Fischotter in Bayern verursacht immer größere Schäden

Der Fischotter hat sich in Bayern stark ausgebreitet, Teichwirte klagen über Schäden. Nun gerät er auch ins Visier der Politik. Ein Gespräch mit Ministerin Michaela Kaniber. – von Kilian Pfeiffer

Der Fischotter ist geschützt, aber viele Angler halten ihn für den Rückgang von Fischbeständen verantwortlich. Foto: pixabay

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Der Fischotter ist geschützt, aber viele Angler halten ihn für den Rückgang von Fischbeständen verantwortlich.

Ob Berchtesgadener Land, Oberpfalz oder Niederbayern: Die Fischer klagen laut, weil die Schäden durch den Fischotter von Jahr zu Jahr steigen. Im vergangenen Jahr lagen sie bei 2,7 Millionen Euro. „Die Entwicklung macht mir große Sorgen“, sagt die für die Fischerei zuständige Staatsministerin Michaela Kaniber im Gespräch. Eine seit Jahren geforderte, gezielte Fischotterentnahme existiert aber noch immer nicht. Das Gespräch führte Kilian Pfeiffer.

Fischotter in Bayern: Ministerin Michaela Kaniber im Gespräch

Frau Staatsministerin, können Sie sich erinnern, wie lange es her ist, als Sie das Fischottersymposium in Bad Reichenhall besuchten?

Michaela Kaniber: Ja, natürlich, das war das Fischotter-Symposium des Bezirksfischereivereins Saalachtal. Das war Ende März 2018 und ich kann mich gut daran erinnern, weil ich da als frischgebackene Landwirtschaftsministerin hingefahren bin. Ministerpräsident Dr. Markus Söder hatte mich erst wenige Tage vorher ins Kabinett berufen.

Fischereiministerin Michaela Kaniber, hier bei einem Besuch in Bischofswiesen. Foto: Kilian Pfeiffer

Bild: Kilian Pfeiffer

Fischereiministerin Michaela Kaniber, hier bei einem Besuch in Bischofswiesen.

Damals warnten Sie bereits vor dem Fischotter, dessen zunehmender Population und steigenden Schadenssummen. Was ist in diesen fünf Jahren auf politischer Bühne in Sachen Otter eigentlich passiert?

Kaniber: Naja, mit dem Problem war ich als Stimmkreisabgeordnete auch schon befasst, bevor ich ins Kabinett kam. Aber als Landwirtschaftsministerin war ich dann unmittelbar für die Fischerei zuständig. Der Fischotter hat sich in dieser Zeit extrem vermehrt und ausgebreitet. Experten schätzen anhand unseres bisherigen Monitorings allein für die beiden Regierungsbezirke Niederbayern und Oberpfalz einen Bestand von 650 Tieren. Da diese Datenerhebungen schon ein paar Jahre alt sind, gehen wir eher von höheren Zahlen aus. Der Fischotter hat damit in großen Teilen Bayerns bereits einen guten Erhaltungszustand erreicht. Die Staatsregierung war in den letzten fünf Jahren aber nicht tatenlos. Der Bayerische Fischottermanagementplan wurde immer wieder erweitert und den Bedürfnissen entsprechend angepasst. Wir haben die Verwaltung personell verstärkt, mit einem Fischottermanager und vier Fischotterberatern.

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„Wir lassen unsere Teichwirte nicht im Stich“

Und in finanzieller Hinsicht?

Kaniber: Finanziell lassen wir unsere Teichwirte nicht im Stich: Wir fördern Zaunbaumaßnahmen aktuell mit 60 statt wie bisher mit 50 Prozent. Wir zahlen außerdem jedes Jahr über eine Million Euro Ausgleich für Fischotterschäden, ab dem Schadensjahr 2022 sogar etwa zwei Millionen Euro. Damit leisten wir über die ersten drei Säulen des Fischottermanagementplans einen wichtigen Beitrag, um die Teichwirte bestmöglich bei Fischotterschäden zu unterstützen. Mit dem Bayerischen Kulturlandschaftsprogramm unterstützen wir die extensive Teichwirtschaft zusätzlich finanziell.

Vor allem in der Oberpfalz wütet der Fischotter bereits massiv. Auch in Ihrer Heimat, dem Berchtesgadener Land, gibt es klagende Teichwirte, die um ihre Bestände kämpfen. Wie hoch sind eigentlich die Schäden allerorten?

Kaniber: Die Entwicklung macht mir echt große Sorgen. Sowohl die Schadensmeldungen als auch die Schadenssumme steigen leider jedes Jahr weiter an. Letztes Jahr lagen die Schäden vermutlich in einer Höhe von 2,7 Millionen Euro. Aber unser Signal ist klar: Wir lassen die Teichwirte damit nicht alleine.

Im Schnee erkennt man Fischotterspuren am besten. In Bischofswiesen ist das Tier immer wieder ungebetener Gast. Foto: Kilian Pfeiffer

Bild: Kilian Pfeiffer

Im Schnee erkennt man Fischotterspuren am besten. In Bischofswiesen ist das Tier immer wieder ungebetener Gast.

Kaniber richtet Appell an Teichwirte

Welchen Rat geben Sie einem Teichwirt, der um seine Fische bangt?

Kaniber: Ich kann Bayerns Teichwirten nur raten, sich aktiv am Fischottermanagementplan zu beteiligen. Und bitte darum, entstandene Fischotterschäden unbedingt anzumelden. Immerhin können wir 60 bis 80 Prozent der Schäden ausgleichen. Dazu möchte ich noch einen Appell an die Teichwirte richten: Durchhalten und bitte nicht aufgeben. Wir brauchen unsere Teichwirte, die uns mit regionalen Lebensmitteln versorgen und die wertvolle Teichlandwirtschaft erhalten. Ihre Arbeit ist so wichtig.

Wenn aber Zäune und Abwehrmaßnahmen nichts nützen und die Erwerbsgrundlage in Gefahr ist, scheint eine Entnahme des Fischotters die einzige Möglichkeit …

Kaniber: Die Entnahme ist sicher das letzte Mittel, aber auch das muss man anwenden dürfen. Leider wurde ein Entnahmeprojekt von zwei Otterschutzverbänden vor Gericht beklagt. Aktuell läuft das Berufungsverfahren und wir sammeln neben den bereits vorhandenen Zahlen weitere Bestandsdaten, um gemeinsam mit dem Umweltministerium die Entnahme in besonders stark betroffenen Gebieten voranzubringen. Bayern ist das aktuell einzige Bundesland, das diesen Weg beschreitet.

Teichwirt Thomas Resch aus Bischofswiesen hat durch den Fischotter bereits tausende Fische verloren. Foto: Kilian Pfeiffer

Bild: Kilian Pfeiffer

Teichwirt Thomas Resch aus Bischofswiesen hat durch den Fischotter bereits tausende Fische verloren.

Fischotter steht in Bayern nach wie vor unter Naturschutz

Der Fischotter genießt weiterhin hohen Schutzstatus. Naturschützer fahren schwere Geschütze auf. Was entgegnen Sie denen?

Kaniber: Wir sind mit den Naturschutzverbänden im Gespräch. Es muss allen klar sein, dass wir Lebensräume verlieren, wenn die Teichwirte ihre Teiche nicht weiter bewirtschaften. Unsere bayerischen Teichlandschaften sind nicht nur schön anzuschauen. Auch die Naturschutzverbände bezeichnen die Teichwirtschaften als „hotspots“ der Biodiversität in der Kulturlandschaft. Außerdem beeinträchtigt der Fischotter auch andere bedrohte Tierarten, wie Muscheln, Krebse, Amphibien oder Wasservögel. Dieser Artenschutzkonflikt muss allen bewusst werden. Es darf nicht sein, dass eine Tierart, die sich durch strengsten europäischen Schutz und ohne natürliche Feinde gut erholt hat, nun andere Tierarten in Gefahr bringt. Verschwinden die Teiche, verschwinden auch viele Tiere, die dort ihren Lebensraum haben. Alle Teichlandschaften mit massiven Zäunen zuzubauen, ist nicht nur teuer und beeinträchtigt das Landschaftsbild, das durchschneidet auch Biotopverbünde.

Trotz elektrischer Zäune findet der Fischotter immer wieder Zugang in die Außenbecken. Mehrere davon sind gesperrt, eine Fischzucht daher nicht möglich. Foto: Kilian Pfeiffer

Bild: Kilian Pfeiffer

Trotz elektrischer Zäune findet der Fischotter immer wieder Zugang in die Außenbecken. Mehrere davon sind gesperrt, eine Fischzucht daher nicht möglich.

Die Teichwirte warten seit langem auf wirksame Lösungen, abseits von Einzäunungs- und Entschädigungsregeln. Verpennt die Politik gerade wertvolle Zeit?

Kaniber: Wer ist „die Politik“? Die Bundesregierung? Dann würde ich „Ja“ sagen, weil aus dem Bundesumweltministerium und dem Bundeslandwirtschaftsministerium – wie auch beim Wolf – in Sachen Fischotter keine Unterstützung kommt. Aber für die Bayerische Staatsregierung kann ich Ihnen versichern: Wir arbeiten so schnell wie nur irgend möglich. Wir sind uns mit Wissenschaft und Verwaltung einig, dass es eine gezielte Fischotterentnahme geben muss. Aber wir leben in einem Rechtsstaat, in dem es möglich ist, gegen Entscheidungen zu klagen. Das ist auch grundsätzlich gut so. Aber dieser Prozess raubt uns gerade wertvolle Zeit.

Ein rund 100 Jahre altes Bild mit Berchtesgadener Ursprung: ein Fischotter als Jagdtrophäe. Foto: Kilian Pfeiffer

Bild: Kilian Pfeiffer

Ein rund 100 Jahre altes Bild mit Berchtesgadener Ursprung: ein Fischotter als Jagdtrophäe.

Fischotter im Wasser wie der Wolf an Land?

Während die Landwirte um Weidetiere bangen, mühen sich die Teichwirte am Otter ab. Wird der Otter im Gewässer, was der Wolf an Land ist? Fühlen Sie sich da manchmal hilflos in Ihrer Rolle?

Kaniber: Natürlich kosten diese Prozesse viel Kraft, Nerven und Zeit. Aber ich fühle mich nicht hilflos, ganz im Gegenteil. Ich kämpfe als Fischereiministerin für unsere Teichwirte und Fischer und gemeinsam mit ihnen. Ich weiß,„welch“ wertvolle Arbeit sie jeden Tag für unsere Gesellschaft erbringen.

Was sind die nächsten gangbaren Schritte im Fischottermanagement?

Kaniber: Ein hoffentlich erfolgreiches Berufungsverfahren mit weiteren begleitenden Untersuchungen und zusätzlichen Haushaltsmitteln in Höhe von 980.000 Euro. Mit dem Geld werden parallel zu den laufenden Maßnahmen weitere Erkenntnisse gesammelt, um ganz gezielt und mit den richtigen Mitteln gegen zu hohe Fischotterbestände vorgehen zu können. Damit Fische und andere Lebewesen in und am Wasser, aber auch unsere Fischer und Teichwirte nicht auf der Strecke bleiben. Dazu ein stetiger Ausbau der ersten drei Säulen Fischottermanagementplans und Vorbereitung einer gezielten Fischotterentnahme. Mein Ziel bleibt, dass wir auch künftig guten Fisch aus heimischer Produktion essen können.


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