Wenn wir an kampfstarke Fische und harte Drills denken, haben viele sicherlich den Wels im Kopf, vielleicht auch Hochseefische wie den Blauflossen-Thunfisch oder den Blauen Marlin. Doch es gibt eine Fischart, die sie in Sachen Drill alle in den Schatten stellt: der Goliath Grouper. Wie der Name“Goliath“ schon vermuten lässt, handelt es sich bei diesem Fisch um ein wahres Monster.
Der Goliath Grouper (Ephinephelus itajara), der in den tropischen Gewässern des Atlantiks beheimatet ist, erreicht wahrlich kolossale Ausmaße. Er erreicht eine Länge von bis zu 2,50 m und ein Gewicht bis 450 kg! Der riesige Zackenbarsch ist meist in flacheren Zonen bis 45 m Tiefe und vor allem in Strukturen wie Felsen, unter Piers und Brücken oder in Wracks zu finden.

Bild: AdobeStock / Ricardo Dias
Tauchern und Schwimmern werden Goliath Grouper nicht gefährlich, Menschen gegenüber sind sie eher friedliche Riesen.
Mit seinem riesigen Maul erzeugt der wuchtige Fisch einen enormen Unterdruck und kann Beutetiere bis über 1m Länge verschlingen. Dabei ist der Goliath Grouper alles andere als wählerisch. Langusten, Tintenfische, und Fische – ja, sogar Haie, Rochen und sogar Schildkröten – sind nicht vor ihm sicher. Was in das Scheunentormaul passt, wird gefressen! Große Zähne hat der Goliath Grouper jedoch nicht, es sind eher Zahnkissen, wie man sie auch von unserem Wels kennt. Für Menschen sind die riesigen Zackenbarsche übrigens ungefährlich. Sind die Fische an Menschen gewöhnt, können sie sogar regelrecht freundlich und neugierig sein. Einen Goliath Grouper unter Wasser zu sehen, ist ein echtes Erlebnis!
Goliath Grouper: Brachialer geht es nicht!
Das Angeln auf den Goliath Grouper ist nichts für schwache Gemüter – oder Körper. Denn hier geht es richtig brutal zur Sache. Besonders in Florida, USA, wo die Fische heute wieder häufig sind, ist es ein Trend der letzten Jahre, sich mit Rute und Rolle mit den Boliden zu messen. Goliath Grouper werden direkt an den Strukturen, wo sie sich bevorzugt aufhalten, beangelt.

Bild: J. Lindberg
Hier wird die Größe des Goliath Groupers deutlich. Die Fische werden nach dem Drill nicht aus dem Wasser gehoben und strikt released.
An Gerät kommt dabei das robusteste zum Einsatz, was der Markt hergibt. Kurze Big Game Ruten der 80–130 Pfund Klasse (Spezialruten für Goliath Grouper sind mit Kunststoff ummantelt, damit die Rute nicht bricht, wenn sie unter der großen Belastung im Drill auf der Boots Reling aufgelegt wird). Dazu passen massive Multirollen mit enormer Bremskraft. Auf der Rolle befindet sich oft Schnur mit 100-250kg Tragkraft, bei den Haken kommen riesige 20/0 Circle Hooks zum Einsatz. Goliath Grouper Angeln ist wahrlich kein Plötzenfischen!

Bild: G. Bradler
Typisches Grouper-Tackle: 2mm dicke (!) monofile Hauptschnur und ein riesiger Circle Hook.
Der Grund, warum das Gerät derart stark ausgelegt werden muss, ist, dass die Goliath Grouper nach dem Biss sofort versuchen, mit brutaler Gewalt in die Strukturen zu flüchten. Es geht hier also nicht nur um einen Fisch mit teils mehreren hundert Kilo Gewicht – man muss diesen Fisch auch noch innerhalb kürzester Zeit stoppen, damit er nicht die Schnur in der Struktur abreißen kann. Es ist also ein Tauziehen mit einem Fisch, der das Gewicht des Anglers um ein Vielfaches übersteigen kann!
In diesem Video sieht man, wie stark Goliath Grouper sind: Sogar Bodybuilder haben im Drill ordentlich zu tun!
Schutzbemühungen zeigen Erfolg: Einst war der Goliath Grouper fast ausgerottet!
Da der Goliath Grouper sich – wie viele Zackenbarsche – im recht flachen Wasser aufhält und meist in Strukturen versteckt, ist dieser große Fisch eine leichte Beute für Harpunentaucher. Überfischung brachte die Bestände dieses beeindruckenden Fisches an die Grenze zur Ausrottung. 1990 wurde der Goliath Grouper von den USA unter Schutz gestellt und es galt ein Entnahmeverbot.
Diese Entscheidung führte zu einer Erholung der Bestände, sodass die beeindruckenden Riesen heute in den USA und der Karibik wieder häufig anzutreffen sind. Besonders Florida gilt als Hotspot. Bis auf eine streng limitierte Entnahme von lediglich 200 Fischen pro Jahr, ist die Entnahme von Goliath Groupern auch heute in Florida noch verboten. Das Angeln auf die Fische ist erlaubt, jedoch nur im Catch and Release.

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Heute sind Goliath Grouper, dank strenger Schutzbestimmungen in den USA, wieder häufig zu finden.
Das Karma schlägt zu! Harpunentaucher gewinnt den Darwin Award 2006
2006 kam es in den Florida Keys zu einer selbstverschuldeten Tragödie. Ein Harpunentaucher machte verbotenerweise Jagd auf die bereits seit 1990 streng geschützten Goliath Grouper. Als er einen der Boliden mit der Harpune schoss, macht der Fisch was ein Goliath Grouper eben so macht, und schwamm mit brachialer Kraft in das naheliegende Riff. Dabei wickelte sich die Leine um das Handgelenk des Tauchers und so wurde er mitgerissen und gegen die Korallen gedrückt. Mit einem derart kräftigen Fisch am anderen Ende der Leine, war der Taucher nun ebenfalls „gefangen“.
Beim Harpunenfischen wird im Regelfall kein Sauerstofftank mitgeführt, das heißt, selbst als erfahrener Freediver bleiben höchstens wenige Minuten, bevor die Luft ausgeht. Da der Taucher außerdem kein Messer zum Durchtrennen der Leine im Notfall mit sich führte, gab es hier schlichtweg kein Entkommen. Die Leiche des Harpunentauchers wurde später gefunden – 3 Wicklungen der Leine um das Handgelenk gewickelt, gegen die Korallen gepinnt, und immer noch verbunden mit dem inzwischen ebenfalls toten Grouper. Für diese Aktion gab es 2006 sogar den Darwin Award. Der Darwin Award ist eine sarkastische Auszeichnung, er wird an Menschen verliehen, die aufgrund von unüberlegtem oder selbstüberschätzendem Verhalten getötet oder schwer verletzt werden.
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