Wasserkraft in Österreich: Tod für Millionen Fische

Wasserkraft deckt in Österreich fast 30% des Stroms, den Preis zahlen im Jahr etwa 200 Millionen Fische. WWF und Tiroler Fischereiverband fordern Maßnahmen.

Durch Wasserkraft sterben in Österreich jährlich laut einer Schätzung bis zu 200 Millionen Fische. Besonders der Bestand der Äsche ist bedroht. Foto: FliegenFischen / W. Hauer

Bild: FliegenFischen / W. Hauer

Durch Wasserkraft sterben in Österreich jährlich laut einer Schätzung bis zu 200 Millionen Fische. Besonders der Bestand der Äsche ist bedroht.

Wasserkraft hat in Österreich einen enormen Anteil der Stromversorgung. Im Jahr 2019 stammte über ein Viertel (28%) der erzeugten Energie aus Wasser. Was zunächst nach nachhaltiger und grüner Energie klingt, hat jedoch eine blutige Kehrseite. Jedes Jahr sterben durch die Wasserkraft Millionen von Fischen.

Wasserkraft in Österreich tötet Millionen Fische

Der gefährlichste Faktor ist dabei eine Technik, bei der der Wasserpegel innerhalb kurzer Zeit steigt und dann absinkt. Dieser „Schwall-Sunk-Betrieb“ stellt für Fische eine extreme Belastung dar. Besonders Jungtiere können nicht schnell genug schwimmen, um sich dem schwankenden Wasserstand anzupassen. Bei steigendem Wasser fliehen sie vor der schnellen Strömung in Richtung Ufer. Sinkt es wieder ab, bleiben viele von ihnen dort zurück und verenden. Auch Fischlaich ist von dieser Technik betroffen. Das erhöht den Druck auf die Fischbestände enorm.

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Für Bettina Urbanek, Gewässerschutzexpertin beim WWF, und Zacharias Schähle vom Tiroler Fischereiverband ist dies „die andere Seite der Wasserkraft“. Schähle, Landesgeschäftsleiter beim Verband, schätzt, dass pro Jahr etwa 200 Millionen Fische auf diese Weise den Tod finden. Die Zahl ergibt sich aus einer Untersuchung, die an einem Abschnitt der Drau durchgeführt wurde. In Österreich sind durch Wasserkraft 67 Strecken schwallbelastet, das sind 275 Flusskilometer. Bekannt ist das in Österreich offenbar seit über 20 Jahren – doch unternommen haben die Verantwortlichen bisher nichts.

Fischbestände sind akut gefährdet

Schähle gibt an, dass an einigen Strecken der Wasserstand mehrmals am Tag um 1,5 Meter steige und sinke. Der Bestand vieler Arten sei durch die Wasserkraft in Österreich gefährdet. Als Beispiel nennt er die Äsche.

Im Video ist zu sehen, welche Auswirkungen der Schwall-Sunk-Betrieb auf die Umwelt hat. Der Gewässerboden wird aufgewirbelt, der Wasserstand steigt und sinkt rapide. Junge und ausgewachsene Fische können nicht schnell genug folgen. Sie bleiben an der Luft zurück und winden sich im Todeskampf. Es handelt sich um einen Ausschnitt aus der Dokumentation „Was Fische wollen“ von Christoph Walder.

WWF und Fischereiverband stellen Forderungen zu Wasserkraft in Österreich

Um die Belastung auf Fischbestände und Umwelt zu verringern, stellen WWF und Tiroler Fischereiverband zwei Forderungen.

Schwallbetrieb verringern, Schonzeit einrichten

Erstens sollen die Werke den Schwallbetrieb zumindest verringern und während einer Schonzeit von neun Wochen ab Ende Mai komplett aussetzen. Als Beispiel verweist Schähle auf die Provinz British Columbia in Kanada: Dort ist der Schwallbetrieb verboten.

Schwallbetrieb strenger regeln

Die zweite Forderung lautet, den Schwallbetrieb strenger zu regeln – oder überhaupt zu regeln. Derzeit ist diese Methode für Wasserkraft in Österreich nämlich weder explizit erlaubt noch verboten. Urbanek und Schähle begründen dies auch damit, dass die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie erreicht werden sollen. Diese sieht vor, den Zustand aller Gewässer in Europa und somit auch Österreich zu verbessern. Auch in Deutschland ist die Umsetzung der WRRL bisher als miserabel anzusehen.

Laut der österreichischen Tageszeitung „Die Presse“ sind die Strombetreiber des Landes sich des Problems bewusst. Christian Zwittnig, Sprecher der Dachorganisation „Österreichs Energie“, gab jedoch an, dass sich das Problem so einfach nicht lösen lasse. Die Pumpspeicherwerke seien ein „zentraler Bestandteil der Energieversorgung“. Sie werden aktiviert, um das Stromnetz im Land stabil zu halten – Österreich sei auf diese Wasserkraft angewiesen.

Quelle: Tiroler Fischereiverband


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