr leicht zu erkennen. Foto: Archiv/B.Sadkowiak

Blaualgen sind während der Algenblüte sehr leicht zu erkennen. Foto: Archiv/B.Sadkowiak

Das sind die Gefahren für Mensch und Gewässer

Kommt es in einem Gewässer zu einer „Algenblüte“ von Blaualgen, also einer massenhaften Vermehrung in kurzer Zeit, birgt das Gefahren für Mensch, Tier und Natur. Betroffen ist dabei in erster Linie die unmittelbare Gewässerökologie: Der Mensch kann der Blaualge aus dem Weg gehen – die im Wasser lebenden Fische nicht.

Blaualgen sind während einer Algenblüte in einem Gewässer relativ leicht zu erkennen: Diese bilden Teppiche aus blaugrünen Schlieren an der Wasseroberfläche. Zudem ist ein leicht muffiger Geruch wahrzunehmen, der bei der Zersetzung von abgestorbenen Blaualgen entsteht. Wichtig ist noch, dass Blaualgen in jedem Gewässer, immer und überall vorhanden sind – außerhalb der Algenblüte sind sie aber kaum zu erkennen und absolut unproblematisch.

Achtung giftig!

Die größte Gefahr, die direkt von Blaualgen ausgeht, ist die Giftigkeit einiger Arten – und genau in dieser Tatsache sehen sich auch die allgemeinen Warnungen begründet. Einige Blaualgenarten produzieren in ihrem Stoffwechsel Toxine, wie zum Beispiel das BMAA. Diese Gifte können direkt ins Wasser gelangen und bei Kontakt gesundheitliche Schäden anrichten. Während einer Algenblüte von Blaualgen kann sich die potentiell vorhandene Giftmenge insgesamt erhöhen. In ausreichend hoher Konzentration können diese Toxine für Fische schädlich sein.

Über den Verzehr von Fisch aus einem betroffenen Gewässer oder dem direkten (Haut-) Kontakt mit der Blaualge kann das Gift auch in den menschlichen oder tierischen Organismus, z.B. von Haustieren, gelangen und zu Reizungen, Übelkeit, allergischen Reaktionen oder in seltenen Ausnahmefällen zum Tod führen. Für einen gesunden Menschen ist das Gift in der Regel allerdings ungefährlich.

Eine Sache ist unbedingt anzumerken: Nicht alle Blaualgenarten sind giftig! Es gibt nämlich nicht nur „die eine“ Blaualge. Der wissenschaftliche Name lautet Cyanobakterien und umfasst insgesamt zweitausend Arten – und nur ungefähr 40 Arten davon sind überhaupt in der Lage, Gift zu produzieren.

Gewässer können „umkippen”

Bei einer Blaualgen-Algenblüte bestehen direkte Gefahren für die Gewässerökologie: Das Gewässer kann „umkippen“. Dieses Umkippen beschreibt das Eintreten eines lebensbedrohlichen Sauerstoffmangels mit einer Konzentration von unter 2 Milligramm Sauerstoff pro Liter Wasser, weil auf einen Schlag eine große Menge Organismen in einem Gewässer abstirbt und bei deren Zersetzung zu viel Sauerstoff aus dem Gewässer gebunden wird.

Durch den Sauerstoffmangel sterben die Fische, Krebse und Insektenlarven. Die gesamte Gewässerökologie gerät aus den Fugen,weil Nahrungsquellen plötzlich wegsterben und Abhängigkeiten in der Nahrungskette gestört werden oder das Gewässer insgesamt mit zu vielen Nährstoffen überversorgt wird –die sogenannte „Eutrophierung“.

Wenn an Badeseen eine Blaualgen-Blüte herrscht, werden die Seen oft für den Badebetrieb gesperrt. Foto: Archiv

Wenn an Badeseen eine Blaualgen-Blüte herrscht, werden die Seen oft für den Badebetrieb gesperrt. Foto: Archiv

Das sind die Konsequenzen fürs Angeln

Wenn der Lieblingsbadesee wegen einer Algenblüte für alle Besucher gesperrt wird, sollte aus zwei wesentlichen Gründen auch vom Angeln abgesehen werden: solange nicht klar ist, um welche Blaualgenart es sich im Gewässer handelt, kann ein Kontakt mit den Blaualgen schädlich sein. Zum anderen leidet der Fischbestand durch die extreme Umweltsituation, sodass zusätzlicher Angeldruck vermieden werden sollte!

In dem Fall, dass sich vor allem giftige Blaualgenarten vermehren, hat das direkte Konsequenzen auf die Entnahmen von Speisefisch aus dem betroffenen Gewässer. Die Fische können das Gift über den normalen Stoffwechsel aufnehmen und in ihrem Muskelfleisch anreichern. Die Giftkonzentration kann dadurch ein ungesundes Limit überschreiten und sogar so giftig werden, dass für den Menschen gesundheitliche Risiken entstehen: Übelkeit, Erbrechen und Durchfall bis zu zentralnervösen Ausfällen und allergischen Reaktionen. Für das Angelgerät sind Blaualgen zwar unschön aber absolut ungefährlich!

Wenn an einem Gewässer eine Blaualge-Blüte stattfindet, sollte man dort lieber nicht angeln. Foto: Archiv/R.Schwarzer

Wenn an einem Gewässer eine Blaualge-Blüte stattfindet, sollte man dort lieber nicht angeln. Foto: Archiv/R.Schwarzer

Verbreitung und Lebensweise der Blaualge

Wie bereits angedeutet, ist der Name „Blaualge“ irreführend. Die Blaualgen werden wissenschaftlich als Cyanobakterien („cyan“ = blaugrün) bezeichnet und sind gar keine Algen. Der Unterschied zwischen echten Algen und Bakterien: Algen haben einen Zellkern (Eukaryonten) und eine Zellwand aus Cellulose. Das Erbgut der Bakterien liegt innerhalb der Zelle frei in Ringform vor (Prokaryonten) und ihre Zellwand ist aus Murein aufgebaut.

Der„falsche“ Name beruht auf einer fehlerhaften Klassifikation der Blaualgen bei der wissenschaftlichen Erstbeschreibung.Die Tatsache, dass einige Arten neben dem grünen Pflanzenfarbstoff Chlorophyll auch den blauen Farbstoff Phycocyanin entwickeln und dadurch blaugrün aussehen, hat zum Beinamen „Blau-“ geführt.

So lebt die Blaualge

Der Lebensraum ist überwiegend das Süßwasser oder Feuchtböden mit einem ausreichenden Anteil Restfeuchtigkeit, z.B. jeder Art von Gewässer. Aber auch in jedem Tropfen Wasser, der sich irgendwo in der Natur sammelt oder in einer Gesteinswand in der Antarktis, wo sich im Gestein noch ein Minimum an Feuchtigkeit bildet, können Blaualgen leben.

Sie gewinnen, ähnlich wie Pflanzen, Energie durch „Photosynthese“ („phos“ = Licht und „synthesis“ =Zusammensetzung). Dabei bauen sie unter dem Einfluss von Sonnenlicht in einem Energiegewinnungsprozess aus Kohlendioxid und Wasser Zucker auf. Der Zucker dient ihnen als Energiespender zum Wachstum und zur Fortpflanzung. Als „Abfallprodukt“ setzen die Bakterien dabei Sauerstoff frei.

So sehen Blaualgen vergrößert unterm Mikroskop aus. Foto: Archiv/N.Wasmund

So sehen Blaualgen vergrößert unterm Mikroskop aus. Foto: Archiv/N.Wasmund

So entsteht eine Algenblüte

Wie bereits festgestellt, ist eine Algenblüte die massenhafte Vermehrung von Algen oder Kleinstlebewesen in einem Gewässer in einem unverhältnismäßigen Ausmaß. In diesem Fall beschreibt die Algenblüte also das Wachstum einer Blaualgenpopulation. Um die Entstehung einer Algenblüte und die dabei wichtigen Faktoren zu verstehen, muss zunächst ein Blick auf die Fortpflanzung der Blaualge geworfen werden: Sie vermehrt sich, wie andere Bakterien auch, durch ungeschlechtliche Zellteilung. Das heißt, eine Bakterie teilt sich in zwei und bildet dadurch Nachkommen mit identischem Erbgut. So können sich Blaualgen extrem schnell fortpflanzen.

 Nährstoffeintrag sorgt für Algenblüte

Unter natürlichen (vom Menschen nicht beeinflussten) Umständen stellt das Wachstum einer Blaualgenpopulation kein Problem für ein Gewässer dar. Entscheidend für das massenhafte Auftreten von Blaualgen während einer Algenblüte ist ein unverhältnismäßiges Wachstum der Population. Dieses Wachstum wird angeregt durch eine Eutrophierung des Gewässers, also dem Zuführen von zu vielen Nährstoffen, und der damit verbundenen Anhebung der natürlichen Nährstoff-Grenzen.

Die Quellen für diesen Nährstoffeintrag können vielfältig sein: Der Bauer, der sein Feld düngt, bringt Nitrate und Phosphate aus, die zum Beispiel durch die Auswaschung von Regen oder einen direkten Eintrag ins Gewässer gelangen. Auch abgestorbene Pflanzenreste, die verrotten und zersetzt werden, setzen Nährstoffe frei. Aber auch ein Gewitter oder ein Regenschauer können Folgen haben: Blitze besitzen so viel Energie, dass Stickoxide entstehen. Der Regen wäscht sie aus, kann sich auf den Weg durch die Atmosphäre auf natürlichem Wege mit Nährstoffen anreichern.

In kleineren Gewässern kann es in unregelmäßigen Abständen auch auf natürlichem Wege zu einer Algenblüte kommen. Ist ein menschlicher Einfluss auszuschließen, ist das ein natürlicher Prozess und schlicht nur der Lauf der Natur.

Pflanzenreste die vom Ufer ins Wasser fallen, können den Nährstoffgehalt des Wassers verändern und so, gerade in sehr kleinen Gewässern, zu einer Algenblüte führen. Foto: Archiv/N.Bremer

Pflanzenreste die vom Ufer ins Wasser fallen, können den Nährstoffgehalt des Wassers verändern und so, gerade in sehr kleinen Gewässern, zu einer Algenblüte führen. Foto: Archiv/N.Bremer

Die 4 Phasen einer Blaualgen-Algenblüte

  1. Anlaufphase: Die Blaualgenpopulation bewegt sich konstant auf einem niedrigen Niveau und ein weiteres Wachstum wird durch fehlende Nährstoffe im Wasser verzögert.
  2. Wachstumsphase: Durch übermäßigen Eintrag von Nährstoffen ins Gewässer nimmt die Blauelgenpopulation massenhaft zu.
  3. Stationäre Phase:  Die Blaualgenpopulation erreicht ihr Maximum und stagniert auf einem extrem hohen Niveau, weil zum Beispiel der Nährstoffeintrag ins Gewässer wieder unterbrochen wird.
  4. Absterben: Die Blaualgenpopulation kann das Maximum nicht über einen beliebiglangen Zeitraum halten, weil die Individuen auf natürlichem Wege sterben oder die eingetragenen Nährstoffe abnehmen. Die Population bricht ein, und es wird viel zersetzbare Biomasse im Gewässer frei.

Kurz zusammengefasst besteht der Grund für eine Algenblüte also in dem übermäßigen Eintrag von Nährstoffen in ein Gewässer, was schließlich zu einem massenhaften Wachstum des natürlichen Bestandes führt: Die Blaualgenpopulation blüht auf.

So können Algenblüten verhindert werden

Ist eine Blaualge-Algenblüte in einem Gewässer erst einmal ausgebrochen, ist es quasi unmöglich, den Prozess auf natürlichem Wege aufzuhalten. Der Einsatz der „Chemiekeule“ würde wahrscheinlich Erfolg haben, dabei aber in keinem Verhältnis zu den gefährdeten Ressourcen von Natur und Umwelt stehen.

Die einzige Möglichkeit, eine Algenblüte der Blaualge wirklich effektiv zu verhindern, sind vorbeugende Maßnahmen, um den Nährstoffeintrag im Vorhinein zu begrenzen! Vorbeugende Gegenmaßnahmen können sein: Die Entnahme von Biomasse aus einem Gewässer, z.B. durch das regelmäßige Mähen von Uferbewuchs oder das Einstellen von Düngemaßnahmen im direkten Gewässerumfeld. Auch technische Maßnahmen, um Nährstoffe gezielt aus dem Wasser zu filtern, sind möglich. Der Mensch hat es in den meisten Fällen selber in der Hand, wie es um die Zukunft eines Gewässers bestimmt ist.

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