Oktopus-Boom vor Großbritannien

Was zunächst an der Südwestküste Englands begann, entwickelt sich zu einem der bemerkenswertesten Meeresphänomene der vergangenen Jahre. Rekordzahlen des Gemeinen Oktopusses breiten sich entlang der britischen Küsten aus und verändern nicht nur die Fischerei, sondern auch das gesamte marine Ökosystem. Wissenschaftler sehen darin einen möglichen Hinweis auf die Folgen wärmer werdender Meere.

Octopus vulgaris

Bild: Adobe Stock / Costy

Oktopusse breiten sich vor der Küste Englands in einem hohen Tempo aus – der Klimwawandel trägt dazu wahrscheinlich einen großen Teil bei.

Der Oktopus ist in England extrem auf dem Vormarsch: Vor der Südwestküste Englands wurden im vergangenen Jahr so viele Oktopusse registriert wie nie zuvor. Nach Angaben einer aktuellen Studie hat sich die Population inzwischen weit über die ursprünglichen Fundgebiete hinaus ausgedehnt. Sichtungen reichen mittlerweile von den Nordküsten Devons und Cornwalls bis nach Wales, Dorset, East Sussex und sogar nach Schottland. Die Untersuchung basiert auf wissenschaftlichen Erhebungen, Unterwasserbeobachtungen sowie Meldungen von Sporttauchern und Schnorchlern. Für die Forschenden handelt es sich um die bislang größte dokumentierte Massenvermehrung dieser Art in britischen Gewässern.

Wärmere Meere begünstigen die Vermehrung

Beim Gemeinen Oktopus (Octopus vulgaris) handelt es sich um eine Art, die grundsätzlich in britischen Gewässern heimisch ist, dort jedoch normalerweise nur in sehr geringer Zahl vorkommt. Nach Einschätzung der Wissenschaftler wurde die aktuelle Populationsexplosion durch einen milden Winter und eine warme Fortpflanzungsperiode im Frühjahr begünstigt. Zugleich sehen die Forscher einen Zusammenhang mit steigenden Wassertemperaturen und allgemeinen Veränderungen im marinen Lebensraum. Die heute deutlich wärmeren Küstengewässer bieten den Tieren offenbar bessere Lebensbedingungen als noch vor wenigen Jahrzehnten.

Gewinner und Verlierer in der Fischerei

Für die Fischerei hat die Entwicklung sehr unterschiedliche Folgen. Besonders Betriebe, die auf Krabben und Hummer spezialisiert sind, geraten unter Druck. Oktopusse sind ausgesprochen intelligent, gelten als äußerst effiziente Jäger und machen gezielt Jagd auf Schalentiere – häufig direkt in den Fangkörben der Fischer. Gleichzeitig profitieren andere Fischereibetriebe von der Entwicklung. Die Anlandungen von Oktopussen stiegen 2025 um beeindruckende 7.700 Prozent! Auf dem Fischmarkt von Brixham in Devon wurden zuletzt sogar 100 Tonnen Oktopus an einem einzigen Tag verkauft – ein neuer Rekord.

Oktopus Fischmarkt

Bild: Adobe Stock / hectorchristiaen

Die Krabben und Hummerfischer leiden unter den erhöhten Oktopus-Beständen, doch die Kopffüßer selbst landen nun ebenfalls vermehrt auf den Fischmärkten.

Der Oktopus und seine Auswirkungen auf das Ökosystem

Die Folgen reichen jedoch weit über die Fischerei hinaus. Oktopusse beeinflussen zunehmend die Nahrungsnetze der Küstengewässer. Während sie selbst Krustentiere und Fische erbeuten, dienen sie zugleich als Nahrung für Robben, Meeraale und die seltenen Rundkopfdelfine. Die Wissenschaftler sprechen daher von einer grundlegenden Umgestaltung des Ökosystems. Die außergewöhnliche Ausbreitung der Oktopusse zeigt, wie schnell sich marine Lebensgemeinschaften unter veränderten Umweltbedingungen im Auge des Klimawandels verändern können.

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Quelle: The Guardian


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