2. Welstour im September 2003

Nachdem ich völlig begeistert von meiner ersten Angeltour nach Hause kam, erzählte ich natürlich sofort meiner Frau Angela von den vielen tollen Drills, der beeindruckend vielfältigen Landschaft und…

…vor allem dem super-warmen Wetter dort. Ihre Reaktion überraschte mich: „Und wir fahren zu meinem Geburtstag bei Wind und Regen nach Bayern! Das ist gemein, ich wäre auch gern dort gewesen!“ Es stand Angelas Geburtstag vor der Tür und der Spruch war natürlich ein astreiner „Elfmeter“, den ich nur noch versenken musste… Ich rief Jürgen an und fragte, ob wir nicht sofort noch einmal kommen könnten. Er sagte: „Klar, kein Problem – für Dich finden wir noch ein Plätzchen!“ Spontan buchte ich nochmals 2 Flüge, die allerdings wegen der kurzfristigen Buchung teurer ausfielen. In nullkommanix waren wir wieder in Spanien. Angela war happy: „So stelle ich mir Angeln vor! Sonne, Wärme, Swimming-Pool und schöne dicke Fische!“ Leider war die gewittrige Zeit vorüber und die Wasserstände hatten sich wieder normalisiert. Das Angeln entwickelte sich ungleich schwieriger, da auch das Wasser deutlich klarer geworden war. Trotzdem fingen wir etliche Waller. Mit Peter Öhlschläger wollten wir auch einmal in das Top-Revier am oberen Stausee fahren: In der Dunkelheit morgens brachen wir auf an den Einlauf und das Wehr in Eskatron (Schreibweise unbekannt – erbitte Nachsicht!) hinter Caspe. Ca. 1 Stunde Autofahrt + 1 Stunde „full speed“ mit Motorboot düsten wir endlose Kilometer den See hinauf. Er wurde schmaler und schmaler und die Vegetation nahm immer mehr Urwaldcharakter bzw. Wildnischarakter an. Erstes Licht kroch langsam über den Horizont. Überall pitschte und platschte es. „Sagenhaft!“ Hier „roch“ es nach Fisch und auch Peter, der das ganze Revier bestens kennt, war eine gewisse positive Anspannung anzumerken. „Hier kommen die wenigsten hin!“ Zwar gibt´s hier wenig riesige Waller, dafür aber ausgesprochen viele! Kurz vor dem Ziel wurde nervös: „Der Wasserstand ist sehr niedrig – hoffentlich kommen wir durch das Flachwasser!“ An einer extrem flachen, extrem stark strömenden Stelle setzte der Motor dauernd auf. Es klopfte und krachte, weil Peter trotz Flachwasser ordentlich Gas geben musste, um durch diese Strömung hindurch zu kommen. „Unsere einzige Chance – sonst war der ganze Weg umsonst!“ „Abenteuer pur!“ dachte ich nur – auch Angela war total begeistert von der Natur, dem wunderschönen Morgengrauen und dem Erlebnis, obwohl wir noch gar nicht geangelt hatten… Endlich angekommen, bot sich uns ein sagenhaftes Schauspiel: Über hunderte von Metern müssen Waller an Waller liegen, denn überall war Bewegung und Jagen zu sehen. „Pssst“ – sagte Peter, die sind hier extrem schreckhaft. Wir schlichen uns wie die Indianer an. Ein abrutschender Stein ließ das Wasser explodieren! Unzählige Waller schossen erschrocken aus dem Flachwasser in die Strömung und waren nicht mehr fangbar… „Sch….!“ „Das Revier hier ist groß! Es gibt noch mehr solche Stellen!“ beruhigte Peter uns wegen der vergebenen Chance. Der Fluß war hier sehr zergliedert in viele kleine Bäche, Rauschen, Rinnen und Kolke. Ein wahres Paradies für Vögel, Fische und uns! Hinter einer Rausche machte Peter wieder eine Ansammlung von Wallern aus. In 30-50 cm tiefem Wasser hatten sich unzählige „halbstarke“ Waller versammelt. Da Angela bisher noch keinen Waller gefangen hatte und es ja „Ihre Geburtstagstour“ war, ließen wir Ihr den Vortritt. „Was soll ich machen?“ fragte sie verunsichert bei dem Anblick der vielen Waller. „Einfach mit dem Gummifisch reinwerfen und ordentlich anhauen, wenn´s knallt!“ meinte Peter. Gesagt getan: Der Gummifisch flog ins Wasser und das explodierte. Peter und ich freuten uns – zu früh, denn die Waller hatten sich lediglich erschrocken und waren geflüchtet – Angelas Rute blieb gerade… 2. Chance vertan! Es wurde mit zunehmendem Sonnenschein deutlich ruhiger im Wasser. Trotz endlos vieler Waller, die zweifelsohne da waren, fingen wir lediglich 2 Fische, wobei ich einen ca. 25 kg-Fisch aus einem stillen Seitenarm mit 40 cm tiefem Wasser herausbeförderte. Unglaublich, dass so große Fische ungesehen in so flachem Wasser stehen können! Hier mussten wir trotz des miesen Fangergebnisses noch einmal hoch. Leider hatten die BGS-Guides in den nächsten Tagen alle extrem viel zu tun und fanden keine Zeit für uns. Zufällig kam Martin Nanko (ein Bekannter aus Recklinghausen) auch nach Spanien. Mit ihm fuhr ich noch einmal in das Einlaufgebiet des oberen Sees und siehe da, dieses mal klappte es! Wir überlisteten 15 teilweise sehr schöne Waller und kamen begeistert zurück. Es war wie verhext – Angela fing keinen Waller. Wir gingen auf „Wildwassertour“ mit Jürgen. Inzwischen war auch wieder etwas Regen aufgezogen und das Beißverhalten besserte sich merklich. Auf einer Tour erwischte ich gleich zwei 40 kg+-Fische, was für mich schon ein besonders Erlebnis mit der Spinnrute war! Angela stand auf der Bank und angelte unkonzentriert, als sie plötzlich durch das Boot flog und im Bug landete. „Was war das???“ Verdattert zog sie den Gummifisch aus dem Wasser, der mit einem riesigen Schwall von der Oberfläche gerissen wurde: „Haken gerade!“ Sie fing an zu schimpfen und bekam feuchte Augen: „Du hast mir gesagt, ich solle die Bremse fest machen! Das war mein Geburtstagswaller!“ Ich hatte den Fisch gesehen und war relativ sicher, dass es ein 2m+-Fisch gewesen war. Leider habe ich es ihr auch gesagt… Ein Fehler! Ohne Worte…

24.9.03:

Am vorletzten Tag entspannte ich die Situation merklich: In einem Stillwasserbereich bekam Angela auf Spinner einen ordentlichen Schlag in die Rute und konnte nach ordentlichem Drill endlich den ersten Spanien-Waller besiegen… Ich habe ihn auf ca. 30-33 Kilo geschätzt.

25.9.03:

Unser Abreisetag und Angelas Geburtstag war gekommen. Mittags mussten wir los und überlegten, ob wir morgens noch eine „kurze Tour“ machten. Gedacht – getan! Einige Kilometer driften waren angesagt. Es war gar nicht so einfach, eine ordentliche Stelle zu finden, wo man das Boot wässern konnte. Wegen der Kürze der Zeit und der improvisierten Stelle war Angela alles andere als in „Feierstimmung“: Dornen, Insekten und Juckpflanzen ließen sie nur sehr zögerlich zum Ufer schreiten… Ich hatte hinter einem dicken Stein 2 Waller ausgemacht! Einer war geschätzt 1,80, der andere ca. 1 Meter. Angela sollte sich dort „Ihren“ Geburtstagswaller fangen. „Nee, das ist mir zu kompliziert – mach Du das, sonst sind sie weg…!“ Wie es der Teufel will, war der Kleine schneller – und der Große weg… Angela war an diesem Morgen wirklich nicht gut drauf und warf ans Ufer, in die Büsche und ins Treibholz. Hänger, Abrisse und keine Bisse waren die Folge. „Das ist aber kein schöner Geburtstag!“ schimpfte sie halb lachend und halb ernst. Als wir in ruhigeres Wasser trieben, schrie sie auf: „Jetzt hänge ich schon wieder fest! Dafür kann ich aber wirklich nichts!“ (ich hatte mir erlaubt, auf unsere stark geschrumpften Köderbestände hinzuweisen…). Als ich bei der Problemlösung behilflich sein wollte, sah ich die Schnur langsam seitlich abziehen: „Halt Dich fest und stell´die Bremse vernünftig ein!“ Sie schraubte noch stöhnend daran herum, als diese auch schon aufheulte… „DEN KAMPFGURT!“ – „WENN DER ABGEHT!!!“ – „HILFMIR!!!“ „WAS SOLL ICH MACHEN???“ waren Bruchstücke der Kommunikation, an die ich mich noch wie vorhin erinnere… Der Drill verlief unspektaklulär, der Fisch war es aber: Nach ca 15 – 20 Minuten tauchte ein echtes Monster an der Oberfläche auf, das (zum Glück) nicht so wild und stark kämpfte, wie vorhergegangene Fische. Als ich dem ins Maul Griff, dachte ich noch: „der hat aber eine ordentliche Maulkante – da kann man ordentlich anfassen!“ Im Boot lag plötzlich ein Urvieh: „Der hat wohl auch über 2 Meter!“ Leider hatten wir kein Maßband dabei und mussten mit einem unserer Ruder Maß nehmen und markieren. Beim Nachmessen im Camp erschraken selbst die Guides: 2,28 Meter! „Das ist der größte hier gefangene Spinnrutenwels!!!“ Alle gratulierten zum Geburtstag und zum Monsterwels! Seitdem darf ich mir von meiner Frau anhören: „Hast Du schon 2,28 Meter mit der Spinnrute gefangen???“ Wir bieten Wallerreisen zu Jürgen und seinem tollen Guiding-Team an! Ein äußerst komfortables Appartment für 2 Personen mit 5 Tagen Guiding, was wir dringend empfehlen, kostet pro Person 695,- Euro. Voraussichtlich werden wir im kommenden Jahr auch wieder eine Gruppenreise durchführen, die noch etwas günstiger sein wird, allerdings absehbar auch schnellstens ausgebucht sein wird. Bei Interesse meldet Euch bitte bei Angel-Ussat (Tel: 0231 445647 oder per Mail [email protected]) Bericht von Uli Beyer

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