Norwegen: Fischfarmen belasten Fjorde
Aquakulturen in Norwegen leiten jedes Jahr enorme Mengen an Nährstoffen in die Fjorde und Küstengewässer. Wie der SPIEGEL berichtet, sind diese Mengen vergleichbar mit denen, die im unbehandelten Abwasser von Millionen Menschen enthalten wären…
Für die empfindlichen Ökosysteme hat das erhebliche Folgen: Zu viele Nährstoffe im Wasser fördern unter anderem das Wachstum von Phytoplankton und begünstigen Algenblüten. Beim Abbau großer Mengen organischen Materials kann zudem dem Wasser Sauerstoff entzogen werden.
Im Zentrum der Problematik steht vor allem die intensive Lachs- und Regenbogenforellenzucht. Die Fische werden in offenen Netzkäfigen entlang der Fjorde und der norwegischen Küste gehalten. Futterreste und Ausscheidungen gelangen dabei ins Wasser.
Hunderte Fischfarmen entlang der Küste
Was lange als norwegisches Erfolgsmodell galt, steht zunehmend in der Kritik. Seit Jahren wird vor den Auswirkungen der intensiven Lachszucht auf die Umwelt und die Wildfischbestände gewarnt.
Welche Dimension die Branche inzwischen erreicht, zeigen die Zahlen: Im Jahr 2024 waren in Norwegen 827 Meeresstandorte für die Aufzucht von Lachsen im Jahresverlauf aktiv. Hinzu kamen 81 entsprechende Standorte für Regenbogenforellen.
Auch die Zahl der eingesetzten Fische ist gewaltig: 2024 wurden rund 387 Millionen Lachse zur weiteren Aufzucht ins Meer gesetzt. Ein Jahr zuvor waren es sogar knapp 411 Millionen.
Mehr als 1,7 Millionen Tonnen Zuchtlachs
Norwegen ist der weltweit bedeutendste Produzent von Atlantischem Zuchtlachs. 2025 legte die Produktion noch einmal deutlich zu: Nach den neuesten Zahlen des norwegischen Fischereidirektorats wurden rund 1,75 Millionen Tonnen Lachs verkauft. Das waren 13 Prozent mehr als 2024. Lachs machte damit 93 Prozent der gesamten verkauften norwegischen Zuchtfischmenge aus. Hinzu kamen rund 104.000 Tonnen Regenbogenforelle.
Zum Vergleich: 2024 waren es rund 1,55 Millionen Tonnen Lachs.
Welche Folgen hat die Lachszucht in Norwegen?
Die enorme Produktionsmenge zeigt, welche Dimension die norwegische Fischzucht inzwischen erreicht hat. Gleichzeitig wächst damit die Bedeutung der Frage, welche Auswirkungen die Haltung von Millionen Fischen auf die Küstengewässer und ihre Wildfischbestände hat.
Gerade für Norwegen ist das ein sensibles Thema. Die Fjorde sind nicht nur Produktionsstandorte der Aquakultur, sondern zugleich Lebensraum zahlreicher Meeresfische und wichtige Wanderwege für den Atlantischen Lachs. Wie sich Zuchtlachs, Parasiten, Krankheiten und entkommene Fische auf die Wildbestände auswirken, beschäftigt Wissenschaft, Behörden und Angler deshalb seit Jahren.
Weitere Informationen: Aquakulturstatistik des norwegischen Fiskeridirektoratet
Auch interessant
- Angeln allgemeinIsland: Genehmigungsdruck für Lachsfarmen in Fjorden
- FliegenfischenNeuer Film zeigt Umweltschäden durch Lachszucht
- FliegenfischenWildlachs in Not – Norwegens Lachszucht außer Kontrolle
- Angeln allgemein„Storbatsegget“: Neuer Lachstank – Fortschritt oder Risiko?











