Lachslaus: Parasit gefährdet Fischbestand und lässt Preise steigen

100 Millionen Lachse drängen sich in den Käfigen der norwegischen Lachsfarmer. Lachsläuse vermehren sich explosionsartig in den Netzkäfigen, ein Paradies für Parasiten. In zunehmendem Maße verlausen auch die wilden Fische.

Der wenige Millimeter große Lachslaus sorgt dafür, dass sich die Preise für Zucht-Lachse drastisch erhöhen. Foto:pb/privat

Der wenige Millimeter große Lachslaus sorgt dafür, dass sich die Preise für Zucht-Lachse drastisch erhöhen. Foto:pb/privat

Lachsfarmen in Norwegen stehen immer wieder in der Kritik, besonders aufgrund der negativen Auswirkungen auf die natürlichen Bestände von Wandersalmoniden. Die Käfighaltung gilt demnach als Brutstätte für die Lachslaus (Lepeophtheirus salmonis), durch die unzählige Zuchtlachse und Wildfische in jedem Jahr verenden. Laut Norwegian Seafood Council starben im Jahr 2016 circa 53 Millionen Tiere an den Parasiten. Und auch in diesem Jahr machen die Läuse den Lachsproduzenten erhebliche Probleme und lassen die Preise des beliebten Speisefisches drastisch steigen.

Lachslaus lässt Preise explodieren

Mittlerweile beträgt der Exportpreis für ein Kilogramm Lachs rund 7,40 Euro. Im Jahr 2015 betrug der Preis noch 5,80 Euro. Der Grund für den drastischen Preisanstieg ist neben der Nachfrage auch die Bekämpfung der Lachslaus. Mit circa 20 Prozent Marktanteil ist der Lachs der beliebteste Speisefisch in Deutschland und diese Fische stammen zu 90 Prozent aus den großen Lachsfarmen in Norwegen. Lachsläuse sind Parasiten, die von der Haut und vom Blut der Lachse leben. Sie schwächen die Fische und machen sie anfällig für Krankheiten, woran sie dann meistens verenden. Wenn Lachse zu Tausenden in den Netzkäfigen gehalten werden, sind diese Farmen besonders vom Befall gefährdet.

Lachsfarmen in Norwegen sind wahre Brutstätten für Lachsläuse. Foto: pb/ privat

Lachsfarmen in Norwegen sind wahre Brutstätten für Lachsläuse. Foto: pb/ privat

Maßnahmen zur Bekämpfung der Lachslaus

Zur Bekämpfung der ungeliebten Parasiten hat die norwegische Firme Egersund Net jetzt einen völlig neuartigen Netzkäfig entwickelt. Der Clou: In dem sogenannten Schnorchelkäfig halten sich die Fische die meiste Zeit in Bereichen bis etwa 25 Meter Wassertiefe auf. Dort ist die Parasitendichte weitaus geringer. Die ausgeklügelte Konstruktion erlaubt jedoch gleichzeitig den Zugang zur Wasseroberfläche, was für die Lachse ebenfalls überlebenswichtig ist.

Bisherige Tests verliefen sehr erfreulich, die auf Lachsen gemessene Parasitendichte in Schnorchelkäfigen war bis zu 95 Prozent geringer als in herkömmlichen Gehegen. Die innovativen Käfige werden jetzt erstmals auch in kommerziellen Lachsfarmen eingesetzt.

Wie Spiegel Online berichtet, sollen auch „Putzerfische“ gegen die Lachsläuse eingesetzt werden. Diese sollen mit den Lachsen in die Käfige gesetzt werden, wo sie die Läuse von den Fischen fressen. Einige norwegische Lachsproduzenten züchten mittlerweile ihre eignen „Putzerfische“, die den Befall eindämmen sollen.

Eine Lachs-Laus richtet keinen Schaden an, doch befallen 10 dieser Krustentiere einen Junglachs, wird es für ihn lebensbedrohlich! Foto: BLINKER/E. Hartwich

Eine Lachs-Laus richtet keinen Schaden an, doch befallen 10 dieser Krustentiere einen Junglachs, wird es für ihn lebensbedrohlich! Foto: BLINKER/E. Hartwich

Laser gegen Lachsläuse

Auch Hightech macht in der Lachs-Industrie fortschritte. Mit einem Hochleistungslaser sollen die Läuse einfach von den Fischen geschossen werden. Mit einer präzisen Technologie wird das Gerät zu den Lachsen herabgelassen. Eine Kamera scannt die Läuse auf den Fischen und löst einen kurzen Laserimpuls aus, der das Gewebe des Parasiten zerstört, ohne den Fisch zu schädigen. Der Nachteil: Diese Technologie ist sehr teuer. Zunächst bleibt abzuwarten, welcher dieser Maßnahmen sich durchsetzten wird, um das Problem Lachslaus in den Griff zu bekommen. Spätestens im nächsten Jahr werden die neuen Lachs-Preise zeigen, ob sich der Aufwand gelohnt. Solange kann man auch gerne mal auf heimische Fische zurückgreifen und sich schmecken lassen.

Medikamente kein Allheilmitel

Vier der größten Supermarktketten in Norwegen haben angekündigt, gefarmte Lachse aus Netzkäfigen im Salzwasser nicht mehr zu verkaufen. Der Grund: Die Fische sind vollgestopft mit Medikamenten und zerstören die Gene der uralten Lachspopulationen aus Norwegens Flüssen. Damit folgen die Marktketten den Argumenten von Wissenschaftlern und jener Kunden, die schon lange gefarmte Lachse nicht mehr kaufen. Das könnte böse Folgen für die Lachsfarm-Industrie haben. Sie wehrt sich gegen Vorwürfe der Qualitätsminderung durch Antibiotika und ungeeignetem Futter, zu vieler Fische in zu engen Käfigen und Verunreinigungen des Meeresbodens.

280 Lachsfarmen rund um Bergen, 2.000 Lachsfarmen in Norwegen – und jede produziert bis zu 1.000.000 Farmlachse pro Jahr!

280 Lachsfarmen rund um Bergen, 2.000 Lachsfarmen in Norwegen – und jede produziert bis zu 1.000.000 Farmlachse pro Jahr!

Die Kritiker hingegen veröffentlichen Untersuchungen mit Bildern von Lachsen, die von Lachsläusen übersät sind und Dorschen, die unter den Netzen das durchfallende Futter und Kot aufnehmen und im Magen-Darmtrakt nur noch eine übel riechende braune Masse vorweisen. Damit sich alles zum Besseren wende, wurde in Irland die NSFAS (No Salmon Farms at Sea = keine Lachsfarmen mehr im Meer) von Wissenschaftlern, Umweltschützern und Laien gegründet. Sie propagieren die Lachszucht in geschlossenen Aquakulturen zur besseren Kontrolle aller Einflüsse. Doch das kostet Geld, viel Geld. Da wundert es nicht, wenn Donal Maguire vom Irischen Sea Fisheries Board dagegen argumentiert und ankündigt: „Wir wollen Europas größte Lachsfarm in der Galway-Bucht bauen und dort pro Jahr 15,ooo Tonnen Lachs produzieren“ Damit wird in Irland die jährliche Lachszuchtkapazität verdoppelt.


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ANGELSEE-aktuell 03/2019

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