Invasive Arten: Bedrohung in unseren Gewässern

Sie kommen fast unbemerkt, verdrängen andere Lebewesen und ­gefährden unsere Natur: Invasive Arten sind einer der Hauptgründe für den ­rapiden Artenrückgang in Europa. Die Biologen Phillip Haubrock und ­Stefan Linzmaier berichten über Bedrohungen durch die ­Eindringlinge in unseren Gewässern.

Sie kommen fast unbemerkt, verdrängen andere Lebewesen und gefährden unsere Natur: „Invasive Arten“ sind einer der Hauptgründe für den rapiden Artenrückgang in Europa. Grafik: Fotolia

Sie kommen fast unbemerkt, verdrängen andere Lebewesen und gefährden unsere Natur: „Invasive Arten“ sind einer der Hauptgründe für den rapiden Artenrückgang in Europa. Grafik: Fotolia

Invasive Arten gelangen meist durch Menschenhand in neue Gewässer und machen dort vor allem eines: Stress! Sie bringen nicht selten das gesamte Ökosystem durcheinander und schaffen für einheimische Arten große Probleme. Dabei bergen verschiedene Arten unterschiedliche Risiken. Doch nicht nur die Ökosystem-Folgen variieren je nach Art, sondern auch die Wege, wie sie in unsere Gewässer kommen – sei es, dass sie gezielt besetzt oder von einem ­nahestehenden Gewässer durch Hochwasser herüberschwimmen.

Manchmal werden Tiere mutwillig, aus Ignoranz, aus Platzgründen oder zwecks Hobbyaufgabe in ein Gewässer gesetzt. Dazu zählen so manche Aquarientiere wie Piranhas, die, wenn sie am Haken landen, beim Angler für Erstaunen sorgen. Dabei ist nicht gleich jede neue Art direkt problematisch. Manche von ihnen sind zum Beispiel wegen ihrer Umweltanforderungen an Warmwasserzuläufe gebunden und nicht in der Lage, sich aufgrund der kalten Winter zu etablieren. Auch wenn die Mehrheit der ausgesetzten Arten langfristig nicht bei uns überlebt, gibt es dennoch eine ganze Reihe, die zum Problem werden.

Invasive Arten – Heimisch oder fremd

Oft wird die Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 durch den Seefahrer Christoph Kolumbus als Grenze für die Einordnung heimischer und nicht heimischer Arten gesetzt. So gelten Arten, die nach 1492 in Europa eingeführt wurden, als „faunenfremd“ – und Arten, die vorher eingeführt wurden, als heimisch. Aber was hier fremd ist, ist anderorts heimisch. Ein gutes Beispiel für die Problematik mit invasiven Arten ist der europäische Wels oder Waller (Silurus glanis). In Ost- und Zentral-Europa gilt er als heimisch. In Südeuropa (Spanien, Frankreich und Italien) wird er hingegen als fremd betrachtet und für viele ökologische Probleme verantwortlich gemacht. Ob dies wirklich so ist, darüber scheiden sich die Geister.

Neuankömmlinge wirken sich oft auf die Bestände der bereits vorhandenen Arten in einem Gewässer aus und verändern diese. Manche der Veränderungen sind für die Gesellschaft oder speziell für uns Angler begrüßenswert, viele andere eher unerwünscht. So hat die Ankunft der Schwarzmundgrundel in den großen Flüssen Mitteleuropas Muschel- und Wasserinsektenbestände verringert, jedoch gleichzeitig zu einer Zunahme der Zander­populationen geführt. In einigen Fällen kann sich durch die Ankunft einer neuen Art das ganze Ökosystem verändern, so zum Beispiel wie bei der Einführung von Flussbarsch, Forellenbarsch, Hecht, Karpfen und Wels in Spanien, wodurch viele spanische Arten verschwanden.

Hinzu kommt, dass oftmals die Anwesenheit einer invasiven Art, einer weiteren neu hinzukommenden Art bei der Ansiedlung hilft. Um Schlimmstes zu verhindern, müssen Tiere entnommen, Bestände kontrolliert oder schlimmstenfalls ganze Gewässer kurzerhand trockengelegt werden.

Schwarzmundgrundel wanderten über den Main-Donau-Kanal ein. Mittlerweile kommen sie in allen größeren Flüssen vor und gelten hierzulande als einer der größten invasiven Arten. Foto: BLINKER/W. Krause

Schwarzmundgrundel wanderten über den Main-Donau-Kanal ein. Mittlerweile kommen sie in allen größeren Flüssen vor und gelten hierzulande als einer der größten invasiven Arten. Foto: BLINKER/W. Krause

Unwissenheit kostet Geld

Besonnene Überlegungen im Vorfeld jeglicher Maßnahme sind jedoch äußerst wichtig! Schließlich werden hohe Summen öffentlicher Gelder in diverse Schutz-Projekte investiert, ohne tatsächlich eine positive Veränderung für die Natur oder Nutznießer wie uns Angler herbeizuführen.

Niemand ist öfter am Wasser, kennt die Bewohner seiner Gewässer besser oder sorgt sich mehr um die Gesundheit und den Bestand seiner Schützlinge als die vielen Fischwirte und Angler. Wären sich mehr Menschen darüber bewusst, was in unsere Teiche gehört und was eben nicht, könnte in Zukunft sehr viel Geld gespart und anderweitig sinnvoll zum Beispiel in Renaturierungsprojekte investiert werden. Mit etwas mehr Achtsamkeit könnte unseren Gewässern ein Schicksal wie Italien und Spanien, wo viele heimische Arten stark rückläufig sind, erspart bleiben.

Bedenkt man den globalen Trend zu wärmeren Temperaturen, werden zukünftig mehr fremde Arten in der Lage sein, sich zu etablieren, fortzupflanzen und auszubreiten. Daher sollten wir heute mehr denn je auf der Hut sein, um eventuelle spätere Katastrophen zu vermeiden.

Listen der Bedrohung durch invasive Arten

In Deutschland und Österreich werden laut Bundesamt für Naturschutz 15 aquatisch lebende, invasive Arten in einer „Schwarzen Liste“ geführt. Auf dieser sind  Arten vermerkt, die sich bereits etabliert haben, sich also vermehren und ausbreiten können und heimische Arten verdrängen. Die Dunkelziffer könnte jedoch regional womöglich beträchtlich höher sein. Neben bekannten Arten wie der Regenbogenforelle sind es vor allem die unbekannten Arten, die schnell problematisch werden.

Um die Öffentlichkeit für dieses Problem zu sensibilieren, wurden 2010 für ­Österreich und Deutschland jeweils schwarze Listen erstellt, in der Arten aufgelistet wurden, die heimische Arten direkt gefährden oder Lebensräume verändern. Sie enthalten eine Unterkategorie, die sogenannte „Alert List“, die definitiv invasive Arten festhält. In dieser wird zwischen der „Aktionsliste“ (wildlebend vorkommende invasive Arten, deren Vorkommen jedoch kleinräumig ist und für die Bekämpfungsmaßnahmen bekannt sind) und einer „Managementliste“ (invasive Arten, die kleinräumig verbreitet sind, es jedoch keine geeigneten Kontrollmaßnahmen gibt) unterschieden.

Hinzu kommt eine sogenannte „Watch List“, quasi eine „Graue Liste“, auf der Arten festgehalten werden, die noch nicht wildlebend vorkommen, bei denen es jedoch wahrscheinlich ist, dass sie in Deutschland oder Österreich invasiv werden. In den Niederlanden sind zurzeit 26 gebietsfremde Fischarten vorhanden. Davon sind in etwa 50 Prozent gewollte Einführungen wie zum Beispiel der Zander. Andere Fälle sind aus Aquakultur oder Aquarien entkommene Arten, wie zum Beispiel der kleine Hundsfisch (Umbra pygmaea), der Sonnenbarsch (Lepomis gibbosus) oder ungewollt eingewanderte Arten wie viele Grundeln, die von der Durchgängigkeit der europäischen Wasserstraßen profitieren. In der Schweiz sind zurzeit 15 eingeführte Arten präsent. Beeindruckender Weise machen diese 15 Arten dort ganze 25 Prozent der derzeitigen Fischarten aus.

Andere Länder

Während wir im mitteleuropäischen Raum bereits Probleme mit invasiven Arten haben, warten vor allem in den südeuropäischen Ländern weitere Arten. Doch sind es nicht nur die Fische wie der getüpfelte Gabelwels (Ictalurus punctatus) oder der Koboldkärpfling (Gambusia affinis), die für uns gefährlich werden könnten. Vielmehr sind es Arten, wie der laichfressende, ungenießbare Große Höckerflohkrebs (Dikerogammarus villosus) oder die Rohre verstopfende Zebramuschel (Dreissena polymorpha), die vielerorts schon da sind. Schon jetzt beeinflussen sie Lebensgemeinschaften unter Wasser stark. In Zukunft könnten sie durch die globale Erwärmung allerdings zu einem noch viel größeren Problem werden.

Nicht nur gebietsfremde Arten sind ein Problem, ­sondern auch heimische Arten, die in für diese Art gebietsfremde Gewässer eingesetzt wurden – so zum Beispiel das Rotauge in der Schweiz. Sie gelten dort zwar als heimisch, konkurrieren aber in Gewässern, in die sie besetzt wurden und in denen sie zuvor nicht vorkamen, mit angestammten Arten. Im Folgenden haben wir wichtige Vertreter von nicht ­heimischen Arten aufgelistet, beschrieben und die potenzielle Gefährdung verdeutlicht.

Einflüsse invasiver Arten und Risiken

  • Konkurrenz mit einheimischen Arten

    Fremde Arten konkurrieren mit einheimischen Arten in der Regel um Nahrung sowie um sichere Standplätze, um Fressfeinden zu entgehen, oder um Fortpflanzungsplätze. Hinzu kommt oftmals eine typischerweise hohe Fortpflanzungsrate, wodurch der Druck auf heimische Arten erneut steigt. Außerdem sind einige der invasiven Arten starke Laichräuber, die den Laich einheimischer Fische fressen.

  • Fraßdruck

    Eine schnelle Reproduktion führt zu steigendem Fraßdruck. Dabei haben fremde Arten oft Vorteile. Invasive Katzenwelse haben beispielsweise Stacheln, die sie für heimische Arten unverzehrbar machen, fressen andersherum jedoch gerne die Brut anderer Arten.

  • Veränderung der Umgebung

    Fraß an Algen, Pflanzen und anderen niederen Lebewesen verändern die Zusammensetzung einer Gemeinschaft. Manche Arten fressen Pflanzen in einem Ausmaß, dass nicht durch Nachwachsen kompensiert werden kann. Dadurch erhöht sich die Fließgeschwindigkeit und die Wassertrübung nimmt zu. Pflanzliches Plankton, das nicht von Fischen gefressen wird, gewinnt die Überhand (zum Beispiel bei hohen Beständen von Graskarpfen). Andererseits fressen manche invasiven Fischarten auch große Mengen Zooplankton, wodurch der Nährstoffgehalt in einem Gewässer unweigerlich gesteigert wird (zum Beispiel bei hohen Beständen von Silber-/Marmorkarpfen).

  • Kreuzungen

    Eingeschleppte Arten können unter Umständen nahe mit heimischen Arten verwandt sein, wodurch sogenannte „Hybride“ entstehen können. Wir kennen das von vielen Weißfisch-­Hybriden in Deutschland, deren Identifikation oftmals nicht leicht ist.

  • Finanzieller Schaden

    Ist der geliebte Zielfisch weg, leidet die Region an weniger Angeltourismus, hat weniger Einnahmen. Ein gutes Beispiel ist Italien. Zunehmend schlechte Wasserqualität dank invasiver Arten und mangelnde Wasseraufbereitung führte zu einer Dominanz an Welsen, wodurch vielerorts Arten wie der Hecht regional vollständig verdrängt wurden.

  • Kultureller Schaden

    Traditionen können eng mit spezifischen Arten zusammenhängen. Seien es Aale, Süßwasser­krebse oder ein regional sehr beliebter Speise­fisch. Der starke Rückgang solcher Arten wird meist besonders stark wahrgenommen.

Auf der nächsten Seite zeigen wir Dir, welche Fische in unseren Gewässern als invasive Arten gelten. 

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