Blei gehört seit Jahrzehnten zur Angelausrüstung, doch in der Europäischen Union soll der Einsatz des Metalls beim Angeln künftig eingeschränkt werden.
Die Europäische Chemikalienagentur ECHA hat im Rahmen der europäischen Chemikalienverordnung REACH vorgeschlagen, Blei in Angelgewichten und Ködern deutlich einzuschränken. Betroffen wären sowohl der Verkauf als auch die Verwendung. Hintergrund sind die schädlichen Auswirkungen von Blei auf Umwelt und Tiere.
Drei und fünf Jahre Übergangsfrist
Für Angler wichtig sind die vorgesehenen Übergangsfristen. Für bleihaltige Angelgewichte und Köder mit einem Gewicht von bis zu 50 Gramm sieht der Vorschlag eine Frist von drei Jahren vor. Bei Gewichten und Ködern von mehr als 50 Gramm sind es fünf Jahre. Strengere Vorgaben sind für Bleidraht und sogenannte Drop-off-Techniken vorgesehen.
EU-Parlament stoppt die Pläne nicht
Im Sommer 2026 hat das Verfahren eine weitere Hürde genommen. Am 8. Juli 2026 stimmte das Europäische Parlament über einen Antrag ab, die geplanten Regeln zu stoppen. Dieser Antrag fand keine Mehrheit. Die Pläne für die Beschränkung von Blei beim Angeln können damit weiterverfolgt werden.
Für Angler gut zu wissen: Von heute auf morgen ändert sich dadurch nichts. Bleigewichte und bleihaltige Köder sind nicht plötzlich verboten. Erst wenn die endgültige EU-Regelung in Kraft tritt, beginnen die vorgesehenen Übergangsfristen.
Welche Alternativen gibt es zu Blei?
Mit den geplanten Beschränkungen dürften bleifreie Alternativen weiter an Bedeutung gewinnen. Die ECHA nennt unter anderem Zinn, Tungsten beziehungsweise Wolfram, Glas und verschiedene Legierungen als mögliche Materialien.
Ist Tungsten das bessere Blei?
Tungsten, auch Wolfram genannt, hat sich als Bleiersatz längst etabliert. Seine höhere Dichte ermöglicht bei gleichem Gewicht kompaktere Gewichte und Köder. Gleichzeitig ist das Material härter als Blei und ermöglicht dadurch eine direktere Rückmeldung bei der Führung.
Auch beim Fliegenfischen kommt Tungsten häufig zum Einsatz, etwa in Form von Tungsten-Beads, mit denen sich schnell sinkende Nymphen binden lassen. Zudem gilt Wolfram im Vergleich zu Blei als weniger problematisch für die Umwelt.
Gefragter Rohstoff
Tungsten hat allerdings seinen Preis. Wolfram ist ein knapper und stark gefragter Rohstoff, der auch in der Elektroindustrie, im Maschinenbau sowie in der Luft- und Raumfahrt benötigt wird. Die hohe Nachfrage und Handelskonflikte zwischen China und dem Westen haben die Preise stark steigen lassen.
Stahl, Zinn und andere Alternativen
Auch Stahl, Zinn, Bismut und Messing kommen als Bleiersatz infrage. Sie sind jedoch weniger dicht als Blei oder Tungsten und fallen deshalb bei gleichem Gewicht größer aus. Das kann sich auf Wurfweite und Präsentation auswirken. Tungsten bleibt dank seiner hohen Dichte und Härte besonders attraktiv, ist aber teurer. Gerade bei schweren Ködern kann das zum Problem werden.
Warum soll Blei eingeschränkt werden?
Blei ist giftig für Menschen und Tiere. Nach Angaben der ECHA gelangen durch Sportschießen, Jagd und Fischerei jährlich schätzungsweise rund 44.000 Tonnen Blei in die Umwelt der EU. Etwa elf Prozent davon entfallen auf die Fischerei.
Für Angler zeichnet sich damit ein Wandel ab: Bleifreie Gewichte und Köder dürften in den kommenden Jahren erheblich an Bedeutung gewinnen. Ein allgemeines Bleiverbot beim Angeln gilt aufgrund der geplanten EU-Regelung derzeit jedoch noch nicht.
Quellen: Europäische Chemikalienagentur ECHA, Europäisches Parlament, Petri Heil.
EU-Kommissionsentwurf zur Blei-Beschränkung im Angelgerät
Informationen der ECHA zu Blei in Angelgerät
Verfahren im Europäischen Parlament
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