Angeln in der Hohenwartetalsperre: Ein Gewässer mit viel Potenzial

Wunderschön in Tälern eingebettet liegt die Hohenwartetalsperre am Fuß des Thüringer Waldes. Hier ließe es sich wunderbar abschalten, würde es nicht unter und an der Oberfläche mächtig brodeln. Das Angeln in der Hohenwartetalsperre hat viel Potenzial. Florian Pippardt kennt das Gewässer schon seit einigen Jahren und zeigt euch, was hier alles möglich ist.

Beim Angeln in der Hohenwartetalsperre ist für jeden Angler etwas dabei. Egal ob Hecht, Zander oder Karpfen: Hier findet jeder sein Ziel- und vielleicht sogar auch Traumfisch. Foto: BLINKER/J. Radtke

Beim Angeln in der Hohenwartetalsperre ist für jeden Angler etwas dabei. Egal ob Hecht, Zander oder Karpfen: Hier findet jeder sein Ziel- und vielleicht sogar auch Traumfisch. Foto: BLINKER/J. Radtke

Das Echolot zeigt eine unregelmäßige Struktur in etwa 20 Meter Tiefe an. Guide Sven bemerkt meinen fragenden Blick: „Das ist Preßwitz.“ Wie, Preßwitz? Das ist aber ein komischer Name für ein Plateau. Er lacht – nein, Preßwitz war ein Dorf. Es wurde durch das Anstauen der Saale überschwemmt und liegt nun in der schwarzen Tiefe des Hohenwartestausees. Noch vor etwa 80 Jahren haben hier Menschen gelebt, jetzt stehen vor allem große Waller und Zander in den Trümmern der Häuser und Kirchen. Die Hohenwarte hat mich schon immer fasziniert. Ich bin in der Nähe aufgewachsen und habe hier in den Sommerferien viele Wochen verbracht und natürlich durfte das Angeln in der Hohenwartetalsperre dabei auch nicht fehlen.

Die viertgrößte Talsperre Deutschlands ist Teil der Saalekaskade und liegt mitten im Herzen Thüringens. Es ist noch keine 100 Jahre her, da mäanderte nur ein kleines Flüsschen durch das tiefe Tal – die Saale. Im Jahr 1936 wurde dann unweit des Dorfes Hohenwarte eine 70 Meter hohe Betonmauer in die Landschaft gebaut und alle umliegenden Dörfer evakuiert. Wie ein Norwegischer Fjord schlängelt sich der Stausee jetzt durch die Region am Fuße des Thüringer Waldes, immer dem Flusslauf folgend.

Auffallend sind vor allem das glasklare Wasser und die steilen Schieferwände, die sich am Rand des ehemaligen Saalelaufs entlangziehen. In den großen Kurven befinden sich einige Landzungen, die sich flach bis in die Seemitte erstrecken. An ihren Enden fallen sie abprupt und steil in die dunkle Tiefe ab. Der Grund des bis zu 70 Meter tiefen Gewässers ist überwiegend fest, er besteht entweder aus Schiefer oder Sand mit einzelnen Steinfeldern und Totholz.

Die historische Aufnahme zeigt gut, wie der Drachenschwanz unter Wasser ­verläuft. Auch die Landspitze rechts vor dem Campingplatz Droschkau fällt sehr gemächlich ab, ehe sie vor der Steilwand gegenüber steil abbricht. Foto: Archiv/ F.Pippard

Die historische Aufnahme zeigt gut, wie der Drachenschwanz unter Wasser ­verläuft. Auch die Landspitze rechts vor dem Campingplatz Droschkau fällt sehr gemächlich ab, ehe sie vor der Steilwand gegenüber steil abbricht. Foto: Archiv/ F.Pippardt

Urige Großzander beim Angeln in der Hohenwartetalsperre

Zu DDR-Zeiten war der Stausee mit Nährstoffen überfrachtet und daher stark eingetrübt. Deshalb wurden damals tonnenweise Marmorkarpfen besetzt. Die Algenfresser sollten die Wasserqualität verbessern. Die Marmorkarpfen wurden in den vergangenen 30 Jahren sehr selten gefangen. Lediglich als gelegentlicher Beifang beim Karpfenangeln kam ab und an mal einer der Riesen, die oft über 20 Kilogramm wiegen, zum Vorschein. Trotz ihres fortgeschrittenen Alters erledigen sie ihren Job zuverlässig und filtern schwebende Organismen aus dem, auch dank ihnen, wunderbar klaren Seewasser.

Ein großer Kescher ist am Stausee Pflicht. Besonders beim Freiwasserwerfen ist man vor großen Überraschungen nicht sicher. Foto: BLINKER/F. Pippardt

Ein großer Kescher ist am Stausee Pflicht. Besonders beim Freiwasserwerfen ist man vor großen Überraschungen nicht sicher. Foto: BLINKER/F. Pippardt

Vor allem die Verringerung der eingeschwämmten Nährstoffe durch Kläranlagen und weniger Industrie-Abwässer ist für die heute gute Wasserqualität verantwortlich. Für den Fischbestand hatte das klarer gewordene Wasser Folgen: Der ehemals immense Zanderbestand hat beträchtlich abgenommen, andere Arten sind hingegen auf dem Vormarsch.

Dennoch: Wer weiß, wo die Zander jagen, hat beim Angeln in der Hohenwartetalsperre regelmäßig Erfolg – und der hat es in sich! Wo es früher um Stückzahlen ging, ist es heute die Größe der Fische, die das Gewässer für Zanderangler interessant macht. Effektiv ist es, die flacheren Bereiche der Landzungen in der Dämmerung und nachts mit Gummifischen oder Wobblern abzuwerfen. Auch tagsüber sind gute Zanderfänge drin, nur eine Etage tiefer, gern im Bereich der steilen Kantenfüße.

Zander werden entweder im Dunkeln an den flachen Landzungen oder tagsüber im Freiwasser sowie in der Tiefe gefangen. Foto: S.Nicklas

Zander werden entweder im Dunkeln an den flachen Landzungen oder tagsüber im Freiwasser sowie in der Tiefe gefangen. Foto: S.Nicklas

Gute Zander-Stellen, sind das Plateau in der Nähe des Campingplatzes Portenschmiede oder das stillgelegte Conrod-Kraftwerk bei Ziegenrück. Viele der urigen, fast schwarzen Großzander halten sich allerdings mitten im Freiwasser vor den Steilwänden auf. Mit Beharrlichkeit und großen Gummifischen von über 20 Zentimeter könnt ihr hier sogar 90er Fische erwischen.

Top für Hecht

Das klare Wasser mag dem Zander missfallen, der Hecht hingegen fühlt sich immer wohler. Seine Bestände sind in jüngerer Vergangenheit förmlich explodiert. Nach der Schneeschmelze im Frühjahr steht das Wasser der Talsperre hoch und überspült die Wiesen der Landzungen und flachen Buchten. Dadurch finden Hechte ideale Möglichkeiten, sich zu vermehren. Sie ernähren sich von Brassen, Barschen und Rotaugen.

Die Hechte fühlen sich im klaren Wasser wohl. Anfang Mai fängt man sie im Flachwasser, später im Jahr ziehen vor allem die größeren Fische ins Freiwasser. Foto: S. Niklas

Die Hechte fühlen sich im klaren Wasser wohl. Anfang Mai fängt man sie im Flachwasser, später im Jahr ziehen vor allem die größeren Fische ins Freiwasser. Foto: S. Nicklas

Vor einiger Zeit wurde zudem die kleine Maräne besetzt, sie stellt eine ideale Futterquelle für Hechte im Freiwasser dar. Top Frühjahrs-Stellen bei hohem Wasserstand sind zum Beispiel die vielen überhängenden Bäume rund um den Drachenschwanz und die flache Landzunge vor dem Campingplatz Droschkau. In den wärmeren Monaten ist das Freiwasserangeln im tiefen Wasser vor der Staumauer vor allem für große Fische überraschend erfolgreich. Auch lohnt es sich, die steilen Uferkanten anzuwerfen. Vor dem Anstauen gab es hier ganze Wälder, heute regieren in ihren Überresten die Hechte.

Im tiefen Wasser vor der Staumauer lohnt sich das Angeln mit großen Ködern im Freiwasser. Auch wenn man sich zunächst ein wenig zu dieser Angelei überwinden muss: Es funktioniert! Foto: BLINKER/J. Radtke

Im tiefen Wasser vor der Staumauer lohnt sich das Angeln mit großen Ködern im Freiwasser. Auch wenn man sich zunächst ein wenig zu dieser Angelei überwinden muss: Es funktioniert! Foto: BLINKER/J. Radtke

 

Die Hohenwartestausee ist ein Barschparadies

Ähnlich wie der Hecht, fühlt sich auch der Barsch im klaren Hohenwarte-Wasser sehr wohl. Sie finden ideale Lebensbedingungen – viele Steinfelder, Plateaus und Futterfisch in rauen Mengen. Besonders im Sommer sieht man die Barsche den gesamten Tag vor der Uferkante rauben. Sie drücken kleine Rotaugen die Steilwände hinauf und attackieren diese dann oberflächennah. So kommt es vor, dass man die Barsche über 40 Meter Wassertiefe direkt an der Oberfläche fangen kann.

Super funktionieren auch kleine Köderfische, die an einer leichten Posenmontage einfach neben dem Boot auf vier, fünf Meter Tiefe anbietet. Einheimische Angler fischen auch gezielt mit der Fliegenrute und großen Streamern auf Dickbarsch. Die Räuber wachsen durch das gute Nahrungsaufkommen in Form von Kleinfischen und Krebsen, super ab. Gute Stellen für Barsch sind unter anderem das Plateau vor der Portenschmiede, die Landspitze vor dem Wasserskizentrum Neidenberga und der Unterwasserberg gegenüber der Schäferwiese. Wenn die Fische richtig aktiv jagen, können sie aber fast überall im See ganz plötzlich auftauchen, ein paar Minuten die Rotaugen terrorisieren und genauso schnell wieder verschwinden – jetzt solltet auch ihr flexibel und mobil sein.

Guide Sven und Autor Florian auf dem Weg zum nächsten Barsch-Spot. Foto: BLINKER/J. Radtke

Guide Sven und Autor Florian auf dem Weg zum nächsten Barsch-Spot. Foto: BLINKER/J. Radtke

Vielfältige Möglichkeiten im Hohenwartestausee

Natürlich kommen auch Friedfischangler auf ihre Kosten. Beim Nachtangeln in der Hohenwartetalsperre werden von Mai bis August wirklich dicke Aale gefangen, meist auf Grund in den flachen Bereichen, gern bei Bacheinmündungen, oder bei hohem Wasserstand direkt an Büschen. An denselben Stellen fängt man auch dicke Karpfen, Schleien und Brassen auf Frolic, Wurm, Boilie oder Mais. Durch die Steilwände haben es Uferangler nicht leicht am Stausee. Die besten Möglichkeiten findet ihr in den Bereichen um den Fähranleger Linkenmühle, die Lothrabucht, die Otterbucht, den Drachenschwanz und natürlich bei den Zeltplätzen Portenschmiede und Droschkau.

Seit kurzem taucht eine weitere Fischart immer wieder auf: der Wels. Der erste Waller wurde direkt vor der Felswand gegenüber des Zeltplatzes Droschkau von Tauchern entdeckt. Aus dem Einzelfund wurde schnell Normalität. Ich habe beim Nachtangeln schon kleine Waller in direkter Ufernähe beobachten können. Die Beifänge beim Ansitzen sowie Spinnfischen nehmen beständig zu. Bei gleichbleibender Entwicklung könnte die Angelei an dem wunderschönen See binnen der nächsten zwei, drei Jahre so noch interessanter werden.

as Conrod-Kraftwerk ist seit dem Jahr 1960 außer Betrieb. Direkt davor befindet sich unter Wasser ein felsiges Plateau. Foto: BLINKER/F. Pippardt

Das Conrod-Kraftwerk ist seit dem Jahr 1960 außer Betrieb. Direkt davor befindet sich unter Wasser ein felsiges Plateau. Foto: BLINKER/F. Pippardt

Bestimmungen und Angelkarten für das Angeln in der Hohenwartetalsperre

  • Erlaubnisscheine sind im Internet unter www.lavt.de erhältlich.
    Außerdem bei:
  • Posselts Angelhütte
    Preßwitzer Str. 18
    07338 Hohenwarte
    Tel.: 036733 22304
    www.angelhuette.de
  • Ruby’s Anglertreff
    Friedrich-Engels-Straße 62
    99086 Erfurt
    Tel.:0361-6431323
    www.rubys-anglertreff.de
  • Der Sportfischer – Fa. Pietrock
    Friedhofstraße 12
    07985 Elsterberg
    036621-24402
    www.elsterberger-sportfischer.de
  • Campingplatz Portenschmiede
    Ortsstraße 21a
    07389 Wilhelmsdorf
    www.elsterberger-sportfischer.de
  • Angelspezi Erfurt
    Weimarische Str. 22a
    99099 Erfurt
    0361 51884881
    www.spezi-erfurt.com
  • Preise
    Für DAFV-Mitglieder kostet eine Tageskarte 14, die Zweitageskarte 24, die Wochenkarte 44 und die Jahreskarte 160 Euro. Seid ihr nicht organisiert, kostet die Tageskarte 18, die Zweitageskarte 32, die Wochenkarte 58 und die Jahreskarte 260 Euro.
  • Mindestmaße/ Schonzeiten
    Aal 50 cm / 01.11–28.02.
    Bach- und Regenbogenforelle 30 cm / 01.10.–31.03.
    Hecht 55 cm / 15.02.–30.04.
    Karpfen 45 cm
    Schleie 30 cm
    Zander 55 cm / 15.02.–31.05.

    Bootsangeln

    Ihr dürft ausschließlich vom verankerten Boot angeln. Ein GPS-Anker ist auch erlaubt. Das Echolot darf nur zur Stellensuche verwendet werden und ist beim Angeln in der Hohenwartetalsperre Angelns auszuschalten. Das Befahren des Stausees mit Verbrennermotoren ist nur vom 01.03.–30.11. gestattet (Mo. bis Fr. 09–20 Uhr, Sa. bis So. 09–12.30 Uhr und 14.30–20 Uhr). Die Benutzung von Elektromotoren ist ganzjährig gestattet.

  • Guide & Boot
    Sven Nicklas angelt seit seiner frühesten Kindheit an den Talsperren der Saalekaskade. Der sympathische Thüringer gibt seine Erfahrung und Gewässerkenntnisse gern an seine Guidinggäste weiter. Er vermietet außerdem top ausgerüstete Boote Tages- oder Wochenweise für einen fairen Preis. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter folgender Adresse: www.nicklas-fishing-adventure.de
  • Weitere Regelungen für das Angeln in der Hohenwartetalsperre findet Ihr auf dem Erlaubnisschein.


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